Schneller Service

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Schneller Service
SPEZIAL / Round Table
diagramm
#168 / SPEZIAL
das Bühler Magazin
Oktober 2014
Schneller Service
NEUE SERVICE STATION FÜR GETREIDE- UND FUTTERMITTELHERSTELLER IN NORDSPANIEN
Neue Struktur – neues Denken
NÄHER BEI DEN KUNDEN
Eine Frage des Geschmacks
INNOVATIVE LÖSUNGEN FÜR KAFFEE, MEHL UND VERPACKUNGEN
diagramm
#168
SPEZIAL / Round Table
Inhalt
10
#168 / SPEZIAL
Lösungen
4
Vorwort
Zahlen & Fakten
2
3
19
Diskussion
Nach einem erfolgreichen Jahrzehnt
hat Bühler seine interne Struktur
verändert, um näher beim Kunden
zu sein. Stefan Scheiber, CEO von
Grains & Food, Samuel Schär, CEO
von Advanced Materials, und
Ian Roberts, CTO, diskutieren, wie das
Unternehmen weiter wachsen kann,
indem es das Richtige tut.
InfinityRoast™: Heisse
Innovation
11
PESA Mill™: Innovation
einer jahrhundertealten
Tradition
12
LEYBOLD OPTICS PAK
2100T: Transparenz für
einen neuen Markt
13
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Organisation
Interview: Der neue
Leiter Grain Milling,
Johannes Wick, spricht
über die Herausforderung,
die Spitzenposition im
Markt zu halten – und
wie Automatisierung und
Prozessoptimierung dabei
helfen können.
14
News: Der Präsident von
Bühler Asia Pacific nun Teil
der Geschäftsleitung
15
News: Neuer Leiter für
Manufacturing & Logistics
15
16
Kundenservice
Bühlers Kundenservice ist
weltweit mit über 80 Standorten vor Ort präsent – und
es werden laufend mehr. Eine
neue Service Station in Lérida
betreut nun die Kunden in
Spaniens Kornkammer.
Impressum
#168 / SPEZIAL
Herausgegeben von Bühler AG, Corporate Communications, CH-9240 Uzwil, Schweiz, Frank Nehlig, Head of External Communications,
T +41 71 955 26 89, [email protected] Konzept, Redaktion und Produktion: Primafila AG, Zürich
Druckerei: galledia AG, Flawil Ausgabe: 2/2014
diagramm
#168
SPEZIAL / Vorwort
Liebe Leserinnen
und Leser
D
ie vergangenen Jahre waren aufregend für
Bühler – wir blicken zurück auf ein erfolgreiches Jahrzehnt, in dem die Firma stetig
gewachsen ist: Wir haben die Zahl unserer Mitarbeitenden verdoppelt und unsere Präsenz auf über
140 Länder rund um den Globus ausgeweitet. Unsere
neuen Anwendungs- und Entwicklungszentren in
den USA, in Indien und China sind Ausdruck unserer Entschlossenheit, marktrelevante Lösungen in
unmittelbarer Kundennähe zu entwickeln.
Und dennoch haben wir beschlossen, unsere Organisationsstruktur zu ändern. Warum?
In den vergangenen Monaten habe ich viele
Kunden besucht und dabei festgestellt, dass nicht
alle von ihnen völlig zufrieden damit waren, wie
wir auf ihre Bedürfnisse eingegangen sind. Wie
sie mir mitteilten, hatten sie mit zu vielen internen
administrativen Strukturen und Abläufen zu tun.
HERAUSFORDERUNGEN GLOBALER MÄRKTE
Dieses Kundenfeedback wäre bereits Anlass genug,
die Aufstellung unserer Organisation zu optimieren; es gibt aber noch einen weiteren Grund: Die
Zeit ist gekommen, um den nächsten Schritt in
unserer Geschäftsentwicklung zu tun und Bühler
auf die Veränderungen und Herausforderungen
der kommenden Jahrzehnte vorzubereiten.
In Zukunft werden unsere Kunden für mehr als
neun Milliarden Menschen sichere, schmackhafte
und nahrhafte Lebensmittel (oder Mobilitätslösungen oder Kommunikationsmittel) bereitstellen
müssen, und zwar unter dynamischen Marktbedingungen, die
von Ressourcenknappheit und
steigenden Energiekosten geprägt
sein werden. Für diese Herausforderungen kann Bühler als
Schlüsselpartner unseren Kunden
Lösungen in den Bereichen Grains
& Food und Advanced Materials
liefern. Aber in Anbetracht dieser
Herausforderungen müssen wir
auch all unsere Kraft einsetzen, um die möglichen
Synergien in der Technologie, der Produktion und
in der Kundenansprache zu nutzen.
MIT NEUER AUFSTELLUNG IN DIE ZUKUNFT
Wie wollen wir dies erreichen? Wir werden unser
Geschäft in acht wichtige «Business Areas» strukturieren. Innerhalb dieser Struktur werden wir
die volle operative Verantwortung an diese Business Areas übergeben; jede von ihnen wird die
Markttrends genau verfolgen, die Entwicklung
von Technologie und Produkten vorantreiben und
für volle Kundenzufriedenheit mit ihrem Angebot
einstehen. Indem wir die Unterteilung in die Divisionen Grain und Food Processing aufheben, werden
wir auch besser in der Lage sein, integrierte Lösungen für Nahrungsmittel entlang der gesamten
Wertschöpfungskette und über alle Geschäftsbereiche hinweg anzubieten. Darüber hinaus werden
wir den Bereich Corporate Technology stärken,
indem wir unsere Innovationstätigkeit bündeln
und die Forschung und Entwicklung näher an den
entsprechenden Geschäftsbereichen ansiedeln.
Vor dem Hintergrund dieser organisatorischen
Anpassungen gibt es ebenfalls einige personelle Veränderungen: Bruno Mendler wird nach über zehn
Jahren als Divisionsleiter Grain Processing eine
neue Herausforderung als Chief Strategy Officer in
unserem Unternehmen annehmen. Martin Schlauri
übernimmt nach über 15 Jahren an der Spitze des
Geschäftsbereichs Grain Milling die Leitung der
Müllereifachschule in Kenia.
Und zu guter Letzt wünsche
ich Martin Menrath nach sechs
Jahren als Leiter Manufacturing
& Logistics für seine Pensionierung beste Gesundheit und alles
Gute. Allen drei Kollegen möchte
ich an dieser Stelle ausdrücklich
für ihren ausserordentlichen Einsatz und ihre ausgezeichneten
Dienste bei Bühler danken.
CALVIN GRIEDER, CEO
diagramm
#168
3
SPEZIAL / Diskussion
Noch näher
am Kunden
IN DEN VERGANGENEN ZEHN JAHREN IST BÜHLER UMS DOPPELTE GEWACHSEN.
