Die Amalfitanische Küste

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Die Amalfitanische Küste
Die Amalfitanische
K ste
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Der unvergleichbare Reiz der amalfitanischen Küste
hat Reisende aus allen Ecken der Welt bezaubert.
Die schillernd grünen Terrassen, die über dem Meer
zu schweben scheinen, das Kunsterbe und die
typische Architektur ließen sie zu einem der
berühmtesten Orte der Welt aufsteigen; diese wilde,
kühne und doch romantische Küste ist eine
Pflichtetappe bei einer Reise durch Italien.
Geographisch gesehen ist die „Costa delle Sirene“
(Sirenenküste) der südliche Teil der Sorrentiner
Halbinsel, der im Norden den Golf von Salerno
abschließt.
Die Landschaft ist geprägt durch beeindruckende,
steil ins Meer abfallende Felsen, zahlreiche
Meerbusen und Buchten wie die zauberhafte Grotta
dello Smeraldo in Conca dei Marini und der Fiordo
di Furore. Zwischen atemberaubenden Gefällen und
unzugänglichen Steilhängen findet man an manchen
Stellen eine nahezu unberührte Natur, wie die
Naturoase Oasi di Vallone di Porto.
Die Dörfer an der „göttlichen Küste“ sollten alle
entdeckt und dabei der Blick auf das blaue Meer, die
beeindruckenden Ausblicke, Kunstschätze und das
lebhafte mondäne Leben, ebenso wie ein
Einkaufsbummel durch die typischen Boutiquen der
„Moda di Positano“ und der Werkstätten der
Keramik aus Vietri oder die traditionelle lokale
Küche genossen werden.
i
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Positano
via del Saracino 4
tel. 089 875067
www.aziendaturismopositano.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Amalfi
via delle Repubbliche
Marinare 27
tel. 089 871107
www.aziendaturismoamalfi.com
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Ravello
via Roma 18 bis
tel. 089 857096
www.ravellotime.it
Azienda Autonoma
di Cura Soggiorno e
Turismo di Maiori
corso Reginna 73
tel. 089 877452
www.aziendaturismo-maiori.it
Comunità Montana
dei Monti Lattari
tel. 081 8025811
Amalfi
Museo Civico Palazzo Morelli
piazza Municipio 1
tel. 089 8736211;
Museo della Carta
(Papiermuseum)
Palazzo Pagliata
via delle Cartiere 23
tel. 089 830456
Blick von der
Amalfitanischen Küste
Berühmte Reisende
Der Tag des Jüngsten Gerichts wird für die Bewohner von
Amalfi, die das Paradies erblicken werden, ein Tag wie jeder
andere sein.
Renato Fucini, 1878
Parco Regionale
dei Monti Lattari
Der Regionalpark Monti
Lattari umfasst die
Sorrentiner und
Amalfitanische Halbinsel
und trennt den Golf von
Neapel vom Golf von
Salerno durch ein Gebiet,
das rasch von über 1000 m
auf eine zerklüftete und wilde
Küste abfällt. Begeisterte
Ausflügler finden hier 34
markierte Wanderwege, die
den gesamten Bereich
durchziehen, darunter auch
der wohl reizvollste
sogenannte „Sentiero degli
Dei“ (Götterpfad).
Das zu jeder Jahreszeit
milde Klima und die
unberührte Natur
begünstigen die Land- und
Meeresfauna und die
natürlich üppige Flora, in die
sich Weinberge, Olivenhaine
und terrassenartig angelegte
Zitrushaine bestens einfügen.
