Markus Döbeli Begriffslose Wirklichkeit. Malerei Dauer der Ausstellung

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Markus Döbeli Begriffslose Wirklichkeit. Malerei Dauer der Ausstellung
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I SABELLA C ZARNOWSKA
(vorm. Kacprzak)
Markus Döbeli
Begriffslose Wirklichkeit. Malerei
Dauer der Ausstellung: 18. November 2011 – 18. Februar 2012
Pressetext
Nichts könnte Markus Döbeli ferner liegen, als eine Programmatik seiner Malerei zu
reklamieren. Doch lässt der Zusammenhang der einzelnen Arbeiten eine grundlegende
Ausrichtung des Werkes erkennen, von der Döbeli über Jahre nicht entscheidend
abgewichen ist. Insofern fordert es die Anerkennung einer paradoxen Programmatik des
Nicht-Programmatischen.
1. Döbelis Malerei, Acryl auf Leinwand, hat mit nichts zu tun als mit den Mitteln der
Malerei selbst, ihren Formen, Farben und Materialien. Sie schließt scharfe Grenzen
zwischen einzelnen Farbzonen aus, der Farbauftrag ist dünn und wässerig, in vielen
Bildern löst sich das gravitationsbedingte Fließen der Farbe von der ausgreifenden
malerischen Geste, Polychromie bedeutet keine Vielfarbigkeit, Monochromie keine
Einfarbigkeit – derartige Bestimmungen gehören eher zum Modus eines Aquarells als
einer Leinwandmalerei.
Ein Farbschleier überzieht einförmig oder durch Zonen differenziert das Bildfeld und
löst die klaren Unterschiede auf, die es sonst erlauben, ein bildliches Phänomen reflexiv
zu erfassen. Der Ausbreitung der Farbe bin ich ausgeliefert, sie lässt kein distanziertes
Gegenüber zu, sondern bietet sich für dessen Versenkung an. Auf der anderen Seite aber
werden die materiellen Gegebenheiten unterstrichen: die äußere Begrenzung des
Bildkörpers z. B. dadurch, dass eine Malerei nach ihrer Fertigstellung abgespannt und
auf einem etwas größeren Rahmen wieder aufgepannt wird, so dass nun der unfarbige
Randstreifen in dieselbe Ebene wie das gemalte Bildfeld rückt und es als innerbildlicher
Rahmen begrenzt. Oder in der Malerei fehlende Konturen werden eingeführt, indem
Markus Döbeli eine Leinwand zerschneidet und mit sichtbaren Nähten wieder
zusammenfügt. Die materielle Körperlichkeit reibt sich an der farbigen Erscheinung,
ohne dass beide zusammen eine umfassende Einheit bilden. Dieser Widerspruch
durchzieht das gesamte Werk und stört die reine Anschaulichkeit der abstrakten Malerei.
2. Einem Aquarell gleichend, besetzt die Malerei eine wandgroße Bildfläche. Paradox
wird die oft mit dem Aquarell einhergehende Intimität und Nähe in der Dimension der
Architektur entfaltet und damit zur Sache der Öffentlichkeit. Im Verhältnis zur
aquarellierten Leinwand schwankt die Wahrnehmung zwischen der Versenkung des
Einzelnen und der Übernahme des farbig besetzten Ausstellungsraumes durch die
potentielle Vielzahl von Besuchern und Betrachtern.
Rudi – Dutschke – Str. 26 I. OG 10969 Berlin T: +49-(0)30. 25 89 96 04 F: +49-(0)30. 25 89 96 05
[email protected] www.galerie-czarnowska.de Di!Sa 11!18 Uhr
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I SABELLA C ZARNOWSKA
(vorm. Kacprzak)
Auch in dieser Hinsicht kommt es zu keiner Auflösung des widersprüchlichen
Zusammenhangs: Die Malerei, die mit nichts zu tun hat als mit den Mitteln der Malerei
selbst, greift in den Raum ein und wendet sich an dessen Benutzer.
3. Döbelis Arbeiten sind in einen Zusammenhang mit der Malerei von Barnett Newman
und Blinky Palermo und der „nördlich romantischen Tradition“ gebracht worden. In
diesem Kontext verschärfen sie ihre eigenen Widersprüche – Anschaulichkeit gegen
Körperlichkeit, Intimität gegen Öffentlichkeit, Versenkung gegen Benutzung – bis hin
zum Widerspruch der auf sich selbst bezogenen Malerei zu herrschenden Ansprüchen
an die ablesbare Bedeutung von Kunst. So entfalten Döbelis Bilder eine seltene
anachronistische Aktualität.
In der Schweiz, wo Markus Döbeli lebt, ist er ein beachteter und anerkannter Maler.
Seine letzte grosse Einzelausstellung fand im Jahr 2010 im renommierten Kunstmuseum
Winterthur statt. Die Galerie Czarnowska zeigte schon 2008 zwei große Arbeiten von
Döbeli. Die jetzige Ausstellung umfasst acht teilweise sehr große Bilder aus
verschiedenen Zeiten und belegt auf diese Weise die Diversität eines aussergewöhnlich
stringenten Werkes.
Ulrich Loock
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