JETZT HAT DAS UNTERNEHMEN SEINE INTERNE STRUKTUR ANGEPASST.
von Marc Engelhardt (Interview)
und Justin Hession (Fotos)
S
tefan Scheiber, neuer CEO von
Grains & Food, Samuel Schär, CEO
von Advanced Materials, und CTO
Ian Roberts haben am Stammsitz von
Bühler in Uzwil darüber gesprochen,
wie die Kunden von der neuen Struktur
profitieren – und warum Kundennähe
entscheidend ist.
diagramm
#168
diagramm: Die Welt verändert sich in
enormem Tempo, damit wird das Umfeld
für Unternehmen immer komplexer. Wie
hilft Bühler seinen Kunden, die damit
verbundenen Herausforderungen zu
meistern?
Stefan Scheiber: Die Kernfrage im
Grains & Food Business lautet, wie
wir bis 2050 die dann neun Milliarden Erdbewohner ernähren können.
Eine enorme Anzahl Menschen, die
unterschiedliche Bedürfnisse und
Konsumgewohnheiten haben. Aber es
gibt Lösungen – mit Beiträgen von uns.
Ein Beispiel: Ein Drittel des geernteten
Getreides, eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel, wird heute vergeudet,
während ein Siebtel der Weltbevölkerung
hungrig zu Bett geht. Dazu kommen
noch einmal bis zu 30 Prozent verzehrfertiger Nahrungsmittel, die in der
Abfalltonne landen. Diese Verschwendung hat nicht zuletzt wirtschaftliche
Verluste entlang der gesamten Wertschöpfungskette zur Folge. Wir verfügen
über Technologien, mit denen diese
Probleme bewältigt werden können,
zum Beispiel unser GetreidelogistikPortfolio für die Verarbeitung nach der
Ernte oder neue Anwendungen für die
Konsumgüterproduktion.
Ian Roberts: Wir nutzen unsere
Präsenz in mehr als 140 Ländern, um
unsere globale Technologiekompetenz
an die Begebenheiten vor Ort, an
das lokale Wissen und Verständnis
anzupassen – vom Rohprodukt bis zum
fertigen Konsumgut. Jeder auf der Welt
muss essen, aber Geschmack, Esskultur,
Feldfrüchte und andere Rohstoffe sind
überall anders. Wir haben entscheidenden Anteil an der Industrialisierung
regionaler Produkte und unterstützen
den Wandel von der handwerklichen
Herstellung zu einer sicheren, effizienten und nachhaltigen Produktion in
industrieller Grössenordnung. Was die
Technologie angeht, so verfügen wir
über eine einzigartige Abdeckung der
Wertschöpfungskette im Nahrungsmittelsektor und gleichzeitig über
spannende Fortschrittstechnologien.
Samuel Schär: Im Bereich Advanced
Materials ist die Innovation entscheidend. Nehmen wir das Bedürfnis
der Autohersteller, den CO2-Ausstoss
ihrer Flotte zu senken. Das kann man
erreichen, indem man Autos aus neuen,
leichteren Materialien baut – etwa aus
Aluminium. Dank unserer Expertise
bei Druckgussverfahren spielen
wir dabei in der Autoindustrie eine
weltweit führende Rolle. Wir haben
mehreren Autoherstellern und Zulieferern dabei geholfen, Motorblocks
aus Aluminium anstatt aus Eisen zu
giessen, was eine immense Gewichtseinsparung bedeutet. Das Gleiche
5
SPEZIAL / Diskussion
machen wir jetzt bei tragenden Teilen
des Chassis. Es gibt Schätzungen, nach
denen sich der Aluminiumanteil in
Autos bis 2030 verdoppeln wird. Eine
interessante Entwicklung, bei der wir
unsere Kunden unterstützen werden.
diagramm: Der globale Wettbewerb
wird immer härter. Wie können Sie dazu
beitragen, dass Ihre Kunden vorne liegen?
Stefan Scheiber: Bei der Nahrungsmittelverarbeitung ist Produktivität
entscheidend. Es spielt wirtschaftlich
eine grosse Rolle, ob eine Mühle mehr
oder weniger Erträge produziert – und
wir wissen, dass unsere Anlagen
mehr Ertrag schaffen. Wir haben uns
gezielt zum globalen Lösungsanbieter entwickelt. Dazu gehören neue
Applikationen, intelligente Prozesse
und ein globales Servicenetzwerk.
Wir verstehen selbst kleine Details,
etwa die biochemischen Aspekte der
Verarbeitung von Rohprodukten zu
Zwischen- oder Konsumprodukten.
Mit diesem Know-how können wir
unseren Kunden helfen, neue, sicherere,
wohlschmeckendere und gesündere
«Wir haben
uns gezielt
zum globalen
Lösungsanbieter
entwickelt.
Dazu gehören
neue Applikationen,
intelligente
Prozesse und
ein globales
Servicenetzwerk.»
Stefan Scheiber
Nahrungsmittel herzustellen, die eine
höhere Wertschöpfung ermöglichen.
Dazu kommt, dass Service immer
wichtiger geworden ist: Denken Sie nur
an die ganzen gesetzlichen Vorgaben!
Auch dafür bieten wir Lösungen an.
Ian Roberts: Die Vielfalt der Bühler
Technologien und die der Märkte,
auf denen wir aktiv sind, tragen zu
schnelleren Innovationen bei Bühler
bei. Um Probleme beim Kunden zu
lösen, können wir auf eine breite
technische Expertise zurückgreifen,
die im Bereich Mischvorrichtungen
beispielsweise von Advanced Materials
bis zur Schokolade reicht. Wir mussten in dem Fall keine komplett neue
Maschine erfinden, sondern haben nur
das in einem anderen Bereich der Firma
vorhandene Wissen angewandt. Und
darum geht es: Man muss über einen
erstklassigen Wissenstransfer im Haus
verfügen. Dass wir den haben, bedeutet
einen riesigen Vorteil für uns und
unsere Kunden, wenn es um beschleunigte Neuentwicklungen geht.
Samuel Schär: Und das funktioniert in
die eine wie in die andere Richtung. Ein
6
diagramm
#168
«Wir fragen
uns immer:
Wie können
wir die Bedürfnisse unserer
Kunden mit
unserer technologischen
Leistungsfähigkeit erfüllen
und Anwendungen schaffen,
die unseren
Kunden
nutzen?»