Conca dei Marini
Grotta dello Smeraldo, von
der Staatsstraße SS 163 mit
Lift oder auf Treppen und vom
Meer über einen künstlich
angelegten Weg. Von Amalfi
aus geführte Bootsausflüge
(Tel. 089 873190)
Maiori
Museo della Collegiata di
S.Maria a Mare
largo Campo
tel. 089 877090
Nicht versäumen
Dom von Amalfi
Positano
Dom von Ravello
Die Küste an einem Tag
Amalfi
Positano
Die Küste in drei Tagen
Amalfi
Ravello
Positano
Fiordo di Furore
Vietri sul Mare
Archipel Li Galli
Einkäufe
Keramik aus Vietri sul Mare
Limoncello di Amalfi
(Zitronenlikör)
Moda (Bekleidung)
in Positano
Wein
Mit Kindern unterwegs
Museo della carta
(Papiermuseum) Amalfi
Positano
Riserva Naturale Valle
delle Ferriere
Strand von Maiori
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Veranstaltungen
Juni oder Juli
_Regata delle quattro
Repubbliche Marinare
(Regatte der vier
Seerepubliken) Amalfi
(alle vier Jahre)
Juli-September
_Ravello Festival
Ravello
Juni-Juli
_Chamber Music
on the Amalfi Coast
Costiera Amalfitana
Juni-September
_Minori a colori
Musik, Kunst, Schauspiel,
Kultur
Minori
Juli
_Thunfischfest
Cetara
Juli-August
_Jazz On The Coast
Minori
_Dance and Musical Theatre
Minori
August
_Sardellenfest
Atrani
14. August
_Landung der Sarazenen
Positano
Conca dei Marini
Kunst und Archäologie
Dom von Amalfi
Dom von Ravello
San Giovanni del Toro
(Ravello)
Villa Rufolo (Ravello)
Abtei Santa Maria de Olearia
(Maiori)
Natur und Parks
Parco Naturale Regionale
dei Monti Lattari
Riserva Naturale Marina
di Punta Campanella
Riserva Naturale Statale Valle
delle Ferriere
Für die jungen Leute
Amalfi
Maiori
Positano
Paiano
Gaumenfreuden
Colatura di alici
Sardellensosse (Cetara)
Zitronen aus Amalfi
Pasta aus Minori
Roter Thunfisch aus Cetara
Wein Costa d’Amalfi Doc
Thermen und Wellness
Beauty center der großen
Hotels
Juli-Oktober
_Sommer in Positano
Positano
August-September
_Kunstfestival
Amalfitanische Küste
und Agro nocerino sarnese
_Amalfi by Night
Musik und Schauspiel
August-Oktober
_Positano Opera Prima
Positano
Dezember
_„Byzantinischer
Jahreswechsel“
Amalfi
Berühmte Reisende
Von Positano
bis Amalfi
Positano berührt den Reisenden im tiefsten Herzen. Es ist ein traumhafter, fast
unwirklich scheinender Ort solange man hier weilt, geplagt aber ist man angesichts der
Wirklichkeit von Heimweh, sobald man diesen verlassen hat. Die Häuser sind so steil an
den Hang gebaut, dass sie einen Steilfelsen zu bilden scheinen, wären da nicht die
Treppen, die in den Stein gehauen sind… Das so unglaublich tief blaugrüne Wasser der
kleinen kurvigen Bucht umspült sanft den mit Kieselsteinchen bedeckten Strand.
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Positano liegt, eingebettet in die mediterrane
Vegetation, in den Berg gehauen und ist so ein
malerischer Ort, dass er ein natürliches
Theaterbühnenbild zu sein scheint. Vom Meer aus
sieht der Ort wie eine große Weihnachtskrippe aus,
wie ein Wasserfall bunter Häuser, der vom Hang
nach unten fällt.
Der Ort ist senkrecht angelegt und die eng
aneinander gereihten Wohnhäuser sind durch kleine
zum Meer hin gerichtete Bogengänge und Bögen in
Pastelltönen charakterisiert, die den Eindruck von
Edelsteinfacetten erwecken. Nicht umsonst wird
Positano auch „der Edelstein der göttlichen Küste“
genannt.
Die engen Gassen mit den zahlreichen Boutiquen
führen steil zwischen den Häusern hinab zum
großen Strand Marina Grande. Von hier aus hat
man sowohl auf das Meer, als auch auf das den Berg
hochkletternde Dorf einen herrlichen Blick.
Auf dem Hauptplatz von Positano steht die
Pfarrkirche Santa Maria Assunta aus dem Jahre
1000. Die große, bunte Majolikakuppel ist überall im
Ort sichtbar. Die kleinen zauberhaften Strände
Fornillo, Fiumicello und Arienzo sind zu Fuß in
wenigen Minuten erreichbar.
Positano ist ein beliebter Ferienort der VIPs: Um
1940 lebte die Malerin Irene Kowaliska in der Villa
Sette Santi und insipirierte sich bei ihren
Stoffmalereien an Positano; Villa Stella Romana
beherbergte als Gast unter anderem Papst Johannes
Paul II. Viele berühmte Persönlichkeiten aus der
Welt der Kunst, Mode und der Medien verbringen
hier gern erholsame Urlaubstage.
