Der kleine Bär und die Sterne

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Der kleine Bär und die Sterne
Der kleine Bär und die Sterne
Es war einmal ein kleiner Bär. Abends, wenn er nicht schlafen konnte, krabbelte er aus der Höhle heraus,
in der er sonst mit seinen Eltern und Geschwistern schlief, und wanderte zu seinem Lieblingsbaum, der
unweit der Höhle stand. Außer unserem kleinen Bären wusste niemand von diesem geheimnisvollen
Baum. Der kleine Bär kletterte geschickt den Stamm hinauf bis zu dem breiten starken Ast, auf dem er
sich bequem ausstrecken konnte.
So lag er dort auf dem Rücken, faltete die Hände unter seinen Kopf und blickte zum Himmel hinauf. Von
dieser Stelle aus konnte er direkt zu den Sternen hinaufsehen. Wie ein großes dunkelblaues Zelt spannte
sich der Himmel über die Erde, und an dem nachtblauen Samt funkelten die Sterne. Der kleine Bär liebte
es, dort hinaufzugucken und zu warten, bis eine Sternschnuppe vorbeiflog, oder einfach nur den
funkelnden Sternen zuzusehen.
Der Mond leuchtete über der Erde, und überall war es still. Eines Abends nun, als der kleine Bär so dalag
und vor sich hinträumte, schien es ihm, als ob die Sterne immer näher rückten und als ob er sie wispern
hörte. Und wenn er sich ein wenig anstrengte, konnte er sogar hören, was sie sagten. „ Sie nur, da unten
liegt ein kleiner Bär!“ sagte der eine Stern direkt über ihm. „Oh ja, tatsächlich“, erwiderte der andere, „…
ob der wohl nicht schlafen kann?“ „ Dabei habe ich mich heute so schön geputzt“, sagte wieder der Erste.
Hallo, Bärchen, du da unten auf dem Baum, kannst du nicht schlafen? Der kleine Bär war ganz aufgeregt.
Meinten sie etwa mich? Er guckte sich noch einmal um, ob sich seine Geschwister vielleicht einen Scherz
mit ihm erlaubten, aber es war niemand zu sehen.
Außerdem kannte ja auch niemand seinen Sternenbaum. Es gab keinen Zweifel, es mussten die Sterne
über ihm Sein. Das Bärchen legte sich wieder hin, als ob der Stern ihm zuwinken würde. Da winkte der
kleine Bär hinauf, und rief leise:“ Hallo, ihr Sterne, ich bin es der kleine Bär, und ich kann nicht schlafen!“
„Was machen wir denn da?“ überlegte der eine Stern. „Bärenkinder müssen schlafen in der Nacht,
während die Sterne wach sind. Und tagsüber, wenn die Sterne schlafen, müssen Bärenkinder wach und
ausgeruht sein.“ „Erzählen wir ihm doch einfach eine Geschichte!“ schlug der andere Stern vor.
“Einverstanden, kleiner Bär?“ „Ui, ja“, sagte der kleine Bär, „bitte eine Geschichte“. „Na gut“, sagten die
Sterne, „wir erzählen dir eine Geschichte, damit du schön schlafen kannst“.
Der kleine Bär schloss die Augen, und die Sterne begannen zu erzählen:“ Wir erzählen dir die Geschichte,
wie die Sterne entstanden sind:
Es war einmal vor langer, langer Zeit, da gab es nur die Sonne am Himmel, die tagsüber schien. Wenn
die Sonne untergegangen war, blieb der Himmel dunkel - bis auf den Mond, der jede Nacht seine Bahn
zog. Tagsüber, wenn die Sonne schien, gab es auf der Erde viele Steine, die glitzerten und funkelten,
wenn das Sonnenlicht auf sie fiel, aber wenn die Sonne untergegangen war, erlosch ihr Licht, und sie
konnten nicht mehr leuchten und strahlen.
Das machte die Steine traurig. So riefen sie eines Tages den lieben Gott an und fragten, ob er ihnen denn
nicht helfen könne. ‚Wir möchten so gerne immer funkeln und strahlen’, sagte sie, ‚kannst du denn da
nichts machen?’ Der liebe Gott überlegte, ob er die Sonne wohl immer scheinen lassen sollte? Aber dann
könnten die Menschen sicher nicht mehr schlafen, und außerdem brauchten die Menschen auf der
anderen Seite der Erde ja auch die Sonne. Hm, das ging als nicht. Dann hatte er eine andere Idee. ’Wisst
ihr, wenn ihr in den Himmel fliegen könntet, dann könnte euch die Sonne auch nachts zum Leuchten
bringen wie den Mond. Dann könntet ihr nachts genauso funkeln’. ‚Und tagsüber?’ fragten die Steine ‚…
werden uns die Menschen denn dann tagsüber auch noch glitzern sehen?’.
‚Das geht leider nicht’, sagte der liebe Gott, ‚denn die Sonne ist so hell, sie überstrahlt alles. So können
euch die Menschen am Tag nicht funkeln sehen’. So entschieden sich einige Steine dafür, die weite Reise
in den Himmel anzutreten. Dort stehen sie seitdem das Nachts am blauen Himmelszelt und strahlen,
glitzern und funkeln. Die anderen Steine aber, die auf der Erde geblieben sind, glitzern immer dort.
Ab und zu, wenn du einmal genau auf die Steine am Wegrand guckst, wirst du einen Stein finden, der in
der Sonne funkelt und leuchtet. Das ist ein Stern, der auf der Erde geblieben ist und der in der Sonne
genauso glitzert und strahlt wie wir, wenn du nachts am Himmel stehen siehst.“
„Ah, das ist aber eine schöne Geschichte“, sagte das Bärchen. „Gleich morgen werde ich losgehen und
mir einen Glitzerstein suchen, dann hab ich für tagsüber einen Stern und nachts habe ich ja euch.
Dankeschön und gute Nacht!“ „Schlaf schön und gute Nacht!“, wisperten die Sterne, und schon war das
Bärchen eingeschlafen.