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Verhaltenstherapie
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Inhalt
Artikel
Verhaltenstherapie
1
Verhaltensanalyse
8
Konfrontationstherapie
9
Klassische Konditionierung
11
Extinktion
16
Gegenkonditionierung
16
Habituation
17
Systematische Desensibilisierung
21
Flooding (Psychotherapie)
22
Screen-Technik
22
Paradoxe Intervention
23
Biofeedback
24
Token-System
28
Kontingenz
30
Dialektisch-behaviorale Therapie
31
Training sozialer Kompetenzen
36
Habit-Reversal-Training
38
Entspannungstechnik
40
Kognitive Therapie
40
Stressmanagement
45
Stressimpfungstraining
48
Selbstinstruktionstraining
50
Problemlösetraining
51
Schmerzmanagement
52
Selbstmanagement-Therapie
52
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
57
Akzeptanz- und Commitmenttherapie
59
Kognitive Umstrukturierung
61
Schematherapie
62
Kognitive Verhaltenstherapie
65
Paartherapie
70
Familientherapie
72
Gruppentherapie
74
Referenzen
Quellen und Bearbeiter der Artikel
82
Quellen, Lizenzen und Autoren der Bilder
84
Artikellizenzen
Lizenz
85
Verhaltenstherapie
Verhaltenstherapie
Mit Verhaltenstherapie (VT) wird ein ganzes Spektrum von Formen der Psychotherapie bezeichnet. Allen Formen
ist gemeinsam, dass die Hilfe zur Selbsthilfe für den Patienten im Mittelpunkt steht, ihm nach Einsicht in Ursachen
und Entstehungsgeschichte seiner Probleme Methoden an die Hand gegeben werden, mit denen er zukünftig besser
zurecht kommt.
Charakteristika und Prinzipien der Verhaltenstherapie
Nach der American Association of Behavior Therapy soll die Verhaltenstherapie (VT) vor allem menschliches
Leiden lindern und die Handlungsfähigkeit erweitern. Sie beinhaltet Veränderungen der sozialen Umgebung und der
sozialen Interaktion. Das Ziel ist hauptsächlich die Ausbildung und Förderung von Fähigkeiten. Die Techniken
sollen dem Klienten eine bessere Selbstregulation ermöglichen. Die VT wendet experimental- und
sozialpsychologische Prinzipien an und legt Wert auf eine systematische Überprüfung der Effektivität bei der
Anwendung solcher Prinzipien. Die Ziele und Vorgehensweisen werden vertraglich festgelegt. Zudem orientiert sich
die VT an ethischen Prinzipien.
Charakteristisch für die VT ist die Konzentration auf gegenwärtige statt auf vergangene Handlungsdeterminanten,
ohne diese jedoch in der Analyse der Problementstehung zu vernachlässigen. Somit liegt der Schwerpunkt auf
beobachtbarem Verhalten und dessen Veränderung. Die VT unterscheidet sich von der Psychoanalyse durch folgende
Annahmen: Es wird angenommen, dass Verhaltensweisen erlernt und auch wieder verlernt werden können. Das
bedeutet allerdings nicht mehr wie in der Frühzeit der VT, dass man genetische Unterschiede als Ursachen von
Störungen verleugnet. Gerade in den Vulnerabilitäts-Stress-Modellen wird z. B. eine ererbte Stressanfälligkeit als
Voraussetzung einer Störung berücksichtigt. Außerdem fühlt man sich empirischen Methoden verpflichtet. In ihren
Annahmen über ätiologische Störungsmodelle ist sie nur begrenzt Theorien verpflichtet und kann auch jederzeit
neue empirische Erkenntnisse in ihre Modelle und Theorien integrieren.
Daraus folgt für die VT, dass problematisches Verhalten in erster Linie als Ergebnis von Lernprozessen gesehen und
durch die Verwendung von Verhaltens- und Lernprinzipien verändert werden soll. Entscheidend ist hierfür eine
genaue Verhaltensanalyse (horizontal und vertikal) zur Bestimmung der augenblicklichen Determinanten des
Verhaltens. Die Behandlungsstrategien werden individuell auf die Probleme der Person angepasst. Um
Veränderungen zu bewirken, ist es nicht zwangsläufig notwendig, die Ursprünge des psychologischen Problems
genau zu ergründen. Gerade bei gut definierten psychischen Störungen wie Zwängen oder Phobien hat sich
herausgestellt, dass Heilungen möglich sind ohne genaue Analyse der Entstehungsbedingungen, wenn man die
verhaltenstherapeutischen Behandlungsmanuale befolgt, ohne dass es zu Symptomverschiebungen kommt.
Andererseits spricht innerhalb der VT auch nichts dagegen, eine genauere Analyse der Störungsätiologie oder der
therapeutischen Beziehung vorzunehmen, wenn die manualisierten Standardmethoden versagen. Dies ist auch immer
dann angebracht, wenn auf Seiten des Patienten ein ausgeprägtes Interesse an der Entstehung seiner Störung zu
erkennen ist und dadurch seine Behandlungsmotivation verbessert werden kann. Auf der anderen Seite gilt jedoch
auch: Die Veränderung des problematischen Verhaltens liefert keinen Aufschluss über die Entstehung der Störung.
1
Verhaltenstherapie
Vorgehensweise
Eine Verhaltenstherapie beginnt gewöhnlich mit einer Verhaltensanalyse, in der die Probleme des Patienten in
Abhängigkeit zu ihren aufrechterhaltenden Bedingungen und im Hinblick auf ihre Konsequenzen untersucht werden.
Berühmt geworden ist die Verhaltensanalyse nach Frederick Kanfer: das SORKC-Modell.
•
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•
•
S: Reize, Situationen
O: Organismus (Kognitionen und biologisch-somatische Bedingungen)
R: Reaktionen, Verhalten
K: Kontingenzen, (regelhafte Zusammenhänge zwischen Situationen, Verhalten und Konsequenzen)
C: Konsequenzen
Obwohl die Begriffe Reiz und Reaktion leicht vermuten lassen, dass in einer Verhaltensanalyse nur das beobachtbare
Verhalten analysiert wird, bezieht eine Verhaltensanalyse in der modernen Verhaltenstherapie auch Gefühle,
Gedanken und körperliche Prozesse mit ein. Zudem umfasst die erweiterte Verhaltensanalyse auch Einflüsse des
erweiterten Umfelds des Patienten, wie zum Beispiel das Verhalten von Familienangehörigen, Arbeitskollegen,
Freunden und Bekannten. In der Zielanalyse werden die Therapieziele gemeinsam mit dem Patienten entwickelt,
wobei darauf geachtet wird, ob die Ziele realistisch zu erreichen und nach der Therapie aufrechterhalten werden
können. Die Therapie beruht schließlich auf einem Therapievertrag, in dem Patient und Therapeut sich gegenseitig
zusichern, welche Aufgaben sie während der Therapie jeweils übernehmen.
Moderne und differenziertere Formen der Verhaltensanalyse werden in Bartling et al., „Problemanalyse im
therapeutischen Prozess“ , oder bei Caspar, „Psychotherapeutische Problemanalyse“, dargestellt. Hierbei wird neben
der im SORKC-Modell beschriebenen Ebene des Verhaltens-in-Situationen sowohl der Entstehung und Ausformung
des Problemverhaltens als auch der Ebene der Regeln, Pläne und Systemregeln der nötige Raum eingeräumt. Ein
weiteres Analysefeld ist die Therapeut-Klient-Beziehung, der heutzutage in der Verhaltenstherapie viel Platz
eingeräumt wird, nachdem sie in der Anfangszeit eine eher untergeordnete oder unspezifische Rolle in der Therapie
einnahm. Nach der Verhaltensanalyse/Problemanalyse erfolgt gemeinsam mit dem Patienten die Bestimmung und
Konkretisierung der Therapieziele, aus denen der Therapeut die einzusetzenden Interventionen auswählt und in
Rücksprache und mit Zustimmung des Patienten einsetzt.
• siehe auch Reparenting
In der Therapie können verschiedene verhaltenstherapeutische Verfahren eingesetzt werden, die sich auf die
Verhaltens- und Zielanalyse beziehen müssen (siehe unten). Übergeordnetes Prinzip ist dabei die Hilfe zur
Selbsthilfe, das heißt der Patient soll in der Therapie lernen, wieder mit dem eigenen Leben selbst
zurechtzukommen. Die aus der Gesprächspsychotherapie bekannten therapeutischen Basisvariablen wie Echtheit,
Empathie und uneingeschränktes Akzeptieren des Patienten sind Basisvariablen einer Verhaltenstherapie, ohne aber
auch nur für die therapeutische Beziehungsgestaltung zu genügen. Darüber hinaus hat der Therapeut auch auf eine
komplementäre Beziehungsgestaltung, wie bei K. Grawe beschrieben, zu achten, die sich aber nach R. Sachse nur
auf die Motiv-, nicht auf die Spielebene des Patienten beziehen darf. Damit soll hier nur kurz angedeutet werden, wie
theoretisch komplex heutzutage die Grundlagen einer Verhaltenstherapie aufgebaut sind und worauf ein kompetenter
Verhaltenstherapeut neben seinen Methodenkenntnissen alles zu achten hat. Ein weiterer wichtiger Schritt, der neben
dem Einsatz von Interventionsmethoden bedacht werden muss, ist der Aufbau einer therapeutischen Allianz bzw.
von Veränderungsmotivation, die nicht einfach mit der Therapiemotivation verwechselt werden darf. Nach dem
Einsatz der eigentlichen Interventionen wird ein Evaluationsprozess durchlaufen, in dem der Erfolg der
durchgeführten Methoden überprüft wird. Diese ganzen Analyse- und Interventionsschritte werden in der
therapeutischen Praxis nicht strikt getrennt voneinander durchgeführt, sondern bedingen sich gegenseitig und werden
in einem Feedbackprozess immer wieder von neuem durchlaufen. Sehr übersichtlich wird der Ablauf bei F. Kanfer
in seinem 7-Schritte-Prozessmodell des therapeutischen Prozesses seiner Selbstmanagementtherapie beschrieben.
In Deutschland übernehmen gesetzliche Krankenkassen nach einem genehmigtem Antrag ihres Kassenmitglieds die
Kosten für seine Verhaltenstherapie.
2
Verhaltenstherapie
Verfahren der Verhaltenstherapie (Auswahl)
Um die im Therapievertrag vereinbarten Therapieziele zu erreichen, können in der Verhaltenstherapie inzwischen
mehr als 50 verhaltenstherapeutische Einzelverfahren eingesetzt werden. Einige von ihnen seien an dieser Stelle
genannt:
Konfrontationsverfahren
In der Konfrontationstherapie werden Verfahren angewendet, die auf dem Modell der klassischen Konditionierung
aufbauen mit dem Ziel eine Extinktion, Gegenkonditionierung oder Habituation zu erreichen. Expositionsverfahren
können zum einen in massierter oder graduierter Form und in in-vivo oder in-sensu angewandt werden. Zudem
können die Dauer (kontinuierlich) und das Ausmaß des Selbstmanagement (Selbst-Exposition) variiert werden.
Diese Verfahren werden vorwiegend bei Phobien, Panik- und Zwangsstörungen eingesetzt.
• Systematische Desensibilisierung: Exposition mit hierarchisch abgestuften aversiven Stimuli, zunächst in sensu,
dann in vivo, gekoppelt mit Entspannung
• Flooding (Reizüberflutung): Unmittelbare Konfrontation mit Stimuli in höchster Intensität
• Reaktionsverhinderung
• Screen-Technik
• Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) nach Francine Shapiro
• Extinktions (Habituations)-Training (graduierte Löschung): In vivo Konfrontation mit abgestuften aversiven
Stimuli
• Implosion (aus tiefenpsychologischer Tradition): Konfrontation mit Angststimuli in der Vorstellung
• Paradoxe Intervention: Anweisungen, die den Erwartungen entgegenlaufen
• Angstbewältigungstraining: Kombination verschiedener Expositions-Verfahren mit anderen
Bewältigungsstrategien
Operante Verfahren
Operante Verfahren basieren auf dem Modell der operanten Konditionierung. Dabei wird das Verhalten mittels
Verstärkung (Erhöhung der Häufigkeit (Wahrscheinlichkeit) eines Verhaltens) oder Bestrafung (Reduzierung der
Verhaltenshäufigkeit) modifiziert (Verhaltensmodifikation). Positive Verstärkung geschieht durch Zuführung von
angenehmen Reizen, negative Verstärkung durch Wegnahme von unangenehmen Reizen. Direkte Bestrafung
geschieht durch Zuführung von unangenehmen Reizen, indirekte Bestrafung durch Wegnahme von angenehmen
Reizen (z. B. time-out). Prinzipien beim Aufbau von Verhalten sind: Verhaltensformung (Shaping),
Verhaltenskettung (Chaining), Prompting, Differentielle Verstärkung (Diskrimination), Fading und Generalisierung
und für den Abbau von Verhalten: Löschung, Bestrafung und Vergessen.
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Biofeedback nach Miller
Token-System (Token economy)
Kontingenzverträge: Zielverhalten und Verstärker werden genau (schriftlich) festgelegt
Dialektisch-behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung nach Marsha M. Linehan
Training sozialer Kompetenzen (Social Skills Training), z. B. das Assertiveness Training Programme nach Ullrich
& Ullrich de Muynck; das Gruppentraining Sozialer Kompetenzen nach Hinsch & Pfingsten oder das Personal
Effectiveness Training nach Libermann. Es ist ein wesentlicher Bestandteil der Dialektisch-behavioralen Therapie
(DBT) nach Marsha M. Linehan
• Habit-Reversal-Training nach Azrin & Nunn
• Rollenspiel
• Kommunikationstraining
• Training von Entspannungstechniken (v. a. Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training)
• Euthyme Therapie (Genusstherapie)
3
Verhaltenstherapie
Kognitive Ansätze
Kognitive Ansätze der VT basieren auf kognitiven Theorien des Verhaltens. Ein Individuum interpretiert und
transformiert aktiv Informationen (Umgebungsreize) und strukturiert die Erfahrungen (Ordnen und Bewerten der
Realität). Kognitionen beeinflussen als transformierte Reize das Verhalten. Verhaltensprobleme sind das Ergebnis
falscher Annahmen, unvollständiger Schlüsse, inadäquater Selbstinstruktionen und unzureichender
Problemlösefähigkeiten.
• Kognitive Therapie nach Aaron T. Beck
• Rational Emotive Therapie (RET), neuerdings explizit Rational-Emotive Verhaltenstherapie (REVT) genannt,
nach Albert Ellis
• Ärgermanagement nach Raymond W. Novaco
• Stressmanagement bzw. Stressimpfungstraining nach Donald Meichenbaum
• Selbstverbalisation bzw. Selbstinstruktionstraining nach Donald Meichenbaum
• Problemlösetraining nach D’Zurilla & Goldfried
• Attributionstherapie (Seligman, Bandura)
• Schmerzmanagement nach Turk
• Selbstmanagement-Therapie nach Frederick Kanfer
• Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion nach Jon Kabat-Zinn
• Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT) nach Steven C. Hayes
• Kognitive Umstrukturierung
• Schematherapie nach Jeffrey E. Young
sonstige Verfahren
• Multimodale Therapie (BASIC-ID) nach Arnold A. Lazarus
Anwendungsbereiche und Wirksamkeit
Verhaltenstherapeutische Methoden werden heutzutage bei vielen psychischen Störungen und psychosomatischen
Erkrankungen eingesetzt. Nach dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates Psychotherapie der deutschen
Bundesregierung ist Verhaltenstherapie wirksam bei
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Abhängigkeiten von psychotropen Substanzen (z. B. Alkoholabhängigkeit)
(Teil-) Remittierten psychotischen Erkrankungen (u. a. Schizophrenie) und wahnhaften Störungen
Affektiven Störungen (z. B. Depression)
Angststörungen (z. B. Agoraphobie, Spezifische Phobie (Liste), Soziale Phobie, Panikstörung, Zwangsstörung)
Belastungsstörungen (z. B. Posttraumatische Belastungsstörung)
Dissoziativen, Konversions- und somatoformen Störungen
Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa, Bulimia nervosa)
Persönlichkeitsstörungen (z. B. Borderline-Persönlichkeitsstörung)
psychosomatischen Erkrankungen (z. B. Spannungskopfschmerz, Bluthochdruck)
Die Wirksamkeit kognitiv-verhaltenstherapeutischer Verfahren ist bei vielen psychischen Störungen in Hunderten
von Studien belegt. Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie der deutschen Bundesregierung hat die
Verhaltenstherapie daher als wissenschaftlich anerkanntes Verfahren eingestuft.
4
Verhaltenstherapie
Formen
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•
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•
individuelle Verhaltenstherapie (VT) oder Kognitive Verhaltenstherapie (KVT, KogVT)
Paartherapie
Familientherapie
Gruppentherapie
Gemeindepsychologie
Prävention
Verhaltensmedizin
Aus der Verhaltenstherapie ist die Verhaltensmedizin hervorgegangen. Sie befasst sich mit der Anwendung
verhaltenstherapeutischer Erkenntnisse auf allgemeine medizinische Sachverhalte; zum Beispiel mit der ergänzenden
Behandlung von körperlichen Erkrankungen wie z. B. Bluthochdruck, Asthma, Diabetes oder
Spannungskopfschmerz als auch Tinnitus mit psychologischen Mitteln. Dies geschieht etwa dadurch, dass der
Patient lernt, angemessener mit seiner Erkrankung umzugehen. Die Verhaltensmedizin beschäftigt sich mit
Gesundheitsverhalten.
Geschichte der Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie hat ihren Ursprung in den psychologischen Lerntheorien. Erste Schritte, die als
verhaltenstherapeutisch bezeichnet werden können, nahm bereits Mary Cover Jones 1924 vor, als sie einen
ängstlichen Jungen namens Peter von einer Phobie durch Konfrontation mit dem angstauslösenden Objekt
therapierte. Aber erst nach dem 2. Weltkrieg gelang es, lerntheoretisch fundierte Verfahren systematisch zur
Behandlung psychischer Störungen, insbesondere Phobien, einzusetzen. Dazu trug die Enttäuschung vieler
psychoanalytisch arbeitender Therapeuten über die mangelnde Wirksamkeit der tiefenpsychologischen Therapien
bei: So entwickelte z. B. der Südafrikaner Joseph Wolpe die Systematische Desensibilisierung, ein graduiertes
Konfrontationsverfahren, in Kombination mit der Progressiven Muskelentspannung von Edmund Jacobson. Auf der
anderen Seite wurde die operante Konditionierung von behavioristisch orientierten Therapeuten wie z. B. Ayllon und
Azrin für die therapeutische Verhaltensmodifikation nutzbar gemacht. Mit ihr konnte erstmals mit nennenswertem
Erfolg Menschen mit schwersten psychischen Störungen wie der Schizophrenie psychotherapeutisch geholfen
werden. Seit den 1970er Jahren sind die Prinzipien der Verhaltenstherapie auch auf pädagogische Felder (Vorschule,
Schule, Hochschule, Familie etc.) übertragen worden. Dieser Anwendungsbereich wird „Pädagogische
Verhaltensmodifikation“ bezeichnet.
Seit den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts hat diese klassische Verhaltenstherapie zunehmend andere
Gebiete der wissenschaftlichen Psychologie und Psychotherapie aufgegriffen und integriert. Der Begriff kognitive
Verhaltenstherapie oder kognitive Therapie trägt der Tatsache Rechnung, dass die Verhaltenstherapie sich außer mit
der äußeren Verhaltensänderung auch mit der Veränderung der kognitiven, gedanklichen Schemata des Menschen
beschäftigt. Begründer und Vorreiter der kognitiven Verhaltenstherapie waren unter anderem Albert Ellis, Aaron T.
Beck und Donald Meichenbaum. Nach dieser so genannten kognitiven Wende haben sich
kognitiv-verhaltenstherapeutische Therapien für die Mehrzahl der psychischen Störungen entwickelt. Zu den
neuesten Therapieformen zählt beispielsweise die dialektisch-behaviourale Therapie (DBT) für emotional-instabile
Persönlichkeitsstörungen. Die DBT beruht wie andere verhaltenstherapeutische Ansätze auf lerntheoretischen
Grundprinzipien, ist aber sowohl von den Themen, die in die Behandlung mit einbezogen werden, als auch vom
Methodenrepertoire her deutlich breiter angelegt als klassisch verhaltenstherapeutische Ansätze. So werden
beispielsweise Wert- und Sinnfragen erörtert und meditative Praktiken buddhistischer Prägung in die Behandlung
integriert. Manche Autoren sprechen bereits von einer „dritten Welle“ der Verhaltenstherapie, der neben der DBT
auch Ansätze wie die Funktional-analytische Psychotherapie (FAP), die Akzeptanz- und Commitmenttherapie
(ACT) oder die achtsamkeitsbasierte kognitive Depressionstherapie zugerechnet werden.
5
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie oder kognitive Verhaltenstherapie ist für viele ihrer Vertreter (zum Beispiel Klaus Grawe)
auf dem Weg zu einer allgemeinen wissenschaftlichen Psychotherapie, d. h. einer Psychotherapie, die
wissenschaftlich überprüfte Methoden anwendet und umfassend eklektisch integriert. Dementsprechend legen
Verhaltenstherapeuten großen Wert auf die empirische Überprüfung ihrer Theorien und Methoden.
Ausbildung zum Verhaltenstherapeuten
Deutschland: Verhaltenstherapeut (psychologischer bzw. ärztlicher Psychotherapeut mit Fachkundenachweis in der
Verhaltenstherapie) wird man durch eine 3- bis 5-jährige Ausbildung und die Erlangung einer staatlichen
Approbation zur Ausübung eines Heilberufes. Voraussetzung für die Therapieausbildung ist, dass man einen
Hochschulabschluss in Medizin oder Psychologie mit dem Schwerpunkt klinische Psychologie besitzt. Neben den
Psychologen und Medizinern können Diplom-Pädagogen, Diplom-Sozialpädagogen, Diplom-Sozialarbeiter sowie
Diplom-Heilpädagogen nach einer entsprechenden 3- bis 5-jährigen Weiterbildung die Zulassung als Kinder- und
Jugendpsychotherapeut erlangen. Die Approbation zum Psychotherapeuten kann nach Ablegung des Staatsexamens
bei der zuständigen Bezirksregierung beantragt werden. Neben einem erfolgreichen Abschluss müssen dafür weitere
Voraussetzungen vorliegen (bspw. eigene geistige Gesundheit, keine Vorstrafen).
Kritik an der Verhaltenstherapie
Der Behaviorismus als frühere Grundlage der VT ist aufgrund seiner reduktionistischen Herangehensweise kritisiert
worden. Im Behaviorismus geht man davon aus, dass innerpsychische Prozesse wie Denken, Fühlen usw. nicht
wissenschaftlich erforscht werden können. Er geht bei seinen Forschungen des Verhaltens von einer Black Box aus.
Des Weiteren ist es beinahe unmöglich, die Verursachung von psychischen Störungen durch Lernerfahrungen
wissenschaftlich zu belegen. Auch zirkelhafte Schlüsse können in den Belegen für die Richtigkeit der Annahmen des
Behaviorismus herangezogen werden [1] .
Heute gilt der Kognitivismus als das Leitparadigma in der Psychologie. Damit kann er auch als Grundlage der
Verhaltenstherapie verstanden werden, die sich stets als praktische Anwendung der Erkenntnisse der Psychologie
versteht. Die Kognitive Wende war vor allem wegen der unzureichenden Erklärungsmöglichkeiten für neuere
Erkenntnisse des Behaviorismus nötig. Der Kognitivismus wird vor allem wegen seines theoretischen Ansatzes
kritisiert. „Die Konzepte der Kognitiven Psychologie (z. B. Schemata) sind vage und nicht immer gut definiert“ [1] .
Kritiker wenden ein, dass die Erklärungen der kognitiven Psychopathologie wenig hilfreich seien. So ist die
Behauptung, dass bspw. Depressive negative Gedanken haben, für die Erklärung der Entstehung dieser Störung
kaum hilfreich, da dies bereits Teil der Diagnose ist. Der Rückschluss, dass negative Gedanken die Depression
auslösen ist nicht schlüssig, da die postulierten negativen Denkschemata Ursache, aber auch Folge der Depression
sein können. [1] .
Kritisiert wurde ebenfalls die Verwendung von Aversionsverfahren. Bei Aversionsverfahren werden dem Klienten in
Kombination mit dem problematischen Situationen oder Gegenständen (bspw. Suchtmittel) unangenehme Reize
(bspw. Medikamente, die in Kombination mit Alkohol Übelkeit hervorrufen; siehe: Disulfiram) vermittelt, was
teilweise als unethisch angesehen wird. Auch bei der Konfrontationstherapie wird der Klient durch die Konfrontation
mit dem angstauslösenden Objekt (Exposition) zunächst absichtlich in Angst versetzt [1] . Diese Vorgehensweise
dient jedoch dazu, es dem Klienten zu ermöglichen, mit seiner Angst umgehen zu lernen. Auch wird die Methode nie
ohne Einverständnis des Patienten und stets durch Vorbereitung und Begleitung des Therapeuten verwendet.
Bei manchen Verfahren der Verhaltenstherapie besitzt der Therapeut sehr viel Macht. Beispielsweise erklärt er dem
Klienten bei einer Rational Emotive Therapie soziale Zusammenhänge. Er berichtigt ihn, wenn er widerspricht, und
versucht, ihn eines besseren zu belehren. Woher der Therapeut allerdings seine Sicherheit über die wahren
Zusammenhänge nimmt, ist unklar. Außerhalb der RET wird deshalb auf solche „Überredungskünste“ verzichtet –
schon allein deshalb, weil der Therapeut dabei meist argumentativ den Kürzeren zieht. Es gilt im Gegenteil als
Kunstfehler, wenn der Patient die erforderlichen Schlüsse nicht selbst zieht, da man davon ausgeht, dass er ansonsten
6
Verhaltenstherapie
auch keine langfristigen Verhaltensänderungen durchführt. Aus demselben Grund gilt Transparenz über das
Vorgehen als notwendige vertrauensbildende Maßnahme in der VT, damit der Patient nicht befürchten muss, gegen
seinen Willen zu irgendwelchen Maßnahmen manipuliert worden zu sein.
In der Psychotherapieforschung gilt als gesichert, dass die Beziehung zwischen dem Psychotherapeuten und dem
Klienten für die Wirksamkeit der Psychotherapie sehr wichtig ist[2] . Es wird der Verhaltenstherapie von ihren
Kritikern oft vorgeworfen, in ihrem heute meist kognitivistischen, aber auch dem früheren behavioristischen
Vorgehen, keine eigenen theoretischen Ansätze hierzu zu besitzen.
Auch die Kognitive Therapie nach Beck ist kritisiert worden. Siehe hierzu: Kognitive Therapie.
Psychoanalytische Kritiker knüpfen häufig an der Reduzierung der Psychologie auf eine „Laborwissenschaft“ an. Die
Psychoanalyse behauptet, dass es unmöglich sei, die komplexen Zusammenhänge der Psyche in einer Laborsituation
nachzustellen. Psychoanalytiker kritisieren, dass verhaltenstherapeutische Therapien vor allem die Reduzierung der
Symptome zum Ziel habe, wie dies in der Verhaltenstherapie üblich ist. Durch deren Reduzierung solle nämlich
keineswegs die Ursache für eine psychische Störung bekämpft, sondern lediglich ein leidiges Symptom für kurze
Zeit verbessert werden. Dadurch können sich Symptome anderer Art bilden. Diesen Vorgang nennt man
Symptomverschiebung. Hierdurch bezweifeln sie die Nachhaltigkeit der Verbesserungen. Die in der
Verhaltenstherapie vorherrschende Neigung zur Effizienz wird ebenso kritisiert. Mit möglichst kurzen Therapien
werde dem Individuum wenig Raum gegeben und lediglich die Krankheit in den Mittelpunkt des Kontakts zwischen
Therapeuten und Klienten gestellt. Dies könne eine nachhaltige Heilung verhindern.
Kritiker aus humanistischen Therapieformen, wie der Gesprächspsychotherapie oder der Gestalttherapie, sind der
Meinung, dass die Verhaltenstherapie den Menschen von außen determiniert (bestimmt) sieht und das innere
Wachstum, die persönliche Verantwortung, die Willensfreiheit geleugnet oder nicht beachtet werde.
Literatur
• Margraf, J. (Hrsg.). (2000). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. (2. Auflage; 2 Bd.). Berlin: Springer. ISBN
3-540-66439-4
• Meichenbaum, D. & Turk, D.C. (1994). Therapiemotivation des Patienten. Ihre Förderung in Medizin und
Psychotherapie. Ein Handbuch. Aus dem Englischen übersetzt von Lothar Schattenburg. Bern:Huber.
• Reinecker, H. (1999). Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Tübingen: DGVT. ISBN 3-87159-020-7
• Dutschmann, A. (2000). Verhaltenssteuerung bei aggressiven Kindern und Jugendlichen. Manual zum Typ A des
ABPro. Tübingen: DGVT.
• Rost, D. H., Grunow, P. & Oechsle, D. (Hrsg.). (1975). Pädagogische Vehaltensmodifikation. Weinheim: Beltz.
ISBN 3-407-51084-5
• Young, Jeffrey, Klosko, Janet & Weishaar, Marjorie: Schematherapie. Ein praxisorientiertes Handbuch.
Junfermann Verlag Paderborn, 2. Auflage 2008. ISBN 978-3-87387-578-4
• Hillenbrand, Clemens (2006): Einführung in die Pädagogik bei Verhaltensstörung. (3. Auflage) München.