Nur wenige Seemeilen entfernt liegt das kleine
Archipel Li Galli oder auch „Sirenuse“, das die drei
Inseln Gallo Lungo, Rotonda und Castelluccio
umfasst, die seit jeher als Aufenthaltsort der Sirenen
galten. Aber Positano bedeutet nicht nur Meer, denn
bei schönen Ausflügen kann man die
beeindruckende Umgebung der Monti Lattari, wie
Montepertuso besichtigen, wo die Madonna in
einem Felsspalt erschienen sein soll. Über eine
1700 Stiegen lange Treppe gelangt man nach
Nocelle. In diesem Ortsteil beginnt der berühmte
Götterpfad, von dem aus man bezaubernde
Ausblicke auf die gesamte Küste genießen kann.
Oder aber man geht an der Küste weiter zur schönen
Punta San Pietro, wo sich eine kleine Kirche auf
einem Steilfelsen über dem Meer erhebt.
John Steinbeck, 1953
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Positano
Li Galli
Einkäufe in Positano
Positano ist gleichbedeutend
mit Sommermode. Im
Gewirr der kleinen Gässchen
ist ein Wunder der Mode
„Made in Positano“
entstanden, wo dutzende
Boutiquen ihre inzwischen
weltbekannten extravaganten
Kleidungsstücke anbieten.
Die Stoffe und Farben sind
bei der Sommermode
tonangebend, vom Pareo bis
zum Bikini, von der
Strandbekleidung und
eleganten Abendkleidern bis
hin zum Brautkleid. Das
handgefertigte
Lederschuhwerk kann nach
Maß bestellt werden. Ebenso
können typische Keramik,
Bilder der vielen Künstler,
die ihre Ansicht des
zauberhaften Golfs
ausstellen, erworben und
viele typische lokale
Produkte verkostet werden.
Der Mythos der Sirenen
Das vor Positano gelegene
Archipel der Sirenuse
(heute Li Galli genannt)
bestehend aus drei felsigen
Inselchen, galt seit alten
Zeiten als Sitz der
mythologischen Sirenen,
die die Seefahrer mit ihrem
lieblichen Gesang
bezauberten und
Schiffbruch erleiden ließen.
Der Mythos sollte als
Warnung dienen, denn die
Inseln waren für die
Seeleute ein Bezugspunkt,
an den sie sich aber nicht
zu sehr annähern durften,
da sie sonst Gefahr liefen,
gegen die Klippen zu
fahren. Auf der Insel Gallo
Lungo baute der russische
Tänzer und Choreograph
Léonide Massine 1924 eine
Villa, die 1927 von Le
Corbusier umgebaut und
später von Rudolf Nurejev
erworben wurde. Im
Andenken an diese beiden
Künstler findet jährlich in
Positano die Verleihung
des Internationalen
Tanzpreises statt.
Amalfi
Valle delle Ferriere
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An einem mit Weinbergen und Olivenbäumen
bebauten Hang trifft man auf Furore. Der antike
Name für dieses Gebiet war Terra Furoris wegen des
ohrenbetäubenden Geräusches, das in
Gewitternächten das Meer und der Wind gemeinsam
beim Aufprall gegen die Fjordwände erzeugten, die
als Steilhänge am Rand der Hochebene bei Agerola
ins Meer abfallen. Eine steile Treppe geht hier
abwärts. Die Faszination, die von diesem Küstenteil
mit seinem Fjord zwischen Weinbergen und Hängen,
kleinen Häuschen und dem Meer ausgeht, ist
unwiderstehlich.
Praiano, das auf halber Küste auf dem
Felsvorsprung Capo Sottile liegt, war die
Sommerresidenz des Dogen von Amalfi, was bereits
ein früher Beweis für die Bestimmung von Amalfi als
Ferienort war. Der untere Ortsteil zieht sich in
Richtung Marina di Praia, einem zwischen zwei
Felswänden eingebetteten Strand. In Guardia della
Marina steht einer der beeindruckendsten
Aussichtstürme der Küste.
Das nahe Conca dei Marini ist ein in den Fels
gehauenes Fischerdorf, das einen selten schönen
Ausblick bietet. Die beiden Endpunkte dieser
wunderschönen Bucht sind Capo di Conca, das von
dem im 16.Jh. erbauten Turm Torre di Conca
überragt wird, der Zeugnis über die grausamen
Piratenüberfälle ablegt, und die Grotta dello
Smeraldo (Smaragdgrotte). Das durch den Spalt
eindringende Meer nimmt ein intesives Grün an, das
durch das vom Licht gefilterte Wasser erzeugt wird.