Samuel Schär
vereinfachtes Beispiel: Wir haben eine
Getreidemühle mit Doppelwalze um
eine weitere Walze ergänzt und können
jetzt das gleiche Gerät zum Mahlen
von Farbpigmenten für Toner oder für
Hightechapplikationen verwenden, etwa
für das Silber, mit dem die Frontkontakte
auf Solarzellen gedruckt werden. Baut
man nochmals zwei zusätzliche Walzen
ein, kann man das gleiche Gerät in der
Schokoladenproduktion verwenden. Ein
anderes Beispiel: Wir haben eine Doppelschneckenpresse genommen, wie sie bei
der Herstellung von Frühstücksflocken
verwendet wird, und sie so umgebaut,
dass sie Teil des Herstellungsprozesses
von Lithium-Ionen-Batterien wird. Das
ist der Geist von Bühler: Wir fragen uns
immer wieder, wie wir die Bedürfnisse
unserer Kunden mit unserer technologischen Leistungsfähigkeit erfüllen
können und wie wir die Nachfrage auf
dem Markt mit dem Angebot neuer
Technologien zusammenbringen
können, um Anwendungen zu schaffen,
die unseren Kunden nutzen.
diagramm: Offensichtlich finden Sie Verbesserungspotential selbst in scheinbar
kleinen Details langer Wertschöpfungsketten. Wie machen Sie das?
Stefan Scheiber: Indem wir eine
enge Beziehung zu unseren Kunden
pflegen. Wir wissen, was sie – übrigens
je nach Land verschieden – brauchen.
Unsere Spezialität sind Abläufe aller
Art. Ein Beispiel: In Nordamerika gab
es eine Reihe von Skandalen im Bereich
Lebensmittelsicherheit. Danach war
die gesamte Industrie verunsichert
und wusste nicht, was sie tun sollte.
Bühler hat mehrere runde Tische
organisiert, an denen hochrangige
Vertreter selbst direkter Konkurrenten
teilgenommen haben. Aus diesem
Ideenaustausch haben wir ein Whitepaper entwickelt und daraus dann
neue Produkte, die die Probleme lösen
sollen: etwa den «Ceres»-Trockner, der
die Industrieanforderungen in Sachen
Lebensmittelsicherheit voll erfüllt. Wir
bringen ihn jetzt auf den Markt, und ich
rechne fest mit einem Erfolg.
diagramm: Sie haben mehrmals betont,
wie wichtig Ihnen die Nähe zu den Kunden
und zum Markt ist. Ist das auch das Motiv
für die Veränderung der Organisation von
Bühler?
Samuel Schär: So ist es. Wir wollen,
dass die Kunden es künftig noch
diagram
#178
DIE
TEILNEHMER
IAN ROBERTS
ist ausgebildeter Chemieingenieur
und promovierte an der University
of Wales in Verfahrenstechnik.
Zwischen 1997 und 2009 arbeitete
er in leitenden Positionen bei
Nestlé, darunter als Director of
Innovation bei Nestlé Mexico und
als Direktor des «Chocolate Centre
of Excellence» in der Schweiz. Seit
2010 arbeitet er als Chief Technology Officer bei Bühler.
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SAMUEL SCHÄR
schloss an der Eidgenössischen
Technischen Hochschule Lausanne
(EPFL) als Physiker ab. Nach drei
Jahren bei der Beraterfirma
McKinsey kam er 2002 zu Bühler,
wo er ab 2005 für den Geschäftsbereich Nanotechnology und
2009 für den Bereich Grinding &
Dispersion zuständig war. Seit 2013
leitet er den Bereich Advanced
Materials, nun auch als CEO.
STEFAN SCHEIBER
studierte BWL an der FHS St. Gallen
und dem IMD Lausanne. Seit 1986
ist er in leitender Funktion für Bühler
tätig. Über 15 Jahre lang hatte er
Führungsaufgaben in Übersee inne.
2005 leitete er die Abteilung Sales &
Services; 2009 war er für die Division Food Processing zuständig. Er
ist CEO des Bereichs Grains & Food.
SPEZIAL / Diskussion
«Die Kernfrage lautet,
wie wir bis
2050 neun
Milliarden
Erdbewohner
ernähren
können. Es
gibt Lösungen
– mit Beiträgen von uns.»
«Man muss
über einen
erstklassigen
Wissenstransfer im Haus
verfügen.»
Ian Roberts
«Wir wollen,
dass die
Kunden
es künftig
noch leichter
haben, mit uns
ins Geschäft
zu kommen.»
Samuel Schär
Stefan Scheiber
8
leichter haben, mit uns ins Geschäft
zu kommen. Einige haben uns berichtet, dass sie mit unterschiedlichen
Abteilungen verhandeln oder mehrere
Verträge abschliessen mussten, wenn
sie eine umfassende Anlage wollten.
Das lag natürlich auch daran, dass wir
im letzten Jahrzehnt ums Doppelte
gewachsen sind, ohne unsere Struktur
daran anzupassen. Jetzt stehen die
Regionen und die Business Areas im
Mittelpunkt; übergeordnete Strukturen fallen weg. Damit werden unsere
Business Areas in die Lage versetzt,
ihre Geschäfte voranzutreiben.
Stefan Scheiber: Ein Beispiel: Die
Leitung vieler Getreidemühlen denkt
darüber nach, ihr Geschäftsfeld entlang
ihrer Wertschöpfungskette zu erweitern. Aus Weizen Mehl zu machen, ist
eine Sache, aber vielleicht wollen sie
einen Schritt ergänzen, etwa Pasta
aus dem Hartweizengriess herstellen,
den sie ohnehin schon produzieren.
Umgekehrt ist es so, dass Hersteller von
Konsumprodukten im Gespräch immer
wieder ihre Sorge äussern, wie sie die
Qualität ihrer Rohmaterialien hoch
halten können – ein Geschäftsfeld, das
wir am anderen Ende der Lieferkette
bedienen. In beiden Fällen hätten
Kunden früher zwei unserer Abteilungen ansprechen müssen, die für
Getreide und die für Nahrungsmittel.
Aber weil die Kunden sich dort immer
mehr überlappt haben, ebenso wie
unsere Technologien, haben wir uns
entschieden, die Struktur transparenter
zu machen, indem wir die zwei Divisionen in einen Bereich Grains & Food
zusammengeführt haben.
Ian Roberts: Zusätzlich wollten wir
durch die Übertragung von mehr
Verantwortung das unternehmerische
Denken bei Bühler stärken. Wir wollen
sicherstellen, dass die Personen mit den
entscheidenden Fähigkeiten und mit
den entscheidenden Ressourcen auch
in die Lage versetzt werden, schnell
Entscheidungen treffen zu können. Die
Dynamik gerade in den stark wachsenden Schwellenmärkten ist eine andere
als in Europa. China etwa bewegt sich
in einem viel höheren Tempo.
diagramm: Was bedeutet die neue
Struktur denn für die Innovation?