• Zarbock, Gerhard (2008): Praxisbuch Verhaltenstherapie. Grundlagen und Anwendungen
biografisch-systemischer Verhaltenstherapie. Papst Science Publishers, Lengerich, ISBN 978-3-89967-471-2
7
Verhaltenstherapie
Weblinks
• Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. [3]
• Schweizerische Gesellschaft für Verhaltens- und Kognitive Therapie [4] (SGVT)
Referenzen
[1]
[2]
[3]
[4]
Hautzinger (Hrsg.): Davison und Neale (2002): Klinische Psychologie. Weinheim: Belz PVU
Smith, B.;Sechrest, L.: Treatment of Aptitude x Treatment interactions. In: J. Consul. Clin. Psychol., 59. Jg. (1991), S. 233–244.
http:/ / www. dgvt. de
http:/ / www. sgvt-sstcc. ch
Verhaltensanalyse
Die Verhaltensanalyse ist eine Naturwissenschaft, die sich mit dem Verhalten von Menschen befasst, mit dem was
Menschen sagen oder tun und mit dem Verhalten von Tieren. Die Verhaltensanalyse versucht, dieses Verhalten zu
verstehen, zu erklären, zu beschreiben und vorauszusagen. Die wissenschaftstheoretische Grundlage der
Verhaltensanalyse ist der Radikale Behaviorismus nach B.F. Skinner.
Nach Paul Chance (1998) ist die Verhaltensanalyse die Untersuchung der funktionalen Relationen zwischen
Verhalten und Umweltereignissen.
• Ein Verhalten ist alles, was ein Mensch oder Tier tut und das (von anderen Menschen oder nur von dieser Person
selbst) beobachtet werden kann.
• Ein Umweltereignis ist jedes Ereignis in der Umwelt eines Organismus, das beobachtet werden kann.
• Eine funktionale Relation ist die Tendenz eines Ereignisses, in regelhafter Art und Weise mit einem oder
mehreren anderen Ereignissen zu variieren.
Die Grundlagenwissenschaft, die sich damit befasst, die Gesetze des Verhaltens zu entdecken und zu beschreiben, ist
die experimentelle Analyse des Verhaltens (Experimental Analysis of Behavior).
Die angewandte Verhaltensanalyse versucht das Verhalten von Menschen oder Tieren zu ändern, indem sie die
vorausgehenden Bedingungen und nachfolgenden Konsequenzen des Verhaltens verändert. Bekannte Anwendungen
der Verhaltensanalyse sind:
• die Behandlung des frühkindlichen Autismus (siehe Applied Behavior Analysis)
• diverse Methoden des programmierten Unterrichts (Direct Instruction, Personalized System of Instruction,
Precision Teaching)
• die gewaltfreie Dressur von Tieren (vgl. Clickertraining)
• die Methode der verhaltensorientierten Arbeitssicherheit (Behavior Based Safety, BBS)
u.v.m.
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Verhaltensanalyse
Literatur
Einführende Lehrbücher:
• Chance, P. (1998). First Course in Applied Behavior Analysis. Pacific Grove: Brooks/Cole Publishing.
• Miller, L. K. (1997). Principles of Everyday Behavior Analysis. Pacific Grove: Brooks/Cole Publishing.
Siehe auch
• Verhaltensbiologie
Weblinks
•
•
•
•
•
Cambridge Center for Behavioral Studies [1]
Association for Behavior Analysis [2]
Deutsche Website zur Angewandten Verhaltensanalyse [3]
Journal of the Experimental Analysis of Behavior und Journal of Applied Behavior Analysis [4]
Behavior Analyst Online [5] Mehrere Online-Zeitschriften zum Thema Verhaltensanalyse
Referenzen
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
http:/ / www. behavior. org
http:/ / www. abainternational. org
http:/ / www. verhalten. org
http:/ / seab. envmed. rochester. edu
http:/ / www. behavior-analyst-online. org
Konfrontationstherapie
Mit Konfrontationstherapie (auch: Konfrontationsverfahren) bezeichnet man spezielle psychotherapeutische
Interventionen. Der Begriff ist insofern etwas irreführend, als dass die Konfrontation keine eigenständige
„Therapieschule“ (wie zum Beispiel die Gesprächspsychotherapie) darstellt. Konfrontationsverfahren sind
psychotherapeutische Methoden und ein häufiger Bestandteil in der verhaltenstherapeutischen Behandlung von
Angst- und Zwangsstörungen. In der verhaltenstherapeutischen Literatur wird der Begriff Exposition synonym
verwendet, z. B. „Expositionsübungen“.
Die verhaltenstherapeutische Konfrontationstherapie hat sich in einer Vielzahl von wissenschaftlichen Studien als
höchst wirksam in der Behandlung von Angsterkrankungen erwiesen.
Beschreibung der Therapiemethode
Das grundlegende Prinzip dieser Behandlungsmethode ist die Konfrontation mit angstauslösenden Reizen.
Solche Reize können soziale Situationen (soziale Phobie), Kaufhäuser, Busse, U-Bahnen etc. (Agoraphobie) oder
einzelne spezielle Reize sein, wie zum Beispiel Spinnen, große Höhe usw. (spezifische Phobie). Bei der
Panikstörung sind eigene Körperempfindungen angstauslösend (z. B. ein beschleunigter Herzschlag), da sie als
Vorboten einer Panikattacke bewertet werden.
Kernmerkmal der meisten Angststörungen ist die Vermeidung der angstauslösenden Reize. Vermeidung wird von
Verhaltenstherapeuten als eine die Störung aufrechterhaltende Bedingung verstanden, da sie neue Erfahrungen
verhindert, und somit die Bewältigung der gefürchteten Reize/Situationen erschwert.
9
Konfrontationstherapie
Vorgehensweise
In der Exposition konfrontiert der Patient sich mit den für ihn spezifischen angstauslösenden Reizen. Dies geschieht
seitens des Therapeuten keinesfalls „überfallsartig“, sondern nur mit der ausdrücklichen Zustimmung des Patienten.
Gemeinsam mit dem Patienten wird bei der Vorbereitung der Konfrontation im Rahmen der Psychoedukation ein
Erklärungsmodell für die jeweiligen Beschwerden erarbeitet. Aus dem Modell wird mittels lernpsychologischer
Prinzipien das Konfrontationsrational abgeleitet: Dieses besagt, dass die Angststärke nicht, wie seitens des Patienten
erwartet, ins Unendliche steigen kann, sondern durch Habituation mit der Zeit zwangsläufig ein Plateau erreicht und
letztlich absinkt, auch wenn man den gefürchteten Reiz nicht vermeidet sondern „in der Situation bleibt“. Somit kann
durch die reale Erfahrung der Konfrontation die Angst „verlernt“ werden.
Ausgehend von dem Erklärungsmodell wird die tatsächliche Konfrontation mit den gefürchteten Situationen
therapeutisch vorbereitet. Dazu gehört die Klärung und Steigerung der Wichtigkeit eines Erfolgs für den Patienten,
die Erhöhung seiner Erwartung, die Exposition bewältigen zu können und schließlich die Auswahl der Situationen
und der konkreten Vorgehensweise.
Im Rahmen der Konfrontationstherapie werden insbesondere bei der Erarbeitung des Erklärungsmodells gedankliche
Anteile der Angst therapeutisch bearbeitet: Ängstliche Gedanken werden in Form von Erwartungen und
Befürchtungen bewusst gemacht, konkretisiert und anhand der Realität überprüft. Das emotionale Erleben des
Patienten im Gespräch und in der Exposition erleichtert die Veränderung der zu Grunde liegenden neuronalen
Engramme und steigert die Effizienz des Lernprozesses.
Eine im Sinne des „Verlernens der Angst“ erfolgreiche Konfrontation ist also ein komplexer psychologischer Prozess
und keinesfalls damit gleichzusetzen, dass der Patient sich „einfach nur seiner Angst stellen muss“.
Die ersten Expositionsübungen finden typischerweise in Begleitung des Therapeuten statt. Mit zunehmender
Sicherheit auf Seiten des Patienten führt dieser die Übungen im weiteren selbstständig ohne Begleitung des
Therapeuten fort.
Wirkmechanismen
Die Konfrontation soll Erstens eine Überprüfung der (extremen) Befürchtungen des Patienten ermöglichen. Im
Gegensatz zur Vermeidung ermöglicht die Herangehensweise der Konfrontation mit der Realität dem Betroffenen,
neue Erfahrungen und damit eine Veränderung der Befürchtungen, sowie im Erfolgsfall eine Stärkung seiner
Bewältigungsfähigkeiten in der angstbesetzten Situation.
Zweitens dient insbesondere das fortgesetzte eigenständige Üben der Patienten der Gewöhnung an die
angstauslösenden Reize und somit der weiteren und dauerhaften Verminderung der Angst.
Beides zusammengenommen beschreibt letztlich eine Lernerfahrung, die vergleichbar auch bei nicht
krankheitswertigen Ängsten eine erfolgreiche Bewältigung der zuvor gefürchteten Herausforderung ermöglicht. Man
denke hier zum Beispiel an das Schwimmenlernen, an Referate/Vorträge in Schule und Beruf, an Verkaufs- und
Kundengespräche usw.
10
Konfrontationstherapie
Differenzierung unterschiedlicher Vorgehensweisen
Je nachdem, ob sich der Patient mit seiner Angst in der Realität oder in der Vorstellung konfrontiert, wird zwischen
einer Konfrontation in vivo bzw. in sensu unterschieden. Vorstellungsübungen können die Annäherung an die Angst
erleichtern, aber auch zur Einübung veränderter Reaktionen genutzt werden.
Eine weitere Unterscheidungsmöglichkeit wird zwischen der massierten und der graduierten Konfrontation
getroffen. Bei der massierten Konfrontation konfrontiert sich der Patient nach der Vorbereitungsphase sofort mit
seinen größten Ängsten, um schnellstmögliche Erfolge zu erzielen. Bei der graduierten Konfrontation wird zuerst
eine Angsthierarchie erstellt und in Absprache mit dem Therapeuten zu Beginn der Konfrontationsübungen eine
leichtere Problemsituation ausgewählt, bei der größere Erfolgserwartungen bestehen.
Ein Beispiel für eine massierte in vivo-Konfrontation ist das Flooding.
Literatur
• Neudeck & Wittchen (Hrsg.): Konfrontationstherapie bei psychischen Störungen. Hogrefe 2004.
• Hoffmann & Hofmann: Expositionen bei Ängsten und Zwängen. Beltz Verlag PVU 2004.
Klassische Konditionierung
Klassische Konditionierung ist eine von dem
russischen Physiologen Iwan Petrowitsch Pawlow
begründete behavioristische Lerntheorie, die besagt,
dass einem natürlichen, meist angeborenen,
sogenannten unbedingten Reflex durch Lernen ein
neuer, bedingter Reflex hinzugefügt werden kann:
Gegeben sei ein unbedingter (auch: „unkonditionaler“)
Reiz (engl.: unconditioned stimulus, abgekürzt US oder
UCS), der als Reflex eine unbedingte (auch:
„unkonditionale“) Reaktion (engl.: unconditioned
reaction, abgekürzt UR oder UCR) auslöst. Bietet man
Einer der Hunde Pawlows
nun im Zusammenhang mit dem US mehrfach einen
bislang neutralen Reiz (NS) dar (Kopplung), so wird
dieser zum bedingten Reiz (CS). Er löst nun ebenfalls eine Reflexreaktion (die bedingte Reaktion CR) aus, die der
unbedingten Reaktion UR meist sehr ähnlich ist.
Die Annahmen und Techniken des klassischen Konditionierens können auch angewendet werden, um Ängste,
Zwangshandlungen oder angstähnliche Symptome zu behandeln. Bekannt sind solche Techniken als
Gegenkonditionierung, Aversionstherapie, systematische Desensibilisierung und „Flooding“.
Begriffe
11
Klassische Konditionierung
12
deutsch
Unbedingter Reiz
englisch
Kürzel
Erklärung
unconditioned stimulus US (UCS) Reiz, der ohne vorangegangenes Lernen eine Reaktion auslöst
Unbedingte Reaktion unconditioned
response
UR
(UCR)
angeborene Reaktion, die durch den US ausgelöst wird
Neutraler Reiz
neutral stimulus
NS
Reiz, der zu einer unspezifischen Reaktion führt
Bedingter Reiz
conditioned stimulus
CS
ursprünglich neutraler Reiz,
der aufgrund einer mehrmaligen Kopplung mit einem US
eine gelernte oder bedingte Reaktion bewirkt
Bedingte Reaktion
conditioned response
CR
erlernte Reaktion, die durch den CS ausgelöst wird
Der neutrale (später: bedingte) Reiz darf anfangs keine spezifische Reaktion hervorrufen, er muss jedoch als
diskreter Reiz wahrgenommen werden, also z. B. eine Orientierungsreaktion (OR) auslösen.
Klassische Konditionierung kurzgefasst:
vor Training NS → keine spezifische Reaktion; US → UR
Training
NS + US → UR
Ergebnis
CS → CR
Zwei Beispiele
Der Pawlowsche Hund
Hauptartikel: Pawlowscher Hund
Das bekannteste Beispiel ist der Pawlowsche Hund, bei dem die Gabe von Futter immer mit einem Glockenton
verbunden wurde. Nach mehreren Wiederholungen war schon allein auf den Glockenton hin ein Speichelfluss des
Hundes zu beobachten.
Ausgangssituation:
• Summton (neutraler Reiz) führt zu Ohren spitzen (unspezifische Reaktion)
• Futter (unbedingter Reiz) führt zu Speichelfluss (unbedingte Reaktion)
Lernprozess:
• mehrmalige Paarung von Summton + Futter (neutraler Reiz + unbedingter Reiz)
Lernergebnis
• Summton (bedingter Reiz) führt zu Speichelabsonderung (bedingte Reaktion)
Bombenalarm
Durch ein weiteres Beispiel soll der Vorgang des klassischen Konditionierens bei menschlichem Verhalten
verdeutlicht werden:
Das Fallen der Bomben im Zweiten Weltkrieg hat bei den Menschen Angst und Schrecken ausgelöst. Meistens
jedoch ertönte vor dem Fallen der ersten Bomben der Fliegeralarm. Bei vielen Menschen hat nach der zweiten
Wiederholung jener Signalabfolge schon der Fliegeralarm selbst Angst und Schrecken verursacht. „Auch in
Friedenszeiten löst die Sirene bei zahlreichen Menschen Angst aus, selbst wenn es sich nur um einen Probealarm
handelt.“ (Edelmann, 1996, S. 63) Für den unkonditionierten Menschen würde der Alarm alleine keine signifikante
Reaktion auslösen. Erst durch die Kombination von Fliegeralarm und dem Fallen der Bomben wird die Reaktion
(Angst und Schrecken) konditioniert. Hätten diese beiden Reize nicht in einem zeitlichen Verhältnis zueinander
gestanden, hätte man den Fliegeralarm nicht mit dem Fallen der Bomben assoziiert, und die unbedingte Reaktion,
Klassische Konditionierung
Angst bei dem Ertönen des Heulens zu verspüren, wäre nie zu einer bedingten Reaktion geworden. Das Modell der
klassischen Konditionierung ist noch erweitert worden, nachdem festgestellt wurde, dass allein die Vorstellung des
Ertönens des Fliegeralarms zu Angstzuständen führte.
Exzitatorische und inhibitorische Konditionierung
Exzitatorische klassische Konditionierung ist die Kopplung eines vormals neutralen Reiz an einen Reiz, der
angeborenes Verhalten auslöst, also sozusagen die „klassische“ klassische Konditionierung. Hierbei kann die
ausgelöste Reaktion auch in einer Verminderung oder gänzlichen Hemmung von Verhalten bestehen.
Ein Organismus kann jedoch auch lernen, dass der CS an das Ausbleiben eines (exzitatorischen) US gekoppelt ist.
Dann spricht man von inhibitorischer klassischer Konditionierung. Beispiel: Kind A wird regelmäßig von Kind B
verprügelt, jedoch nicht, wenn Kind C dabei ist. Der Anblick von Kind B alleine wurde zum CS für die
Angstreaktion von A; der Anblick von C wurde jedoch zu einem Sicherheitssignal, die Angstreaktion bleibt aus.
Effektive Designs
Je nachdem, wie in der Lernphase (auch: „Akquisition“) der zeitliche Zusammenhang zwischen CS und US gewählt
wird, ist die Konditionierung unterschiedlich effektiv. Bei der umfangreichen Forschung wurden hauptsächlich die
folgenden Inter-Stimulus-Intervalle benutzt:
• short delayed conditioning: Der CS wird dargeboten und kurz darauf, aber während der CS noch an ist, der US.
• long delayed conditioning: Der CS wird dargeboten und einige Zeit später, aber während der CS noch an ist, der
US. Keine scharfe Grenze zur kurzen Verzögerung, aber: je kürzer die Verzögerung, umso effektiver das Lernen.
• simultaneous conditioning: CS und US werden gleichzeitig dargeboten, uneffektiv.
• trace conditioning: Erst wird der CS dargeboten, anschließend der US. Erfordert Reizkopplung auf der
Gedächtnisspur.
• backward conditioning: Der CS wird nach dem US dargeboten. Funktioniert nur bei inhibitorischer
Konditionierung.
Die Konditionierung funktioniert also in der Regel am besten, wenn der neutrale und der unbedingte Reiz kurz
aufeinander folgen (Kontiguität). In manchen Fällen funktioniert die Konditionierung aber auch, wenn Stunden
zwischen beiden Reizen liegen (z. B. Assoziation einer Übelkeitsreaktion mit dem Geschmack von Blaubeeren, weil
man am Abend zuvor zufällig Blaubeeren gegessen hat, s. Geschmacksaversion). Entscheidend für die
Konditionierung ist jedoch die Kontingenz zwischen CS und US: Die CR wird nur dann ausgebildet, wenn der CS
einen Signalcharakter bekommt, also mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den US vorhersagt.
Auch die Anzahl der Wiederholungen der Kopplung von bedingtem (CS) und unbedingtem Reiz (US) hat
Auswirkungen auf den Lernprozess. „In der Regel ist also der Erwerb einer bedingten Reaktion (CR) an das
wiederholte Zusammenvorkommen dieser beiden Reize gebunden. Dieses Prinzip wollen wir Bekräftigung nennen.“
(Edelmann, 2000, S. 37f.)
Weitere Bedeutung für die Effektivität von Reizen haben ihre Neuigkeit und Salienz.
Dabei müssen unbedingte und bedingte Reaktion nicht die gleiche Phänomenologie aufweisen (wie bei Pawlows
Experiment). Ein Beispiel dafür ist Schockkonditionierung beim Menschen: Die unbedingte Reaktion ist eine
Schreckreaktion, verbunden mit einer Erhöhung von Herzfrequenz und Blutdruck. Testet man nach dem Training die
bedingte Reaktion, dann besteht diese jedoch in einer Senkung der Herzfrequenz.
13
Klassische Konditionierung
Biologische Stärke
Gelingt die Konditionierung, wird also der Reiz eines bestehenden Reiz-Reaktions-Paares (z. B. Summton ->
Kopfdrehen zur Schallquelle) auf eine andere Reaktion (z. B. Speichelfluss) „umgebogen“, so sagt man seit Pawlow,
diese neue Reiz-Reaktions-Bindung habe größere biologische Stärke als die alte. Umgekehrt ist ein Reiz nicht als
NS/CS für eine neue Reiz-Reaktions-Bindung geeignet, wenn er bereits zu stark an die Auslösung einer anderen
Reaktion gebunden ist. Auch die Gegenkonditionierung gelingt nur, wenn der neue US stärker seine (neue,
erwünschte) Reaktion auslöst, als der alte US seine (nunmehr zu löschende) Reaktion.
Bedingte Hemmung/Inhibition
Wenn der bedingte Reiz (CS) die gleiche Reaktion hervorruft wie der unbedingte Reiz (wie in den Beispielen),
spricht man von exzitatorischer Konditionierung. Gibt es einen weiteren Reiz, nach dem zuverlässig kein US folgt,
wird dieser vormals neutrale Reiz zu einem hemmenden/inhibitorischen bedingten Reiz (CS-), der dafür sorgt, dass
die bedingte Reaktion auf den exzitatorischen bedingten Reiz (CS+) schwächer ausfällt oder gar nicht auftritt
(sogenannte bedingte Hemmung oder bedingte Inhibition). Ist der CS+ ein aversiver Reiz, kann der CS- als
Sicherheitssignal aufgefasst werden. Die einfachste und effektivste Prozedur, um einen neutralen Reiz zu einem
Inhibitor zu machen, ist seine simultane Präsentation mit dem CS+, jedoch ohne den US folgen zu lassen.
Extinktion (Löschung)
Hauptartikel Extinktion (Psychologie)
Wird der bedingte Reiz (CS) wiederholt ohne nachfolgenden unbedingten Reiz (US) dargeboten, so wird die
Reaktion (CR) immer schwächer und bleibt schließlich ganz aus: Der CS hat seinen Signalcharakter für den US
verloren, diesen Vorgang bezeichnet man als Extinktion (Löschung). Wird jedoch der Vorgang mit dem bedingten
Reiz (CS) zu einem späteren Zeitpunkt wiederholt, so tritt häufig erneut die bedingte Reaktion auf (sogenannte
„spontane Erholung“), wenn auch in geringerer Intensität als vor der Extinktion.
Aus Pawlows Theorie folgt streng genommen, dass ein einmal gelernter Reflex niemals komplett gelöscht werden
kann. Er wird durch das Ausbleiben des US lediglich schwächer. Diese Hemmung ist zunächst nicht dauerhaft,
dadurch kommt es zum Phänomen der spontanen Erholung des Reflexes. Der Begriff Extinktion wurde von Pawlow
selbst nie verwendet; er schrieb stets von Hemmung und Abschwächung. In der englischen Übersetzung wurde
daraus extinction. Da Pawlows Werke dann aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt wurden (statt direkt aus dem
Russischen), etablierte sich der Übersetzungsfehler auch im Deutschen als Fachausdruck (Extinktion oder Löschung).
„Emotional-motivationale Reaktionen sind häufig sehr widerstandsfähig gegenüber Löschung“ (Edelmann, 2000, S.
38). In einem Beispiel geht Edelmann auf diesen Spezialfall ein: „Kinder und auch Erwachsene empfinden zuweilen
auch vor relativ kleinen Hunden Angst, obwohl unangenehme Erlebnisse mit solchen Tieren überhaupt nicht mehr
erinnert werden können.“ (Edelmann, 2000, S. 38)
Gegenkonditionierung
Wurde ein bedingter Reiz (CS) erlernt, sodass er zuverlässig eine bedingte Reaktion (CR1) auslöst, soll diese
Assoziation in der Gegenkonditionierung wieder gelöst werden. Dazu paart man nun den CS mit einem neuen
unbedingten Reiz, der eine zur CR1 gegengerichtete Reaktion CR2 auslöst. War also die CR1 aversiv, ist die CR2
appetitiv und umgekehrt. Hat z. B. eine Ratte einen Ton (CS) als Prädiktor für Stromreize (US1) erlernt, sodass der
Ton alleine bereits eine Angstreaktion (CR1) auslöst, wird in der Gegenkonditionierung der Ton solange mit einem
appetitiven Reiz (US2, z. B. Futtergabe) gepaart, bis der Ton die Angstreaktion nicht mehr auslöst. Zur Anwendung
der Gegenkonditionierung in der Psychotherapie siehe Gegenkonditionierung.
14
Klassische Konditionierung
Konditionierung höherer Ordnung
Wird ein neutraler Reiz mit einem unbedingten Reiz gepaart, spricht man von Konditionierung erster Ordnung. Paart
man einen neutralen Reiz mit einem bedingten Reiz, sodass der vormals neutrale Reiz ebenfalls die bedingte
Reaktion auslöst, ist dies eine Konditionierung zweiter Ordnung. Sie gelingt nur, wenn der zweite CS biologisch
schwächer ist als der erste CS. Pawlow konditionierte zunächst das Ticken eines Metronoms als CS für Futter
(Konditionierung erster Ordnung). Dann paarte er das Metronom mit dem Anblick eines schwarzen Quadrats
(Konditionierung zweiter Ordnung). Nach dieser Lernphase löste das schwarze Quadrat Speichelfluss aus, obwohl es
nie mit dem Futter gepaart worden war.
Pseudokonditionierung
Erzeugt der US eine allgemeine, unspezifische Erhöhung der Reaktionsbereitschaft, sodass die Reaktion auf den CS
auf dieser Erregung und nicht auf Lernen beruht, spricht man von „Pseudokonditionierung“. Um sicherzustellen, dass
die in der Experimentalgruppe beobachteten Lerneffekte nicht auf Pseudokonditionierung beruhen, wird einer
Kontrollgruppe die gleiche Menge und die gleiche Verteilung von CS und US präsentiert, jedoch ohne zeitlichen
Zusammenhang. Zwei gebräuchliche Kontrollprozeduren sind 1. zufällige und 2. explizit ungepaarte Darbietung von
CS und US.
Blocking Effect
Wird in einer ersten Lernphase der Reiz A als CS konditioniert und anschließend versucht, die Kombination von
Reiz A und einem weiteren Reiz B in einer zweiten Lernphase ebenfalls als CS zu konditionieren, kann danach Reiz
B alleine die CR nicht auslösen (Kamin, 1968). Die in Lernphase 1 erworbene Assoziation zwischen Reiz A und US
„blockiert“ in Lernphase 2 das Ausbilden einer Assoziation zwischen Reiz B und US. Dass nach Phase 2 die CR von
der Reizkombination A + B ausgelöst wird, liegt offenbar an Reiz A alleine. Der blocking effect widerlegt die
Annahme, dass Kontiguität das entscheidende Kriterium zur Ausbildung einer Assoziation zwischen zwei Reizen ist,
denn die Kontiguität zwischen Reiz B und US war in Lernphase 2 perfekt gegeben. Diese Entdeckung führte zur
Entwicklung des Rescorla-Wagner-Modells, welches besagt, dass der Neuigkeitswert und die Salienz des CS darüber
entscheiden, wie stark er das Verhalten beeinflusst.
Literatur
• W. Edelmann: Lernpsychologie. Psychologie Verlags Union, Weinheim, 6. Aufl. 2000. ISBN 978-3-621-27465-4
• James E. Mazur: Lernen und Verhalten. Pearson Verlag, 6. Auflage 2006, ISBN 978-3-8273-7218-5
Weblinks
• Informationsseite zur Klassischen Konditionierung an der Universität Bielefeld, Fakultät für Pädagogik [1]
• Signallernen, Reiz-Reaktionslernen, S-R-Lernen [2]
Referenzen
[1] http:/ / www. uni-bielefeld. de/ paedagogik/ Seminare/ moeller02/ 06konditionieren/ index. html
[2] http:/ / www. stangl-taller. at/ ARBEITSBLAETTER/ LERNEN/ KonditionierungKlassisch. shtml
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Extinktion
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Extinktion
Der Begriff Extinktion (lateinisch: „Auslöschung“) bezeichnet:
• in der Optik die Abschwächung einer Strahlung, siehe Extinktion (Optik)
• in Astronomie und Meteorologie die Schwächung der Helligkeit eines Himmelskörpers, siehe Extinktion
(Astronomie)
• in der Psychologie eine Löschung eines Verhaltens durch Nichtanwendung oder Erlernen eines alternativen
Verhaltens, siehe Extinktion (Psychologie)
• in der Biologie und der Paläontologie das Verschwinden einer Art aus einem Lebensraum, siehe Aussterben
Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.
Gegenkonditionierung
Gegenkonditionierung ist ein Begriff der behavioristischen Lerntheorien und bezeichnet die Schwächung eines
unerwünschten Verhaltens durch Nichtbestätigung sowie durch Bekräftigung des Erwünschten.
Anwendung findet Gegenkonditionierung u.a. in der Psychotherapie. Ein Patient, ein junger Erwachsener z. B. der
als Kind und Jugendlicher durch häufige und heftige Kritik seiner Äußerungen seitens einer nahen Bezugsperson,
etwa der Eltern, nun äußerungsgehemmt ist, beginnt in der Gesprächstherapie über Erlebnisschwierigkeiten zu
sprechen.
Der Therapeut äußert Verständnis; dadurch "enttäuscht" er die Angsterwartungen des Patienten, zurechtgewiesen zu
werden und bekräftigt ihn in seiner Selbstexploration sowie deren Preisgabe an den Gesprächspartner.
Siehe auch: Extinktion, Konditionierung
Habituation
Habituation
Habituation (v. lat.: habituari: "etwas an sich haben" bzw. habitus: "Aussehen, Haltung"; Adjektiv habituell: "zur
Gewohnheit geworden") bezeichnet eine einfache (und beim Menschen in der Regel nicht-bewusste) Form des
Lernens. Habituation setzt ein, wenn ein Individuum wiederholt einem Reiz ausgesetzt ist, der sich als unbedeutend
erweist. Die Reaktion auf diesen Reiz schwächt sich dann allmählich ab und unterbleibt schließlich womöglich
völlig. Hält man nach Eintritt der Habituation den Reiz genügend lange fern, nimmt die Reaktionsbereitschaft des
Individuums in der Regel wieder zu. Synonyme für Habituation sind Gewöhnung und erlernte
Verhaltensunterdrückung.
Das Gegenteil zu Habituation ist Sensitivierung.
Begriffsgeschichte
Den Begriff "Habituation" führte William Thorpe 1944 in einem Fachaufsatz in die verhaltensbiologische
Terminologie ein und definierte ihn als "eine Aktivität des Zentralnervensystems, die dazu führt, dass angeborene
Antworten auf schwache Stör- und Warnreize abnehmen, wenn der Reiz über längere Zeitspannen andauert, jedoch
keine unvorteilhaften Auswirkungen hat." (an activity of the central nervous system whereby innate responses to mild
shock and warning stimuli wane as the stimuli continue for a long period without unfavourable results.)