Diese Grotte zieren viele Stalaktiten und Stalagmiten,
die oft zusammengewachsen sind und mehr als 10m
hohe Kalksäulen bilden. Von Conca aus erreicht
man die in 650 m Höhe zwischen Wäldern und
Wiesen gelegene Hochebene von Agerola. Diese
bereits seit der Antike bekannte Gegend mit ihren
blühenden Weiden ist berühmt für die Herstellung
von ausgezeichneten Milchprodukten und den
Ausblick auf die Küste.
Die Votivkapellen
von Praiano
Auf das gesamte Gebiet von
Praiano sind die
sogenannten „edicole votive“,
kleine Miniaturkapellen aus
Majolikakacheln oder an die
Wände gemalte Kapellen,
verteilt.
Sie stellen ein Zeugnis der
natürlichen Volksverehrung
dar; diese wurden auf die
Hauswände oder
Trennwände zwischen
Grundstücken gemalt, um
den göttlichen Schutz zu
erflehen.
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Das Zentrum und historische Herz der Küste ist
Amalfi. Vom Hafen aus betrachtet scheint Amalfi
zwischen dem heiteren blauen Himmel und dem
Meer wie in einer offenen Hand eingebettet zu
liegen. Über dem Ort das Szenarium der Berge, das
wie ein mit Häusern versehenes Bühnenbild
gegliedert ist; unten dagegen ein malerisches Bild
mit Gassen und Treppen bis zum großen Platz, auf
dem der majestätische Dom mit der berühmten
Treppe prangt. Ein einzigartiges Schauspiel, in dem
Geschichte und reizvolle Natur harmonisch
verschmelzen. Zwischen den Hängen der Monti
Lattari und dem Meer scheinen die malerischen
Gassen von Amalfi zu schweben, in denen sich
zahlreiche Touristen tummeln. Einst erlebte dieser
Ort den Ruhm der mächtigen Seerepublik, die ihre
Blütezeit zwischen dem 10. und 12.Jh. hatte und der
es gelang, Langobarden und Sarazenen
standzuhalten. Amalfi unterhielt reich und stark
bevölkert äußerst regen Handelsverkehr mit dem
Orient. Eingedenk dieser antiken Macht wird in
Amalfi alle vier Jahre im Juni die „Regata storica
delle antiche Repubbliche Marinare“ („historische
Regatte der antiken Seerepubliken“) veranstaltet.
Das in den Steilhang der Küste gehauene Stadtbild
von Amalfi ist vom berühmten Dom aus dem 9.Jh.
geprägt. Seine Lage am Ende einer steilen Treppe,
die zwischen eng aneinander liegenden und um
einen Platz gereihten Häusern hochklettert, verleiht
der Altstadt eine besondere Note. Besonders
imposant ist die polychrome Fassade der Kirche, die
von Emailwerk, Mosaiken und einem goldenen
Tympanon erhellt wird. Spuren des Mittelalters
findet man noch im eleganten Paradieskreuzgang
mit seinen arabisch anmutenden Linien. Vom
Kreuzgang gelangt man in die Kreuzeskapelle, in der
das Diözesanmuseum untergebracht ist. In der
Kapelle ist auch der Eingang zur Krypta, die auf das
13.Jh. zurückgeht. Das architektonische Gesamtwerk
ist eines der besten Beispiele der amalfitanischen
Romanik. Ein Besuch Amalfis, der über die
bekannten Touristenziele hinausgeht, sollte einen
Besuch der Antichi Arsenali (Altes Arsenal)
einschließen, in denen die berühmten Großgaleeren
mit über 100 Rudern hergestellt wurden, die zum
Warentransport der Güter aus dem Orient bestimmt
waren.
Das Papier von Amalfi
Es gibt keine urkundliche
Bescheinigung über den
Beginn der
Papierherstellung, aber eine
Darstellung ist uns von
Friedrich II. von
Hohenstaufen überliefert; im
Jahr 1220 verbot er den
Notaren des Reichs und
vornehmlich denen aus
Amalfi, sogenanntes
„Bambagina“-Papier, wie
Papier damals genannt
wurde, für die Abfassung
von Urkunden zu
verwenden, da man es für
leichter verderblich hielt als
Pergament. Aber die
Verbreitung des Papiers
wurde nicht gebremst und
dehnte sich auf die gesamte
Küste aus, vor allem
nachdem das Trienter Konzil
die Pfarrkirchen
verpflichtete die Todesfälle
und religiösen Ereignisse
auf Urkunden zu übertragen.