Ian Roberts: Unsere Business Areas
werden sich sehr stark darauf konzentrieren, die Innovationen auf die
Märkte zu bringen, die für die Kunden
kurzfristig und in den nächsten zwei
bis drei Jahren relevant sind. So können
Marktbedürfnisse effizienter und
schneller befriedigt werden. Gleichzeitig stehen unsere Kunden aber vor
neuen Herausforderungen, was die
Innovationsfähigkeit angeht. Es gibt
Durchbrüche im Bereich Personalized
Nutrition und einen regelrechten
Sprung bei den Möglichkeiten, die
Lebensmittelsicherheit zu erhöhen.
Das Gleiche gilt für Energieeffizienz,
Vernetzung über das Internet oder
Dünnschichten, die für intelligente
Gebäudetechnik bedeutend sind. All
das und noch mehr ist für unsere
Kunden bedeutend. Im Bereich Corporate Technology wollen wir deshalb
sicherstellen, dass solche Technologien
entwickelt und geprüft und dann so
schnell wie möglich marktreif an die
Kunden ausgeliefert werden können.
diagramm: Bleibt das «Lokalisieren»
des Geschäfts auch für die Zukunft ein
wichtiger Trend?
Stefan Scheiber: Unbedingt. Es sind
vor allem die lokalen Bühler Standorte,
die unser Wachstum vorantreiben. Das
diagramm
#168
hängt unmittelbar mit der zunehmenden Vielfalt der Ansprüche zusammen,
die an uns herangetragen werden.
Es gibt keine universellen Lösungen
mehr. Der Schlüssel zum Erfolg lautet,
das Geschäft auf den Märkten für die
Märkte voranzutreiben.
Denn nichts ist lokaler
als Ernährung. Mit
unseren 80 neuen,
dezentralisierten Service
Stations werden wir
unsere Kunden künftig
noch schneller bedienen.
Samuel Schär: Diese
Philosophie spiegelt sich
auch in unserer neuen
Struktur wider. Der RegiIan Roberts
onalleiter Asien ist jetzt
Mitglied der Konzernleitung, was die interne Kommunikation
deutlich erleichtert. Das ist besonders
wichtig, weil der nächste Exportschlager aus Asien nicht Produktion,
sondern Innovation sein wird. Dafür
die Voraussetzungen zu schaffen – von
einfachen zu komplexen Maschinen bis
hin zu integrierten Lösungen –, steht für
uns derzeit im Mittelpunkt, nicht nur in
Asien. Wir haben eine Mühle entwickelt,
die speziell auf den afrikanischen Markt
zugeschnitten ist. Das Design kommt
aus Südafrika, wo die Mühle auch gebaut
wird. In Indien haben wir eine Mühle
entwickelt, die das traditionell mit Mühlsteinen
gemahlene Attamehl in
industrieller Grössenordnung herstellen kann.
Stefan Scheiber: Oder
nehmen wir den neuen
Schokotrend in China.
Früher wurde Schokolade vor allem in den
Industrieländern verzehrt. Inzwischen haben
chinesische Konsumenten einen Geschmack für
Süsswaren entwickelt, und als Reaktion
darauf hat unser Team aus mehr als
30 Experten in China neue Maschinen
für den lokalen Markt entwickelt. Das
Gleiche ist in Indien geschehen, wo wir
ein Anwendungszentrum für lokale
Nahrungsmittel aufgebaut haben, das
ausschliesslich von indischen Ingenieu-
«Wir werden
ein Unternehmen sein, das
das Richtige
getan hat und
damit weiter
gewachsen ist.»
ren und Technikern geführt wird. Für
Bühler ist das ein riesiger Schritt nach
vorne.
diagramm: Zum Abschluss ein Blick in
die Zukunft: Wo sehen Sie Bühler im Jahr
2050?
Ian Roberts: Wir werden ein Unternehmen sein, das das Richtige getan
hat und damit weiter gewachsen ist.
Zum Beispiel, indem wir – gemeinsam
mit unseren Kunden – einen grossen
Einfluss darauf genommen haben, dass
neun Milliarden Menschen gut und
nachhaltig leben werden können.
MARC ENGELHARDT
berichtet aus Genf über die UN und
internationale Organisationen, unter
anderem für die «Berliner Zeitung»
und den deutschen Hörfunk.
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diagramm
#168
SPEZIAL / Lösungen
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DIE
INNOVATIONSPIPELINE
STETIGE VERBESSERUNGEN DER ENERGIEEFFIZIENZ UND DER LEBENSMITTELSICHERHEIT – DAS SIND
DIE GRUNDLAGEN FÜR NEUE BÜHLER PRODUKTE. EBENSO WICHTIG SIND JEDOCH AUCH LÖSUNGEN,
DIE AUF SPEZIFISCHE GESCHMACKSVORLIEBEN DER KONSUMENTEN EINGEHEN.
ber 30 neue Anlagen-, Maschinen- und
Prozesslösungen stehen derzeit für die
Kunden von Bühler bereit – viele davon
wurden bereits an der diesjährigen Interpack
in Düsseldorf oder an der Technical Sales Conference bei Bühler in Uzwil vorgestellt. Alle
diese Innovationen profitieren von umfassenden
Marktkenntnissen. Denn bei Konsumgütern wie
bei Lebensmitteln bestehen grosse regionale
Geschmacksunterschiede, die eine besondere
Herausforderung darstellen.
Auf den folgenden Seiten werden drei neue Lösungen vorgestellt. Jede von ihnen ermöglicht es auf
Ü
eigene Weise, spezifische Geschmacksvorlieben
der Verbraucher zu berücksichtigen: Der InfinityRoast™ nutzt intelligente Technologie für
reproduzierbare, spezialisierte Kaffeeröstrezepte
der Kaffeekapselgeneration. Der Walzenstuhl
PESA Mill™ bietet eine Industrielösung für ein
beliebtes indisches Grundnahrungsmittel. Und
der Vakuumbeschichter LEYBOLD OPTICS PAK
2100T senkt die Produktionskosten für die bei Konsumenten gefragten transparenten Verpackungen.
Alles eine Sache des Geschmacks – und die
Geschmäcker sind so vielseitig und regional ausgeprägt wie die Märkte der Bühler Kunden.
diagramm
#168
SPEZIAL / Lösungen
INFINITYROAST™
Heisse
Innovation
WORIN liegt der Schlüssel zum
erfolgreichen Kaffeerösten? Bei jeder Kaffeebohnenmischung wird die Aromabildung
durch den Energieeintrag in die Röstkammer, das Luft-zu-Bohnen-Verhältnis sowie
die Dauer des Prozesses bestimmt. Für
die Produktion grosser Mengen kommen
noch weitere Anforderungen hinzu: Es
braucht einheitliche, homogene, qualitativ
hochstehende Produktionschargen ebenso
wie höchst flexible Produktionsprozesse.