Habituation bewirkt also, dass ein Individuum lernt, auf bestimmte Reize nicht zu reagieren, so dass ständig
vorhandene Reizmuster aus der Wahrnehmung ausgeblendet und dem Individuum "unnütze" Reaktionen erspart
bleiben.
Von der Habituation zu unterscheiden ist die Abschwächung der Reaktion auf einen häufig wiederholten Reiz
aufgrund von Ermüdung oder aufgrund einer Anpassung von Sinnesorganen (Adaptation) an den Reiz, wie sie sich
zum Beispiel im Auge beim Übergang von Dunkelheit zu - anfangs blendender - Helligkeit vollzieht.
Beispiele für Habituation bei Tieren
Habituation kann, wie schon Thorpe beschrieben hat, dazu führen, dass erlernte Alarmreize aus der Umwelt eines
Tieres letztlich zu keiner messbaren Reaktion mehr führen.
Ein bekanntes Beispiel für erlernte Alarmreize sind die Kommandos, die der Halter seinem Hund gibt: "Hasso
komm!", "Hasso aus!". Häufig ist jedoch zu beobachten, dass Hundehalter diese Befehle zwar äußern, ohne dass dies
aber zu einer erkennbaren Reaktion des Tieres führt. Der Halter lässt dann seinerseits oft keine unmittelbaren
Konsequenzen für den Hund folgen, womöglich bettet er seine Befehle stattdessen in einen Schwall von verbalen
Beschimpfungen ein. Das Verhalten des Hundes kann so gedeutet werden, dass er sich daran gewöhnt hat, dass den
vom Halter geäußerten Rufen keine unvorteilhaften Auswirkungen folgen, weswegen der Hund keine Reaktion mehr
auf die zuvor erlernten Befehle zeigt.
Habituation kann aber auch zum Ausbleiben von angeborenen Antwortreaktionen führen. Ein neu in den Haushalt
gekommenes Kaninchen, das im Käfig liegend ruht, richtet sich beispielsweise umgehend auf, wenn ein Mensch sich
ohne Ansprache des Tieres kurz über den Käfig beugt und danach sofort wieder weggeht. Diese als Vorstufe zur
Fluchtbereitschaft zu deutende Reaktion des Tieres schwächt sich allmählich ab und bleibt schließlich ganz aus,
wenn die Bewegungen über dem Käfig keine Konsequenzen für das Tier haben.
Die Piepslaute einer aus dem Nest geratenen jungen Hausmaus führen regelmäßig dazu, dass die Mutter das Nest
verlässt, sich dem Jungtier annähert und es in das Nest zurück trägt. Diese angeborene, als Eintrageverhalten
bezeichnete Reaktion wird im Experiment auch dann ausgeführt, wenn die Piepslaute eines Nestlings vom Tonband
abgespielt werden. Die Mutter nähert sich dann dem Lautsprecher an, nach wiederholtem Abspielen bleibt diese
Annäherung jedoch aus.
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Habituation
Ein Hund, der nachts schläft und in früher Morgenstunde immer zur selben Zeit den Zeitungslieferanten auf dem
Grundstück bemerkt, wird diesen nach einer gewissen Eingewöhnungszeit ignorieren und einfach weiterschlafen,
sofern eine unmittelbare Konsequenz ausbleibt, der Zeitungslieferant also nicht auf den Hund eingeht und der Hund
dem Zeitungslieferanten auch nicht nahe kommen kann. Kommt der Zeitungslieferant hingegen ein mal früher oder
später, wird der Hund vermutlich anschlagen, da der Habituationsprozess sich auf eine bestimmte Tageszeit bezieht
und die Ankunft des Zeitungslieferanten zu einer anderen Tageszeit nicht im Habituationsprozess "Zeitungslieferant
kommt jeden Morgen zu einer bestimmten Zeit" enthalten ist. Es findet eine Dishabituierung statt, da der Reiz eine
unerwartete Änderung in einem Faktor erfährt.
Habituation beim Menschen
Eine frühe Studie zum Nachweis von Habituation beim Menschen publizierte
1925 der Berliner Kinderarzt Albrecht Peiper, nachdem er festgestellt hatte, dass
Neugeborene bereits wenige Minuten nach der Geburt auf akustische Signale
(Töne einer Spielzeugtrompete) mit veränderten Körperbewegungen reagieren.
Er testete daraufhin, ob auch Ungeborene bereits durch verändertes Strampeln
auf solche Laute reagieren. Seine Beobachtungen zeigten, dass die Reaktionen
der Ungeborenen auf eine Autohupe umso schwächer ausfielen, je öfter sie den
Lauten ausgesetzt worden waren. Später konnten andere Forscher nachweisen,
dass Neugeborene auch auf wiederholt dargebotene olfaktorische und visuelle
Reize mit Habituation reagieren, wenn sie folgenlos bleiben, also nicht verstärkt
werden.
Ein weiteres Beispiel für Habituation beim Menschen ist die Gewöhnung an
Kleidung, wie sie jedem FKK-Liebhaber bekannt ist: Wer im Urlaub mehrere
Albrecht Peiper
Wochen lang weder Hose noch Hemd getragen hat, wird bei seiner Rückkehr in
die Textilkultur durch das beständige Drücken des Stoffs gegen Haut und
Körperhaare anfangs erheblich irritiert sein, sich aber nach kurzer Zeit wieder an diesen Dauerreiz gewöhnt haben.
Auch eine neue Brille kann zunächst zu derartigen Irritationen an Ohren und Nase führen, die später durch
Habituation wieder verloren gehen.
Dass es sich beim Phänomen der Habituation um keine bloße "Erschöpfung" der an der Wahrnehmung des Reizes
beteiligten Sinneszellen handelt, kann man leicht an folgendem Beispiel nachvollziehen: Der Mensch gewöhnt sich
nach kurzer Zeit zum Beispiel an das nächtliche, gleichmäßige Summen der Fahrzeuge auf einer entfernten
Autobahn, bis er dieses Hintergrundgeräusch schließlich nicht mehr als störend wahrnimmt. Sobald das Geräusch
aber aussetzt, weil man an einem absolut ruhigen Ort übernachtet, bemerkt man, dass etwas "nicht stimmt".
Eigenschaften von Habituation
Ein wesentliches Problem bei der Identifizierung liegt in der Abgrenzung zu Ermüdung bzw. Erlahmung (engl.:
fatigue) und der sensorischen Adaption des Organismus. Angenommen, wir betrachten die Reaktion einer Ratte
auf ein sehr helles Licht. Anfangs zeigt die Ratte eine sehr starke Reaktion - sie zeigt eine Schreck-Reaktion (springt
kurz in die Luft). Mit wiederholter Reizdarbietung nimmt diese Reaktion in ihrer Stärke sukzessive ab. Ist diese
Abnahme der Reaktion nun ein Beweis für Habituation? Sie könnte ebenso auf Ermüdung der Ratte zurückzuführen
sein - sie wäre dann einfach konstitutionell nicht in der Lage, ständig einen starke Schreck-Reaktion auszuführen.
Ebenso könnte die Reaktionsabnahme durch sensorische Adaptation verursacht worden sein. Möglicherweise ist die
Ratte nach der Darbietung des Lichtes für eine Weile `geblendet´, kann also die weiteren Darbietungen des Reizes
nicht angemessen wahrnehmen.
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Habituation
Eine Reihe von bestimmten Eigenschaften, die nur bei Habituation auftreten, helfen, diese von anderen Prozessen zu
unterscheiden.
Reizspezifität
Habituation ist reizspezifisch. Das bedeutet, die Reaktion habituiert nur auf einen bestimmten Reiz (mit wachsender
Unähnlichkeit zwischen zwei Reizen wird die Habituation der Reaktion zunehmend aufgehoben). Damit lässt sich
Habituation von Ermüdung unterscheiden. Wenn der Organismus konstitutionell erlahmt bzw. ermüdet ist, dann
sollten alle seine Reaktionen in verminderter Stärke auftreten. Eine habituierte Reaktion tritt jedoch nur auf einen
bestimmten Reiz auf. Wird ein anderer Reiz dargeboten, ist die Reaktion auf ihn unvermindert stark. Zum Beispiel
die Ratte: Bei der wiederholten Darbietung eines sehr lauten durchdringenden Tones zeigt die Ratte eine starke
Schreck-Reaktion (sie springt kurz in die Luft), welche bei wiederholter Reizdarbietung immer schwächer wird. Nun
wird die Ratte einem Elektroschock ausgesetzt. Wenn die Ratte auf den Elektroschock eine unvermindert starke
Schreck-Reaktion zeigt, dann wäre dies ein Beleg dafür, dass die Reaktion auf den Ton habituiert hätte. Wenn die
Ratte jedoch auch auf den Schock eine sehr schwache Reaktion zeigt, wäre dies ein Hinweis für generelle Ermüdung
des Tieres.
Reaktionsspezifität
Habituation ist reaktionspezifisch. Wenn eine Reaktion auf einen Reiz habituiert wurde, muss eine andere Reaktion
auf denselben Reiz nicht habituiert sein. Somit lässt sich Habituation von sensorischer Adaptation abgrenzen. Wenn
ein Organismus einen bestimmten Reiz nicht angemessen wahrnehmen kann (z. B. durch helles Licht geblendet ist),
dann sollten alle Reaktionen auf diesen Reiz vermindert stark auftreten. Ist die Reaktion jedoch habituiert, kann eine
andere Reaktion auf den Reiz in unverminderter Stärke auftreten.
Nehmen wir ein Beispiel aus dem Schulalltag: Während einer Klausur macht der Lehrer plötzlich eine Ankündigung.
Für einen kurzen Moment halten wir in unserer Arbeit inne und schauen nach vorn. Gleich darauf blicken wir wieder
auf unsere Klausur und arbeiten weiter, hören jedoch trotzdem noch der Ankündigung des Lehrers zu. Unsere eine
Reaktion auf den Lehrer (das Aufblicken) ist also habituiert, eine andere jedoch (das Achten auf seine Worte) besteht
unvermindert stark weiter.
Zeitliche Dauer
Man unterscheidet hinsichtlich der zeitlichen Dauer des Habituationseffektes zwei Arten der Habituation:
long-term-habituation
Dieser Effekt hält zeitlich vergleichsweise lang an. Nehmen wir zum Beispiel ein abstraktes Gemälde. Sehen wir
dieses zum ersten mal, werden wir ihm sehr viel Aufmerksamkeit widmen und die ungewöhnliche Darstellung
erstaunt eine Weile betrachten. Sehen wir das Bild später erneut, so blicken wir nur kurz hin und sind nicht mehr
überrascht, da wir es bereits kennen. Unsere Reaktion hat also habituiert. Diese Habituation ist zeitlich lang
andauernd - auch wenn wir dem Bild nach fünf Wochen oder noch länger wieder begegnen, wird unsere Reaktion im
Vergleich zum ersten Anblick stark vermindert sein.
short-term-habituation
Diese Form der Habituierung ist zeitlich relativ kurz andauernd. Wenn wir beispielsweise eine Disko besuchen, wird
uns die laute Musik anfangs vielleicht stören. Mit der Zeit wird diese Reaktion jedoch habituieren und wir werden
die Lautstärke kaum noch bewusst wahrnehmen. Verlassen wir dann die Disko für ein paar Stunden und betreten sie
dann erneut, wird diese Habituation nicht mehr bestehen und die Lautstärke uns erneut stören. Der
Habituationseffekt ist also von relativ kurzer Dauer.
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Habituation
Short-term-habituation beobachtet man z. B. auch bei Habituierungen von Versuchstieren auf aversive Reize,
z. B. Elektroschocks.
Eine wesentliche Charakteristik der short-term-Habituation in Abgrenzung zur long-term-habituation ist der
spontaneous-recovery-Effekt (Spontanerholungseffekt). Dieser besteht in einer Erholung der Reaktion von
der Habituierung (also in einer zugenommenen Stärke der Reaktion) nach einem time-out. Time-out bedeutet,
dass man dem Organismus nach abgeschlossener Habituierung auf einen Reiz diesen Reiz für eine gewisse
Zeitspanne nicht mehr darbietet (z. B. die Ratte für 24 Stunden in ihren Heimatkäfig entlässt). Bietet man nach
dieser Auszeit den Reiz erneut dar, dann tritt die vorher habituierte Reaktion in stärkerer Form als bei
Abschluss der Habituationsphase auf. Diesen Effekt bezeichnet man als Spontanerholung.
Habituation als Problem von Verhaltenstests
So nützlich der Mechanismus der Habituation für Tier und Mensch ist, so unangenehm berührt sind von ihm häufig
die Verhaltensforscher. In ihren Experimenten sind sie ja häufig gerade darauf angewiesen, ihre Testtiere wiederholt
bestimmten Reizmustern auszusetzen, um glaubwürdige Aussagen über die Wirkung eines bestimmten Reizes auf
deren Verhalten formulieren zu können. Bei der Planung der Experimente muss daher stets darauf geachtet werden,
dass durch genügend lange Zeitabstände zwischen den Wiederholungen der Experimente eine das Ergebnis der Tests
verfälschende Habituation der Testtiere mit hinreichend großer Sicherheit ausgeschlossen werden kann.
Siehe auch
•
•
•
•
Handlungsbereitschaft
Gegenkonditionierung
Sensitivierung
Electrodermale Habituation ist eine emergenetische Eigenschaft.
Literatur
• Albrecht Peiper: Sinnesempfindungen des Kindes vor seiner Geburt. Monatsschrift für Kinderheilkunde 29
(1925): 237-241.
• Robert Hinde: Behavioral Habituation. New York: Cambridge Univ. Press, 1970
• H.V.S. Peek und M.J. Hertz (Hrsg.): Habituation (2 Bände). New York: Academic Press, 1973
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Systematische Desensibilisierung
Systematische Desensibilisierung
Unter der Systematischen Desensibilisierung versteht man den Prozess der Verhaltenstherapie, die mit einem
schrittweise durchgeführten Verfahren gegen eine psychische Angststörung (Angst-, Panik-, generalisierte
Angststörung) und andere Gefühlsüberflutungen vorgeht. Sie ist eine Therapiegrundlage, die im Gegensatz zur
Reizüberflutung, dem sogenannten Flooding, steht, bei dem eine sofortige starke Konfrontation mit dem angst- oder
panikauslösenden Objekt bzw. jener Situation vorgenommen wird. Als ein Begründer der Systematischen
Desensibilisierung gilt Joseph Wolpe.
Therapie
Der Therapeut stellt zunächst eine Reizhierarchie auf, da es bei den meisten Angststörungen bei den betreffenden
Personen zuvor zu einer Reizgeneralisierung gekommen ist. So hat z. B. jemand, der eine Rattenphobie hat, auch
Angst vor Mäusen, etwas weniger vor Meerschweinchen und sogar „ein wenig“ Angst (ein Gefühl des Unbehagens)
vor Fellen und Pelzen. Auch die rein gedankliche Vorstellung geeigneter Objekte bzw. Situationen wird bereits
Angst auslösen.
Die systematische Desensibilisierung setzt dann in der Therapie an einem schwachen Glied der zuvor erstellten
Reizhierarchie an und konfrontiert den Patienten einer Vorstellung eines Objektes, welches der Betroffene in nur
geringem Maße mit dem eigentlichen Phobieobjekt assoziiert. Zusätzlich wird angstantagonistisches Verhalten
eingeübt, meist eine sogenannte progressive Muskelentspannung (auch: progressive Muskelrelaxation, kurz PMR).
Falls bei der Vorstellung eines Reizes Angst auftritt, wird dabei die Vorstellung sofort abgebrochen und zur
Entspannung übergegangen. Hat sich der Patient daran gewöhnt, ist er also desensibilisiert, so kann er die nächste
Stufe in Angriff nehmen und mit der Vorstellung der Maus eine Annäherung wagen.
Die Reizhierarchie wird also bis zum Auslösungsobjekt der neurotischen Störung schrittweise abgearbeitet, sodass
der Betroffene letztlich nicht unbedingt voll und ganz von seiner Störung geheilt wird, dennoch zumindest in
Zukunft besser mit seinen Gefühlen zu bestimmten Objekten oder Situationen umgehen kann.
Literatur
• Joseph Wolpe: Praxis der Verhaltenstherapie. 2. Nachdruck, Huber, Bern 1977, ISBN 3-456-30528-1
21
Flooding (Psychotherapie)
Flooding (Psychotherapie)
Das Flooding (auch Überflutung, Reizüberflutung) ist eine Form der Konfrontationstherapie, die v. a. in der
Verhaltenstherapie eingesetzt wird. Es wird als massiertes Verfahren in vivo eingeordnet. Als massiertes Verfahren
wird es nicht graduell, in kleinen Schritten angewendet. In vivo bedeutet ein Vorgehen in der Realität.
Dabei wird der Patient nach ausführlicher Information und Vorbereitung dem stärksten angstauslösenden Reiz
ausgesetzt und soll in der Situation bleiben, bis seine Angst zurückgegangen ist. Wenn eine Person z. B. Höhenangst
hat, dann wäre die Reizüberflutung das Verweilen auf einem hohen Turm. Diese Therapieform sollte nur durch einen
entsprechend ausgebildeten Therapeuten ausgeführt werden.
Sinn der Therapie ist, dass der Patient durch die Erfahrung, dass er die stärkste Angst ausgehalten hat, lernt bzw.
erkennt, dass er die Situation überlebt. Als einziger Sicherheitsreiz dient dabei der Therapeut.
Screen-Technik
Die Bildschirmtechnik (auch Screentechnik oder Videotechnik) ist eine psychotherapeutische Technik zur
Traumabearbeitung und Stärkung der Ressourcen. Sie wurde 1989 von Frank Putnam empfohlen und 1998 von
Ulrich Sachsse und später von Lutz-Ulrich Besser verfeinert und weiterentwickelt.
Anwendung in der Traumatherapie
Anwendung findet die Methode beispielsweise in der Hypnotherapie, oder bei der Traumatherapie kombiniert mit
Psychodynamisch Imaginativer Traumatherapie von Luise Reddemann in der letzten Phase des therapeutischen
Prozesses, der sogenannten Traumakonfrontation.
Bevor ein Patient damit beginnen kann, muss er zur Gewährleistung seiner Sicherheit ein ausreichendes Maß an
persönlicher Stabilität erreicht haben. Die Arbeit mit der Bildschirmtechnik erfordert eine gezielte qualifizierte
Vorbereitung. Dazu werden innere Ressourcen wie Kraft, Sicherheit, Weisheit verfügbar gemacht und gestärkt.
Geeignete Methoden sind beispielsweise „Sicherer Ort“ (eine real erfahrene, oder an eine solche anknüpfende
idealisierte Situation/Ort, die ein Gefühl der Sicherheit vermittelt hat, und in die der Mensch sich in seiner inneren
Vorstellung jederzeit "hineinbegeben" kann um sich dort zu stärken), „Innere Helfer“ (eine imaginäre Person, von der
man Kraft, Unterstützung und weise Hinweise bekommen kann, meist anknüpfend an kindlich reale Erfahrungen
von guten Mächten), sowie Distanzierungstechniken, beispielsweise die „Tresor-Technik“ (bei der noch zu starke
und überwältigende Gefühle in einem imaginären Tresor für einen Zeitraum sicher weggesperrt werden). Es reicht
nicht aus, dass in der direkten Begegnung mit dem Therapeuten eine stabile Situation geschaffen wird, sondern der
Patient muss über die Therapiestunde hinaus entsprechende kontrollierende Techniken beherrschen, denn die in der
Bildschirmtechnik auftauchenden Gefühle können über die Therapiestunde hinaus wirken.
Methode
Bei der Bildschirmtechnik projiziert der Patient in der Phase der Traumabearbeitung die Traumathematik auf einen
„inneren Bildschirm“, oder eine imaginäre Leinwand, auf der er das Geschehen als „Zuschauer“ sozusagen distanziert
und portionsweise betrachten kann. Mit einer imaginären „Fernbedienung“ kann er - je nach Mächtigkeit der
unangenehmen Gefühle und persönlicher Stärke - Einfluss nehmen, beispielsweise auf die Dauer des Betrachtens,
Nähe, Größe, Deutlichkeit, Lautstärke des Sicht- und Hörbaren, und er kann die Konfrontation damit auch jederzeit
beenden. Mit dieser Methode kann ein Trauma Schritt für Schritt durchgearbeitet werden. Die überwältigenden
Gefühle von Ohnmacht, Todesangst, Panik, Ekel, Scham werden dabei zunehmend zu unterscheiden gelernt von
Gefühlen, die der Verarbeitung dienen (Empörung, Wut, Trauer). Zum erfolgreichen Abschluss der Bearbeitung ist
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Screen-Technik
eine Phase des inneren Selbsttrostes erforderlich. Dabei wird geklärt, welche Unterstützung notwendig ist und wie
diese erfolgen kann.
Die Bildschirmtechnik eignet sich für Patienten, die sich Abläufe bildhaft vorstellen können. Sie ist im Vergleich mit
dem EMDR eine eher sanfte Form der Traumakonfrontation, die dem Patienten ein hohes Maß an Kontrolle über den
Bearbeitungsprozess ermöglicht. Sie geht nicht so tief wie das EMDR, dauert länger, ist jedoch besser steuerbar.[1]
Literatur
• Luise Reddemann: Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie. PITT - das Manual (Reihe:Leben lernen 167).
3. Auflage. Pfeiffer bei Klett-Cotta, 2005, ISBN 3-608-89729-1, S. 172.
• Luise Reddemann: Imagination als Heilsame Kraft. Zur Behandlung von Traumafolgen mit
ressourcenorientierten Verfahren. (Reihe:Leben lernen 141). 8. Auflage. Pfeiffer bei Klett-Cotta, 2003, ISBN
3-608-89708-9, S. 113.
Einzelnachweise
[1] Luise Reddemann, Arne Hoffmann, Ursula Gast (HR): Psychotherapie derdissoziativen Störungen (Lindauer Psychotherapie Module. Georg
Thieme, Stuttgart, New York 2004, ISBN 3-13-130511-8, S. 135.
Paradoxe Intervention
Die Paradoxe Intervention ist eine psychotherapeutische Methode, die in den 1970er Jahren besonders in der
systemischen Therapie als Mittel eingeführt wurde, um paradoxe Kommunikation aufzulösen.
Durch die paradoxe Intervention soll eine festgefahrene Sichtweise erschüttert werden, um so eine Problemlösung
möglich zu machen. Methoden sind z. B.:
•
•
•
•
Symptomverschreibung
Reframing (positive Umdeutung des Symptoms)
Rückfallvorhersage
Utilisation eines Symptoms
Bei der Symptomverschreibung wird das als problematisch verstandene Verhalten gefördert. So kann z. B. die
therapeutische Verschreibung in einer Paartherapie, in dem sie ihm vorwirft im Haushalt nichts zu machen, in
folgender Anweisung an ihn bestehen: Bis zu unserer Sitzung unterlassen Sie jede Tätigkeit im Haushalt. Das
eigentliche Problem (nämlich der Gedanke, dass er dauernd etwas tun muss) löst sich dadurch auf.
Dabei ist der Ausgangsgedanke, dass jedes Verhalten seine soziale Funktion in dem System hat. Problematische
Verhaltensweisen sind eine Reaktion auf paradoxe Kommunikation und dienen als Beitrag zum Bestehen des
Systems, auch wenn die Mitglieder darunter leiden. Ziel dieser Strategie ist es, durch die Verschreibung die Funktion
des problematischen Verhaltens den Systemmitgliedern in seiner Paradoxie bewusst zu machen. Zudem soll deutlich
werden, dass dieses Verhalten keineswegs spontan oder unkontrollierbar ist, sondern durchaus gesteuert werden
kann.
Das mit der paradoxen Intervention ausgedrückte Verständnis besagt, dass das menschliche Verhalten berechenbar
ist. Die Maßnahme dient der Manipulation der Klienten und ist schwer zu kontrollieren. Entsprechend wird sie
inzwischen nur noch selten eingesetzt.
Die paradoxe Intention (auch paradoxe Intervention) ist eine spezielle Form der therapeutischen Intervention, bei
der der Klient aufgefordert wird, sein symptomatisches Verhalten nicht zu bekämpfen, sondern bewusst herbei zu
führen und auszuüben.
Nach Viktor E. Frankl, Paul Watzlawick und Jay Haley kann dieses Verfahren zur Symptomreduktion führen, sofern
das Zielverhalten durch Spontaneität gekennzeichnet ist und in soweit der Kampf gegen das Symptom zu seiner
23
Paradoxe Intervention
Aufrechterhaltung beigetragen hat.
Siehe auch: Doppelbindungstheorie
Paradoxe Intention wird auch als Methode gegen Einschlafstörungen angewandt.
Literatur
• M. Selvini Palazzoli, L. Boscolo, G. Cecchin, G. Prata: Paradoxon und Gegenparadoxon. Ein neues
Therapiemodell für die Familie mit schizophrener Störung, 2. Auflage, Stuttgart: Klett-Cotta, 1978. ISBN
3-608-95375-2
• P. Watzlawick, J. H. Beawin, D. D. Jackson: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien, 6.
Auflage, Bern, Stuttgart, Wien: Huber, 1982. ISBN 3-456-83457-8
Biofeedback
Mit dem Begriff Biofeedback (von altgriechisch Bios = Leben und englisch Feedback = Rückmeldung) wird eine
Methode bezeichnet, bei der Veränderungen von Zustandsgrößen biologischer Vorgänge, die der unmittelbaren
Sinneswahrnehmung nicht zugänglich sind, mit technischen (oft elektronischen) Hilfsmitteln beobachtbar, d. h. dem
eigenen Bewusstsein zugänglich gemacht werden. Biofeedback weist eine inhaltliche Nähe zu
verhaltenstherapeutischen und lerntheoretischen Ansätzen auf. Die Einsatzmöglichkeiten der Behandlungstechnik
sind vielfältig. Über kurative Ansätze hinaus findet Biofeedback auch Anwendung im Bereich des
peak-performance-trainings und des Coachings. Es wird häufig zur Entspannung, aber auch zur Rehabilitation (zum
Beispiel von erlahmten Muskeln) eingesetzt. Biofeedback hat nichts mit Bioresonanztherapie zu tun.
Theorie
Körpereigene
innerliche
Regulationsvorgänge
sind
dem
Bewusstsein häufig nicht direkt
zugänglich, so dass bei Imbalancen
auch nicht bewusst auf den Regelkreis
eingewirkt werden kann. Biofeedback
dient dazu, mittels physiologischer
Messungen eine Körperfunktion (wie
zum Beispiel Puls, Hautleitwert oder
Biofeedback
Hirnströme)
dem
Bewusstsein
zugänglich zu machen. Dies geschieht im allgemeinen durch Töne (Lautstärke, Tonhöhe oder Klangfarbe) oder
Visualisierungen (z. B. Zeiger oder Balkengraphiken). Der Patient versucht durch diese Rückkopplung eine
Verbesserung der Regulation durch operante Kontrolle zu erzielen.
24
Biofeedback
Signalquellen
Für die bewusst wahrnehmbare Darstellung kommt eine Reihe von biologischen Istwerten in Frage. Diese werden
nicht-invasiv gemessen, in einem Analog/Digital-Konverter konvertiert, gemittelt und verstärkt und schließlich
graphisch oder akustisch aufbereitet. Im einzelnen können erfasst werden:
•
•
•
•
•
•
•
•
Atemmuster (Atemfrequenz, Atemamplitude) (mittels Atemgurt oder mittels Abstandsmessung)
Blutdruck
Puls (Frequenz, Amplitude und Variabilität) mittels Pulsplethysmographie oder EKG
Sauerstoffgehalt des Blutes (mittels Oxymeter, welches das Absorptionsspektrum oxygenierten Hämoglobins
misst)
Hauttemperatur
Hautleitwert respektive Hautwiderstand (mittels Impedanzmessung zwischen zwei leitenden Metallkontakten)
Muskelpotentiale (mit Hilfe der Elektromyografie)
Gehirnströme (mit Hilfe der Elektroenzephalografie)
Die technischen Ausführungen reichen von tragbaren kleinen Geräten, die häufig nur einen Parameter erfassen und
rückmelden, über Vaginal- und Rektalelektroden bis hin zu Mehrkanalgeräten,die mehrere Signale gleichzeitig
hochfrequent aufzeichnen. Teilweise erfolgt die Übertragung kabellos mittels blue-tooth-Technik, so dass der
Proband/Patient sich während der Therapie ungehindert bewegen kann.
Für viele der Anwendungen gilt, dass nicht unbedingt ein offensichtlicher Zusammenhang zwischen dem "Organ"
der Erkrankung und dem für die Therapie gewählten Messwert bestehen muss; so wird etwa für das Biofeedback bei
Depressionen häufig die Herzratenvariabilität als Istwert genutzt.
Praxis
Eine mögliche Umsetzung in der Praxis sieht folgendermaßen aus: Der Proband sitzt vor einem Computerbildschirm.
An seinem Finger ist eine Messsonde angebracht, die den Hautleitwert und damit indirekt den Grad der Anspannung
des autonomen Nervensystems misst. Dieser Messwert wird auf dem Monitor angezeigt, so dass der Proband eine
Rückmeldung über seine aktuell ablaufenden physiologischen Regelmechanismen erhält. Gleichzeitig kann die
Atemkurve oder der Grad der Muskelanspannung an Stirn und Nacken erfasst werden. Zusätzlich besteht die
Möglichkeit, ein Pulsamplituden-Messgerät an der Schläfenarterie (A. temporalis) anzubringen (wichtig bei der
Behandlung von Migränepatienten). Auf dem Bildschirm werden die erhobenen Werte als Kurvendiagramm oder
anders graphisch aufbereitet gezeigt. So werden psychophysiologische Zusammenhänge verdeutlicht. Beispielsweise
kann verfolgt werden, welche Auswirkungen Erinnerungen an schöne oder schwierige Situationen auf Atmung,
Hautleitwert und Herz-Kreislauf-System haben. Das beobachtbare Reaktionsmuster ist individuell verschieden. Die
Rückmeldung führt dazu, dass der/die Behandelte sich selbst besser kennenlernt und Entspanntheit von
Angespanntheit unterscheiden lernt. Oft genug zeigen die Messwerte, dass Muskeln angespannt sind, der Atem flach
geht, die Handflächen schwitzen oder das Herz schnell schlägt, obwohl das dem/der Betroffenen nicht bewusst wird.
