Erasmus Erfahrungsbericht Queen`s University Belfast

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Erasmus Erfahrungsbericht Queen`s University Belfast
Erasmus Erfahrungsbericht Queen's University Belfast
Jacqueline Späth
Studium.
Das Englischstudium in Queen's ist auf den ersten Blick nicht sehr zeitintensiv mit nur drei Kursen
pro Semester. Die stellen sich aber schnell als sehr anspruchsvoll heraus, da in den meisten Kursen
ein ganzes Buch plus Onlinetexte jede Woche vorbereitet werden müssen und dann sowohl in den
Vorlesungen als auch in den begleitenden Tutorien besprochen werden. Macht also nicht den Fehler
noch extra Kurse dazu zu wählen, weil ihr denkt, dass ihr im Vergleich zu Heidelberg zu wenig zu
tun habt. Dafür bekommt man aber einen breiten Überblick über viele verschiedene Werke, die
einem im weiteren Studium auf jeden Fall von Vorteil sein werden.
Die meisten Level 3 Kurse verlangen eine Seminarpräsentation, die in der Regel zwischen zehn und
fünfzehn Minuten lang sein muss, zusammen mit Anwesenheit und Mitarbeit aber nur zehn Prozent
der Gesamtnote ausmachen. Ein 3000 Wörter langes Essay am Ende des Semesters zählt dann
neunzig Prozent. Hier sind Erasmusstudenten aber deutlich im Nachteil. An die längeren deutschen
Hausarbeiten gewohnt fand ich persönlich es schwer, alles wichtige in 3000 Wörtern unter zu
bringen und bekam dann auch prompt das Feedback, dass meine Punkte nicht gut genug
ausgearbeitet sind. Außerdem werden oft Grammatik- und Satzbaufehler angerechnet, die nonnative speakers nun mal machen.
Ansonsten sind alle Tutoren und Dozenten sehr kompetent, reagieren schnell auf Fragen und
agieren auf einer etwas persönlicheren Ebene als die meisten deutschen Dozenten.
Die sehr moderne und gut ausgestattete Bibliothek ist während der Klausurphase 24 Stunden
geöffnet.
Zu Klausuren kann ich nichts sagen, da Erasmusstudenten beantragen können stattdessen Essays
schreiben zu dürfen, was von Dozenten empfohlen wird.
Geld.
Selbst mit Erasmus-Zuschuss und Auslandsbafög hätte ich dieses Jahr in Belfast ohne die
Unterstützung meiner Eltern allein von meinem Ersparten nicht finanzieren können. Die
Lebenshaltungskosten sind höher als in Deutschland, gerade frisches Obst, Gemüse und Fleisch
gehen hier sehr ins Geld. Auch die Preise für die Studentenwohnheime sind ziemlich hoch. Dazu
kommt, dass man sehr viele Bücher für die Kurse braucht (gebrauchte Bücher von amazon helfen,
sind aber nicht jeder Manns Sache). Um das Wohnheim bezahlen zu können ist es außerdem am
einfachsten, einen britischen Bankaccount anzulegen. Für Studenten bietet Santander gute
Konditionen; eine Filiale befindet sich praktischerweise in der Student's Union.
Viele der irischen Studenten haben noch einen Nebenjob in ihren Heimatorten, zu denen sie jedes
Wochenende nach Hause fahren. Läden und Restaurants suchen in der Regel Leute die mindestens
drei Tage die Woche arbeiten können (Shops sind auch sonntags geöffnet!).
Natürlich möchte man auch etwas vom Gastland sehen. Das Reisen ist mit Fernbussen und Hostels
aber recht günstig. Wenn man früh bucht sind auch Flüge nach England oder zurück nach
Deutschland billig.
Bus fahren ist relativ teuer, Semestertickets gibt es nicht. Einige Mutige mieten oder kaufen sich
Fahrräder, die werden aber sehr häufig gestohlen, Fahrradwege gibt es nicht und die Autofahrer
nehmen wenig Rücksicht. (Und Fahrradfahren macht im Regen auch wenig Spaß).
Laufen ist meist der einfachste und billigste Weg um von A nach B zu kommen; wenn man mal
einen Bus braucht darf man aber keine deutsche Pünktlichkeit erwarten.
Wohnen.
Ich habe einen Platz in Elms Village bekommen, was ich aber vor allem älteren Studenten nicht
empfehlen würde. Zum einen ist es teuer (und soll meiner Info nach nächstes Jahr noch teurer
werden) und alle, die schon allein gewohnt haben finden sich durch die Security, die ab 11 Uhr
abends nur noch Einwohner nach Ausweiskontrolle rein lässt, vielleicht etwas in ihrer Freiheit
eingeschränkt. Besucher müssen morgens angemeldet werden, ansonsten müssen eure Freunde,
wenn ihr nachts von einer Party nach Hause kommt, draußen bleiben. Außerdem sind Besuchertage
limitiert und z.B. zum St. Patrick's Day dürfen überhaupt keine Gäste angemeldet werden.
Die Vorteile sind, dass man einen Raum mit En-Suite Bad bekommen kann und man durch seine
Mitbewohner (10) gleich Leute kennen lernt. Die sind in der Regel etwas jünger als die Erasmus
Studenten und wohnen das erste Mal alleine. Außerdem kann man im Treehouse drucken,
Notfalleinkäufe machen und es werden Ausflüge, Shoppingtrips u.ä. angeboten.
Die Uni bietet auch andere Häuser außerhalb von Elms an, die etwas mehr Freiheit bieten.
Über private Wohnungen kann ich leider nicht viel sagen; die älteren Studenten haben aber meist
ein Haus für vier bis sieben Personen gemietet.
Alltag.
Es regnet. Viel. Das nimmt man für die Freundlichkeit und Entspanntheit der Nordiren aber gerne in
Kauf. Außerdem freut man sich dann umso mehr, wenn mal die Sonne raus kommt und Irland seine
ganze Schönheit zeigt.
Durch das viele Lesen sitzt man oft lange allein in seinem Zimmer, weswegen ich allen raten
würde, einer oder mehreren Societies beizutreten. Egal ob Sport, Movies oder Rotes Kreuz, es gibt
für alles eine Society; eine gute Möglichkeit aus dem Haus zu kommen und viele neue Leute
kennen zu lernen. Gerade die Sportvereine bieten eine tolle Möglichkeit Teil eines Teams zu sein
und auf Auswärtsspielen auch in andere Teile des Landes zu kommen. Am Anfang jedes Semesters
gibt es einen Students Fair, an dem jede Society einen Stand hat, bei dem ihr euch informieren und
anmelden könnt.
Und.
Und noch eine letzte Anmerkung: Belfast wird oft zu Unrecht als das ungeliebte Stiefkind
behandelt. Alle Freunde die mich hier besucht haben fanden, dass Belfast eine schönere Atmosphäre
bietet als Dublin. Belfast ist eine offene, lebendige Stadt und von den „Troubles“ ist, gerade in der
Gegend der Universität und im Stadtzentrum, überhaupt nichts zu spüren!