Um diesen Marktbedürfnissen gerecht
zu werden, führt Bühler jetzt die InfinityRoast™-Serie ein.
Mit der Profilröstung kann der Bediener
komplexe Programme einrichten, welche
eine genaue Zeit-Temperatur-Kurve für
den gesamten Röstzyklus vorgeben.
Dadurch werden die Bohnen unterschiedlich hohen Temperaturen ausgesetzt. «Der
Bediener legt für den ganzen Röstprozess
die gewünschten Temperaturwerte
sekundengenau fest», erklärt Marco
Keller, Leiter R&D Coffee Processing bei
Bühler. Das entsprechende Masterprofil
lässt sich massschneidern, um das beste
Aroma aus der Bohne herauszuholen.
Beispielsweise führt eine langsame
Aufheizrate zu Beginn, kombiniert mit
einer schnellen Rate am Schluss, zu
besonderen Geschmacksmerkmalen, die
sich vom Standard abheben. So lässt sich
sicherstellen, dass das Endprodukt ganz
bestimmte Kriterien erfüllt.
«Ist das optimale Röstprofil einmal gefunden, besteht die nächste Herausforderung
darin, es einheitlich zu reproduzieren –
Charge für Charge. Der Produzent muss
ein homogenes Ergebnis garantieren – das
erwartet der Kunde», ergänzt Keller. Diese
Anforderung ist mit der zunehmenden
Beliebtheit von Portionskaffeemaschinen
mit Kapselsystemen wichtiger geworden.
Jede Kapsel einer bestimmten Sorte muss
im Aroma identisch sein mit allen anderen
Kapseln derselben Varietät. Verschiedene
externe Faktoren wirken sich auf die
genaue Nachbildung der gewünschten
Masterprofilkurve aus: Feuchtigkeitsschwankungen bei den grünen Bohnen,
diagramm
#168
Der InfinityRoast™ ermöglicht
präzises, massgeschneidertes
Rösten, um aus den verschiedensten Kaffeebohnen das beste Aroma
zu gewinnen.
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Abhängig von der Aufheizrate der
Kaffeebohnen zu verschiedenen
Zeitpunkten im Röstprozess,
verändert sich das Aroma des
Endprodukts.
Wetterbedingungen, Kaltstart des Rösters
usw. Mit herkömmlichen Röstanlagen
lässt sich dies nur schwer bewältigen. Im
Gegensatz dazu wurde der InfinityRoast™
so konzipiert, dass der Energieeintrag in die
Röstkammer automatisch geregelt und die
Masterkurve präzise nachgebildet wird.
Der InfinityRoast™ ist sehr bedienerfreundlich, auch das Programmieren
neuer Profile ist einfach. Keller meint dazu:
«Alles, was es an Intelligenz braucht, ist
im System integriert. Das Einzige, was die
Maschine nicht macht: Sie sagt uns nicht,
wie das Endprodukt schmecken wird.»
SPEZIAL / Lösungen
PESA MILL™
Innovation einer
jahrhundertealten
Tradition
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Der PESA Mill™ Walzenstuhl,
der bei Parakh Agro Industries in
Betrieb genommen wurde (unten),
produziert hochwertiges Attamehl,
das für die traditionellen indischen
Fladenbrote Chapatti, Naan und Roti
verwendet wird.
BROT ist auf der ganzen Welt ein Grundnahrungsmittel. Oft steht es auch für
Nahrung an sich – etwa in der Redewendung «Brot auf den Tisch bringen». Lokale
Brotsorten sind nicht nur wichtig für die
Ernährung. Oft sind sie auch Schlüsselelemente der lokalen oder persönlichen
Identität all jener, die mit einer bestimmten
Art von Brot aufgewachsen sind.
Ein Beispiel dafür sind die indischen
Fladenbrote: Chapatti, Naan, Roti. Sie
werden aus Attamehl auf der Basis von
Hartweizen gebacken, der traditionell
mit Chakki-Steinmühlen gemahlen
wird. Diese Chakki-Mühlen erfordern
jedoch viel Unterhalt, müssen sie doch
alle zwei bis drei Wochen neu gerichtet
ZAHLEN UND FAKTEN:
PESA MILL™
Ein einziger Walzenstuhl des Typs
PESA Mill™ ersetzt bis zu 20 herkömmliche Chakki-Mühlen
Kapazität: 130 Tonnen pro Tag
Hochdruck-Mahltechnologie, die
perfekt auf die Attamehlproduktion
abgestimmt ist
Weniger Reinigung und Unterhalt als bei
herkömmlichen Mahlsteinen
Ca. 10% weniger Energieverbrauch
Ca. 1% mehr Ertrag als traditionelle
Chakki-Mühlen
werden. Für die Grossproduktion sind
sie daher weniger gut geeignet und
erschweren dazu noch die Einhaltung von
Lebensmittelsicherheitsstandards.
Bühler hat nun ein innovatives Verfahren
zur Herstellung von hochwertigem
Attamehl entwickelt. Es garantiert den
herkömmlichen Geschmack und die
gewünschte Konsistenz – aber mit
industrieller Kapazität und einer hygienischen Mahltechnik, die auf Walzen statt
auf Mahlsteinen basiert. Der Walzenstuhl
PESA Mill™ kann Mehl mit spezifischen
Werten hinsichtlich Granulation, Wasseraufnahme und Stärkebeschädigung
produzieren und so lokale Marktpräferenzen berücksichtigen.
Der PESA Mill™ ist bereits beim langjährigen Bühler Kunden Parakh Agro
Industries in Betrieb. Der Firmeninhaber
Prakash Parakh ist mit den Ergebnissen
zufrieden – noch wichtiger ist jedoch, dass
seine Kunden es auch sind: «Chakki-Attamehl wird in Indien seit Urzeiten gegessen.
Vor der Einführung dieser neuen Methode
gab es jahrhundertelang keine Innovation.
Das neue Produkt kommt gut an.» Er
geht davon aus, dass die herkömmlichen
Chakki-Steinmühlen in den nächsten
15 Jahren ausrangiert werden. Die Konsumenten werden wohl nichts dagegen
haben – solange ihr Brot so schmeckt, wie
sie es sich gewohnt sind.
diagramm
#168
SPEZIAL / Lösungen
LEYBOLD OPTICS PAK 2100T
Transparenz
für einen neuen
Markt
Der Vakuumbeschichter LEYBOLD OPTICS
PAK 2100T produziert transparente
Folien mit AlOx-Beschichtung - und
senkt so die Produktionskosten für
Lebensmittelverpackungen.