Im 15.Jh. erlangte das
Papier von Amalfi derartige
Berühmtheit, dass viele
ausländische Schriftsteller
ihre Werke in Neapel
veröffentlichten, um das
wertvolle Material zu
verwenden. Noch heute
wird, wenn auch in
geringem Maße in den
Praiano
Papierwerkstätten Amalfis,
die wohl zu den ältesten
Europas zählen, das
wertvolle, von Hand
gefertigte Papier für
künstlerische Zwecke oder
Luxusausgaben hergestellt.
Berühmte Reisende
Der Steilhang von Amalfi versinkt in einem Netz von klaren Farben, die niemals die
faulen und langweiligen Kontraste gewisser berühmter tropischer Jahreszeiten von
Reiseaufzeichnungen wiederholen. Hier ist der Garten, den wir immer und umsonst
suchten, nachdem wir die vollkommenen Orte der Kindheit erlebt haben.
Salvatore Quasimodo, 1966
101
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Im Palazzo Morelli, dem Sitz der Gemeinde und
des Heimatmuseums, wird die sogenannte Tabula
Amalphitana aufbewahrt, einer der ersten
Schifffahrtskodices aus der Zeit der Seerepublik, der
im gesamten Mittelmeerraum gültig war. Im
Museum befinden sich auch die berühmten
Zeichnungen von Domenico Morelli, einem im
19.Jh. sehr bekannten Maler, dessen Bilder einige
Mosaike für den Dom inspiriert haben.
Amalfi ist auch für sein von Hand gefertigtes Papier
berühmt. Die ersten Papierherstellungsorte
entstanden im Tal Valle dei Mulini, wo sich heute
das Papiermuseum befindet. Diese Gegend, durch
die der Fluss Canneto fließt, bildet zusammen mit
der nahe gelegenen Valle delle Ferriere ein
zauberhaftes Stück Natur, das zum biogenetischen
Naturschutzgebiet erklärt wurde. Der Aufstieg von
Amalfi ist zwar mühsam, aber sehr reizvoll. Man
stößt auf Reste alter Mühlen, die die ehemaligen
Papierwerke mit Wasser speisten, und auf
geheimnisvolle Natur mit Quellen, Wasserfällen und
Meeresansichten, die man nur durch die dichte
mediterrane Macchia erspähen kann.
Mit seinen Gassen, Bögen, Höfen, Plätzen und
typischen „scalinatelle“ (Treppchen) erscheint der
Ort fast wie eine lebende Krippe über dem Meer.
Atrani wendet sich dem Meer mit dem
charakteristischen Profil der Kirche Maddalena
(1274) zu, deren Kirchturm und Kuppel mit
farbenfroher Majolika dekoriert ist. Die Kirche San
Salvatore de’ Bireto auf der Piazzetta Umberto I im
neoklassizistischen Stil wurde 940 gegründet. In
dieser Kirche fanden die Zeremonien zur Wahl und
Einsetzung der Dogen der Seerepublik statt.
Die Grotta dei Santi erreicht man über die
Staatsstraße, wo noch die Ruinen des alten
Benediktinerklosters Santi Quirico e Giulitta aus dem
Jahr 986 erkennbar sind. Die kleine Grotte ist mit
Fresken im byzantinischen Stil aus dem 12.Jh.
geschmückt.
Grotta dello
Smeraldo
Atrani, das fast mit Amalfi zusammengewachsen ist,
konnte im Gewirr seiner Gassen, Treppen und
Überführungen seine mittelalterliche Straßenstruktur
bewahren. Zur Zeit der Seerepublik Amalfi wohnten
die Adelsfamilien in Atrani. Hier wurden die Dogen
gekrönt und begraben.
Die Treppen an der
Küste
Was wäre die Amalfitanische
Küste ohne ihre Treppen?
Sie sind die Eigenheit der
Orte, rasches Kommunikationsmittel und unentbehrlich
um schnelle, unwegsame
Höhenunterschiede zu
überwinden. In kurzer Zeit
gewöhnt sich auch der
Tourist an diese
Anstrengung und weiß
schließlich den malerischen
und vor allem
umweltfreundlichen Aspekt
und nicht zuletzt den Nutzen
zu schätzen sich von Stress
und Lärm der Stadt zu
entgiften und zu erholen.