Biofeedback dient einer Bewusstseinsschärfung für eigene innere Zustände. Man spricht von einer Erhöhung der
Introspektionsfähigkeit. In einem zweiten Schritt dienen Übungen dazu, die Parameter in Richtung auf ein
Therapieziel zu verändern, z. B. den Hautleitwert zu senken, die Muskelanspannung zu drosseln, das Atemmuster
gleichmäßig und ruhig werden zu lassen. Der Weg zur Erreichung des Ziels ist dabei nicht vorgegeben. Biofeedback
kann mit Entspannungsverfahren wie dem autogenen Training, Yoga, achtsamkeitsbasierten Methoden oder
progressiver Muskelentspannung problemlos kombiniert werden. Die sofortige Rückmeldung über den Erfolg der
eingesetzten Technik erhöht die Motivation, einmal Begonnenes fortzuführen und zu perfektionieren. Letztlich geht
es darum, die Einflussnahme auf das vegetative Nervensystem auch ohne Hilfsgerät zuverlässig im Alltag
anzuwenden, um schwierige Situationen besser zu meistern, ohne Beschwerden zu entwickeln.
25
Biofeedback
Einsatzbereiche
Entsprechend der Fülle der ableitbaren Parameter sind die klinischen und praktischen Anwendungsmöglichkeiten
vielfältig. Sie umfassen
•
•
•
•
•
•
•
•
Schmerzsyndrome[1] (chronischer Rückenschmerz, Migräne, Kopfschmerz)
Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie hohen Blutdruck[2] (ergänzend zu medikamentöser Therapie), M. Raynaud
Angst- und Panikstörungen, Depressionen[3] , funktionelle Störungen, psychosomatische Beschwerden
Harn- und Stuhl-Inkontinenz
ADHS, Epilepsie
Tinnitus[4]
neuromuskuläre Rehabilitation
Stressmanagement, Peak-Performance-Training
Die Methode ist nebenwirkungsfrei und auch für Kinder ab ca. 6 Jahren sowie Erwachsene mit Behinderungen
prinzipiell geeignet. Für viele der genannten Indikationsbereiche sind stichhaltige Wirksamkeitsnachweise in Form
von kontrollierten Studien erbracht und in Metaanalysen mittlere bis große Effektstärken gezeigt worden.Trotzdem
werden die Kosten für Biofeedback derzeit nur in Einzelfällen von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen.
Institutionalisierungen
In Österreich und Deutschland gibt es eine qualifizierte Aus- und Weiterbildung für Biofeedback.
Die „Österreichische Gesellschaft für Biofeedback und Psychophysiologie“ wurde 1989 als interdisziplinärer
Zusammenschluss gegründet und hat nach eigenen Angaben 2005 mehr als 150 Mitglieder. Der österreichische
Ausbildungslehrgang umfasst 150 Stunden Theorie und Praxis, Absolventen dürfen sich "Biofeedbacktherapeut" (als
Mediziner oder Psychologe) oder "-trainer" (als medizinischer Hilfsberuf) nennen.
In Österreich und Deutschland bietet seit 1995 die „Europäische Biofeedback-Akademie“ (BFA) Aus- und
Weiterbildungen zum Biofeedbacktherapeuten an, die auch von der Deutschen Ärztekammer anerkannt sind.
Seit 2000 besteht die "Deutsche Gesellschaft für Biofeedback" (DGBfb).Die 8. Jahrestagung wurde im November
2008 in Neustadt/Aisch abgehalten. Im Februar 2008 fand der europaweite Biofeedbackfachkongress der
„Biofeedback Foundation of Europe“ in Wien statt.
Zur Jahresmitte 2002 wurde die Sektion Biofeedback im deutschen StK, jetzt Deutsche Gesellschaft für
Schmerztherapie (DGS) gegründet. Die unmittelbare Aufgabenstellung dieser Sektion war die Ausbildung zum
Biofeedback-Therapeuten, bzw. Biofeedback-Trainer im Bereich Schmerztherapie. Ein erster Ausbildungsgang
begann im Herbst 2002.
Siehe auch
• Neurofeedback
• Konditionierung
• Autogenes Training
Literatur
• Winfried Rief, Niels Birbaumer (Hrsg.): Biofeedback-Therapie. Grundlagen, Indikation und praktisches
Vorgehen. 2. Auflage. Schattauer, Stuttgart 2005, ISBN 3-7945-2395-4.
• Mario A. Piskernig: Tinnitus und Stress. Biofeedback als alternative Behandlungsmethode. VDM-Verlag Müller,
Berlin 2005, ISBN 3-86550-026-9.
• Timon Bruns, Nina Praun: Biofeedback. Ein Handbuch für die therapeutische Praxis. Vandenhoeck und
Ruprecht, Göttingen 2002, ISBN 3-525-46160-7.
26
Biofeedback
• Mehmet Eylem Kirlangic: EEG-Biofeedback and epilepsy. Concept, methodology and tools for (neuro)therapy
planning and objective evaluation. Technische Universität Ilmenau, Ilmenau 2005 (Dissertation).
• Nadine Kley: Psychologische Kurzzeiteffekte der Biofeedback-Therapie beim chronischen dekompensierten
Tinnitus. Universität Marburg, Marburg 2004 (Diplomarbeit).
• Andrea Herrmann: Wirkmechanismen der Biofeedback-Behandlung der weiblichen Harninkontinenz.
Veränderungen in Physiologie und Kontrollüberzeugungen. Universität Marburg, Marburg 2003 (Diplomarbeit).
• Cornelia Winter-Barnstedt: Phantomschmerz nach Extremitätenamputation. Diagnostik und
Biofeedback-Behandlung. Universität Heidelberg, Heidelberg 2001 (Dissertation).
• Gerhard H. Eggetsberger: Biofeedback - Heilung durch Körpersignale, Hilfe bei: Muskelverspannungen,
Migräne, Ängste, Sexualstörungen, u. v. a. m.. Verlag Perlen Reihe, Wien 1994, ISBN 3-85223-257-0.
Weblinks
• ARTE-Hippokrates-Sendung Biofeedback-Therapie [5]
• Fachkongress der "Biofeedback Foundation of Europe" 2006 in Wien angekündigt [6]
• Christoph Veigl Ein universelles System zur Anwendung von Biosignalen im Biofeedback und als Human
Computer Interface Diplomarbeit 2006/2007 durchgeführt am Institut „Integriert Studieren“ [7] (PDF-Datei;
8,65 MB)
Referenzen
[1] "Biofeedback treatment for headache disorders: a comprehensive efficacy review", Nestoriuc et al., Appl Psychophysiol Biofeedback, 2008
Sep;33(3):125-40, PMID 18726688
[2] "The effects of biofeedback for the treatment of essential hypertension: a systematic review", Greenhalgh et al., Health Technol Assess, 2009
Oct;13(46):1-104, PMID 19822104
[3] "Preliminary results of an open label study of heart rate variability biofeedback for the treatment of major depression", Karavidas et al., Appl
Psychophysiol Biofeedback, 2007 Mar;32(1):19-30, PMID 17333315
[4] "Neurofeedback for treating tinnitus", Dohrmann et al., Prog Brain Res, 2007;166:473-85, PMID 17956812
[5] http:/ / www. arte-tv. com/ de/ wissen-entdeckung/ hippokrates/ 835996. html
[6] http:/ / www. bfe. org/ meeting. html
[7] http:/ / www. shifz. org/ chris/ diplomarbeit. pdf
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Token-System
Token-System
Token-System (vom englischen Token Economy, übersetzt etwa Münz-Eintausch/Verstärkungssystem) ist ein
Begriff aus der Verhaltenstherapie. Synonym wird gelegentlich der Begriff Belohnungsplan verwendet.
Token sind sekundäre Verstärker. Für das erwünschte Verhalten erhält der Betreffende einen Token, etwa eine
Münze oder auch eine Murmel, die er später eintauschen kann gegen etwas, das er sich wünscht und anders nicht
erhalten kann (primärer Verstärker), z. B. eine Audio-CD (Belohnung), oder eine ihm dadurch ermöglichte,
gewünschte Aktivität (z. B. eine Stunde Fernsehen). Hiermit wird der in der Praxis häufige Mangel an geeigneten
primären Verstärkern umgangen, welche zeitlich kontingent wirksam auf das gewünschte Zielverhalten gegeben
werden können. Der Token ist somit einem echten Tauschmittel zur Erlangung des primären Verstärkers
vergleichbar, funktioniert allerdings nur in seinem System (daher der Name).
Geschichte und Formen
Token-Systeme wurden zunächst in geschlossenen Institutionen eingeführt, etwa in Heimen oder manchen
psychiatrischen Kliniken, in denen es darum ging, die Patienten oder Jugendlichen zu bestimmten Aktivitäten oder
erwünschtem Verhalten zu motivieren. Im weiteren Sinne ist ein Token-System also ein Belohnungssystem (siehe
auch positive Verstärker). Besondere Bedeutung haben Verstärkersysteme mit Token auch in der Behandlung bei
Kindern mit ADS (Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörungen). Dabei werden mit den Kindern oder
Jugendlichen positive Verhaltensweisen besprochen, die häufiger vorkommen sollen und durch Token verstärkt
werden. In Form von Tages- oder Wochenplänen wird dies dann schrittweise geübt und so in die tägliche Routine
übertragen. Als Token kommen hier oft kleine Steinchen aus dem Bastelbedarf zum Einsatz.
Ein Token-System unterscheidet sich maßgeblich von einem echten Geldsystem, unter anderem dadurch, dass die
Zuerkennung der Token individuell an jeden einzelnen Teilnehmer angepasst werden muss, da jeder andere
Zielsetzungen und Voraussetzungen mitbringt bzw. sich auf unterschiedlichen Stufen in der Verhaltenstherapie
befindet. Eine Verhaltensleistung, die für einen Patienten belohnenswert ist, kann für einen anderen Patienten zum
(nicht mehr belohnenswerten) Repertoire gehören. Auch die Einlösung der Token kann individuell gesteuert werden,
denn jeder hat eigene Wünsche und Bedürfnisse, die er zu befriedigen wünscht. Eine allgemeine Belohnung, die
nicht speziell auf die individuellen Bedürfnisse des Patienten abzielt, verfehlt oft ihre Wirkung.
Ähnliche Verfahren finden Anwendung z. B. in der Raucherentwöhnung; beispielsweise: für jeden Tag ohne
Zigarette legt man eine Murmel in ein gut sichtbar aufgestelltes Gefäß; bei einem Tag mit Zigarette entnimmt man
wieder zwei. Wenn 10 Murmeln gesammelt werden konnten, gönnt man sich einen Kinobesuch. Das System
funktioniert in der Eigenanwendung natürlich nur, wenn man ohne 10 Murmeln nicht trotzdem einfach ins Kino
geht. Ein Token-System funktioniert nur, wenn der gewünschte primäre Verstärker vom Patienten nicht anderweitig
erlangt werden kann. Es ist deshalb notwendig, den Tagesablauf und die geltenden Regeln so anzupassen und
einzuhalten, dass das System wirksam bleibt. Werden Token verwendet, die im Handel billig zu beschaffen sind
(z. B. Schmucksteine oder Murmeln aus dem Bastelbedarf), muss zudem darauf geachtet werden, dass sie nicht vom
Patienten selbst in großer Zahl besorgt werden können. Zur Kontrolle in offenen Heimen kann dazu seitens der
Betreuer eine Statistik geführt werden.
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Token-System
Therapie mit Token-Systemen
Therapieschritte
Die Therapieschritte können wie folgt ablaufen:
1. das Zielverhalten muss präzise und verständlich definiert werden (Transparenz)
2. möglichst viele wirksame Verstärker müssen bestimmt werden
3. es wird festgelegt
• was ein Token überhaupt ist,
• welche Anzahl von Token bei der Verwirklichung des Zielverhaltens maximal verdient werden können,
• wie sie zugeteilt werden,
• wie sich der Token-Verdienst im Laufe der Verhaltensannäherung verändert und
• wie viele Token bei Erreichen des Zielverhaltens erhalten werden
4. es muss genau festgelegt werden, wie viele Token notwendig sind, um die bereits oben angesprochenen
verstärkenden Objekte zu bekommen oder bestimmte Aktivitäten ausführen zu dürfen (Belohnung). Der
Verdienst und die Ausgabe der Tokens müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, da ja
lediglich eine Umorganisation von Verstärkung in Bezug auf Verhalten erreicht werden soll.
5. Wenn das Zielverhalten aufgebaut ist, muss das Token-Programm ausgeblendet werden (fading out).
Während dieser Übergang in der Regel bei Einzelklienten keine Schwierigkeiten bereitet, sind schon so einige
Gruppen-Token-Programme an diesem letzten Schritt gescheitert.
Merkmale der Token
• Token sind allgemein wertarme kleine Gegenstände, die ihren Tauschwert ausschließlich im System erhalten, und
nur dort können die (vorher vereinbarten) Verstärker eingeholt werden.
• Token sind innerhalb des Systems flexibel einsetzbar.
• Ihre Wirksamkeit bezieht sich auf die unterschiedlichsten Bedürfnisse und dadurch kann eine Sättigung
vermieden werden.
• Die Vergabe ist zeitlich unmittelbar auf das Verhalten möglich (wichtige Voraussetzung des operanten
Konditionierens)
• Der Verstärker ist von der ausgebenden Person (z. B. dem Lehrer in der Schule, dem Therapeuten in der
Therapie) unabhängig (im Extremfall ist die Ausgabe sogar durch einen Automaten möglich); auch zeitlich nicht
unmittelbar ausführbare Verstärker können eingesetzt werden.
Vorteile von Token-Systemen
Token-Systeme haben gegenüber Geld-Systemen viele Vorteile
• Durch die oben beschriebenen Punkte der Vorbereitung können dem Klienten auch komplexere Situationen
durchschaubar gemacht werden
• Die Token-Vergabe hat Informationswert, indem sie den Fokus auf das gewünschte Verhalten lenkt.
• Durch die genauen Definitionen haben Lehrer, Erzieher und Pflegepersonal oft sehr präzise
Handlungsanweisungen, wie sie auf das Verhalten von Klienten reagieren sollen.
In diesem letzten Punkt ist auch eine Gefahr gegeben: Ein großer Teil der Wirksamkeit eines Token-Programms lässt
sich darauf zurückführen, dass die soziale Umwelt sich konsequent an Regeln hält. Inkonsequentes Verhalten ist
auch ein Punkt, der solch ein Programm zum Scheitern verurteilen kann.
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Token-System
Nachteile von Token-Systemen
10-20% der Klienten sprechen nicht auf Token-Programme an. Es ist in den seltensten Fällen möglich, Patienten so
zu selektieren, dass homogene behandelbare Gruppen entstehen. Weiterhin sind auch die räumliche Ausstattung und
vor allem das Personal meistens nicht ausreichend.
Personal: In der Praxis hat sich gezeigt, dass bereits ein einziger Pfleger, der nicht hinter dem Programm steht und
den Anweisungen mit Nachlässigkeit begegnet, z. B. um bei den Patienten ein höheres Ansehen zu gewinnen, das
ganze Programm unterläuft und zum Scheitern bringen kann. Da eine in operanten Methoden geschulte und zur
Zusammenarbeit motivierte Gruppe von Pflegepersonal notwendig ist (die auch über eine gewisse Zeit konstant
bleiben sollte), scheitern viele Token-Programme am Personal.
Verantwortliche Psychologen: Die verantwortlichen Psychologen können den Fehler begehen, dass sie anfangs zwar
mit großem Elan und Einsatz Personal schulen und die Organisation des Token-Systems aufbauen, sich dann jedoch
zurückziehen und die Station eher im Sinne eines Managers betreuen. In der Alltagsroutine verfliegt der Elan des
Pflegepersonals dann auch schnell, wenn sich der Psychologe nach einer Phase der direkten Bekräftigung und
Stützung ohne allmähliches Ausblenden direkt aus dem Projekt zurückzieht.
Institution: Wenn sich andere für die Patienten mitverantwortliche Einheiten der Institution (z. B. Ärzte oder
Werkstattleiter) dem Token-Programm widersetzen oder doch zumindest durch ihre Äußerungen und ihr Verhalten
Patienten und vor allem auch das Pflegepersonal verunsichern und sich kontraproduktiv verhalten, scheitern viele
Programme auch an diesem Punkt.
Außenwelt: Eine weitere mögliche Störquelle liegt im Verhalten von Freunden und Verwandten der Patienten, die
häufig Dinge mit auf die Station bringen (mal eine DVD oder ein paar Leckerli als Belohnung für das rege
Durchhalten) und damit die Stationswährung unterlaufen und den Token somit ihre verstärkende Eigenschaft
entziehen. Insbesondere bei der häufigen Mitgabe von Taschengeld verlieren die Token schnell an Wert.
Kontingenz
Kontingenz (von lat.:contingere = zusammen (sich) berühren, (zeitlich unvorhergesehen) zusammenfallen;
lat.:contingentia als Aristoteles' Übersetzung von gr.: endechómenon = möglich) bezeichnet einerseits das
gemeinsame Auftreten zweier Ereignisse, andererseits aber auch einen Status der Ungewissheit und Offenheit
möglicher künftiger Entwicklungen.
Der Begriff bezeichnet:
• in der Philosophie die Zufälligkeit in Hinblick auf eine übergeordnete schicksalhafte Notwendigkeit, siehe
Kontingenz (Philosophie)
• in der Soziologie die prinzipielle Offenheit menschlicher Lebenserfahrungen, siehe Kontingenz (Soziologie)
• in der Statistik einen statistischen Zusammenhang nominalskalierter Merkmale, siehe Kontingenz (Statistik)
• in der Psychologie das gemeinsame Auftreten zweier Merkmale bzw. die Verbundenheit zweier Ereignisse, siehe
Kontingenz (Psychologie)
• in der Logik bezeichnet die Kontingenz eine Aussage, die sowohl wahr als auch falsch ist bzw. sein kann, siehe
Kontingenz (Logik)
Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort bezeichneter Begriffe.
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Dialektisch-behaviorale Therapie
Dialektisch-behaviorale Therapie
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) ist ein von der amerikanischen Psychologieprofessorin und
Klinikleiterin Marsha M. Linehan entwickeltes Therapiemodell und -konzept zur Behandlung der
Borderline-Persönlichkeitsstörung. Die Behandlungsmethode wird in der ambulanten und stationären
psychiatrisch-psychotherapeutischen Arbeit angewandt.
Die Aufgabe des Behandlers ist, eine Balance zu finden zwischen Strategien des Verstehens und Wertschätzens eines
Problems und dessen Veränderung. Diese „dialektische Strategie“ (Linehan, 1996) bildet die Grundlage für die
Bezeichnung Dialektisch-Behaviorale Therapie. Im Sinne der DBT betrachtet Dialektik scheinbare Gegensätze in
der Welt des Patienten, um sie aufzulösen und schrittweise zu integrieren.
Neben umfangreichen verhaltenstherapeutischen Behandlungsinterventionen bilden Elemente von humanistischen
und körperorientierten Therapieformen, Gestalttherapie, Hypnotherapie, Betrachtungsweisen und Übungen aus dem
Zen-Buddhismus die Grundlagen der Behandlung.[1]
Grundlagen
Bei der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) von Borderline-Persönlichkeitsstörungen (BPS) handelt es sich
um eine Therapieform, die seit mehr als 10 Jahren von Marsha Linehan auf der Basis der Verhaltenstherapie
entwickelt wurde. Linehan arbeitete schwerpunktmäßig mit suizidalen Patientinnen. Ihr Manual umfasst
Therapieelemente der kognitiv behavioralen Therapie, Sozialpsychologie, Neurobiologie und Aspekte der
fernöstlichen Meditation und Spiritualität.
Die DBT wurde zunächst als ambulante Therapieform entwickelt und umfasst:
•
•
•
•
Einzeltherapie
Fertigkeitentraining in der Gruppe
Telefonkontakt im Notfall
regelmäßige Intervision der Therapeuten.
Die DBT wird inzwischen auch im stationären Bereich angewandt und wurde in ihrer Ausführung zusätzlich auf
verschiedene Patientengruppen (Jugendliche, Patienten mit Essstörungen, im Strafvollzug und andere) spezialisiert.
• siehe auch Dialektisch-Behaviorale Therapie für Adoleszente
In der Einzeltherapie werden die Problembereiche hierarchisch im Sinne der Dringlichkeit geordnet. Vorrangig
stehen suizidales und parasuizidales Verhalten, gefolgt von therapiegefährdendem Verhalten, Beeinträchtigungen der
Lebensqualität und mangelnde Verhaltensfertigkeiten. In dieser Reihenfolge werden die Problemfelder bearbeitet
und falls nötig, geht der Behandlungsfokus umgehend nochmal auf die nächst höhere Ebene zurück.
Wesentliche Grundlage der Behandlung ist eine tragfähige therapeutische Beziehung mit Unterstützung des
Therapeuten in Hilfs-Ich Funktion, beispielsweise bei angemessener Grenzsetzung, Entwicklung der Selbstdisziplin,
Wertschätzung erreichter Fähigkeiten und anderem.
• Siehe in diesem Sinne auch Reparenting als wesentlicher Bestandteil jeder therapeutischen Beziehung.
Methode
Einzeltherapie
Besondere Rolle bei der Behandlung von BPS-Patienten kommt der therapeutischen Beziehung zu, da diese
Patienten mehr als andere zu voreiligen Therapieabbrüchen, schwierigem Agieren, extremen Negativismus usw.
neigen, insbesondere durch ihre diversen Probleme im emotionalen und zwischenmenschlichen Bereich und
entsprechendem Mangel an geeigneten Bewältigungsformen. Zwischen den Patienten und Therapeut/Klinik wird ein
31
Dialektisch-behaviorale Therapie
sog. „Commitment“ (dt: Verpflichtung bzw. Verpflichtungserklärung) geschlossen. Die Patienten verpflichten sich
zur Mitarbeit und Einhaltung von Regeln und Abmachungen, der Therapeut verpflichtet sich zur bestmöglichen
Hilfestellung. Das Commitment wird regelmäßig während der Therapie geprüft und ggf. erneuert oder modifiziert
(erweitert).
Die Patienten führen eine Tagebuchkarte, in die Suizidale Gedanken, Spannungszustände, Drogenkonsum, weitere
dysfunktionale Verhaltensweisen, aber auch Skillsanwendung und positive Tagesereignisse einzutragen sind. Durch
Verhaltensanalysen sollen die Betroffenen Einsicht in den Spannungsaufbau erhalten und lernen, das im
Fertigkeitentraining Gelernte in Handlungspläne einzubauen. Nach selbstverletzendem Verhalten oder
Suizidversuchen werden die Patienten gebeten, solche Analysen selbst anzufertigen. Voraussetzung für die
eventuelle Bearbeitung eines Traumas in einem zweiten Therapieabschnitt ist, dass die Patienten gelernt haben,
emotionale Krisen, Spannungszustände und Dissoziationen selbst durch die gelernten Fertigkeiten zu regulieren. Die
Traumabearbeitung erfolgt durch Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie und durch Expositionsstrategien.
Fertigkeitentraining in der Gruppentherapie
Die in der Gruppentherapie vermittelten Fertigkeiten treffen auch auf die Einzelbehandlung zu.
Das dem Konzept entsprechend unbedingt von zwei Therapeuten geleitete Fertigkeitentraining hat
Workshop-Charakter. Der Schwerpunkt liegt auf dem Lehren von Fertigkeiten, gruppendynamische Prozesse werden
nur soweit notwendig berücksichtigt, interaktionelle Probleme werden durch das Anwenden von Fertigkeiten im
Sinne der DBT gelöst. Kritik und Anregungen seitens der Teilnehmer sind ausdrücklich erwünscht, eine
experimentell-partnerschaftliche Atmosphäre soll entstehen.
Das Fertigkeitentraining findet regelmäßig, mindestens einmal wöchentlich, statt und besteht aus den fünf Modulen:
•
•
•
•
•
Innere Achtsamkeit
Zwischenmenschliche Fertigkeiten
Umgang mit Gefühlen
Stresstoleranz und
Selbstwert
Mit Innerer Achtsamkeit werden dem Patienten Techniken vermittelt, sich selbst besser zu spüren und
wahrzunehmen und seiner Wahrnehmung zu vertrauen. Er soll sich in einer Situation sicher fühlen können ohne sie
zu bewerten oder entwerten zu müssen und das rechte Maß finden an der Situation teilnehmen zu können oder
Distanz zu ihr zu bewahren. Hier fließen die Ansätze des Zen ein. Ziele sind, mehr Bewusstheit im Alltag zu
gewinnen, mehr Steuerungsmöglichkeiten über sich selbst zu bekommen und Gefühle und Verstand in Einklang zu
bringen.
Das Modul Zwischenmenschliche Fertigkeiten soll dazu befähigen, Beziehungen zu knüpfen und zu pflegen.
Dabei geht es darum, in der Begegnung mit anderen abzuwägen, ob es in der jeweiligen Situation wichtiger ist die
Beziehung aufrecht zu erhalten, oder den eigenen Willen durchzusetzen. Faktoren, die die soziale Kompetenz des
betreffenden Teilnehmers beeinträchtigen, werden herausgearbeitet, sowie Faktoren, die seine Kompetenz fördern.
Zu den jeweiligen Bereichen werden förderliche Selbstaussagen erarbeitet (z. B. „Ich kann mir selbst vertrauen. Ich
darf mich selbst achten. Ich bin es wert, geachtet zu werden. Ich bin berechtigt, dafür zu sorgen, dass es mir gut
geht.“) Es soll dem Menschen möglich werden, auf eigenen Wünschen, Zielen und Meinungen bestehen zu können,
ohne die Beziehung zum anderen zu gefährden, dabei von anderen Menschen respektiert zu werden und die eigene
Selbstachtung aufrecht zu erhalten.
Dieses Modul ist verwandt mit dem sozialen Kompetenztraining. Es geht um die Wahrnehmung der eigenen
Bedürfnisse, deren Äußerung, Durchsetzung und Abgrenzung gegenüber anderen. Soziale Selbstsicherheitsstrategien
werden vermittelt und entsprechende Verhaltensweisen trainiert, mit dem Ziel, die Kompetenz im Umgang mit
anderen zu stärken. Beispielsweise: „Wie kann ich fragen, wenn ich etwas brauche. Wie kann ich nein sagen oder
mich besser durchsetzen. Wie kann ich mit Konflikten mit anderen Menschen angemessen und effektiv umgehen.
32
Dialektisch-behaviorale Therapie
Wie kann ich eine Beziehung pflegen.“[2]
Im Umgang mit Gefühlen lernen die Patienten ihre unterschiedlichen Gefühle zu erkennen, zu benennen und ihre
Bedeutung für ihr Handeln zu begreifen. Gefühle sind Signale, die dem Menschen Orientierung geben,
beispielsweise darüber, ob ihn etwas gerade wütend macht und es ist wichtig, auch unangenehme Gefühle
auszudrücken. Besprochen und geübt werden Fertigkeiten wie Beobachten, Beschreiben und Verstehen von
Gefühlen, Verwundbarkeit verringern, Schritte in Richtung angenehmer Gefühle tun, emotionales Leiden loslassen.
Ziel ist, Gefühle in ihren Bedeutungen und Auswirkungen verstehen und akzeptieren zu lernen und das Vertrauen in
die eigenen Gefühle zu stärken.
Bei der Stresstoleranz ist der erste Schritt das Akzeptieren der Tatsache, in dem Moment im Stress zu sein. Als
Möglichkeit bleibt in diesen Momenten das Abstand nehmen (innerlich einen Schritt zurück treten), das Denken auf
das jetzt und die nächsten Minuten zu beschränken, und der Einfluss eines starken Sinnesreizes, um die Situation
durchzustehen. Die Patienten lernen, Krisen auszuhalten und Spannung zu reduzieren durch Techniken wie: sich
durch starke sensorische Reize ablenken (z. B. Eiswürfel), durch verschiedene Techniken „den Augenblick
verbessern“, „Pro und Contra“ (welche Argumente sprechen für selbstverletzendes Verhalten, welche dagegen),
Akzeptieren der Realität, Atemübungen, „leichtes Lächeln“ und Achtsamkeitsübungen. Ein weiteres Ziel ist, zu
lernen, unangenehme Ereignisse und Gefühle zu ertragen, solange sich die Situation nicht verändern lässt („Radikale
Akzeptanz“).
Beim Modul Selbstwert soll der Betroffene erlernen, dass auch er etwas wert ist. Die Haltung zu sich selbst soll
verbessert werden, es soll erlernt werden, auf sich zu achten, sich selbst zu lieben und sich um sich selbst zu sorgen.
Ziel der Übung ist der Aufbau eines gesunden Selbstvertrauens und Selbstakzeptanz.
Die Patienten werden angeleitet, sich einen individuellen „Notfallkoffer“ einzurichten, in dem wichtige Hilfsmittel
für Stresstoleranz-Fertigkeiten aufbewahrt werden. Kärtchen, auf denen die hilfreichsten Fertigkeiten eingetragen
sind, sollten die Patienten bei sich tragen. Die Patienten erhalten außerdem Formulare, auf denen die gelernten
Fertigkeiten eingetragen sind und protokollieren, welche Fertigkeiten sie mit welchen Erfolg geübt haben.
Diese vier Module sind feste Bestandteile des DBT-Skillstrainings.