Besonders die Kunden im asiatischen
Raum bevorzugen hochwertige
Klarsichtverpackungen.
diagramm
#168
VERBRAUCHERMÄRKTE für Lebensmittel haben in den letzten Jahren stetig
expandiert – vor allem in den aufstrebenden Ländern. Begleitet wird dieses
Wachstum von einem zunehmenden
Bedürfnis nach Transparenz – oft ganz
wörtlich zu verstehen: Viele Konsumenten
wollen die Waren in den Verpackungen sehen und bevorzugen deshalb
transparente Barrierefolien als Verpackungsmaterial für frische wie trockene
Lebensmittel.
Herkömmliche Verpackungen sind
luft- und lichtundurchlässig, damit
der Inhalt geschützt bleibt. Aber eine
undurchsichtige Verpackung hindert
den Käufer daran, das Produkt vor dem
Kauf anzuschauen. Andererseits waren
transparente Barriereverpackungen
bisher oft zu teuer – ausser für gehobene
Produktsegmente.
Die neue Vakuumbeschichtungsanlage
LEYBOLD OPTICS PAK 2100T von Bühler
verwendet einen neuen Ansatz im Depositionsprozess für transparente, mit AlOx
beschichtete Barrierefolien. Dank den
dadurch gesenkten Produktionskosten
können Hersteller auch Nahrungsmittel
mit kleineren Gewinnmargen in transparente Verpackungen hüllen. Die Maschine
trägt die AlOx-Schichten gleichmässig
auf flexible Kunststofffolien aus BOPP
und PET auf, die nur so dick wie nötig
sind – ohne den sonst oft anzutreffenden
Vergilbungseffekt.
Das Ergebnis: eine hochleistungsfähige,
funktionale Barriereverpackung, die
Frische garantiert und anspruchsvolle
Kunden anspricht. «Die Maschine ist ein
Beispiel für eine Innovation, die genau
auf die Marktbedürfnisse zugeschnitten
wurde – zu Kosten, die es ermöglichen,
ein neues Marktsegment zu entwickeln»,
sagt Heiko Hagemann, Produktmanager
Bühler Alzenau.
LEYBOLD OPTICS PAK 2100T wurde
nach zweijähriger Entwicklung an einem
Tag der offenen Tür im Frühling 2014 in
Alzenau lanciert. Die ersten Maschinen
werden derzeit ausgeliefert.
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SPEZIAL / Organisation
Der nächste
Schritt in der
Getreidemüllerei
JOHANNES WICK IST DER NEUE LEITER DER BUSINESS
AREA GRAIN MILLING. ALS MASCHINENINGENIEUR MIT
MBA WAR ER 20 JAHRE LANG IM ENERGIE- UND
INFRASTRUKTURSEKTOR BEI ABB UND ALSTOM TÄTIG.
«DIAGRAMM» SPRACH MIT IHM DARÜBER, WIE ER MIT
DER GETREIDEMÜLLEREI VON BÜHLER DEN NÄCHSTEN
ENTWICKLUNGSSCHRITT VOLLZIEHEN WILL.
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von Eric Johnson (Interview)
und Cindy Gamper (Foto)
diagramm: Wie würden Sie die
Reorganisation bei Bühler beschreiben?
Johannes Wick: Wir wollen es unseren
Kunden leichter machen, mit uns ins
Geschäft zu kommen – indem wir
schneller und besser reagieren, aber
auch integrierter und einheitlicher
auftreten. Da jetzt alle Getreide- und
Nahrungsmittelaktivitäten in einem
gemeinsamen Bereich zusammengefasst sind, agieren wir als ein
integrierter Geschäftspartner und
werden von unseren Kunden auch als
solcher wahrgenommen.
diagramm: Was ist die grösste
Herausforderung in Ihrer neuen Position
als Leiter Grain Milling?
Johannes Wick: Unser Geschäft ist
bereits sehr erfolgreich: Wir sind die
Nummer eins im industriellen Müllereimarkt. Die erste Herausforderung
besteht nun darin, dieses Niveau
zu halten. Ich will mich aber nicht
zurücklehnen: Wir wollen wachsen und
das heisst verkaufen und neue Aufträge
hereinholen. Natürlich steht für uns
das industrielle Müllereigeschäft im
Mittelpunkt. Aber wir werden uns auch
kleineren Segmenten widmen: Spezialmüllereien, Bäckereien, Premix-Anlagen
für Vormischungen und Brauereien.
diagramm: Liegt für Sie der Schwerpunkt eher auf dem Verkauf einzelner
Maschinen oder integrierter Lösungen?
Johannes Wick: In der Integration
haben wir das grösste Know-how und
den grössten Kundennutzen anzubieten. Die Kunden erhalten von uns
ein Paket, das weit mehr umfasst als
die Summe seiner Einzelteile. Das ist
unser grosser Vorteil gegenüber der
Konkurrenz.
diagramm: Was finden Sie als
relativer Neuling in der Müllerei am
interessantesten an diesem Geschäft
und seiner Technologie?
diagramm
#168
LEITER VON BÜHLER
ASIA PACIFIC TRITT
DER KONZERNLEITUNG BEI
NEUER LEITER
MANUFACTURING &
LOGISTICS
Johannes Wick: Im Vergleich zu vielen
anderen Bereichen der verarbeitenden
Industrie liegt die Kernkompetenz hier
nicht in den Maschinen, sondern in der
Verfahrenstechnik. Dank erstklassigem
Know-how sowie ständiger Forschung
und Entwicklung gelingt es Bühler, sich
auf die Dauer von den Mitbewerbern
abzuheben.
diagramm: Was denken Sie, wo wird das
Müllereigeschäft in fünf Jahren stehen?
Johannes Wick: Manche Trends
sind offensichtlich: Die Kunden
achten heute mehr auf Lebensmittelsicherheit, Energieeinsparungen,
Automatisierung und Ausbeutesteigerung – das ist und bleibt wichtig.
Weniger offensichtlich, aber ebenso
wichtig ist der Trend zur intelligenten Prozessoptimierung: die
automatische Verbesserung ganzer
Anlagenprozesse, was die Zuverlässigkeit der Ausrüstung erhöht. Auch
werden Durchlaufzeiten für die
Realisierung des Gesamtprojektes
immer kürzer werden müssen. Damit
bieten wir unseren Kunden längere
Betriebszeiten und niedrigere Gesamtbetriebskosten. Ich will, dass Bühler
diesbezüglich führend ist.
diagramm: Sie sind gerade von
einer Geschäftsreise nach China zurückgekehrt. Wie wichtig ist China für das
Müllereigeschäft von Bühler?
Johannes Wick: In meinen ersten
sechs Monaten bei Bühler war ich
schon zweimal in China. Gemessen an
der Zahl der Maschinen ist dies unser
grösster Einzelmarkt. Ausserdem
haben wir dort die Produktion sowie
den Bereich Forschung und Entwicklung für unser Anlagensortiment
Performance Line, das wir weltweit
exportieren.