Die Weinstraße Costa
d’Amalfi
Die Weinstraße schlängelt
sich durch steile mit
Weingärten gezierten
Terrassen und unerwarteten
Meerespanoramen,
Schluchten und
Steilhängen, an denen
kleine Küstenorte empor
klettern. Hier werden
traditionelle Rebsorten mit
reizvollen ortsspezifischen
Namen angebaut, so wurde
hier Falanghina zu Bianca
Zita, Biancolella zu Bianca
Tenera, Sciascinoso zu
Olivella. Die Weine werden
im DOC Gebiet Costa
d’Amalfi und Ravello
produziert
(www.sito.regione.campania.it
/agricoltura/home.htm).
Dom von Amalfi
Berühmte Reisende
Von Ravello
bis Vietri
… in der Nähe von Salerno liegt eine Küste über dem Meer, die von den Bewohnern
Küste von Amalfi genannt wird, voller kleiner Orte, Gärten und Brunnen, und reichen
Leuten und Händlern wie kaum woanders. Unter diesen Städten ist eine, die Ravello
genannt wird.
Giovanni Boccaccio, 1351
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Ein Juwel der Amalfitanischen Küste ist Ravello,
das 350 m hoch liegt und wo man aufgrund von
Lichteffekten und magischer Architektur selten
schöne Aussichten genießen kann. Dessen Name
wurde bereits von Boccaccia in seinem Decameron
verewigt.
Ravello ist berühmt für seine ruhige Atmosphäre
und bietet architektonische Perlen von seltener
Eleganz. Ein Beispiel dafür ist der Dom aus dem
11.Jh., der dem Hl. Pantaleon geweiht ist, und in
dem zahlreiche kunsthistorische Schätze aufbewahrt
werden, wie die mittlere Bronzetür mit ihren 54
Tafeln. Rechts vom Dom weist ein Quaderturm den
Eingang zur Villa Rufolo. Die ursprünglichen
Baustrukturen der Villa, die in einem riesigen Park
mit mediterraner und exotischer Flora versinkt,
gehen auf das 13.Jh. zurück; noch heute sind
Bauelemente arabisch-sizilianischer Architektur
eindeutig erkennbar. Wunderschön ist die arabisch
anmutende polychrome Kolonnade des Kreuzgangs.
Der Garten ist einer der schönsten Kampaniens.
Natur und Menschenwerk schaffen eine zauberhafte
Atmosphäre, Alleen sind gesäumt von Linden und
Zypressen, Blumen wachsen wie Kaskaden; vom
Belvedere aus scheint das Meer endlos zu sein. Im
Garten der Villa werden im Sommer jährlich
Konzerte im Rahmen des Ravello Festival
veranstaltet. Wagner ließ sich im Garten der Villa
Rufolo für den Garten von Klingsor in seinem
Parsifal inspirieren.
Villa Cimbrone war ursprünglich ein einfaches
Landgut, das 1904 von Ernest William Beckett
gekauft wurde, der es in eine wunderschöne Villa
umbauen ließ. Hier weilten berühmte
Persönlichkeiten wie Winston Churchill oder Greta
Garbo. Eine besondere Atmosphäre vermittelt der
Kreuzgang der Villa, in dem man auch auf antike
arabisch-sizilianische Stilelemente stößt.
Künstler in Ravello
Außer Wagner fanden auch
andere Musiker, Schriftsteller
und Künstler hier einen „Ort
der Seele“; so gehen viele
Erfindungen von Griegs Peer
Gynt auf die Wälder von
Ravello zurück. Toscanini,
Leonard Bernstein,
Rostropovitsch, Bruno Walter
verbrachten hier glückliche
Tage. Ravello wurde unter
anderen von Mirò, Escher,
und Anfang des 19.Jh.
Turner, dessen bezaubernde
Küstenansichten in der Tate
Das Belvedere ist eine unvergleichlich schöne
Terrasse in die Unendlichkeit.
Sehenswert sind auch die Kirchen San Giovanni
del Toro aus dem 12.Jh., die eine herrliche, reich
mit Mosaiken verzierte Kanzel beherbergt, und
Santa Maria a Gradillo aus dem 12.Jh.
Interessant ist das Korallenmuseum (Museo del
Corallo), in dem handgemachte Korallenarbeiten,
Kameen, gravierte Perlmuttgegenstände und
Muscheln von römischer Epoche bis ins vergangene
Jahrhundert ausgestellt werden. Ganz in der Nähe
von Ravello liegt Scala, einer der malerischsten
Winkel der Küste, in dessen Dom eine
Holzkreuzabnahme aus dem 13.Jh. aufbewahrt wird.
