Bon Jovi Konzert - Düsseldorf 13.05.2006 1

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Bon Jovi Konzert - Düsseldorf 13.05.2006 1
Sonntag, 14.05.2006
Oh-ho-ho-Arena-Rock
KONZERT / Weniger Mähne, noch mehr Hits: 48 000 jubelten in
Düsseldorf Jon Bon Jovi beim Start der Europa-Tournee zu.
Jon Bon Jovi in der Düsseldorfer Arena.
(Foto: Achim Scheidemann/dpa)
DÜSSELDORF. Es dauert eine gute Stunde, bis er richtig locker wirkt. Bis
er so breit grinst, dass die Zähne blitzen und man die Nummer seines
Zahnarztes haben will. "Ist mir egal, wo ihr herkommt", ruft Jon Bon Jovi,
"ob aus den USA, Kanada, Grönland, Irland oder dem neuen Deutschland folgt mir einfach, immer die Straße runter." Wer sagt denn, dass du nicht
nach Hause gehen darfst? - "Who Says You Can´t Go Home", fragt der
Mann aus New Jersey im "new Germany". Die Rocker von Bon Jovi sind in
Europa angekommen: Am Samstag starteten sie ihre Europa-Tournee zum
aktuellen Album "Have a Nice Day" in der ausverkauften Düsseldorfer
LTU-Arena vor rund 48 000 schwer begeisterten Fans.
Abschied von den Mähnen
In den 80ern war der US-Staat New Jersey vor allem für zwei Dinge bekannt: Die Rockmusik von Bruce
Springsteen und Bon Jovi - und "big hair". Riesige Mähnen trugen damals auch die mit Nieten und Leder mächtig
aufgebrezelten Jungs um Jon. Sie haben sich Anfang der 90er von ihren Haarspray-Matten verabschiedet, stattliche
Portionen ihres Publikums bis heute noch nicht. Kein Wunder, dass frühe Hits wie "Bad Medicine" oder "Raise
Your Hands" die Halle kochen lassen - auch noch ganz weit weg von der Bühne, praktisch unterm Dach der Halle,
reißen sie die Arme hoch. Sie lieben Jon, diesen unverschämt gut aussehenden, nicht besonders großen Blonden.
Und sie lieben den Erfinder der Videoleinwand, weil sie nur so jede seiner Gesten zwischen Witz und Melodram
mitbekommen.
Bon Jovi ist Stadion-Rock: Die gigantische Bühnen-Kulisse sieht mal nach Las Vegas, mal nach der Skyline von
New York aus, wenn´s ruhiger wird, laufen stimmungsvolle Bilder drüber. Und wenn er Lust hat, läuft Jon Bon
Jovi durch die Zuschauermassen wie Moses durch das Rote Meer. Schüttelt Hände, singt, tanzt, hüpft, dass der
Schweiß über die blanke Brust strömt: Das schwarze Lederhemd trägt er immer noch offen bis knapp vorm Nabel.
Auch musikalisch hat sich nicht viel verändert, sonst könnte das Zweidreiviertelstunden-Konzert mit 25 Songs aus
fast so vielen Jahren nicht wie aus einem Guss wirken. Am Samstag gab´s relativ wenig Schmuse-, aber ganz viel
Main-stream-Rock, und alles mit richtig schlechtem Sound. Man könnte vom Glauben an Live-Shows abfallen,
wenn man bei "Keep the Faith" kein Wort von dem versteht, was Jon Bon Jovi singt. Wie gut, dass die Fans jedes
Wort auswendig kennen und mitsingen. Auch, wenn Richie Sambora das Mikro übernimmt: Sein "I´ll Be There For
You" packt sie so beim Wickel, dass sie nur noch für den sympathischen Gitarristen da sind und den Oh-ho-hoRefrain summen, als Jon längst wieder im Rampenlicht steht. Und dann, ganz zum Schluss, spielt er sie endlich, die
ersten Akkorde von "Wanted Dead Or Alive", und 48 000 singen, ohne dass der Superstar den Ton vorgibt. Es ist
ihre Hymne: Willkommen in Bon Jovi-Land. (NRZ)
14.05.2006
MONIKA IDEMS
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