ERIC JOHNSON
schreibt über Wirtschafts-,
Energie-, Umwelt- und Technologiethemen und lebt in Zürich.
diagramm
#168
Dieter Voegtli leitet seit 2009 das Chinaund Asien-Pazifik-Geschäft der Bühler
Gruppe; President Bühler China ist er
schon seit 2004. Der studierte Master
of Science in Mechanical Engineering (ETH Zürich) und MBA-Absolvent
(INSEAD) arbeitete acht Jahre lang als
Technischer Direktor für Roche China
Ltd. Seine Karriere begann er in der
globalen Kraftwerksinbetriebnahme
und als Softwareentwicklungsmanager
bei ABB.
In den letzten paar Jahren hat Voegtli,
der sein Büro im chinesischen Wuxi
hat, miterlebt, wie sich in Asien eine
neue Mittelschicht herausgebildet hat.
Dadurch ist eine grosse und anspruchsvolle neue Kundschaft entstanden. «Die
Verlegung eines Teils der Lieferkette
von Uzwil nach China erfolgte gerade
im Hinblick auf diese grosse und weiter
wachsende Zahl von Konsumenten, für
die unsere Kunden jetzt produzieren»,
erzählt er. «Wir müssen auf diesen
enorm dynamischen Markt schneller
reagieren. Aber wir müssen natürlich
auch an unseren hohen Qualitätsstandards festhalten, die unsere Kunden
gewohnt sind.»
Im April 2014 trat Dieter Voegtli
der Konzernleitung von Bühler
bei. «Der Entscheid, die AsienPazifik-Perspektive auf oberstem
Managementniveau anzusiedeln, setzt
Zeichen für eine weitere dynamische
und kundenorientierte Produktentwicklung», erklärt Voegtli. Ausserdem
stärkt es die globale Ausrichtung der
Unternehmensstrategie.
Holger Feldhege ist seit 15. Juni 2014
bei Bühler und nun neuer Leiter Manufacturing & Logistics sowie Mitglied
der Konzernleitung. Feldhege studierte
Betriebswirtschaftslehre und besitzt
einen PhD in Produktionsmanagement.
Er besitzt umfangreiche Erfahrungen in
Produktion, Engineering und Logistik,
die er seinen früheren Positionen in
Unternehmen wie Mannesmann AG und
ThyssenKrupp Elevator AG verdankt.
Während der letzten 13 Jahre arbeitete
er bei ThyssenKrupp Elevator AG, wo er
über sieben Jahre lang verschiedene
Führungspositionen in Tochtergesellschaften des Unternehmens in China,
Hongkong und Korea innehatte – davon
drei Jahre als COO (Manufacturing) Asia
Pacific. Nach seiner Rückkehr nach
Deutschland 2010 übernahm Feldhege
die Position als CEO Manufacturing für
Zentral-, Ost- und Nordeuropa sowie
anschliessend als Senior Vice President
Manufacturing Elevator für die Gruppe
weltweit.
«Unsere Fabriken sind das Herz unserer
Lieferkette zu den Kunden», erklärt
Feldhege. «Wir liefern unsere Produkte
in Spitzenqualität, termingerecht,
zu fairen Preisen und wir reagieren
flexibel auf veränderte Marktbedürfnisse.» Auf dieser Grundlage überprüft
und adaptiert Bühler seine Lieferkette
laufend. «‹Total Synchro› ist unsere
Philosophie und das Herzstück dieser
Veränderungsprozesse. Es bestimmt
unsere Workflows, unsere Produktion,
unseren ganzen Fulfillment-Prozess
– und selbstverständlich auch unsere
Qualitätssicherung», ergänzt Feldhege.
15
SPEZIAL / Kundenservice
JE NÄHER,
DESTO BESSER
IM AUGUST 2013 ERÖFFNETE BÜHLER IM SPANISCHEN LÉRIDA SEINE SERVICE STATION –
EINE WILLKOMMENE ERGÄNZUNG FÜR DEN GETREIDE- UND FUTTERMITTELSEKTOR IN DER REGION.
DIE GLEICHNAMIGE PROVINZ GEHÖRT ZU DEN GROSSEN KORNKAMMERN SPANIENS.
von Manuel Meyer ( Text)
und Bob Masters (Fotos)
16
chon seit Jahrzehnten gehört Spanien zu den grössten Getreide- und
Futtermittelproduzenten
Europas. Vor allem im wirtschaftsstarken
Nordosten des Landes – und speziell
in Katalonien – sind die meisten Verarbeitungsunternehmen von Getreide
und Futtermittel ansässig. So ist auch
Bühler seit langem sehr aktiv in dieser
Region Spaniens. Von seinen rund 2000
Kunden in Spanien stammen fast 700
aus den nordöstlichen Regionen Katalonien, Aragonien, Navarra und Valencia.
Schnell etablierte sich Bühler hier
als Marktführer beim Verkauf von
Getreide- und Futtermittelmühlen.
Doch Kundenrückmeldungen ergaben,
dass ein Bedarf für den Ausbau des
Kundenservices mit schnellen Reaktionszeiten in der Region bestand.
So nahm Bühler im August vergangenen
Jahres eine neue Service Station in der
katalanischen Stadt Lérida in Betrieb.
Viele Betriebe aus dem Getreide- und
Futtermittelsektor sind hier ansässig.
«Mit einer Service Station direkt vor
Ort zu sein, war absolut notwendig.
S
diagramm
#168
Denn im Kundenservice kann man
nur durch lokale Präsenz nachhaltiges
Vertrauen bei den Kunden aufbauen»,
erklärt Manuel Arredondo, Bühler Verantwortlicher für Customer Service und
Business Development Manager in Spanien und Portugal.
DER PERSÖNLICHE KONTAKT ZÄHLT
In den letzten Jahrzehnten hat Bühler
seine Kunden auf der Iberischen Halbinsel vom Standort in Madrid aus bedient.
Seit November 2012 unterhält Bühler
dort auch eine Service Station und hat
seine Serviceleistungen intensiviert.
«Doch es wäre illusorisch anzunehmen,
man könne sich angemessen um einen
Kunden kümmern, wenn man 500 Kilometer entfernt stationiert ist», betont
Arredondo.
Die Kunden sind derselben Meinung.
«Mir fiel es früher immer schwer, zum
Hörer zu greifen und einem mir unbekannten Servicetechniker in Madrid
oder in der Schweiz unser Problem am
Telefon erklären zu müssen. Die Service
Station in Lérida war für unser Unternehmen eine wichtige Voraussetzung,
um auch in diesem Bereich enger mit
Bühler zusammenzuarbeiten», versichert Alberto Jofre, zuständig für die
Wartung beim spanischen Futtermittelhersteller Esporc SA.