Von tiefenpsychologischer Seite aus wurde der Versuch unternommen, eigene Konzepte (Arbeit mit dem Inneren
Kind) in der Sprache der DBT zu formulieren und Skillsgruppensitzungen für "Erwachsene mit Inneren
Problemkindern" vorzuschlagen.[3]
Telefonkontakt
Patienten können in suizidalen Krisen, oder bevor sie sich selbst verletzen, ihre Therapeuten anrufen. Die
telefonische Erreichbarkeit muss mit dem Therapeuten vorher geklärt werden und richtet sich auch nach den
Grenzen der Therapeuten. Die Telefongespräche sollen nach bestimmten Regeln ablaufen. Die Patienten berichten,
warum sie sich in einer Krise befinden und welche Fertigkeiten sie bereits ausprobiert haben. Therapeut und
Patienten besprechen Fertigkeiten, die die Patienten einsetzen sollen. Dazu ist es hilfreich, wenn die Patienten
gelernte Fertigkeiten benennen können.
Verletzen sich die Patienten selbst, oder begehen sie einen Suizidversuch, sollte dies nicht durch vermehrte
Zuwendung verstärkt werden, was nicht leicht zu realisieren ist. Ziel ist, dass die Patienten im nachhinein
Verhaltensanalysen dieser Situationen anfertigen.
33
Dialektisch-behaviorale Therapie
Intervision
Die Einzel- und die Gruppen-Therapeuten treffen sich regelmäßig, um sich über die gemeinsamen Patienten
auszutauschen und sich gegenseitig zu beraten..
Deutlicher Therapieerfolg der DBT
Die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) hat in bisher vorliegenden Randomisierte, kontrollierte Studie
(Langzeitstudien, bei denen die Patienten zufällig den Behandlungsbedingungen zugeordnet werden) moderate
Effekte erzielt [4] In den Therapievergleichstudien zeigten sich deutlich positivere Behandlungsverläufe und
überzeugendere Therapieerfolge gegenüber den konventionellen verhaltenstherapeutischen Ansätzen. Der
Wirksamkeitsnachweis ist für die DBT durch unterschiedliche Studien vor allem für das Problemverhalten als
Zielgröße, z. B. „suizidales“ und „selbstverletzendes Verhalten“ aber auch „hospitalisationsförderndes Verhalten“
erbracht worden (siehe Linehan et al. 1999, 1998; Bohus, Martin et al. 1996). Die Überlegenheit bzgl. der sozialen
und beruflichen Integration sowie der Hospitalisierungsdauer war auch ein Jahr nach Abschluss der Therapie noch
nachweisbar (zusammenfassend Bohus et al. 1996; Linehan et al. 1993; kritisch dazu Dammann et al., 2000).
Die in ihren Ausprägungen fließende Gruppe der BPS mit vielfachen selbstverletzenden und primär nicht final
angelegten suizidalen Handlungen (Parasuizidalität) zeigt nach Linehan folgende Verhaltensmuster, die für sich
genommen Zielvariablen des DBT-Konzepts sind:
•
•
•
•
•
•
Emotionale Vulnerabilität, (emotionale Dysregulation)
Negation des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns
Unvermeidliche Krisen
Blockierung von Trauer
Aktive Passivität
Pseudokompetenz
Nach Linehan steht bei BPS die Störung der Emotionsregulation im Vordergrund. Gleichzeitig können
neurobiologische Vulnerabilitäten, frühe traumatische Erlebnisse und ein in der frühen Entwicklungsphase
invalidierendes psychosoziales Umfeld zur Ausgestaltung einer komplexen emotionalen Dysregulation mit
dysfunktionalen Grundannahmen und Handlungsfolgen vorhanden sein. Bei Borderlinestörungen kann eine
1. in der Intensität überhöhte, wenig differenzierte und verzögert wieder abklingende Ansprechbarkeit
(Hyperarousal) auf vor allem negative emotionale Stimuli gepaart mit
2. einer vornehmlich psychosozial bedingten Störung der Kommunikation (unzureichende Verbalisierung, Klärung
interpersoneller Interaktionen), mit
3. dem permanenten Gefühl der differenzierten und undifferenzierten Bedrohung und
4. mit der Befürchtung vor Kontrollverlust und gesteigerter Anspannung beobachtet werden.
Diese emotionale Instabilität mit erhöhter Dekompensationsbereitschaft und Ressourcenverengung führt − zumeist
psychosozial ausgelöst − in unterschiedlicher Ausprägung zu undifferenzierten, für die Patienten unerträglichen,
exzessiven emotionalen Erregungszuständen, die wiederum von den Patienten nur − negativ verstärkt − durch
Selbstverletzung unterbrochen werden können. Diese emotionale Dysregulation bestimmt vielschichtig die zumeist
chaotische Beziehungsgestaltung des an einer Borderlinestörung leidenden Patienten zu sich und zu anderen
Menschen. Die DBT der Patienten mit einer BPS zeigt nun folgende markante Vorteile der DBT gegenüber anderen
etablierten Therapien:
• Die Frequenz von selbstverletzendem Verhalten nimmt deutlich ab
• Die Häufigkeit von Therapieabbrüchen und Therapeutenwechseln wird reduziert
• Die Anzahl der stationären Behandlungstage pro Jahr verringert sich
• Die Behandlungskosten pro Patient und Jahr sind geringer
34
Dialektisch-behaviorale Therapie
Die dialektisch-behaviorale Therapie, die konzeptuell auf die Aufarbeitung spezifischer Defizite von wichtigen
Basisfertigkeiten bei Borderline-Persönlichkeitsstörungen abzielt, ist eine Modifizierung verschiedener
Behandlungsmethoden der Verhaltenstherapie. Ein Verhaltenstherapeut oder -therapeutin muss hierzu eine
spezifische therapeutische Zusatzausbildung absolvieren, da in der Verhaltenstherapieausbildung selber keine
vertiefte Vermittlung dieses komplexen Störungsbildes und dessen Behandlung stattfindet. In Deutschland werden
Weiterbildungen in Dialektisch-Behaviorale Therapie vom Dachverband-DBT e.V. angeboten.
Literatur
• Marsha Linehan: Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung CIP-Medien (1996),
ISBN 3980307484
• Marsha Linehan: Trainingsmanual zur Dialektisch-Behavioralen Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung
CIP-Medien (1996), ISBN 3980307492
• Matthew McKay, Jeffrey C Wood, Jeffrey Brantley: The Dialectical Behavior Therapy Skills Workbook: Practical
Dbt Exercises for Learning Mindfulness, Interpersonal Effectiveness, Emotion Regulation & Distress Tolerance
(New Harbinger Self-Help Workbook) New Harbinger Publications (Juli 2007) ISBN 1572245131
• Alice Sendera, Martina Sendera: Skills-Training bei Borderline- und Posttraumatischer Belastungsstörung
Springer-Verlag Wien; 2. erw. Auflage Juli 2007, ISBN 3-211-71784-6, ISBN 978-3-211-71784-4
• Christoph Kröger, Christine Unckel: Borderline-Störung. Wie mir die dialektisch-behaviorale Therapie geholfen
hat Verlag: Hogrefe-Verlag; Auflage: 1 (Oktober 2006), ISBN 3-8017-2021-7, ISBN 978-3-8017-2021-6
• Bohus, M. und Berger, M. (1996): Die dialektisch-behaviorale Psychotherapie nach M. Linehan. Ein neues
Konzept zur Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Nervenarzt, 67, 911−923.
• Dammann, G., Clarkin, J. F. & Kächele, H. (2000): Psychotherapieforschung und Borderline-Störung: Resultate
und Probleme. In O. F. Kernberg, B. Dulz & U. Sachsse (Hrsg.), Handbuch der Borderline-Störungen (S.
701–730). Schattauer Verlag 2000.
• Bohus M. (2002) Borderline-Störung. Göttingen: Hogrefe (Fortschritte der Psychotherapie 14)
• Bohus, Martin; Schmahl,Christian: Psychopathologie und Therapie der Borderline- Persönlichkeitsstörung.
Deutsches Ärzteblatt 2006; 103(49): A-3345 / B-2912 / C-2793 Deutsches Ärzteblatt, Dez. 2006 [5], zuletzt
abgerufen am 20. Januar 2009
• Willi Herbold, Ulrich Sachsse: Das sogenannte Innere Kind. Vom Inneren Kind zum Selbst Schattauer Verlag
2007 ISBN 978-3-7945-2588-1 (dazu Rezension: Deutsches Ärzteblatt, Dez. 2007 [6] Die Innere-Kind-Arbeit
wird mit der DBT verknüpft, anhand folgender Bausteine ausführlich erläutert: Einzeltherapie, Telefonberatung,
Supervision, ergänzende Therapiestrategien (Medikation, Körpertherapie) und Skills-Training (S. 51-105).
Weblinks
• www.dachverband-dbt.de Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V. [7]
• Institut für Verhaltenstherapie gemeinnützige Ges.m.b.H der AVM-Österreich [8]
Referenzen
[1] oedbt DBT & Skills Training (http:/ / www. oedbt. at/ dbt. html)
[2] 2007 Charité - Campus Benjamin Franklin Berlin Die Borderline-Störung (http:/ / www. charite-psychiatrie. de/ menue-links/
patienteninformation/ krankheitsbilder/ borderline-persnlic. html)
[3] Willi Herbold, Ulrich Sachsse Das sogenannte Innere Kind. Vom Inneren Kind zum Selbst Schattauer-Verlag 2007 ISBN 978-3-7945-2588-1
(S.51-91)
[4] Öst, L. G. (2008). Efficacy of the third wave of behavioral therapies: A systematic review and meta-analysis. Behaviour Research and
Therapy, 46, 296–321.
[5] http:/ / www. aerzteblatt. de/ v4/ archiv/ sslcme. asp?id=53738
[6] http:/ / www. aerzteblatt. de/ v4/ archiv/ artikel. asp?src=heft& id=58215
[7] http:/ / www. dachverband-dbt. de
35
Dialektisch-behaviorale Therapie
[8] http:/ / www. institut-avm. at
Training sozialer Kompetenzen
Das Training sozialer Kompetenzen bezeichnet verschiedene Verfahren der Verhaltenstherapie, welche es
ermöglichen sollen, z. B. durch standardisierte Trainingsmethoden, die sozialen also zwischenmenschlichen
Fähigkeiten zu erhöhen. Die verschiedenen Methoden finden etwa bei psychiatrischen Patienten oder
Strafgefangenen Anwendung, deren soziale Kompetenz beeinträchtigt ist, aber auch bei unsicheren Personen. Es
wird aber auch zur Erhöhung von Teamfähigkeit oder sog. soft skills in der Organisationspsychologie angeboten. Es
kann sowohl bei Kindern und Jugendlichen als auch bei Erwachsenen angewendet werden. Die Methoden finden
heute auch in der Sozialen Gruppenarbeit innerhalb der Sozialen Arbeit Anwendung.
Geschichte
Andrew Salter entwickelte 1949 ein Expressive training für den Abbau von sozialer Angst und Aufbau von
Selbstsicherheit.
Dieses Training beinhaltet eine Reihe von Verhaltensregeln wie das explizite Äußern von erlebten Emotionen, die
explizite mimische wie gestische Darstellung dieser Emotionen, dem Widersprechen und Angreifen mit dem
expliziten Ausdruck erlebter interpersoneller Differenzen, dem gezielten Gebrauch des Pronomens Ich, der Annahme
der Zustimmung und des Lobes anderer, des Selbstlobes, der Anerkennung eigener Leistungen, und der
Improvisation und Flexibilität durch aktives und spontanes Handeln.
Ursachen für Kompetenz-Defizite
Bei den Ursachen für Kompetenz-Defizite wird zwischen situationsbezogenen Ursachen und biographischen
Ursachen unterschieden. Zu den situationsbezogenen Ursachen werden die situationale Überforderung, die
ungünstige kognitive Verarbeitung, die ungünstige emotionale Verarbeitung, die ungünstige Verhaltensweisen und
ungünstige Verhaltenskonsequenzen gezählt. Bei den biographischen Ursachen sind soziale Überforderung (äußere
Umstände, Selbstrepräsentation), Verhaltensdefizite (fehlende Übung), inkompetente Verhaltensgewohnheiten,
erworbene soziale Ängste und erworbene dysfunktionale Überzeugungen zu nennen.
Beispiele standardisierter Trainingsmethoden
Als Beispiele standardisierter Trainingsmethoden sind das Personal Effectiveness Training nach Liberman (1975),
das Selbstsicherheitstraining (englisch. Assertiveness Training Programme, ATP) nach Ullrich & Ullrich de Muynck
(1978), das Verhaltenstraining zum Aufbau sozialer Kompetenz nach Feldhege & Krauthan (1979), das
Gruppentraining Sozialer Kompetenzen (GSK) nach Hinsch & Pfingsten, die Mediatorenausbildung im Strafvollzug
nach Braune (1982), das Social Skill Training für Helferberufe nach Galvin (1985) und das Social Skill Training für
psychiatrische Patienten nach Liberman, DeRisi & Muesser (1989) zu nennen.
36
Training sozialer Kompetenzen
Personal Effectiveness Training (PET)
Das Personal Effectiveness Training wurde von Robert P. Liberman 1975 entwickelt. Es wurde mit dem Ziel
konzipiert zu einer Verbesserung und Entwicklung der verbalen und nonverbalen Kommunikationsfähigkeit
beizutragen sowie zu einer angemessenen Selbstsicherheit und Durchsetzungsfähigkeit. Es ist ein semistrukturiertes,
verhaltenstherapeutisches Gruppentraining. [1]
Assertiveness-Training-Programm
Das ATP besteht aus 127 sozialen Situationen, die in Rollenspielen eingeübt und im Anschluss unter realen
Bedingungen umgesetzt werden sollen. Dabei werden vier Hauptkategorien sozialer Kompetenz berücksichtigt:
•
•
•
•
Das Stellen von Forderungen
Nein sagen und kritisieren
Herstellen von Kontakten
öffentlicher Beachtung aussetzen und Fehler erlauben
Gruppentraining Sozialer Kompetenzen (GSK)
Konzept
Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK) wurde zu Beginn der 80er Jahre von Rüdiger Hinsch und Ulrich
Pfingsten entwickelt. Es ist ein strukturiertes, standardisiertes und flexibles Programm, weshalb es auch an
spezifische Klientengruppen angepasst werden kann. In der Konzeption der GSK wird soziale Kompetenz als die
Verfügbarkeit und Anwendung von kognitiven, emotionalen und motorischen Verhaltensweisen bezeichnet, die in
definierten sozialen Situationen zu einem langfristig günstigen Verhältnis von positiven und negativen
Konsequenzen für den Handelnden führen. Dabei werden die zahlreichen sozialen Situationen in drei prototypische
Situationstypen gegliedert[2] :
• Recht durchsetzen (R): Handelnder ist gegenüber seinem sozialen Partner im Vorteil und kann sein Recht
durchsetzen, muss es aber nicht, wenn es strategisch und auf lange Sicht günstiger ist. Beispiel: ein Käufer der ein
defektes Produkt reklamieren möchte oder ein Nachbar der sich über Ruhestörung beschweren will.
• Beziehungen (B): Handelnde und soziale Partner sind sich gleichgestellt, keiner kann ein Recht einfordern,
stattdessen werden Gefühle und Bedürfnisse offen geäußert.
• Um Sympathie werben (S): Handelnder ist gegenüber dem sozialen Partner im Nachteil und ist auf dessen Wohl
wollen angewiesen. Beispiel: Bevorzugte Behandlung durch einen Sachbearbeiter erreichen wollen oder flirten.
Durchführung
Die Trainingsgruppen bestehen aus ca. 10 Teilnehmern und zwei Trainern. Die Trainingssitzungen bestehen aus
Rollenspielen mit Videofeedback. Die Rollenspiele werden zu vorgegebenen Situationen durchgeführt, die auf den
drei Situationstypen aufbauen und bei denen der Trainer jeweils den Gegenpart spielt. Kritik wird möglichst
vermieden, dagegen steht die positive Verstärkung durch die Teilnehmer im Vordergrund. Die Dauer des Trainings
beträgt etwa sieben Sitzungen zu je 2,5 Stunden. Die Wirksamkeit des Trainings wurde durch Studien belegt. [3]
37
Training sozialer Kompetenzen
Literatur
• Reimer, C. (2000). Psychotherapie: Ein Lehrbuch für Ärzte und Psychologen Springer, ISBN 3-540-66791-1
• Hinsch, Rüdiger & Pfingsten, Ulrich: Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK). Grundlagen,
Durchführung, Materialien. 5. Auflage. Weinheim: PVU 2007
• Hinsch, R. & Wittmann, S. (2003). Soziale Kompetenz kann man lernen. Weinheim: PVU.
• Pfingsten, U. (1987). Langzeiteffekte des Gruppentrainings Sozialer Kompetenzen (GSK). Zeitschrift für
Klinische Psychologie, Psychopathologie und Psychotherapie, 35, 211-218.
Weblinks
• http://www.psychologie.tu-dresden.de/i2/klinische/studium/ws0506/materialien-lehre-ws0506.html
Vorlesung Soziale Kompetenz und Selbstsicherheit (Helbig)
• http://www.locker-bleiben-online.de 100 praktische Ideen zum Sozialen Kompetenztraining mit Kindern und
Jugendlichen
Referenzen
[1] http:/ / wwwpsy. uni-muenster. de/ imperia/ md/ content/ psychologie_institut_1/ ae_dejong/ vl_ws_0405/ vl11. pdf
[2] Hinsch, R. & Pfingsten, U. (2007) Das Gruppentraining sozialer Kompetenzen (GSK). Grundlagen, Durchführung, Materialien. 5. Auflage.
Weinheim: PVU
[3] Pfingsten, U. (1987). Langzeiteffekte des Gruppentrainings Sozialer Kompetenzen (GSK). Zeitschrift für Klinische Psychologie,
Psychopathologie und Psychotherapie, 35, 211-218.
Habit-Reversal-Training
Das Habit Reversal Training (HRT) von Azrin & Nunn (1973) ist ein verhaltenstherapeutisches Verfahren zur
Behandlung einer Vielzahl nervöser Verhaltensgewohnheiten.
Es wird angenommen, daß diese Verhaltensgewohnheiten dann zu Problemen werden, wenn sie ein Teil von
Verhaltensketten sind, die teilweise unbewusst ablaufen und sozial toleriert werden. Durch die ständigen
Wiederholungen werden die Verhaltensweisen aufrechterhalten.
Das HRT beinhaltet das Erlernen adäquater Selbstwahrnehmung und Unterbrechung von Verhaltensketten durch
konkurrierende Verhaltensweisen, Aufbau von Veränderungsmotivation sowie Maßnahmen zur Generalisierung der
Fortschritte auf den Alltag.
Praktisches Vorgehen
Beschreibung des Problemverhaltens
Zuerst soll der Patient eine adäquate Selbstwahrnehmung entwickeln, da der Ausführung der
Verhaltensgewohnheiten in der Regel keine Beachtung geschenkt wird. Die Beobachtung des eigenen Verhaltens
dient sowohl dazu, die auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen bestimmen zu können, als auch den
Klienten für frühe Anzeichen der Verhaltensgewohnheiten zu sensibilisieren, um Verhaltensketten möglichst
frühzeitig unterbrechen zu können. Dies kann durch direkte Verhaltensbeobachtungen, systematische
Protokollierung (z. B. in Form von Tagebüchern) oder auch Videoaufzeichnungen geschehen. Die Patienten sollen
für gewöhnlich die Häufigkeit, die Dauer und die Rahmenbedingungen des Verhaltens aufzeichnen.
38
Habit-Reversal-Training
Aufbau von Veränderungsmotivation
Im zweiten Schritt soll eine Veränderungsmotivation aufgebaut werden, da ambivalente Einstellungen oder
Verschleierungsversuche des Problemverhaltens häufig auftreten. Dies geschieht vor allem durch das Durchsprechen
der negativen Auswirkungen des Verhaltens und häufige Rückmeldung und Verstärkung von Fortschritten.
Competing Response Training
Die zentrale Komponente des HRT ist das Competing Response Training: Hier werden schließlich Verhaltensweisen
eingeübt, die mit dem Problemverhalten inkompatibel sind. Welche Verhaltensweisen das sind, hängt vom
Problemverhalten und dem sozialen Kontext ab. Bei Nägelkauen wäre eine inkompatible oder konkurrierende
Verhaltensweise beispielsweise das Ballen der Hände zur Faust. Diese Verhaltensweisen werden erst im
Therapiesetting eingeübt und sollen dann auf den Alltag übertragen werden. Fortschritte und Probleme werden in der
Regel täglich besprochen werden, was auch telefonisch geschehen kann. Wichtig ist häufige Verstärkung, nicht nur
des (schließlich) erwünschten Verhaltens sondern auch der Anstrengungen und Fortschritte auf dem Weg dorthin.
Generalisierungstraining
Anschließend sollen die Fortschritte auf viele verschiedene Situationen übertragen werden. Dies kann dadurch
geschehen, dass der Therapeut dem Patienten die Situationen bewusst macht, in denen das Problemverhalten
verstärkt auftritt, und der Patient die Anwendung der konkurrierenden Verhaltensweisen in der Vorstellung übt und
anschließend auf die Realität überträgt.
Anwendungsbereiche und Wirksamkeit
Zu den Anwendungsbereichen des HRT zählen:
•
•
•
•
•
•
•
Nägelkauen
Trichotillomanie
Daumenlutschen
nervöses Zucken von Schultern, Kopf usw.
Fingerknacken
Stottern
Tourette-Syndrom
Bezüglich des Nägelkauens berichten Wilhelm & Margraf (1993)[1] die Wirksamkeit des Habit-Reversal-Trainings.
Bei der Mehrzahl der Patienten stellt sich meist bereits nach eins bis zwei Sitzungen eine Verbesserung der
Symptomatik ein. Kinder und Erwachsense können gleichermaßen behandelt werden, zudem wurde eine
Symptomverschiebung oder das Ersetzen des Problemverhaltens durch das konkurrierende Verhalten nicht
beobachtet. Nach Woods & Miltenberger (1996)[2] zeigte sich das HRT auch bei motorischen und sprachlichen Tics,
Stottern und dem Tourette-Syndrom als effektiv.
39
Habit-Reversal-Training
Literatur
• Azrin, NH, & Nunn, RG (1973): Habit reversal: A method of eliminating nervous habits and tics. Behaviour
Research and Therapy, 11, 619-628
• Margraf, J. (2000). Habit Reversal Training. In J. Margraf (Ed.), Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Berlin:
Springer.
Referenzen
[1] Wilhelm, F., & Margraf, J. (1993). Nägelkauen: Deskription, Erklärungsansätze und Behandlung. Verhaltenstherapie, 3, 176-196.
[2] Woods, D. W., & Miltenberger, R. G. (1996). A review of habit reversal with childhood habit disorders. Education and Treatment of
Children, 19, 197-214.
Entspannungstechnik
1. WEITERLEITUNG Entspannungsverfahren
Kognitive Therapie
Die Kognitive Verhaltenstherapie ist eine Form der Verhaltenstherapie, die sich seit den 60er Jahren aus einer
Gegenbewegung zur behavioristischen Psychologie, dem Kognitivismus entwickelte. Als Begründer kognitiver
Therapien gelten Aaron T. Beck und Albert Ellis. Kognitionen umfassen Prozesse des Wahrnehmens, Erkennens,
Begreifens, Urteilens und Schließens.
Im Mittelpunkt der Kognitiven Therapieverfahren stehen Kognitionen. Kognitionen umfassen Einstellungen,
Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen. Die Kognitiven Therapieverfahren, zu denen die Kognitive
Verhaltenstherapie (KVT) und die Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT) gehören, gehen davon aus, dass die
Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren.
Schwerpunkte der Therapie sind:
•
•
•
•
die Bewusstmachung von Kognitionen
die Überprüfung von Kognitionen und Schlussfolgerungen auf ihre Angemessenheit
die Korrektur von irrationalen Einstellungen
Transfer der korrigierten Einstellungen ins konkrete Verhalten
Die Kognitive Therapie stellt somit die aktive Gestaltung des Wahrnehmungsprozesses in den Vordergrund. Nicht
die objektive Realität, sondern die subjektive Sicht der Dinge, also die Wahrnehmungsselektion und die
Wahrnehmungsbewertung, sind entscheidend für das Verhalten. Affekt und Verhalten sind weitgehend von der Art
bestimmt, wie der Mensch die Welt strukturiert.
Kognitive Therapie nach Beck
Theoretischer Hintergrund
Beck beschreibt das kognitive Modell am Beispiel der Depression und geht dabei von folgenden Annahmen aus:
1. kognitive Triade: Die Gedankeninhalte betreffen das Selbst, die Welt und die Zukunft. Der Patient hat ein
negatives Selbstbild, er beurteilt sich selbst als fehlerhaft, unzulänglich, wertlos und nicht begehrenswert. Diese
Gedanken gehen so weit, dass der Betroffene denkt, ihm fehlen Eigenschaften, um glücklich zu sein. Außerdem
neigt er dazu, sich zu unterschätzen und zu kritisieren. Erfahrungen werden in der Regel negativ interpretiert,
subjektiv werden überwiegend Enttäuschungen und Niederlagen empfunden und auch die Zukunftserwartung ist
40
Kognitive Therapie
negativ geprägt. Eine Veränderung der gegenwärtig empfundenen Situation wird ebenso wenig als möglich
angenommen, wie eine eigene Beteiligung an dieser.
2. Schemata: Die genannten Kognitionen gehen auf Schemata zurück, die aus vergangenen Erfahrungen entstanden
sind. Mit diesem Konzept wird erklärt, warum ein depressiver Patient trotz objektiver Belege für positive
Faktoren in seinem Leben seine schmerzverursachende und selbstverletzende Haltung beibehält. Schemata sind
hier stabile kognitive Verarbeitungsmuster, die sich in der Kindheit und Jugend herausgebildet haben. Sie können
für längere Zeit inaktiv sein, aber durch bestimmte Umweltereignisse (z.B. Stresssituationen) reaktiviert werden.
3. kognitive Fehler: Aufgrund der in der Kindheit gelernten Schemata findet laut Beck bei Depressiven eine
fehlerhafte Informationsverarbeitung statt, die dem von Piaget beschriebenen kindlichen Denken ähnelt. Die
Annahmen sind eindimensional, global, invariabel, verabsolutierend oder irreversibel.
Zu diesen Kognitionen führen u. a. folgende "Denkfehler"
1. Willkürliche Schlussfolgerungen: ohne sichtbaren Beweis oder sogar trotz Gegenbeweisen werden willkürlich
Schlussfolgerungen gezogen.
2. Übergeneralisierung nach dem Muster: aufgrund eines Vorfalls wird eine allgemeine Regel aufgestellt, die
unterschiedslos auf ähnliche und unähnliche Situationen angewendet wird.
3. Dichotomes Denken: Denken in Alles oder Nichts-Kategorien.
4. Personalisierung: Ereignisse werden ohne klaren Grund auf sich selbst bezogen.
5. Selektive Abstraktion: Einige Einzelinformationen werden verwendet und überbetont, um eine Situation zu
interpretieren. Damit werden bestimmte Informationen auf Kosten anderer überbewertet. Zum Beispiel wenn
jemand, der von allen gegrüßt wird, von jemandem nicht beachtet wird und denkt, dass ihn keiner mag.
6. Maximieren und Minimieren: Negative Ereignisse werden übertrieben und positive Ereignisse untertrieben. Zum
Beispiel: "Dass ich einen bestimmten Abschluss hinbekommen habe, ist nichts wert. Aber, dass der Kunde heute
noch nicht zurück gerufen hat, zeigt, dass ich ein schlechter Verkäufer bin!"
7. Katastrophisieren: Das Eintreffen oder die Bedeutung von negativen Ereignissen wird stark überbewertet.
"Meinen Kindern wird bestimmt etwas Schlimmes passieren!"
8. Emotionale Beweisführung: Das Gefühl wird als Beweis für die Richtigkeit der Gedanken genommen. "Ich fühle,
dass ich nichts wert bin, also ist das auch so!"
9. Etikettierung: Aus einer Handlung wird ein umfassender Sachverhalt gemacht, z.B. "Ich habe verloren - ich bin
ein absoluter Verlierer!"
10. Gedankenlesen: Man meint ohne nachzufragen, die Gedanken der anderen zu kennen. "Die anderen denken, ich
bin ein Versager!"
11. Tunnelblick (selektive Aufmerksamkeit): Jemand sieht nur einen bestimmten Aspekt seines gegenwärtigen
Lebens. "Wenn ich Stress auf der Arbeit habe, dann ist mein Leben verpfuscht!"
Ziel der Therapie ist es, dem Patienten zu vermitteln, dass Denkfehler und irrationale Annahmen zu Gefühlen von
Minderwertigkeit und Bedrohung führen. Deshalb ist es wichtig, die negativen Gedanken zu identifizieren und in
Frage zu stellen. Dies soll dazu führen, dass alternative, genauere und angepasstere Gedanken entwickelt werden. Im
Gegensatz zu Ellis ist bei Beck auch der Inhalt der Gedanken von Bedeutung.
41
Kognitive Therapie
Methoden
Die Kognitive Verhaltenstherapie verbindet Methoden auf kognitiver Ebene und Verhaltensebene. Um eine
Veränderung kognitiver Muster und damit verbundener Verhaltensweisen zu erreichen, werden kognitive Verfahren
und verhaltensorientierte Verfahren eingesetzt.