Minori, ein bezaubernder Badeort, dessen rosa
Häuschen den kleinen Strand dominieren, bietet
dem Besucher auch eine herrliche Landschaft.
Wegen seiner vorteilhaften Küstenlage wurde es
bereits in der Antike von den Römern als Ort
gewählt, um hier der Muße (otium) zu frönen, wie
zahlreiche Baureste, unter anderen die Villa
Romana (1.Jh.n.Chr.), ein grandioser
archäologischer Komplex von 2.500 m2 belegen:
Sehenswert sind das Viridarium (Garten), das
Triklinium-Nymphaeum sowie die herrlichen
Mosaike. Im Museum des Antiquariums sind
Funde aus dem 1.Jh.v.Chr. zu sehen. In der
Stadtmitte erhebt sich nahe des kleinen Hafens die
Basilika der Stadtpatronin Santa Trofimena, die im
12.Jh. erbaut wurde. Viele andere kleine Kirchen
und Türme sind über das Gemeindegebiet verstreut.
Gallery zu sehen sind, sowie
dem Schriftsteller und
Kunstkritiker Ruskin besucht.
Forster, der Autor von
Zimmer mit Ausblick,
beschreibt
Landschaftsperspektiven;
David Herbert Lawrence
schrieb hier zahlreiche
Kapitel des Romans Lady
Chatterleys Geliebte und
André Gide lässt hier Teil
seines Romans Der
Immoralist spielen. Viele
andere kamen hier her, um
die einzigartigen
Schönheiten zu genießen
oder sich hier für immer
niederzulassen, wie Virginia
Woolf, Paul Valéry, Graham
Green, Tennessee Williams,
Rafael Alberti, Gore Vidal.
Villa Rufolo
Villa Cimbrone
Dom von Ravello
Berühmte Reisende
Ich habe keine reizenderen Orte gesehen. Der erste, auf den man stößt, ist Maiori… Die
Straßen und einsamen, ruhigen Wege dringen in Berge ein, aus denen klare, frische
Wasser sprudeln. Soviel romantische Einsamkeit erquickt den Geist und läßt den
Wunsch verspüren, hier ruhig zu leben oder zumindest einen Sommer hier zu
verbringen.
Ferdinand Gregorovius, 1861
Römische Villa in Minori
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Maiori darf sich angesichts seines besonders
langen Strandes und der schönen Seepromenade
des größten Tourismus- und Hotelangebots des
Gebietes rühmen. Burgruinen und Türme bezeugen
den einstigen Glanz des Mittelalters, als dieser Ort
von Stadtmauern und Befestigungen umgeben und
verteidigt war. Dominiert wird das Ortsbild von der
Kirche Santa Maria a Mare; jährlich wird hier am
15. August mit Feierlichkeiten eines Ereignisses im
Jahre 1204 gedacht, als Seeleute eine Statue der
Jungfrau Maria im Meer fanden, die von einem
Schiff aus Konstantinopel, das wegen eines Sturms
in Maiori Zuflucht gesucht hatte, ins Meer geworfen
werden mußte. Auf dem Hauptaltar stellt eine
Holzskulptur aus dem 15.Jh. die Madonna mit Kind
dar; eine Sammlung von Kunstwerken wiederum
befindet sich im Sakristeimuseum und der
darunter gelegenen Krypta. Aus dem Mittelalter
stammt die beliebte Wallfahrtskirche, die der
Madonna delle Grazie geweiht ist und im 18.Jh.
wieder aufgebaut wurde.
Sehenswert ist der ungewöhnliche in den Fels
gebaute Komplex von Santa Maria de Olearia,
eine Benediktinerabtei, die um das Jahr 1000 erbaut
wurde. Die Gebäude, die in eine der Naturgrotten der
Umgebung in den Fels gehauen wurden,
beherbergen Säle, Kapellen und kleine mit Fresken
bemalte Säulengänge.
Bei einem Bootsausflug können die Grotta Sulfurea
und die Grotta Pandora besichtigt werden. Erst
genannte ist reich an heilkräftigem, schwefel- und
magnesiumhaltigem Wasser; in der letzt genannten
Grotte schaffen smaragdgrüne Impressionen,
Stalaktiten und Stalagmiten ein unvergessliches
Szenarium. Viele Zeugnisse der Vergangenheit, wie
eine große Landvilla, sind auch in der Umgebung
von Minori zu sehen.