Das auf Schweinefuttermittel spezialisierte Unternehmen mit 45 Angestellten
verarbeitet in seinen beiden Fabriken
in katalanischen Tona und Riudarenes
täglich rund 1,2 Millionen Kilogramm
Futtermittel mit seinen Pelletpressen
Kubex und der neu angeschafften Kubex T12.
«Ein längerer Produktionsausfall ist für
uns das Schlimmste. Deshalb ist es für
uns wichtig, eine Service Station in der
Nähe zu haben, die nicht nur schnell
Ersatzteile liefern kann, sondern auch
einen Servicetechniker hat, mit dem wir
vor Ort in engem Kontakt stehen und
der unsere Anlage und unsere Probleme
gut kennt», stellt Alberto Jofre klar.
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#168
«Ein längerer
Produktionsausfall ist
für uns das
Schlimmste.
Deshalb ist
es für uns
wichtig, eine
Service Station in der
Nähe zu
haben.»
Alberto Jofre, Esporc SA
SCHNELLE REAKTION
Zwei Gründe, die auch für den Futtermittel-Kleinbetrieb Agrovilanova SL
eine wichtige Rolle spielten, als man
sich mit der Inbetriebnahme der Service
Station in Lérida für eine Zusammenarbeit mit Bühler entschloss – ohne Bühler
Anlagen zu besitzen. «Für mich ist nicht
nur der kontinuierliche, persönliche
Kontakt mit einem Servicemitarbeiter
wichtig, damit ich ihm vertrauen kann,
sondern auch die zügige Reaktion, wenn
bei uns schnellstmöglich Pressrollen
und Matrizen ausgetauscht werden
müssen», meint Luis Sala, zuständig für
die Produktion und Produktqualität bei
dem Unternehmen aus Vilanova de la
Barca.
«Bisher hat mich der Bühler Service
mit Blick auf Qualität, Preis und Reaktionszeit überzeugt», sagt Sala. Das
Unternehmen in der Nähe Léridas stellt
Futtermittel für Schweine, Kälber,
Geflügel, Kaninchen und Schafe her und
betreibt zusätzlich eine eigene Schweinezucht mit 50 000 Tieren pro Jahr.
Da Bühler bis vor einem Jahr keine eigene
Service Station in der Region unterhielt,
arbeitete das Grossunternehmen Grup
Alimentari Guissona mit lokalen Anbietern vor Ort, wenn eine seiner insgesamt drei Bühler Mühlen repariert
oder Matrizen und Pressrollen ausgetauscht beziehungsweise geschliffen
werden mussten. 28 Produktionslinien
unterhält das Unternehmen mit 4000
Angestellten. Die Firmengruppe ist
nicht nur in der Viehzucht, sondern auch
Wartungs- und Reparaturarbeiten werden nun in Lérida von erfahrenen
Bühler Servicetechnikern ausgeführt.
17
SPEZIAL / Kundenservice
18
Pressrollen zählen zu den Schleissteilen einer Futtermühle und müssen
regelmässig gewartet werden.
im Futtermittel- und im Lebensmittelsektor tätig.
«Wir arbeiten schon seit vielen
Jahren mit drei Bühler Anlagen und
schätzen den hohen technologischen
Qualitätsstandard.
Deshalb
haben
wir uns entschieden, in Zukunft die
Zusammenarbeit mit der Service Station auszubauen, da Bühler auch in
diesem Bereich beste Qualität zu guten
Preisen anbietet», versichert Jaume
Serra, Wartungsverantwortlicher des
Unternehmens. Er gibt zu, dass auch
viele lokale Unternehmen die Mühlen
und Matrizen reparieren können. Aber
das umfassendere Know-how eines
Bühler-Technikers bei der Reparatur
und Wartung hauseigener Anlagen
stehe ausser Frage, sagt Jaume Serra. Er
ist froh, dass Bühler diese Lücke in der
Region jetzt geschlossen hat.
Manuel Arredondo setzt bei der neuen Service Station in Lérida auf hohe
Qualität und Schnelligkeit.
MIT DEM SERVICELIEFERWAGEN PRÄSENT
Auch Bühler Business Development
Manager Manuel Arredondo ist überzeugt, Bühler werde durch die hohen
Qualitätsstandards eines technologischen Marktführers und durch schnelle
Reaktionszeiten schon bald auch die
Nummer eins im Kundenservice in der
Region sein. Dafür wird in der knapp
600 Quadratmeter grossen Service Station in Lérida demnächst das Personal
auf vier Personen aufgestockt.
Bühler zeigt aber auch im mobilen
Kundenkontakt seine neue Marktpräsenz: Ein Lieferwagen besucht täglich
bis zu fünf Kunden in der weitläufigen
Region, um nicht nur Reparaturaufträge
anzunehmen oder bestelltes Material zu
liefern, sondern auch, um den Kunden
zu helfen, ihr Geschäft erfolgreich
weiterzuentwickeln.
Die Kunden reagieren sehr positiv auf
das neue Kundenserviceangebot vor Ort
und auch das erste Etappenziel ist schon
erreicht: «Wir hatten uns vorgenommen, die Kunden mit unserem neuen
Angebot zu begeistern. Dies scheint
uns in einem ersten Schritt gelungen zu
sein. Wir werden weiterhin hart daran
arbeiten, dies auch in Zukunft sicherzustellen», versichert Manuel Arredondo.
MANUEL MEYER
ist Spanien-Korrespondent der
Austria Presse Agentur APA in
Madrid.
diagramm
#168
SPEZIAL / Round Table
Bühler auf einen Blick
DIE NEUE ORGANISATIONSSTRUKTUR
2
klar umrissene
Bereiche
8
klar fokussierte Business
Areas mit übergreifenden Synergien, um
die Bedürfnisse jedes
einzelnen Kunden besser
abzudecken
Grains &
Food
Advanced
Materials
• Grain Logistics
• Die Casting
• Grain Milling
• Grinding & Dispersion
• Sortex & Rice
• Leybold Optics
• Value Nutrition
• Consumer Foods
Zahlen & Fakten
19
BÜHLER WELTWEIT
NORDAMERIKA
SÜDAMERIKA
EUROPA
MITTLERER OSTEN
UND AFRIKA
ASIEN
3
2
11
2
9
Produktionsstandorte
Produktionsstandorte
Produktionsstandorte
Produktionsstandorte
Produktionsstandorte
10
11
43
17
38
Vertriebs- und
Servicestandorte
Vertriebs- und
Servicestandorte
Vertriebs- und
Servicestandorte
Vertriebs- und
Servicestandorte
Vertriebs- und
Servicestandorte
diagramm
#168
BÜHLER AG
CH-9240 Uzwil, Schweiz
T: +41 71 955 11 11 / F: +41 71 955 39 49
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