Verhaltensorientierte Verfahren
Verhaltensorientierte Verfahren sollen dazu dienen, den Klienten zu aktivieren und seine affektiven Störungen
wenigstens ansatzweise in den Griff zu kriegen. Die Änderung des Verhaltens führt zu positiven Emotionen, diese
wiederum führen zu veränderten Kognitionen. Zu den verhaltensorientierten Techniken gehören:
• graduierte Aufgabenstellung
• Aktivitätsplanung und -durchführung
• Mastery & Pleasure Therapie
Kognitive Verfahren
Kognitionsorientierte Verfahren sollen dazu dienen, eine langfristige kognitive Umstrukturierung zu erreichen:
negative Kognitionen sollen durch rationalere ersetzt werden, was zu aktiverem, kompetenterem Verhalten führen
soll. Zu den kognitionsorientierten Verfahren gehören:
•
•
•
•
•
•
•
Sammeln und Aufzeichnen automatischer Gedanken
Zweispaltentechnik: Argumentieren gegen automatische Gedanken
Erkennen von Mustern kognitiver Verzerrungen
Realitätstesten: Testen der Kognitionen
Umattribution: Trennung der Verantwortlichkeiten
Entkatastrophisieren
Aufbau von Erwartungen
Verhalten und Rolle des Therapeuten
Becks kognitive Therapie beruht auf dem Prinzip des "kollaborativen Empirismus": Klient und Therapeut sind
gleichberechtigte Partner, da der Klient als Experte seiner Denkmuster gilt. Aktive Beteiligung des Klienten ist also
dringend erforderlich.
Wirksamkeit
Die Kognitive Verhaltenstherapie hat sich insbesondere in der Behandlung von Phobien, Panikattacken und
Depressionen als sehr effektiv erwiesen. Auch bei der Behandlung von Essstörungen wurde ihre Wirksamkeit
nachgewiesen (Fairburn 1985 In: Thiel; Paul 2000).
42
Kognitive Therapie
Kritik
Kritik an Becks Kognitiver Therapie wurde vor allem von John Teasdale [1] geübt . Ein kurzer Überblick:
• Beck postuliert, dass unrealistische Schemata und gestörte Kognitionen die Ursache der Depression sind. Jedoch
hat sich gezeigt, dass diese eher die Folge von Depressionen sind als deren Ursache: In Phasen der Erholung
verschwinden die dysfunktionalen Einstellungen.
• Rationale Argumente erweisen sich oft, trotz Einsicht des Klienten, als ineffektiv.
• Depressives Denken ist zustandsabhängig.
• Depressiver Realismus: Depressive haben oft bessere Einschätzungen als nicht-Depressive darüber, inwieweit sie
Aufgaben bewältigen können oder nicht (Dysfunktionalität somit fraglich).
• Interventionen auf rein kognitiver Ebene reicht nicht, da, laut Teasdale, die depressogenen Schemata aus
visuellen, auditiven, somatischen und kognitiven Informationen bestehen. Interventionen müssen die anderen
Modalitäten ebenfalls betreffen.
Psychoanalytische Kritiker knüpfen häufig an der Reduzierung der Psychologie auf eine "Laborwissenschaft" an.
Die Psychoanalyse behauptet, dass es unmöglich sei, die komplexen Zusammenhänge der Psyche in einer
Laborsituation nachzustellen. Psychoanalytiker kritisieren, dass verhaltenstherapeutische Therapien vor allem die
Reduzierung der Symptome zum Ziel habe, wie dies in der Verhaltenstherapie üblich ist. Durch deren Reduzierung
solle nämlich keineswegs die Ursache für eine psychische Störung bekämpft, sondern lediglich ein leidiges
Symptom für kurze Zeit verbessert werden. Dadurch können sich Symptome anderer Art bilden. Diesen Vorgang
nennt man Symptomverschiebung. Hierdurch bezweifeln sie die Nachhaltigkeit der Verbesserungen. Die in der
Verhaltenstherapie vorherrschende Neigung zur Effizienz wird ebenso kritisiert. Mit möglichst kurzen Therapien
werde dem Individuum wenig Raum gegeben und lediglich die Krankheit in den Mittelpunkt des Kontakts zwischen
Therapeuten und Klienten gestellt. Dies könne eine nachhaltige Heilung verhindern.
Jedoch konnte dieser Kritikpunkt in Katamnesestudien nicht bestätigt werden. Es kommt nach Durchführung oder
Inanspruchnahme der kognitiven Verhaltenstherapie nicht häufiger zu Symptomverschiebungen als bei anderen
Therapieformen.
Kritiker aus humanistischen Therapieformen, wie der Gesprächspsychotherapie oder der Gestalttherapie sind der
Meinung, dass die Verhaltenstherapie den Menschen von außen determiniert (bestimmt) sieht und das innere
Wachstum, die persönliche Verantwortung, die Willensfreiheit geleugnet oder nicht beachtet wird. Somit sei eine
nachhaltige Entwicklung generell ausgeschlossen.
Kognitive Verhaltenstherapie am Beispiel der Therapie von Bulimie und
Anorexie in folgendem Setting (Thiel; Paul, 2000)
Im Fall einer Essstörung soll die kognitive Verhaltenstherapie den Kreislauf von verzerrtem Gewichtsideal,
diätischem Essverhalten und mangelnden alternativen Konfliktbewältigungsstrategien durchbrechen, indem sie hilft,
das Essverhalten zu normalisieren, verzerrte Einstellungen zu Körper und Gewicht systematisch in Frage zu stellen,
Auslöser, Hintergründe und die Funktion des gestörten Essverhaltens deutlich zu machen und neue
Bewältigungsstrategien anzuwenden. Sie soll den Betroffenen ermutigen mit neuen Verhaltensweisen Erfahrungen
zu sammeln und mit Problemen in Zukunft anders und möglicherweise besser zurechtzukommen (vgl. Thiel & Paul).
43
Kognitive Therapie
Durchführung
Ambulante Durchführung als Gruppentherapie mit zehn Teilnehmern.
Dauer und Umfang: 16 Wochen, 20 Sitzungen.
Therapeutenteam, am besten gemischtgeschlechtlich.
• Phase 1 (4 Wochen, Sitzung 1-8)
• Diagnostik
• Erstellen einer individuellen Problemanalyse des gestörten Essverhaltens, weiterer Problembereiche, der
Vorgeschichte etc.
• Informationsvermittlung
• über die Bedeutung soziokultureller Einflüsse, Zusammenhänge von Diät und Essstörungen
• über die Bedeutung eines bestimmten Körpergewichts (Set-Point-Theorie) und möglicher Folgeschäden
• Aufbau von Alternativverhalten
• Phase 2 (8 Wochen,Sitzung 9-16)
• Aufbau von Alternativverhalten und Festigung des Verhaltens in "kritischen Situationen"
• Bearbeitung zu Grunde liegender Konflikte
• Korrektur verzerrter Einstellungen zu Körper und Gewicht
• Identifikation und Konfrontation mit verzerrten Einstellungen zu Körper und Gewicht, Korrektur
dysfunktionaler Einstellungen und Überzeugungen
• Phase 3 (4 Wochen, Sitzung 17-20)
• Stabilisierung und Bilanzierung
• Rückfallanalyse und Vorbereitung auf Schwierigkeiten in der Zukunft
Vertreter Kognitiver Therapien
• Albert Ellis
• Aaron T. Beck
• Donald Meichenbaum
Literatur
• Beate Wilken: Methoden der kognitiven Umstrukturierung. Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. 3.
erweiterte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-019463-1 (Kohlhammer-Urban-Taschenbücher
466).
• Dieter Schwartz: Vernunft und Emotion: die Ellis-Methode, Vernunft einsetzen, sich gut fühlen und mehr im
Leben erreichen. Praxis der rational-emotiven Verhaltenstherapie. 5. (unveränderte) Auflage. Borgmann
(modernens lernen), Dortmund 2007, ISBN 3-86145-165-4.
• Jeffrey E. Young, Janet S. Klosko: Sein Leben neu erfinden. Den Teufelskreis selbstschädigenden Verhaltens
durchbrechen ... und sich wieder glücklich fühlen. Junfermann, Paderborn 2006 (Originaltitel: Reinventing Your
Life, übersetzt von Theo Kierdorf mit Hildegard Höhr), ISBN 978-387387-619-4.
44
Kognitive Therapie
Weblinks
• Beck Institute for Cognitive Therapy and Research [2]. Abgerufen am 25. August 2009 (englisch)
• Kognitive Verhaltenstherapie [3], IQWIG-Merkblatt, letzte Aktualisierung: 31. Dezember 2008, abgerufen am 10.
Mai 2010
Referenzen
[1] http:/ / www. mrc-cbu. cam. ac. uk/ Research/ cognition-emotion/ GroupMemebersfiles/ JohnTeasdale. shtml
[2] http:/ / www. beckinstitute. org
[3] http:/ / www. gesundheitsinformation. de/ merkblatt-kognitive-verhaltenstherapie. 491. de. html
Stressmanagement
Stressmanagement (Synonyme: „Coping“, „Stressbewältigung“) beschreibt die Möglichkeiten und Methoden
psychisch belastenden Stress zu verringern oder ganz abzubauen.
Stressmanagementmethoden können hilfreich sein, wenn Resilienz und Selbstheilungskräfte des Menschen aufgrund
innerer und äußerer Belastungen zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit oder der Gesundheit nicht ausreichen. Die
Stressbelastung insbesondere bei der berufstätigen Bevölkerung in Deutschland [1] nimmt in den letzten Jahren stark
zu, und Stressmanagement wird in zunehmendem Maße in der Psychotherapie oder in speziellen Coping-Kursen
teilweise direkt in den Betrieben angeboten und eingesetzt. In solchen Maßnahmen wird häufig der optimale Zustand
des inneren im Fluss sein (Flow) und des Aufgehens in einer Tätigkeit, ohne Stress durch Über- oder Unterforderung
angestrebt. Zur Vermeidung einer posttraumatischen Belastungsstörung werden Methoden der Stressbearbeitung
nach belastenden Ereignissen entwickelt.
Schritte im Rahmen des Stressmanagement sind Aufklärung und Enttabuisierung in Bezug auf psychische
Stressbelastung, Förderung der individuellen Ressourcen und Stressbewältigungskompetenz.[2]
Zur Selbsthilfe werden neben sportlicher Betätigung und gesunder Ernährung häufig Entspannungs- und
Achtsamkeitsübungen empfohlen.
Bekannte Stressmodelle
Hauptartikel: Stress
Die Bewältigungsmodelle bauen auf unterschiedlichen Stressmodellen auf. Bekannte Stresstheorien sind die
„Notfallreaktion“/Fight-or-flight nach Walter Cannon (1914, 1932)[3] , „Allgemeines Adaptationssyndrom“ nach
Hans Selye (1936)[4] [5] , „Stressmodell von Henry“[6] , „Transaktionales (beziehungsweise kognitives)
Stressmodell“/Stressmodell von Lazarus nach Lazarus (1974)[7] oder die „Theorie der Ressourcenerhaltung“ nach
Stevan Hobfoll (1988, 1998; Hobfoll & Buchwald, 2004)[8] .
45
Stressmanagement
Ausrichtung von Stressmanagement
Bewältigungsstrategien befassen sich mit Herangehensweisen zum Erhalt und Förderung von Ressourcen und dem
Management der gedanklichen/kognitiven, gefühlsmässigen/emotionalen und körperlichen/physiologischen (hier
muskulären und auf die Neurotransmitter und Nervenbahnen bezogenen/neuronalen) Aspekte zu diesem Thema.
Stressmanagement- und Stressbewältigungsmethoden
Zum Stressmanagement werden verschiedene Formen oder Bestandteile von Psychotherapie sowie diverse
Trainingsmethoden eingesetzt. Beispielsweise finden Anwendung die Kognitive Therapie, Systematische
Desensibilisierung, neuroemotionale Integration mit EMDR, Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion nach Jon
Kabat-Zinn, Selbstmanagement, Zürcher Ressourcen Modell, Stressmodell von Lazarus als Problemorientiertes und
Emotionsregulierendes Coping, Theorie der Ressourcenerhaltung multiaxiales Copingmodell, Konfliktmanagement,
Coaching, Zeitmanagement, DIN A6 Informationssystem, Getting Things Done, Simplify your life,
Selbstmanagement-Therapie, Selbstregulation (Psychologie).
Erholung durch Urlaub kann kurzfristig zum Abbau von Stress beitragen, nimmt jedoch keinen gezielten Einfluss
auf die grundlegende Problematik.
Im Kontext der Stressbewältigung bei Kindern und Jugendlichen wird beispielsweise die Stressbelastung durch ein
höheres Arbeitspensum im Rahmen des achtjährigen Gymnasiums G8 kritisiert. Stress-Symptome wie
Bauchschmerzen oder Angst vor Prüfungen, treten nach aktuellen Untersuchungen bei jedem fünften Kind auf,
häufig ergänzt durch Konzentrationsschwäche und Leistungsstörungen, wobei diese Symptome als Hilferufe
einzustufen sind. Zur Stessbewältigung eignen sich Gespräche mit dem Kind und eine ausgewogene Balance
zwischen Schule und Freizeit. Verstärkte Leistungsanforderungen an die Kinder durch die Eltern erweisen sich
hingegen als kontraindiziert.[9]
Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen
Neurobiologisch betrachtet ist der wesentliche Bestandteil eines sinnvollen Stressmanagements die innere, speziell
die vegetative "Aktivität" herabzusetzen. Geeignete Verfahren dazu sind Übungen zur Achtsamkeit (PME und
MBSR), passiv Badeanwendungen und fast jede Art von Massagen oder aktiv jede Form von körperlicher,
beispielsweise "sportlicher" Lockerung, weiterhin bekannte Entspannungstechniken wie Autogenes Training,
Meditation, Yoga, Atementspannung und Herzkohärenz; auch Techniken des Biofeedback werden hier eingesetzt,
wie beispielsweise die Entspannungsliege: AlphaSphere.
Stressmanagement mit Biofeedback-Training
Die direkte Biofeedback-Messung der Respiratorischen Sinusarrhythmie (Abstimmung von Atmung und
Herzschlag) gibt Auskunft über die Herzratenvariabilität (HRV), die eine messbare, biologische Bezugsgröße für
Stresstoleranz und Funktionstüchtigkeit darstellt und über die Qualität des Flow-Zustandes Auskunft gibt.[10]
Ausdauersport
Moderates Ausdauertraining dient dem Stressabbau und fördert ebenfalls die neuronale Umstrukturierung in
Richtung einer Neurotransmitter- Ausschüttung, die Ausgeglichenheit und Entspannung bewirkt. Geeignete Formen
von Ausdauersport sind Joggen, Walking, Schwimmsport oder Fahrradfahren.
46
Stressmanagement
Kritische Betrachtung
Der Begriff Stressmanagement oder Stressbewältigung ist mit der Ausrichtung auf den Zustand (Stress) formuliert,
von dem es sich zu entfernen gilt. Er ist somit negativ formuliert, wenn von der Orientierung auf das Ziel
ausgegangen wird. Bewegt sich der Mensch weg vom Stress, nähert er sich den eigenen Ressourcen an, dem
Flowzustand oder dem Wohlgefühl, was dann eine positive Zieldefinition darstellen würde. Eine Positiv-Definition
in diesem Sinne wäre beispielsweise der Begriff „Ressourcenmanagement“, welcher neben Stressmanagement ein
gängiger Begriff geworden ist. (siehe auch Theorie der Ressourcenerhaltung)
Befolgt der Mensch eine Trainingsanleitung mit negativ formulierter Zielformulierung, wird er das Negative im
Blick behalten, darauf ausgerichtet, weiterhin daran orientiert sein. Als unerwünschte Auswirkung bleibt der Mensch
möglicherweise auf das Negative fixiert, zumindest erschwert der Begriff die Ausrichtung auf das Positive, das
eigentlich angestrebte Ziel.
Jeder Mensch ist unterschiedlich, das betrifft auch die Auswahl der für ihn individuell geeignetsten Form der
Stressbewältigung.[11] Kritisch kann hier angemerkt werden, dass Untersuchungen zur Wirksamkeit verschiedener
Stressbewältigungsverfahren möglicherweise diesen Aspekt nicht genügend berücksichtigen, sondern von gleichen
Voraussetzungen aller beteiligten Testpersonen ausgehen.
Siehe auch
•
•
•
•
Stress Abschnitt: Stressbewältigung
Bewältigungsstrategie (Coping)
Stressmodell von Lazarus Abschnitt: Arten des Coping (Stressbewältigung)
Theorie der Ressourcenerhaltung Abschnitt: Individuelle und gemeinsame Stressbewältigung, (Das multiaxiale
Copingmodell)
• englische Wikipedia [12]
Literatur
• David Servan-Schreiber: Die Neue Medizin der Emotionen. Stress, Angst, Depression:Gesund werden ohne
Medikamente. Goldmann, München 2006, ISBN 3442153530 (Übersetzer: Inge Leipold, Ursel Schäfer).
• Angelika Wagner-Link: Verhaltenstraining zur Streßbewältigung. Arbeitsbuch für Therapeuten und Trainer.
4 Auflage. Klett-Cotta, 2005, ISBN 3608890130 (überarbeitete, erweiterte Ausgabe).
• Jon Kabat-Zinn: Stressbewältigung durch die Praxis der Achtsamkeit [Audiobook]. Arbor-Verlag, 1999, ISBN
3924195579 (überarbeitete, erweiterte Ausgabe).
• Gert Kaluza: Stressbewältigung - Trainingsmanual zur psychologischen Gesundheitsförderung. 3. Auflage.
Springer, Berlin 2004, ISBN 3540008683 (Nachdruck).
• Paul M. Lehrer (Hrsg.), Robert L. Woolfolk (Hrsg.), Wesley E. Sime (Hrsg.): Principles and Practice of Stress
Management. 3 Auflage. Guilford Publications, 2007, ISBN 159385000X (Sprache: Englisch).
• George S. Everly, Jeffrey T. Mitchell: Critical Incident Stress Management - Stressmanagement nach kritischen
Ereignissen. Facultas-Univ.-Verl., Wien 2002, ISBN 3-85076-560-1
47
Stressmanagement
Referenzen
[1] uni-goettingen/Vortrag Reiner Wieland, Würzburg 2005, Folie 3 (http:/ / www. personalrat. med. uni-goettingen. de/ pdf/
Vortrag_Wieland_050628. pdf)
[2] Eva Bamberg, Christine Busch, Antje Ducki: Stress- und Ressourcenmanagement. Strategien und Methoden für die neue Arbeitswelt.
1 Auflage. Huber, Bern 2003, ISBN 3456839693.
[3] Walter B. Cannon Wut, Hunger, Angst und Schmerz : eine Physiologie der Emotionen / aus d. Engl. übers. von Helmut Junker. Hrsg. von
Thure von Uexküll, Verfasser: Cannon, Walter B., Verleger: München, Berlin, Wien: Urban und Schwarzenberg 1975, Erste engl. Ausgabe
1915
[4] Hans Selye The Physiology and Pathology of Exposure to STRESS, ACTA. INC. Medical Publishers, 1950
[5] Hans Selye Einführung in die Lehre vom Adaptationssyndrom (deutsch 1953)
[6] Hermann Faller; Herrmann Lang: Medizinische Psychologie und Soziologie. Heidelberg: Springer 2006, ISBN 3540299955
[7] Lazarus, R. S. (1991). Emotion and Adaptation. London: Oxford University Press.
[8] Hobfoll, Stevan & Buchwald, Petra: "Die Theorie der Ressourcenerhaltung und das multiaxiale Copingmodell – eine innovative
Stresstheorie". In: P. Buchwald, C. Schwarzer & S.E. Hobfoll (Hrsg.): "Stress gemeinsam bewältigen – Ressourcenmanagement und
multi-axiales Coping". Hogrefe, Göttingen 2004, S. 11-26. ISBN 3-8017-1679-1
[9] Weg-mit-stress.de: Stressbewältigung bei Kindern (http:/ / www. weg-mit-stress. de/ fakten/ stress_bei_kindern. shtml)
[10] Dr. Dr. med. Herbert Mück (Köln) und Prof. Dr. Michael Mück-Weymann (Universitäten: Hall, Erlangen und Dresden 2007
Herzratenvariabilität (http:/ / www. herzratenvariabilitaet. de/ HRV-Perspektiven. htm) Zusammenhang von Flow und Herzratenvariabilität
[11] stress-kurs.de (http:/ / www. stress-kurs. de/ ueber_stressbewaeltigung. htm)
[12] http:/ / en. wikipedia. org/ wiki/ Stress_management
Stressimpfungstraining
Das Stressimpfungstraining von Meichenbaum (1991) ist ein Verfahren zur Bewältigung von Stresssituationen. Es
dient dazu, Personen Strategien zur Stressbewältigung in aktuellen Situationen beizubringen. Der Erwerb der
Strategien geschieht präventiv, d.h. die Strategien zur Stressreduktion werden bereits vor dem stressenden Ereignis
vermittelt. Das kognitiv-verhaltenstherapeutische Vorgehen Meichenbaums ähnelt insgesamt dem Vorgehen von
Aaron T. Beck und Albert Ellis, jedoch wird bei Meichenbaum stärker auf die Erarbeitung und das Training
förderlicher Kognitionen fokussiert.
Vorgehen
Informationsphase
In der Informationsphase werden die Probleme des Klienten analysiert. Dabei wird ein für den Klienten plausibles
Modell zur Entstehung des Stresses erstellt. Zudem wird die Struktur des Therapieprozesses bestimmt.
Ziel der Informationsphase ist es, dem Klienten ein klares Verständnis für die Entstehung und Aufrechterhaltung von
Stressreaktionen, seiner Ängste, Ärger, Probleme usw. zu vermitteln. Zu Beginn der Therapie erfolgt die
Psychoedukation, an deren Ende der Patient das prinzipielle Modell verstanden haben soll, dass nicht die Ereignisse
selbst Stress hervorrufen, sondern die Art, wie die Ereignisse wahrgenommen werden. Den Klienten wird deutlich
gemacht, dass sie die Ereignisse anders wahrnehmen und mit ihnen so umgehen können, dass sie weniger Stress
auslösen. Der eigentliche Beginn des Stressimpfungstrainings ist eine detaillierte Problemanalyse, bei der erfasst
wird, welche Gedanken der Person in kritischen und belastenden Situationen durch den Kopf gehen. Dabei wird in
der Regel auf geläufige Stressreaktionen der Person zurückgegriffen, damit sich der Patient lebhaft eine Situation
vorstellen und sich in die dabei ablaufenden Selbstverbalisierungen hineinversetzen kann. Wichtig ist, dass dem
Klienten ein plausibles Modell zur Entstehung seiner Stressreaktionen vermittelt wird, wobei er verstehen soll, wie
seine Gedanken zum Aufschaukeln von Stress und negativen Emotionen beitragen. Ziel der Informationsphase ist,
den Klienten für Hinweisreize von aufkommender Angst oder Stress zu sensibilisieren, so dass er Stresssituationen
und damit verbundene Verhaltensreaktionen frühzeitig erkennt und anders darauf reagieren kann. Die Analyse des
Stressgeschehens geschieht mittels des SORKC-Modells.
48
Stressimpfungstraining
Übungsphase
In der Übungsphase werden dem Klient mehrere Methoden vermittelt, mit deren Hilfe er aufkommende Angst- und
Stressreaktionen kontrollieren kann. In dieser Phase werden Informationen über problematische Situationen und die
Stressreaktionen des Klienten gesammelt, aber auch Bewältigungsreaktionen, bspw. Entspannungstrainings (wie die
Progressive Muskelrelaxation nach Edmund Jacobson), erlernt. Eventuell können auch weitere Strategien wie
Atemkontrolle, Rollenspiele oder Gedankenstop zur Anwendung kommen. Besonders wichtig sind nach
Meichenbaum jedoch die kognitiven Bewältigungsmechanismen.
Die Übungsphase ist in vier, sich zeitlich überlappende, Schritte gegliedert:
• Vorbereitung auf einen Stressor: dient der Orientierung und der Klarstellung was zu tun ist. Beispiele: "Mach dir
keine Sorgen.", "Denke lieber nach, was du tun kannst."
• Konfrontation mit dem Stressor: Der Klient soll sich daran erinnern, was er angesichts einer stressenden Situation
tun sollte, z.B. sich in kleinen Schritten der Situation aussetzen, sich entspannen, nicht in Panik verfallen usw.
Beispiel: "Du kannst die Situation bewältigen! Immer eins nach dem anderen.", "Jetzt nicht in Panik geraten!",
"Atme durch und entspanne dich!"
• Gefühl der Überwältigung: der Ernstfall wird vorweggenommen und die drohende Panik vorgestellt. Beispiel:
"Die Angst ist zwar nicht abzuschalten, aber du kannst damit umgehen.", "Die Angst ist zu ertragen."
• Selbstverstärkung: Die Selbstverstärkung soll dazu dienen, das Bewältigungsverhalten im Verhaltensrepertoire
der Person zu stabilisieren. Beispiel: "Es hat geklappt.", "Du hast es geschafft.", "Prima! Du machst Fortschritte."
Nach Meichenbaum ist es wichtig, eine für die Klienten individuell günstige Formulierung zu suchen und nicht
starre Sätze vorzugeben. Die Erarbeitung erfolgt gemeinsam mit dem Klienten u.a. durch die Modellvorgabe. Die
erlernten Strategien werden dann in einer exemplarischen Problemsituation eingeübt (z.B. in einer vorgestellten oder
künstlich hergestellten Stresssituation)
Anwendungsphase
In der Anwendungsphase erprobt der Klient die neu erworbenen Bewältigungsfertigkeiten in realen und vielfältigen
Belastungssituationen. Die Stresssituationen werden in der Regel "gestuft" aufgesucht und unter Einsatz von
Selbstverbalisation vom Klienten bewältigt. Ziel der Anwendungsphase ist, dem Klienten eine gewisse Flexibilität
im Umgang mit realen Problemsituationen beizubringen. Es wird davon ausgegangen, das der Klient in der
Übungsphase Bewältigungsreaktionen erlernt hat, die für reale Belastungssituationen eine schützende
Immunisierung ausüben. Aus diesem Grund wird das Verfahren als Stressimpfung bezeichnet.
Anwendungsbereiche
Ursprünglich wurde das Stressimpfungstraining zur Kontrolle von Stress- und Belastungssituationen entwickelt.
Mittlerweile wird es jedoch auch in anderen Bereichen eingesetzt, wie bspw. in der Verhaltensmedizin, oder zur
Prävention innerhalb Gruppen, die häufig starkem Stress ausgesetzt sind, wie bspw. Polizisten oder
Feuerwehrmännern oder zur Gesundheitsförderung.
Kritik
Der Begriff der Selbstverbalisation wird eher unscharf zur Kennzeichnung einer Reihe ganz unterschiedlicher
kognitiver Inhalte verwandt. Auch herrscht eine begriffliche Unklarheit in seinem Konzept vor, da Meichenbaum die
Begriffe "Selbsverbalisation", "inneres Sprechen", "innerer Monolog", "verbales Bewältigungsverhalten",
"Kognitionen" und "Überzeugungen" in verschiedenen Veröffentlichungen nahezu synonym verwendet. Zudem
liefert Meichenbaum für seinen Ansatz, im Gegensatz zu denen von Aaron T. Beck oder Albert Ellis, keinen
zusammenfassenden theoretischen Rahmen, aus dem eine nähere Spezifizierung der Therapieziele, z. B. in Bezug
auf angemessene Selbstverbalisation, ableitbar wäre. Meichenbaum gibt keinerlei Kriterien an, was eine
49
Stressimpfungstraining
"dysfunktionale" Kognition kennzeichnet.
Literatur
• Meichenbaum, Donald (2003). Intervention bei Streß. Hrsg., übersetzt und mit einem ergänzenden Kapitel von
Lothar Schattenburg. 2. Auflage. Bern: Huber
• Reinecker, H. (1999), Lehrbuch der Verhaltenstherapie. Tübingen: DGVT-Verlag
• Wilken, B. (1998), Methoden der kognitiven Umstrukturierung. Stuttgart: Kohlhammer.
Selbstinstruktionstraining
Selbstinstruktionstraining ist eine verbale Methode die im Rahmen der Verhaltenstherapie Anwendung findet.
Beschrieben wurde sie 1971 von Meichenbaum und Godman und weiterentwickelt 1993 im Modell von Lauth und
Schlottke. Das Training wird zum Einüben des sogenannten „Inneren Sprechens“ eingesetzt. Ziel des Training ist es,
zu einer angemessenen Selbststrukturierung zu finden, um Aufgaben und Anforderungen besser zu bewältigen.
Anwendungsbereiche
Selbstinstruktionstraining gilt als wirksame Intervention bei Störungen der Aufmerksamkeit und der Selbststeuerung
(ADS, ADHS). Einsatz findet es u. a. auch bei der verhaltenstherapeutischen Behandlung von Angststörungen.
Entstehungsgeschichte
Meichenbaum entwickelte das Selbstinstruktionstraining ursprünglich für verhaltensauffällige (hyperkinetische)
Kinder und geht von der Annahme aus, dass der Problematik ein kognitives Defizit zugrunde liegt. Er nimmt an,
dass diese Kinder das Wesentliche einer Aufgabe nicht erkennen, ihr Verhaltensrepertoire nicht spontan anwenden
können und ablaufende Prozesse, wie z. B. Aufmerksamkeit nicht gezielt gesteuert und kontrolliert werden können.
Er sieht die Lösung im Lernen eines inneren Monologs zur Planung und Regulation von Verhalten, welches in fünf
Schritten erfolgt. Die wesentlichen Inhalte des inneren Sprechens betreffen die Problembestimmung, Bestimmung
der Anforderungen, Planung des Vorgehens und Überprüfung der Ergebnisse sowie Selbstbekräftigung und Umgang
mit Frustration.
Beispiel
Fünf Schritte des Inneren Sprechens am Beispiel einer Schulaufgabe (Krowatschek et al., 2003)
1.
2.
3.
4.
5.
Aufgabenanalyse: Fragen: „Was soll ich tun?“; Lesen der Aufgabenstellung
Wiederholung des Arbeitsauftrages in eigenen Worten (Arbeitsauftrag klar? - Wenn nicht: zurück zu Schritt 1.)