105
Wenige Kilometer von Maiori liegt Erchie mit dem
aus einem Felsen gebauten Turm, der zwei kleine
Strände von einander trennt. Die Benediktinerabtei
Santa Maria de Erchie, die 980 gegründet und 1451
geschlossen wurde, gab diesem Ort, der heute
beliebtes Reiseziel vor allem im Sommer ist, seinen
Namen. Dieser kleine Ort mit den charakteristischen
weißen Häusern, den reizenden Stränden und dem
kristallklaren Meer eignet sich bestens für all jene,
die Entspannung inmitten der Natur suchen.
Kurz vor Vietri kommt man nach Cetara. Dies war
schon immer ein Fischerdorf, so kommt auch sein
Name vom lateinischen cetaria, Thunfischfangstelle.
Dieses Örtchen mit seiner pittoresken weißen
Architektur und seinem ruhigen, kleinen Strand ist
ein wahres Juwel des Küstengebietes. Unter dem
natürlichen Baupanorama der kubischen Häuschen
sticht die Kirche San Pietro mit Majolikakuppel und
dem mit Biforen gezierten Kampanile aus dem
13.Jh. sofort ins Auge.
In jenem Teil der Amalfitanischen Küste, der dem
Golf von Salerno zugewandt ist, überragt Vietri sul
Mare, das sich auf den bis zur Küste steil
abfallenden Kalkfelsbastionen erhebt, das kleine
Bonea-Tal. Mit seinen kleinen, mit Majolikakuppeln
versehenen Kirchen und Cottoziegeln gedeckten
Häusern scheint Vietri zwischen Himmel und Meer
zu schweben.
In der Antike war Vietri eine etruskische Stadt, fiel
unter die Herrschaft der Samniter, Lukaner und
schließlich Römer. Die Kirche San Giovanni
Battista aus dem 17.Jh. mit ihrer majestätischen
Kuppel und dem hohen Kampanile thront auf dem
höchsten Punkt der Altstadt. Die Keramikindustrie,
für die Vietri weltberühmt ist, blühte bereits im
Mittelalter. Handwerker und Künstler haben im Laufe
der Jahrhunderte wertvolle Stücke gefertigt, von
denen ein Teil im Keramikmuseum von Vietri zu
bewundern ist, das im Belvedere-Turm der Villa
Guariglia in der Ortschaft Raìto untergebracht ist.
Ansicht der
Amalfi-Küste
Ansicht von Cetara
Die Keramik von Vietri
Die vorteilhafte Lage der
Stadt, der Wasserreichtum
und die holzreichen Hügel
haben im Laufe der Jahre die
Entwicklung der
Manufakturen gefördert. Gelb
und Blau, die Farben der
Natur und des Meeres, die
Zitronen und die Weintrauben
finden sich in den lebendigen
Dekorationen der Keramik
von Vietri wieder, die kleine
Meisterwerke darstellen. Es
ist ein Vergnügen
herumzugehen, in den vielen
Läden zu suchen, die
Manufakturen zu besuchen
und einfach nur darauf zu
warten, dass in dieser Ideenund Farbenvielfalt die
Fantasie geweckt wird. Die
Wahl ist fast grenzenlos und
jede Werkstatt unterscheidet
sich durch ihren eigenen Stil
und die Wahl der
Verzierungen.
Pasta von Minori
Keramiken
von Vietri
Dank des Flusses Farinola
oder „Reginna Minor“, der
die Mühlen betrieb, kann
Minori auf eine blühende
Teigwarentradition
zurückblicken: Anfang des
20.Jh. stand sein Ruf in
nichts der berühmten Pasta
von Gragnano, in der
Provinz Neapel nach. Die
fusilli aus Gries, Weizen
und Wasser werden mit
einem dünnen Eisen
gedreht.
Die colatura di alici
(Sardellensosse)
von Cetara
Cetara ist den
Feinschmeckern für dieses
„Destillat“ bekannt, das
durch eine besondere
Salzung der im Golf von
Salerno gefangenen
Sardellen gewonnen wird.
Es scheint, dass die colatura
ein edler Abkömmling des
garum ist, eine alte
Fischsosse, die die Römer
verwendeten um ihre Gerichte
zu würzen. Die erlesene
Flüssigkeit wird durch Pressen
der Sardellen gewonnen.

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