Ausführen des Arbeitsauftrages: Schritt für Schritt zur Lösung; dabei laut denken
Selbstkontrolle: „Habe ich alles richtig gemacht?“ (Wenn nicht: zurück zu Schritt 3 bzw. 1.)
Selbstverstärkung/Eigenlob: „Das habe ich gut gemacht!“
Ziel der Methode des Inneren Sprechens ist es, die Aufmerksamkeit zu fokussieren, selbständiges Bearbeiten von
Aufgaben zu ermöglichen und die positiven Ergebnisse zu verstärken.
50
Selbstinstruktionstraining
Literatur
• S. Witte Entwicklung und Evaluation eines videogestützten Selbstinstruktionstrainings für
aufmerksamkeitsgestörte Kinder. Cuvillier-Verlag (15. Oktober 2001) ISBN 3898733394
• G. W. Lauth Selbstkontrollverfahren, kognitives Modellieren und Selbstinstruktionstraining. In: G. W. Lauth, U.
Brack, F. Linderkamp (Hgg.) (2001): Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen. Weinheim: Beltz, S. 542
– 549 ISBN 3621274472
• G. W. Lauth, P.F. Schlottke (Hgg.) (2002) Training mit aufmerksamkeitsgestörten Kindern. 5.Auflage.
Weinheim: Beltz ISBN 362127474X
• K. Mackowiak, H. Hungerige Selbstinstruktionsmethoden. In: M. Borg-Laufs (Hrsg.) (2001): Lehrbuch der
Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen. Tübingen: DGVT, S. 455 – 479 ISBN 387159024X
Weblinks
• PubMed: Bornhofen C, McDonald S. Comparing strategies for treating emotion perception deficits in traumatic
brain injury. J Head Trauma Rehabil. 2008 Mar-Apr;23(2):103-15. PMID: 18362764 [1]
Referenzen
[1] http:/ / www. ncbi. nlm. nih. gov/ pubmed/ 18362764?ordinalpos=1& itool=EntrezSystem2. PEntrez. Pubmed. Pubmed_ResultsPanel.
Pubmed_DefaultReportPanel. Pubmed_RVDocSum
Problemlösetraining
Das Problemlösetraining von D'Zurilla und Goldfried gehört zu den Standardinterventionstechniken der kognitiven
Verhaltenstherapie. Es geht hierbei um den Erwerb adäquater Strategien und Handlungsmöglichkeiten zur
schnelleren und effektiveren Lösung eines Problems. Es ist didaktisch stark strukturiert. Dabei erfolgt zunächst
einmal eine ausführliche Exploration zur Identifikation und genauen Definition des Problems. Anschließend werden
mittels Brainstorming Ideen zu alternativen Bewältigungsmöglichkeiten gesammelt. Dabei ist es wichtig, dass alle
Ideen zulässig sind und keine vorweg abgewertet werden darf. Hat man sich nun eine Liste von
Bewältigungsmöglichkeiten erarbeitet, werden alle Optionen diskutiert und hinsichtlich ihrer Folgen und deren
Auftrittswahrscheinlichkeit auf einer mehrstufigen Skala bewertet. Die hierbei vermeintlich beste Option wird nun
nach Planung zur konkreten Umsetzung in vivo (d.h. in der Realität) ausprobiert und anschließend zusammen mit
dem Therapeuten bezüglich der erzielten Veränderungen und Ergebnisse nochmals ausgewertet. Formalisiert lassen
sich 5 Problemlöseschritte unterscheiden:
1.
2.
3.
4.
5.
Allgemeine Problemorientierung
Beschreiben des Problems
Erstellen von Alternativen
Treffen einer Entscheidung
Anwendung und Überprüfung
Es findet häufige Verwendung in der Familientherapie, bei der Rückfallprophylaxe von Schizophrenen, sowie bei
psychosmomatischen Patienten, dazu ganz allgemein, wenn erkennbar ist, dass die Probleme und Störungen eines
Patienten in mangelnden Problemlösefähigkeiten begründet sind.
51
Problemlösetraining
Literatur
• Reinecker, Hans: Lehrbuch der Verhaltenstherapie. dgvt-Verlag, Tübingen 1999, ISBN 3-87159-020-7.
• D´Zurilla T.J & Goldfried, M.R. (1971). Problem Solving And Behavior Modification. Journal Of Abnormal
Psychology, 78, 107-126.
• D´Zurilla T.J. & Chang, E.C. (1995). The Relations Between Social Problem Solving and Coping. Cognition And
Therapy Research, 19, 547-562.
Weblinks
• Beschreibung der einzelnen Stufen des Problemlösetrainings in der Psychotherapie [1]
Referenzen
[1] http:/ / www. psychologie-aktuell. net/ problemloesetraining. html
Schmerzmanagement
1. WEITERLEITUNG Schmerztherapie
Selbstmanagement-Therapie
Die Selbstmanagement-Therapie ist eine Methode der Verhaltenstherapie, begründet von Frederick Kanfer.
Therapieziel ist, das Selbstmanagement des Patienten zu verbessern. In der Regel ist die Therapie auf ein bestimmtes
Problemfeld des Patienten (z. B. Alkoholkrankheit und ihre Folgen) fokussiert.
Der Begriff Selbstmanagement-Therapie (im folgenden SM-T) wird oft missverstanden, indem angenommen wird,
es sei eine Therapie in Eigenregie (= Selbstbehandlung), mit der man sein Selbstmanagement (z. B. sein
Zeitmanagement) verbessern könne.
In einer SM-T
• leitet der Therapeut den Klienten zu besserer Selbststeuerung an und
• motiviert und befähigt ihn mit seiner Anleitung dazu, bestimte Probleme möglichst aktiv, selbständig,
eigenständig und effizient zu bewältigen
Das tut er in der Regel so lange (oft in einem ausschleichenden Prozess), bis der Patient auf externe professionelle
Hilfe verzichten kann.
Definition von Selbstmanagement
Unter Selbstmanagement verstehen König und Kleinmann (2006) „alle Bemühungen einer Person, das eigene
Verhalten zielgerichtet zu beeinflussen“ (p. 332). Für die Autoren ist dies eine Arbeitsdefinition, die vor allem auf
Berufstätigkeiten mit großen Spielräumen angewendet werden kann; also für Tätigkeiten, die nicht ständig von
einem Vorgesetzten beeinflusst werden. Freischaffend Arbeitende (etwa Grafiker oder Selbstständige) brauchen ein
effizientes Selbstmanagement mehr als andere,
• weil sie keinen Vorgesetzten haben, der ihnen eine Tagesstruktur auferlegt und/oder
• weil ihr Arbeitsoutput quantitativ und/oder qualitativ schwer messbar ist (oft wissen solche Arbeitenden selbst am
Ende eines Tages kaum, wie produktiv und effizient ihre Arbeit war, und unter- oder überschätzen sie).
52
Selbstmanagement-Therapie
53
Manz (1986, zitiert nach König & Kleinmann, 2006) beschreibt Selbstmanagement als einen Satz von behavioralen
und kognitiven Strategien, die Individuen helfen,
• ihre Umgebung zu strukturieren,
• Selbstmotivierung aufzubauen bzw. zu erhalten und
• Verhalten zu erleichtern, welches angemessen für die Erreichung von Leistungsstandards ist.
Jeder betreibt Selbstmanagement, aber nicht jeder ist ein erfolgreicher Selbstmanager:
es gibt auch dysfunktionales Selbstmanagement (Karoly, 1993, zitiert nach Frayne & Geringer, 2000).
Da Selbstmanagement eine erlernbare
Selbstmanagement-Fähigkeiten verbessern.
Fähigkeit
ist,
kann
man
durch
Lernprozesse
seine
Philosophische und praktische Basisannahmen
Langfristige Oberziele der Therapie sind Autonomie und Selbstregulation, da davon ausgegangen wird, dass das
menschliche Streben nach Selbstbestimmung, Eigenverantwortung, Selbstregulation und Selbstständigkeit Ziele
darstellt, die im Rahmen der SM-Therapie angestrebt werden. Dabei geht man von einer aktiven Rolle des Menschen
aus, in deren Rahmen an einer Maximierung der persönlichen Freiheit gearbeitet wird. Dabei geht man von einer
ganzheitlichen Konzeption des Person-Modells mit einem prinzipiellen Pluralismus der Werte, Anschauungen und
Lebensstile aus, bei der Raum bleibt für die Entwicklung individueller Ziele und Lebensvorstellungen, die sich
dynamisch ändern können. Diese Fähigkeit ist prinzipiell lernbar und nicht angeboren.
Praktisch bedeutet das den Versuch, die Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung des Patienten zu maximieren
und das Prinzip der minimalen Intervention zu befolgen. Der Therapeut schreibt dem Patienten nicht vor, was
Probleme oder Therapieziele sein könnten, sondern entwickelt diese gemeinsam mit ihm.
Grundlagen
Die dahinter stehende Sichtweise ist eng verknüpft mit Ansätzen der sozialen Lerntheorie, der Selbstkontrolle und
Selbstregulation und der kognitiven Verhaltenstherapie bzw. mit den Namen Albert Bandura, Frederick Kanfer oder
Donald Meichenbaum. Seit Kanfers Versterben ist der wichtigste Vertreter des therapeutischen Ansatzes der in
Bamberg tätige Hans Reinecker. Dieser beschrieb in seiner 1995 erschienenen deutschen Ausgabe des
Kanfer-Buches „Selbstmanagement-Therapie“ (SM-T) auch genau, was die spezieller verstandene Bedeutung des
Begriffes im Sinne Kanfers ausmacht. Er betont dabei, dass es v.a. um ein bestimmtes Verständnis des gesamten
diagnostisch-therapeutischen Prozesses geht, der weniger im Anwenden bestimmter Selbstregulationsmethoden
besteht, sondern eine generelle Therapeutenhaltung und ein 7-phasiges Prozessmodell für die systematische
Umsetzung von Veränderungen in die Praxis beinhaltet. Die SM-T hat eine spezielle Behandlungsphilosophie, ein
spezielles Menschenbild, eigene theoretische Grundannahmen sowie einen eigenen Bezug auf Befunde der
psychologischen Grundlagenforschung, aus denen sich eigene praktische Umsetzungen ergeben.
Selbstmanagementtherapie ist keine Anleitung zu Egoismus oder rücksichtsloser Selbstdurchsetzung, keine
Verhaltensmodifikation mit anderem Namen in humanistischer Verkleidung und hat nichts mit „Management“ oder
dem Wirtschafts- und Geschäftsleben zu tun. Es ist kein Allheilmittel, keine neue Therapieschule, bedeutet weder für
den Therapeuten noch für den Klienten Verantwortungslosigkeit, hat feste Grenzen und ist weder offen noch für
alles wertfrei.
Unter Therapie wird die Umsetzung eines systematischen Veränderungsprozesses verstanden, der an den Problemen
des Patienten ansetzt, deren jeweilige Bedingungen analysiert, Therapieziele zu klären versucht und sich im weiteren
Verlauf an diesen orientiert, sich dabei anhand der jeweils eintretenden Ergebnisse selbst steuert, und zwar solange
bis ein gewisser Zielerreichungsgrad (z.B. das Optimum) erreicht ist.
Dabei besitzt der Patient immer ein hohes Maß an Selbstverantwortung, Prozessorientierung, Ziel- und
Motivationsklärung, bis er am Ende - auch durch die strukturierte Anleitung zur Selbststeuerung - wieder ohne
Selbstmanagement-Therapie
therapeutische Unterstützung leben kann.
Selbstmanagement-Fertigkeiten sind z.B. Selbstbeobachtung, Selbstinstruktionen, Zielklärung und -setzung,
Selbstverstärkung, Selbstkontrolle. Selbstmanagement-Strategien können in einer Psychotherapie oder eigenständig
mit Hilfe von Selbsthilfe-Manualen und Ratgeberbüchern erlernt werden. Voraussetzungen dafür sind 1. das
Erkennen von Defiziten und 2. die Bereitschaft, an sich zu arbeiten. Wichtig sind
1.
2.
3.
4.
ein konkretes Ziel
ein realistisches Ziel
ein Ziel, das der Betroffene selbst kontrollieren kann
eine Belohnung bei Zielerreichung.
Außerhalb der Selbstmanagement-Therapie bezeichnet der Begriff „Selbstmanagement“ das Managen der eigenen
Person beziehungsweise des eigenen Handelns. In diesem Zusammenhang steht der Ausdruck beispielsweise für das
persönliche Zeitmanagement (einschließlich der Setzung von Prioritäten, Planung und effektivem Handeln) in Bezug
auf die persönliche Lebensplanung im Privat- und Berufsleben.
Der kognitiv-behaviorale Ansatz des Selbstmanagement
Basierend auf lerntheoretischen Überlegungen wurde der erste Ansatz des Selbstmanagement entwickelt: der
kognitiv-behaviorale Ansatz (z.B. Cautela, 1969; Mahoney, 1972, zitiert nach König & Kleinmann, 2006). Die
Grundannahme der Theorie ist, dass Verhalten, welches zu etwas Positivem führt, häufiger auftritt (positive
Verstärkung), während Verhalten, das zu etwas Negativem führt, zurückgeht (Bestrafung).
Verhalten kann auch durch Reize beeinflusst werden. Bestimmtes Verhalten tritt nur auf, wenn bestimmte mit dem
Verhalten assoziierte Reize vorhanden sind. Nach dem ABC-Schema (aus dem Englischen: A wie „antecendents“
(Hinweisreiz), B wie „behavior“ (Verhalten) und C wie „consequences“ (Konsequenzen)) sind mit dem Verhalten
auch bestimmte Konsequenzen assoziiert. Nach dem behavioralen Ansatz können Personen selbst die
Wahrscheinlichkeit verändern, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen (Mahoney, 1972, zitiert nach König &
Kleinmann, 2006). Sie können sich selbst verstärken, sich selbst bestrafen oder Stimuluskontrolle betreiben
(versuchen zu verhindern, dass Reize auftreten, welche mit einem negativen Verhalten assoziiert sind).
Als kognitive Komponente des Ansatzes wurde die Selbstwirksamkeit (Bandura, 1977, zitiert nach König &
Kleinmann, 2006), eine zentrale Komponente des kognitiv-behavioralen Selbstmanagement-Ansatzes, ins Feld
geführt. Selbstwirksamkeit: man rechnet damit / erwartet, ein bestimmtes Verhalten ausführen zu können.
Das 7 Phasen-Modell der Selbstmanagement-Therapie
Für den Ablauf einer Therapie schlägt Kanfer ein Vorgehen in sieben Phasen vor:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Eingangsphase – Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen
Aufbau von Änderungsmotivation und (vorläufige) Auswahl von Änderungsbereichen
Verhaltensanalyse: Problembeschreibung und Suche nach aufrechterhaltenden Bedingungen
Klären und Vereinbaren therapeutischer Ziele
Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden (als Mittel zum Ziel)
Evaluation der Fortschritte
Endphase – Erfolgsoptimierung und Abschluss der Beratung/Therapie
(nähere Erläuterungen in Kanfer, Reinecker & Schmelzer, 2006)
54
Selbstmanagement-Therapie
Die 11 Gesetze der Selbstmanagement-Therapie
Kanfer gibt elf Anweisungen für den Therapeuten / die Therapeutin, welche aus seiner Sicht den Therapieerfolg
fördern:
1. Verlange niemals von Klienten, gegen ihre eigenen Interessen zu handeln.
2. Arbeite zukunftsorientiert, suche nach konkreten Lösungen und richte die Aufmerksamkeit auf die Stärken von
Klienten.
3. Spiele nicht den „Lieben Gott“, indem du Verantwortung für das Leben von Klienten übernimmst.
4. Säge nicht den Ast ab, auf dem die Klienten sitzen, bevor du Ihnen geholfen hast, eine Leiter zu bauen, auf der
sie herabsteigen können.
5. Klienten haben immer recht.
6. Bevor du ein problematisches Verhalten nicht konkret vor Augen hast, weißt du nicht, worum es eigentlich geht.
7. Du kannst nur mit Klienten arbeiten, die anwesend sind.
8. Peile kleine, machbare Fortschritte von Woche zu Woche an und hüte dich vor utopischen Fernzielen.
9. Bedenke, dass die Informationsverarbeitungskapazität von Menschen begrenzt ist.
10. Wenn du in der Beratungs-/Therapiestunde härter arbeitest als Deine Klienten, machst du etwas falsch.
11. Spare nicht mit Anerkennung für die Fortschritte von Klienten.
(nähere Erläuterungen in Kanfer, Reinecker & Schmelzer, 2006)
S.M.A.R.T.-Regel der Zielsetzung
Im Managementbereich hat sich bezüglich Zielsetzung die S.M.A.R.T.-Regel durchsetzen können (Gächter, 2007).
Die S.M.A.R.T.-Regel wurde erstmals von Drucker (1956) in seinem Buch über Management by Objectives (MBO,
Management durch Zielvorgaben) umrissen. Nach Drucker (1956) wird durch die S.M.A.R.T.-Methode die
Gültigkeit der Zielsetzung überprüft. Die S.M.A.R.T.-Regel beinhaltet die folgenden Punkte:
Spezifisch (im Gegensatz zu allgemein)
Messbar (Quantität/Qualität)
Attraktiv (lohnend/herausfordernd)
Realistisch (machbar unter den gegebenen Voraussetzungen)
Terminiert (zeitlich fixiert)
Wirkung von Zielsetzung
Nach Locke und Latham (2002) beeinflusst die Zielsetzung die Leistung durch vier Mechanismen.
• Erstens haben Zielsetzungen eine direktive Funktion. Sie bewirken Aufmerksamkeitssteuerung auf zielrelevante
Tätigkeiten hin. Zielirrelevante Tätigkeiten werden in den Hintergrund gedrängt. Diese Zielgerichtetheit findet
sowohl kognitiv als auch auf der Verhaltensebene statt.
• Zweitens mobilisieren Zielsetzungsprozesse Energie und Anstrengungsbereitschaft, d.h. Ziele haben eine
energetisierende (motivationssteigernde) Funktion. Höher gesteckte Ziele führen dabei zu höherer Anstrengung
als niedrigere Zielsetzungen.
• Drittens wirken Zielsetzungen positiv auf die Ausdauer.
• Schließlich wirken sich Zielsetzungen indirekt auch auf die Tätigkeiten an sich aus, indem sie die Aneignung und
Anwendung von aufgabenrelevantem Wissen und von adäquaten Arbeitsstrategien ankurbeln (Wood & Locke,
1990, zit. nach Locke & Latham, 2002).
55
Selbstmanagement-Therapie
Psychotherapieforschung: Wie wirksam ist das psychotherapeutische
Verfahren "Selbstmanagement-Therapie"?
In der Meta-Analyse zur Wirksamkeit von Psychotherapien von Grawe wird die Selbstmanagement-Therapie den
Problemlöse-Therapien zugeordnet; diesen wiederum bescheinigte die Forschergruppe um Grave ein ganz
außerordentlich günstiges Wirkungsprofil[1]
Abgrenzung zum Zeitmanagement
Ein verwandter Bereich des Selbstmanagement ist das Zeitmanagement, welches für ähnliche Berufsgattungen
besonders relevant zu sein scheint. Sowohl im kognitiv-behavioralen Ansatz des Selbstmanagements als auch des
Zeitmanagements wird vorgeschlagen, dass Personen sich Ziele setzen und sich selbst beobachten sollen (König &
Kleinmann, 2006). Es existieren jedoch auch bestimmte Unterschiede zwischen den beiden Begriffen. „Erstens ist
das Selbstmanagement häufiger auf ein einzelnes Problem bezogen.“ (König & Kleinmann, 2006, p. 341). Beim
Zeitmanagement steht demgegenüber eher ein allgemein verbesserter Umgang mit der Zeit im Vordergrund. Dabei
spielt das Setzen von Prioritäten eine entscheidende Rolle. Zweitens ist die Zeitmanagement-Forschung weniger
theoretisch als die Selbstmanagement-Forschung. „Am Anfang der Forschung stand die Beobachtung, dass
Zeitmanagement in vielen Kontexten und in vielen Ratgebern eine wichtige Bedeutung zugemessen wird, und die
Annahme, dass das Anwenden von Zeitmanagement-Techniken gut für die Leistung und gut gegen Stress sein
sollte.“ (König & Kleinmann, 2006, p. 341). Fragebögen, welche das Zeitmanagement als Trait erfassen, sind der
„Time Management Behavior Scale“ (TMBS; Macan, 1994; Macan et al. 1990, zitiert nach König & Kleinmann
2006) und der „Time Management Questionnaire“ (TMQ; Britton & Tesser, 1991, zitiert nach König & Kleinmann,
2006). Mit Ihnen wurden unter anderem Trainings evaluiert.
Siehe auch
• Zeitmanagement
• Zielsetzungstheorie
Literatur
• Schmelzer, D., „Hilfe zur Selbsthilfe“: Der Selbstmanagement-Ansatz als Rahmenkonzept für Beratung und
Therapie, Beratung Aktuell, 4, 2000 [2]
• Kanfer, F.H., Reinecker, H & Schmelzer, D., Selbstmanagement-Therapie, Ein Lehrbuch für die klinische Praxis,
Springer, 2006, ISBN 3-540-66446-7
• Borg-Laufs, M. & Hungerige, H., Selbstmanagementtherapie mit Kindern, Ein Praxishandbuch, Pfeiffer, 2005,
ISBN 3-608-89741-0
• Sadowski, P. „Der mündige Trinker“, Selbstmanagement-Therapie für Alkoholkranke, dgvt-verlag, 2007, ISBN
978-3-87159-066-5
• Baldwin, T. (1992). Effects of Alternative Modeling Strategies on Outcomes of Interpersonal-Skill Training.
Journal of Applied Psychology. 77(2), 147-154.
• Drucker, P. F. (1956). Praxis des Management: ein Leitfaden für die Führungs-Aufgaben in der modernen
Wirtschaft. Düsseldorf: Econ.
• Frayne, C. A. & Geringer, J. M. (2000). Self-management training for improving job performance: A field
experiment involving salespeople. Journal of Applied Psychology, 85, 361-372.
• Gächter, H. P. (2007). Projektmanagement. Bern: h.e.p. Verlag AG.
• König, C. J. & Kleinmann, M. (2006). Selbstmanagement. In: H. Schuler (Hrsg.), Lehrbuch der
Personalpsychologie (2., überarb. und erweit. Aufl., S. 331- 348). Göttingen: Hogrefe.
56
Selbstmanagement-Therapie
• Locke, E.A., & Latham, G.P. (2002). Building a practically useful theory of goal setting and task motivation: A
35-year odyssey. American Psychologist, 57, 705-717.
• Semmer, N. K. & Udris, I. (2007). Bedeutung und Wirkung von Arbeit. In H. Schuler (Hrsg.), Lehrbuch der
Organisationspsychologie (4., Aufl.) (S.157-195). Bern: Huber.
• Lehmann, J. W. et al (2009). Trainingsmanual zum Thema Selbstmanagment. Uni Bern. Online abgerufen am 11.
Februar 2010
Weblinks
• Ausbildung Selbstmanagement-Therapie [3] (abgefragt am 22. März 2010)
• Selbsmanagement & Selbstinstruktion [4], (abgefragt am 22. März 2010)
• Selbstmanagementtherapie im Akzeptanzvergleich zweier Patientengruppen [5] - ein Erfahrungsbericht, (abgefragt
am 22. März 2010)
Referenzen
[1] Grawe, K., Donati, R. und Bernauer, F. (1994, 1995, 2001): Psychotherapie im Wandel. Von der Konfession zur Profession. Göttingen:
Hogrefe.
[2] http:/ / www. beratung-aktuell. de/ selbstmanagement. pdf
[3] http:/ / www. iseta. de/ start. html
[4] http:/ / www. psychologie. uzh. ch/ fachrichtungen/ klipsypt/ lehre/ FS08/ standardverfahren/ 11. Selbstmanagement. pdf
[5] http:/ / www. kompetenzgegenbrustkrebs. de/ download/ DerkrebskrankePatientinderKassenpraxis. pdf
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction - MBSR) ist ein von dem
Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn in den späten 1970er Jahren in den USA entwickeltes Programm zur
Stressbewältigung durch Anwendung verschiedener Verfahren der gezielten Lenkung von Aufmerksamkeit und der
Entwicklung, Einübung und Stabilisierung erweiterter Achtsamkeit. Im Rahmen der Psychotherapie findet es als
verhaltenstherapeutisches Verfahren Berücksichtigung.
Methode
In Kliniken wird das Programm in Form von acht wöchentlich stattfindenden, zweieinhalbstündigen
Gruppensitzungen und einem abschließenden Übungstag in Stille durchgeführt. Der Kurs erfordert Eigeninitiative
und Einsatz der Teilnehmer: Es ist eine formelle Übungspraxis von täglich 45 Minuten vorgesehen, deren Effekte
während des Klinikaufenthaltes auch auf das Handeln und Verhalten im täglichen Leben übertragen werden sollen.
Das Programm enthält folgende Übungselemente:
•
•
•
•
•
•
die Einübung achtsamer Körperwahrnehmung (Body-Scan)
das sanfte und achtsame Ausführen einer Anzahl von Yogastellungen
das Kennenlernen und Einüben des "Stillen Sitzens" (Sitzmeditation)
das achtsame Ausführen langsamer Bewegungen etwa in der Form der traditionellen Gehmeditation
eine dreiminütige Achtsamkeitsübung (Breathing-Space)
das Üben Achtsamkeit auch bei alltäglichen Verrichtungen aufrecht zu halten.
Die
Übungen
der
achtsamen
Körperwahrnehmung
wurde
aus
körpertherapeutischen
und
körperpsychotherapeutischen Methoden abgeleitet, Yoga steht in der hinduistischen Tradition, die Sitzmeditation
und Gehmeditation sind aus der buddhistischen Meditationspraxis (Zazen und Vipassana) entliehen. Bei allen
Übungen steht im Vordergrund das nicht wertende Annehmen dessen, was gerade im Augenblick wahrnehmbar ist.
57
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion
Das können körperliche Empfindungen, Emotionen, Töne und Gedanken sein.
Das MBSR-Training wirkt unspezifisch auf den psychosomatischen Gesamt-Gesundheitszustand. In klinischen
Studien konnten positive Wirkungen der MBSR-Kurse bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen,
häufigen Infektionskrankheiten, Ängsten oder Panikattacken, Depressionen, Hauterkrankungen, Schlafstörungen,
Kopfschmerzen und Migräne, Magenproblemen und dem Burn-Out-Syndrom nachgewiesen werden.
Elemente der MBSR-Kurse wendet auch die Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) von Marsha M. Linehan zur
Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen an. Achtsamkeitsbasierte Übungen der Körperwahrnehmung
spielen in der kognitiven Verhaltenstherapie auch bei der Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen
eine Rolle.
Die angewendeten achtsamkeitsbasierten Methoden stehen im Gegensatz zu suggestiven oder autosuggestiven
Verfahren, wie Autogenes Training, Positives Denken oder Mentales Training.
Literatur
• Michael Caroll: Awake at Work. 35 Practical Buddhist Principles for Discovering Clarity and Balance in the
Midst of Work's Chaos. Shambhala, Boston, MA 2004, ISBN 978-1590302729 (Reprint 2006).
• Jon Kabat-Zinn: Zur Besinnung kommen [1]. Die Weisheit der Sinne und der Sinn der Achtsamkeit in einer aus
den Fugen geratenen Welt. Arbor Verlag, Freiamt 2006, ISBN 978-3-936855-82-1.
• Jon Kabat-Zinn: Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung. Barth, Bern 1991 (Originaltitel:
Full catastrophe living, übersetzt von Marion B. Kroh), ISBN 3-502-62332-5 (2006 mit dem weiteren Zusatz auf
der Titelseite Das grundlegende Übungsprogramm zur Entspannung, Streßreduktion und Aktivierung des
Immunsystems bei Fischer, Frankfurt am Main als Fischer-Taschenbuch Nummer 17124 erschienen, ISBN
978-3-596-17124-8).
• Jack Kornfield: Meditation für Anfänger. Goldmann, München 2005, ISBN 978-3-442-33733-0.
• Petra Meibert, Johannes Michalak, Thomas Heidenreich: Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion –
Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) nach Kabat-Zinn. In: Thomas Heidenreich, Johannes Michalak
(Hrsg.): Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. 2. Auflage. DGVT, Tübingen 2006, ISBN
978-3-87159-060-3, S. 141-191.
Weblinks
• The Stress Reduction Program [2]. University of Massachusetts Medical School Worcester, abgerufen am
25.August 2009 (englisch)
• MBSR-Verband e.V. [3]. Verband von MBSR-Trainern in Deutschland, abgerufen am 25. August 2009
• MBSR-Deutschland [4]. Arbor Seminare GmbH, Freiburg, abgerufen am 25. August 2009 (Informationen,
Adressen und Seminare rund um die Themen MBSR und MBCT)
• MBSR-Schweiz [5]. Schweizer MBSR-Verband, Luzern, abgerufen am 25. August 2009
Referenzen
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
http:/ / www. arbor-verlag. de/ zur-besinnung-kommen
http:/ / www. umassmed. edu/ Content. aspx?id=41254
http:/ / www. mbsr-verband. de
http:/ / www. mbsr-deutschland. de
http:/ / www. mbsr-verband. ch/
58
Akzeptanz- und Commitmenttherapie
Akzeptanz- und Commitmenttherapie
Die Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT, gesprochen wie das englische Wort act) ist eine neuere Form
der Psychotherapie, bei der klassische verhaltenstherapeutische Techniken mit achtsamkeits- und
aktzeptanzbasierten Strategien und mit Interventionen zur Werteklärung kombiniert werden. ACT beruht auf der
Bezugsrahmentheorie (Relational Frame Theory)[1] , einem kontextualistischen Erklärungsmodell für
sprachlich-gedankliche Prozesse, welches eine Weiterentwicklung verhaltensanalytischer Erklärungsansätze
skinnerscher Prägung darstellt.
Grundlagen
Bei den Problemen, die den Patienten belasten, wird zwischen "sauberem" und "schmutzigem Leid" unterschieden.
Schmutziges Leid entsteht durch den Versuch, mit Hilfe verschiedener Strategien (Rückzug, Flucht, Betäubung,
Argumentieren, übertriebenes Sicherheitsverhalten, spannungsreduzierende Rituale etc.) unangenehme innere
Erlebnisse zu vermeiden ("experiential avoidance"). Die angewandten Strategien haben nicht nur den Nachteil, dass
sie nicht oder nur zeitlich begrenzt funktionieren, sondern auch mit erheblichen negativen Konsequenzen für die
Lebensführung des Patienten verbunden sind. Die Therapie besteht hauptsächlich darin, den Patienten darin zu
unterstützen, seine dysfunktionalen Kontrollversuche abzubauen, indem er seine Bereitschaft erhöht, auch
unangenehme Empfindungen zu erleben - "als das, was sie sind, nicht als das, was sie zu sein vorgeben", wie es
ACT-Therapeuten oft ausdrücken. Hierzu kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz, die zum Teil
buddhistischen Meditationspraktiken und dem Methodenrepertoire anderer therapeutischer Schulen (z. B. der
Gestalttherapie) entliehen sind. Einen großen Raum nimmt in einer Therapie nach dem ACT-Modell die Klärung
von Werten und Lebenszielen ein, aus denen dann konkrete Handlungsabsichten (commitments) abgeleitet werden.
Wie auch bei anderen Ansätzen der kognitiven Verhaltenstherapie wird an dysfunktionalen Gedanken gearbeitet.
Allerdings wird nicht versucht, den Inhalt der Gedanken zu verändern (etwa "negative" durch "positive" oder
"irrationale" durch "rationale" Gedanken zu ersetzen). Solche Versuche führen, wie auch aus der Relational Frame
Theory abzuleiten ist, oftmals nur zu einer Stärkung der zugrundeliegenden "Bezugsrahmen" - mit dem Effekt, dass
die entsprechenden Gedanken an Intensität und Frequenz noch zunehmen. Vielmehr wird versucht, die Funktion der
kognitiven Reaktionen zu modifizieren, indem der Patient Techniken erlernt, die ihn in die Lage versetzen, seine
eigenen Gedanken gleichmütig ("achtsam") zu betrachten, ohne mit ihnen zu "verschmelzen", d. h., ohne sie zu
glauben oder zwangsläufig sein Verhalten an ihnen auszurichten.
Anwendung
ACT wird bei einer Reihe von Störungen und Problemen angewendet und ist bereits mehrfach hinsichtlich seiner
Wirksamkeit untersucht worden. So liegen beispielsweise Studien vor zur Behandlung von Personen mit
psychotischen Symptomen[2] , mit sozialen Ängsten[3] , Depressions- und Angstsymptomen[4] ,
Borderline-Persönlichkeitsstörung[5] oder Diabetes[6] . Die bisher vorliegenden Befunde legen nahe, dass ACT
möglicherweise mindestens ebenso effektiv ist wie andere empirisch untersuchte etablierte Therapieansätze, etwa die
kognitive Therapie nach Beck.
Aufnahme
Die Grundideen von ACT und die Vorgehensweisen sind vor allem in den USA, Australien und in einigen Ländern
Westeuropas (z. B. den Niederlanden, Spanien und den skandinavischen Ländern) auf großes Interesse gestoßen. Es
wurden zahlreiche Bücher publiziert, sowohl solche, die sich an Experten richten, als auch Bücher für Menschen mit
bestimmten psychischen Problemen wie z. B. Essstörungen[7] , posttraumatischem Stress[8] oder chronischen
Schmerzen[9] . In deutscher Sprache liegen neben dem bisherigen Hauptwerk zu ACT von Hayes, Strosahl und
59
Akzeptanz- und Commitmenttherapie
Wilson (1999, siehe Literatur) zwei Bücher [10] [11] vor, die sich an ein Laienpublikum richten.
Literatur
• Hayes, S. C., Strosahl, K. D. & Wilson, K. G. (1999). Acceptance and commitment therapy: An experiential
approach to behavior change. New York: Guilford. Deutsche Übersetzung von Rainer Sonntag (2004). Akzeptanz
und Commitment Therapie. Ein erlebnisorientierter Ansatz zur Verhaltensänderung. München: CIP-Medien,
ISBN 978-3932096372.
• Hayes, S. C. & Strosahl, K.D. (eds.) (2004). A practical guide to acceptance and commitment therapy. New York:
Springer, ISBN 978-0387233673.
• Hayes, Steven C, Luoma, Jason & Walser, Robyn D. (2008). ACT-Training. Handbuch der Acceptance &
Commitment Therapie. Paderborn: Junfermann Verlag. ISBN 978-3-87387-700-9
• Heidenreich, T. & Michalak, J. (Hrsg.) (2004). Achtsamkeit und Akzeptanz in der Psychotherapie. Ein Handbuch.
Tübingen: DGVT-Verlag. ISBN 978-3871590603.
• Harris, Russ: Wer dem Glück hinterher rennt, läuft daran vorbei: Ein Umdenkbuch. Mit einem Geleitwort von
Konstantin Wecker und einem Vorwort von Steven C. Hayes. Deutsche Übersetzung von Maike und Stephan
Schuhmacher. (2009) München : Kösel, ISBN 978-3-466-30820-0.
Weblinks
• www.contextualpsychology.org [12] Homepage der Association for Contextual Behavioral Science (ACBS)
Referenzen
[1] Hayes, S. C., Barnes-Holmes, D., & Roche, B. (Eds.). (2001). Relational Frame Theory: A Post-Skinnerian account of human language and
cognition. New York: Plenum Press.
[2] Bach, P., & Hayes, S. C. (2002). The use of Acceptance and Commitment Therapy to prevent the rehospitalization of psychotic patients: A
randomized controlled trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 70(5), 1129-1139.
[3] Dalrymple, K. L., & Herbert, J. D. (2007). Acceptance and Commitment Therapy for Generalized Social Anxiety Disorder: A pilot study.
Behavior Modification, 31, 543-568.
[4] Forman, E. M., Herbert, J. D., Moitra, E., Yeomans, P. D., & Geller, P. A. (2007). A randomized controlled effectiveness trial of Acceptance
and Commitment Therapy and Cognitive Therapy for anxiety and depression. Behavior Modification, 31(6), 772-799.
[5] Gratz, K. L., & Gunderson, J. G. (2006). Preliminary data on an acceptance-based emotion regulation group intervention for deliberate
self-harm among women with Borderline Personality Disorder. Behavior Therapy, 37(1), 25-35.
[6] Gregg, J. A., Callaghan, G. M., Hayes, S. C., & Glenn-Lawson, J. L. (2007). Improving diabetes self-management through acceptance,
mindfulness, and values: A randomized controlled trial. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 75(2), 336-343.
[7] Heffner, M., & Eifert, G. H. (2004). The Anorexia Workbook: How to accept yourself, heal suffering, and reclaim your life. Oakland, CA:
New Harbinger Publications. ISBN 978-1572243620
[8] Follette, V. M., Pistorello, J. (2007). Finding Life Beyond Trauma. Oakland, CA: New Harbinger. ISBN 978-1572244979
[9] Dahl, J. Lundgren, T. Living Beyond Your Pain, New Harbinger, 2006. ISBN 978-1572244092
[10] Hayes, S. C. & Smith, S. (2005). Get out of your life and into your life. The new acceptance and commitment therapy. Oakland: New
Harbinger. Übersetzung von Gerhard Kugler (2007). In Abstand zur inneren Wortmaschine. Tübingen: DGVT-Verlag. ISBN 978-3871590696
[11] Wengenroth, M. (2008). Das Leben annehmen. So hilft die Akzeptanz- und Commitmenttherapie. Bern: Hans Huber. ISBN
978-3456845128
[12] http:/ / www. contextualpsychology. org
60
Kognitive Umstrukturierung
Kognitive Umstrukturierung
Kognitive Umstrukturierung beschreibt eine Veränderung/Umstrukturierung der gedanklichen/kognitiven
Lebenskonzepte des Menschen und ist ein zentrales Element der Verhaltenstherapie.
Therapieansätze
Kognitive
Umstrukturierung
ist
nach
verschiedenen
Methoden
durchführbar,
und
wird
in
kognitiven/verstandesbezogenen, emotionalen/gefühlsbezogenen und behavioralen/verhaltensbezogenen Methoden
und Therapieansätzen beschrieben, wie Rational-emotive Therapie nach Albert Ellis, Kognitive Therapie nach Aaron
T. Beck oder „Selbstverbalisierungstechnik“ nach Donald Meichenbaum.
Schritte
Im Rahmen einer Therapie wird dem Patienten die Kognitive Umstrukturierung als Modell vermittelt. Eigene, wenig
hilfreiche Gedanken (das sind dysfunktionale oder auch irrationale Gedanken) sollen aufgedeckt, diskutiert und in
Frage gestellt werden. Anschließend benötigt der Patient Unterstützung dabei, die hinterfragten und als negativ
identifizierten Gedanken zu ersetzen, und zu diesem Zweck hilfreiche, alternative Gedanken zu entwickeln. Diese
werden im letzten Schritt dann eingeübt.
Beispiel
Ein wenig hilfreiches Lebenskonzept ist beispielsweise der dysfunktionale Gedanke „Du darfst nicht weinen“. Ein
Hinterfragen dieses Gedanken verdeutlicht, dass Traurigkeit unterdrückt werden soll, aus falscher Scham, oder um
andere nicht zu belasten. Das basiert auf der irrationalen Vorstellung, dass es möglich wäre, keine Gefühle zu
empfinden, oder dass Menschen nicht traurig sein dürfen. Ein gesünderes, hilfreiches Lebenskonzept wäre
beispielsweise der Gedanke „Du darfst weinen so viel Du willst“.
Literatur
• Beate Wilken Methoden der Kognitiven Umstrukturierung Kohlhammer-Verlag, Auflage: 4. (Juli 2008) ISBN
317020596X
• Mervin Smucker, Konrad Reschke, Betty Kögel Imagery Rescripting & Reprocessing Therapy:
Behandlungsmanual für Typ I Trauma Verlag: Shaker; Auflage: 1 (März 2008) (Sprache: Deutsch) ISBN
3832270930
61
Schematherapie
Schematherapie
Die Schematherapie ist eine Form der Psychotherapie. Sie zählt zur sogenannten dritten Welle der
kognitiv-verhaltenstherapeutischen Therapien, und erweitert die Methoden der kognitiven Therapie um Elemente
psychodynamischer Konzepte und anderer bewährter psychologischer Theorien und Therapieverfahren wie der
Objektbeziehungstheorie, der Transaktionsanalyse, der Hypnotherapie und der Gestalttherapie. Sie wurde von
Jeffrey E. Young aus der „kognitiven Therapie für Persönlichkeitsstörungen“ [1] nach A. Beck entwickelt. Young war
lange Jahre in der Gruppe um Beck tätig. Die Schematherapeuten sind großenteils in der International Society for
Schema Therapy (ISST) zusammengeschlossen.
Die Schematherapie geht davon aus, dass es bestimmte erlernte Grundschemata gibt, die darauf abzielen, die
seelischen Grundbedürfnisse zu befriedigen und hierzu das Verhalten von Menschen steuern.
Anwendung
Die Schematherapie wurde zur Behandlung von chronischen, charakterologischen Aspekten psychischer Störungen
entwickelt. Sie findet erfolgreich Anwendung bei der Behandlung chronischer erkrankter Patienten mit
Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen (insbesondere Borderline- und Narzisstische
Persönlichkeitsstörung), aber auch bei Essstörungen, Substanzmittelmissbrauch, bei Paarbehandlungen und
langjährigen Beziehungsstörungen. Eingesetzt wird sie im ambulanten Setting, stationär wird sie beispielsweise
angewendet u.a. in der psychosomatischen Abteilung des Krankenhauses Havelhöhe in Berlin und der
Psychiatrisch-Psychotherapeutischen Abteilung der Universitätsklinik Mainz.
Grundlagen
Das Konzept des Schemas stammt von Jean Piaget, der es seiner konstruktivistischen Erkenntnistheorie zu Grunde
legte (schème d'assimilation). Die Schematherapie ist ein Erklärungs- und Behandlungsmodell für Patienten
insbesondere mit schweren Persönlichkeitsstörungen. Sie geht davon aus, dass in der Kindheit und im Verlauf des
Lebens Schemata erworben werden, die weitgesteckte Muster aus Erinnerungen, Emotionen, Kognitionen und
Körperempfindungen beinhalten und das Verhalten steuern. Diese können mit der eigenen Persönlichkeit
unvereinbar sein, ihr entgegen stehen und hinderlich sein, also ich-dyston sein. Solche früh erworbenen hinderlichen
Schemata werden maladaptiv genannt (Early Maladaptive Schemas).
Ein maladaptives Schema entsteht durch schädliche Kindheitserlebnisse, die auf der Verletzung menschlicher
Grundbedürfnisse basieren. Dabei werden traumatische Erlebnisse, die Erfahrung der Nichterfüllung wesentlicher
Grundbedürfnisse durch die frühen Bezugspersonen, aber auch deren Übererfüllung durch „Zuviel des Guten“ oder
selektive Internalisierung bzw. Identifikation mit wichtigen Bezugspersonen unterschieden.
Maladaptive Schemata beziehen sich auf den Betreffenden selbst und seine Kontakte zu anderen Menschen,
entstehen in der Kindheit oder Adoleszenz, werden im Verlauf des weiteren Lebens stärker ausgeprägt und sind
dysfunktional. Sie bestimmen das Handeln. Maladaptive Schemata sind auf lebenslanges Bestehen angelegt und
schränken die Lebensqualität und Handlungskompetenz ein.
Sie ähneln dem psychoanalytischen Konzept des Introjekts, sind aber umfassender konzipiert, indem die aus Normen
und Werten resultierenden Emotionen und Körperempfindungen sowie die daran geknüpften Erinnerungen in das
Konzept gleich integriert wurden, womit auch gleichzeitig ihre Resistenz gegen Änderungen erklärt wird.
Bisher wurden 18 maladaptive Schemata festgestellt, von denen meistens mehrere bei einem Patienten auftreten, und
die von Young fünf Schemadomänen zugeordnet wurden.
Innerhalb einer Behandlung sollen die beim Patienten wirksamen Schemata identifiziert werden. Als
klärungsorientierter Bestandteil der Therapie ist es für den Patienten bedeutsam, zu verstehen, wie es zur
62
Schematherapie
Entwicklung der einzelnen Schemata kam, um sie zu verändern. Für diesen Veränderungsprozess werden bestimmte
Behandlungsstrategien angewendet, die laut Young erst durch auch erlebnis- und handlungsorientierte Anteile
verhaltensändernd wirksam werden. Dabei kommt dem Prozess der therapeutischen Beziehung eine zentrale
Bedeutung zu, durch den der Patient nachträglich seitens des Therapeuten begrenzt elterliche Fürsorge erleben kann,
die seine Kernbedürfnisse erkennt und erfüllt.
Beispiele für maladaptive Schemata und zugehörige Bewältigungsreaktionen
Schemata betreffen den Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen. Ihre Entstehung bewirkt, dass der Mensch
dem Schema entsprechende Bewältigungsstile und Bewältigungsreaktionen entwickelt.
Im Menschen entsteht beispielsweise das Schema der eigenen „Unzulänglichkeit“, wenn er als Kind das Gefühl hatte,
er sei es nicht wert, geliebt zu werden. Daraus entwickelt er als Erwachsener beispielsweise die
Bewältigungsreaktion, sich vor Liebe zu fürchten, weil er es kaum glauben kann, dass man ihn schätzen kann
(Bewältigungsreaktion entsprechend einer Form der „Flucht“ im Rahmen der drei Bewältigungsstile „Kampf“,
„Erstarrung“ oder „Flucht“).
Wurde der Mensch als Kind nicht zur Selbständigkeit erzogen, so dass er sich inkompetent fühlt, entsteht das
Schema der „Abhängigkeit“. Die entsprechende Bewältigungsreaktion könnte sein, sich als Erwachsener vom Partner
abhängig zu machen und dominieren zu lassen („Erdulden/Erstarrung“).
Wurde der Mensch als Kind durch inkonsequentes Verhalten der Eltern verzogen und ihm keine Grenzen gesetzt,
entsteht das Schema der „Anspruchshaltung“. Die daraus entwickelte Bewältigungsreaktion könnte sein, dass der
Mensch als Erwachsener schnell wütend wird, wenn er nicht bekommt, was er will („Angriff“).
Wurde der Mensch als Kind oftmals allein gelassen oder zurückgewiesen, entsteht das Schema der „Verlassenheit“.
Die daraus entwickelte Bewältigungsreaktion könnte sein, dass der Mensch als Erwachsener sich an andere
Menschen anklammert, aus Angst verlassen zu werden.
Die Form des Bewältigungsstils und der Bewältigungsreaktion kann sich als Verhalten manifestieren oder als
Gedanke/Kognition oder Gefühl/Affekt. Bewältigungsreaktionen und -stile können sich für einen Menschen in
unterschiedlichen Lebensphasen und Lebenssituationen ändern, auch wenn das Schema bleibt. Deshalb werden
Schemata und Bewältigungsreaktionen voneinander getrennt beschrieben.
Drei maladaptive Bewältigungsstile
Jedes Lebewesen kann auf drei Arten reagieren, wenn es einer Bedrohung ausgesetzt ist: Kampf, Flucht oder
Erstarren. Dies entspricht den drei Schema-Bewältigungsstilen, mit denen der Mensch, ohne sich seiner Wahl
bewusst zu sein, auf seinen inneren Konflikt reagiert: Schemaüberkompensation, Schemaerdulden,
Schemavermeiden. Entsprechend lassen sich verallgemeinernd gleichsetzen: Kampf mit Schemaüberkompensation,
Erstarren mit Sich-Fügen/Schemaerdulden, und Flucht mit Schemavermeiden.
Diese Bewältigungsstile helfen dem Menschen, mit seinen durch die Schemata entstandenen Einschränkungen
zurecht zu kommen, in einer Art „Defektheilung“. Sie sind jedoch der wesentliche Grund für die dauerhafte
Aufrechterhaltung der Schemata.
Modi
Aus der Therapiearbeit mit besonders schwer geschädigten Patienten, die besonders viele frühe maladaptive
Schemata entwickelt hatten, entwickelte sich das Konzept der Schemamodi. Der Begriff Schemamodus beschreibt
die gleichzeitige getriggerte Auslösung mehrerer Schemata, die durch die individuelle Lerngeschichte verbunden
und mit starken emotionalen Zuständen gekoppelt sind, zwischen denen der Patient sehr schnell hin- und
herwechseln kann. Da Young es bei bestimmten Patienten effektiver fand, direkt mit diesen Zuständen zu arbeiten,
entwickelte er dafür eigene Methoden, bei denen dafür die Arbeit mit einzelnen Schemata in den Hintergrund tritt.
63
Schematherapie
Der Begriff beschreibt Zustände wie z.B. das verletzbare, das verärgerte, das impulsiv-undisziplinierte oder das
glückliche Kind. An dysfunktionalen Bewältigungsmodi führt Young den bereitwillig sich ergebenden, den
Beschützer oder den Überkompensierenden auf. In der Therapie können für diese Benennungen auch individuelle
Namen gefunden werden, die vom Patienten als besser passend erlebt werden. Sie beschreiben verschiedene
Zustände des Verhaltens und des Bewusstseins eines Menschen, zwischen denen er von Augenblick zu Augenblick
wechselt. Dabei werden unterschiedliche Schemata und Bewältigungreaktionen durch von außen oftmals
unbedeutend wirkende Auslöser gleichzeitig aktiviert und bestimmend.
Innerhalb einer Psychotherapie ist es wichtig, dass eine therapeutische Intervention und die Beziehungsgestaltung an
den jeweiligen Modus angepasst ist, in dem sich der Patient gerade befindet.
In der Therapie soll allgemein ausgedrückt der Modus des gesunden Erwachsenen gestärkt werden.
Therapieverlauf
Um die vom Patienten gewünschte Veränderung in seinem Leben erreichen zu können, müssen in einer ersten Phase
der Einschätzung und Edukation die Schemata bzw. Modi identifiziert werden, die bewirken, dass er bestimmte
unerwünschte Verhaltensweisen immer wieder ausführt. Dabei wird der Patient über die Grundannahmen und das
Vorgehen der Schematherapie informiert, es erfolgt eine Einschätzung der aktuellen Probleme und eine
Problemanamnese und der Therapieziele. Mithilfe von Fragebögen werden die maladaptiven Schemata identifiziert
und im Gespräch mit dem Patienten überprüft. Dabei wird dieser auch informiert über die Annahmen des
Therapeuten. Dieser erstellt daraufhin ein Fallkonzept. Danach tritt die Therapie in die zweite Phase der
Veränderung ein. In den beiden Therapiephasen kommen fünf Interventionsprinzipien zum Einsatz: 1.) Einschätzung
und Edukation über Schemata, 2.) Kognitive Interventionen, 3.) Erlebnisbasierte Interventionen, 4.) Unterbrechung
maladaptiver Verhaltensmuster, bei der auch mit Hilfe bewährter Methoden aus der Verhaltenstherapie die
Überwindung der unerwünschten Verhaltensmuster erreicht werden soll. Als 5. Interventionsprinzip wird auch die
Beziehung zwischen dem Therapeuten und dem Patienten als Mittel zur Veränderung eingesetzt. Damit das
unerwünschte Verhalten nicht automatisch wieder ausgeführt wird, erarbeitet der Patient innerhalb der Therapie
Wege, eine „innere Distanz“ zu seinen eingefahrenen Verhaltensmustern herzustellen. Dazu erhält er den Auftrag,
das eigene Verhaltensrepertoire wertfrei aus einem Abstand zu beobachten und zu analysieren. Die wertfreie
Beobachtung soll Selbsterkenntnis und Verstehen der Ursachen der vom Patienten unerwünschten Verhalten
ermöglichen. Aus der Selbsterkenntnis heraus kann der Patient in der nächsten entsprechenden Situation bewusster
handeln, der „Falle alter Verhaltensmuster“ entgehen und für diese Situationen neue, von ihm erwünschte
Handlungsmuster entwerfen.
Als Hilfsmittel für eine Distanzierung zu den eigenen Gefühlen, zum Verstehen der alten sowie zum Erarbeiten der
neuen Verhaltensmuster, wird die therapeutische Spaltung/Dissoziation eingesetzt. Das ist eine therapeutisch
erwünschte und bewusst herbeigeführte Aufspaltung in verschiedene Aspekte der eigenen Persönlichkeit, die
bildhaft vorstellbar/Imagination sind, beispielsweise das Innere Kind in unterschiedlichen Erscheinungsformen/Modi
wie: verletztes, verärgertes, undiszipliniertes oder glückliches Kind.[2] S.341/2
Innerhalb der Behandlung leitet der Therapeut Imaginationen an, und übernimmt beispielsweise im imaginativen
Rollenspiel einen Part der Eltern. Dabei bietet er dem Patienten über das sogenannte „Reparenting“ die elterlichen
Qualitäten an, die fehlten. Je nach Problematik und bestehenden Schemata kann dies elterliche Fürsorge sein,
Stärkung des Vertrauens, Vermittlung von Stabilität, emotionale Zuwendung, Fördern der Unabhängigkeit. Das Ziel
der therapeutischen Arbeit besteht darin, entsprechend dem Vorbild des Therapeuten den Schemamodus „gesunder
Erwachsener“ zu verinnerlichen. Mit dessen Hilfe soll der Patient zukünftig die Wirkung maladaptiver Schemata
erkennen und gesunde Verhaltensweisen entwickeln können, also erlernte Automatismen durch zielgerichtete,
bewusste und angemessene Handlungen ersetzen.[2] S.233
Der zugehörige therapeutische Prozess arbeitet mit innerer Distanzierung, bewusster Wahrnehmung, sehr
detaillierter Betrachtung und Benennung der verschiedenen Aspekte der Verhaltensgrundmuster.
64
Schematherapie
Literatur
• Eckhard Roediger: "Praxis der Schematherapie". Schattauer Verlag Stuttgart, 1. Auflage 2009. ISBN
978-3-7945-2621-5
• Schematherapie. Ein praxisorientiertes Handbuch. Jeffrey E. Young, Janet S. Klosko, Marjorie E. Weishaar.
2008.
• Young, Jeffrey E. & Klosko, Janet S. Sein Leben neu erfinden. Wie Sie Lebensfallen meistern. ISBN
978-3-87387-619-4
Weblinks
• schematherapy.com Homepage von J. Youngs Institut [3]
• isst-online.com Internationale Vereinigung [4]
• schematherapie.de Institut für Schematherapie-Startseite [5]
Referenzen
[1] Aaron T. Beck, Arthur Freeman Kognitive Therapie der Persönlichkeitsstörungen BeltzPVU; Auflage: 4. Aufl. (1. April 1999) ISBN
3621271554
[2] Jeffrey E. Young, Janet S. Klosko, Majorie E. Weishaar „Schematherapie. Ein praxisorientiertes Handbuch“ Verlag: Junfermann 2005 ISBN
3873875780
[3] http:/ / www. schematherapy. com
[4] http:/ / www. isst-online. com
[5] http:/ / www. schematherapie. de
Kognitive Verhaltenstherapie
Die Kognitive Verhaltenstherapie ist eine Form der Verhaltenstherapie, die sich seit den 60er Jahren aus einer
Gegenbewegung zur behavioristischen Psychologie, dem Kognitivismus entwickelte. Als Begründer kognitiver
Therapien gelten Aaron T. Beck und Albert Ellis. Kognitionen umfassen Prozesse des Wahrnehmens, Erkennens,
Begreifens, Urteilens und Schließens.
Im Mittelpunkt der Kognitiven Therapieverfahren stehen Kognitionen. Kognitionen umfassen Einstellungen,
Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen. Die Kognitiven Therapieverfahren, zu denen die Kognitive
Verhaltenstherapie (KVT) und die Rational Emotive Verhaltenstherapie (REVT) gehören, gehen davon aus, dass die
Art und Weise, wie wir denken, bestimmt, wie wir uns fühlen und verhalten und wie wir körperlich reagieren.
Schwerpunkte der Therapie sind:
•
•
•
•
die Bewusstmachung von Kognitionen
die Überprüfung von Kognitionen und Schlussfolgerungen auf ihre Angemessenheit
die Korrektur von irrationalen Einstellungen
Transfer der korrigierten Einstellungen ins konkrete Verhalten
Die Kognitive Therapie stellt somit die aktive Gestaltung des Wahrnehmungsprozesses in den Vordergrund. Nicht
die objektive Realität, sondern die subjektive Sicht der Dinge, also die Wahrnehmungsselektion und die
Wahrnehmungsbewertung, sind entscheidend für das Verhalten. Affekt und Verhalten sind weitgehend von der Art
bestimmt, wie der Mensch die Welt strukturiert.
65
Kognitive Verhaltenstherapie
Kognitive Therapie nach Beck
Theoretischer Hintergrund
Beck beschreibt das kognitive Modell am Beispiel der Depression und geht dabei von folgenden Annahmen aus:
1. kognitive Triade: Die Gedankeninhalte betreffen das Selbst, die Welt und die Zukunft. Der Patient hat ein
negatives Selbstbild, er beurteilt sich selbst als fehlerhaft, unzulänglich, wertlos und nicht begehrenswert. Diese
Gedanken gehen so weit, dass der Betroffene denkt, ihm fehlen Eigenschaften, um glücklich zu sein. Außerdem
neigt er dazu, sich zu unterschätzen und zu kritisieren. Erfahrungen werden in der Regel negativ interpretiert,
subjektiv werden überwiegend Enttäuschungen und Niederlagen empfunden und auch die Zukunftserwartung ist
negativ geprägt. Eine Veränderung der gegenwärtig empfundenen Situation wird ebenso wenig als möglich
angenommen, wie eine eigene Beteiligung an dieser.
2. Schemata: Die genannten Kognitionen gehen auf Schemata zurück, die aus vergangenen Erfahrungen entstanden
sind. Mit diesem Konzept wird erklärt, warum ein depressiver Patient trotz objektiver Belege für positive
Faktoren in seinem Leben seine schmerzverursachende und selbstverletzende Haltung beibehält. Schemata sind
hier stabile kognitive Verarbeitungsmuster, die sich in der Kindheit und Jugend herausgebildet haben. Sie können
für längere Zeit inaktiv sein, aber durch bestimmte Umweltereignisse (z.B. Stresssituationen) reaktiviert werden.
3. kognitive Fehler: Aufgrund der in der Kindheit gelernten Schemata findet laut Beck bei Depressiven eine
fehlerhafte Informationsverarbeitung statt, die dem von Piaget beschriebenen kindlichen Denken ähnelt. Die
Annahmen sind eindimensional, global, invariabel, verabsolutierend oder irreversibel.
Zu diesen Kognitionen führen u. a. folgende "Denkfehler"
1. Willkürliche Schlussfolgerungen: ohne sichtbaren Beweis oder sogar trotz Gegenbeweisen werden willkürlich
Schlussfolgerungen gezogen.
2. Übergeneralisierung nach dem Muster: aufgrund eines Vorfalls wird eine allgemeine Regel aufgestellt, die
unterschiedslos auf ähnliche und unähnliche Situationen angewendet wird.
3. Dichotomes Denken: Denken in Alles oder Nichts-Kategorien.
4. Personalisierung: Ereignisse werden ohne klaren Grund auf sich selbst bezogen.
5. Selektive Abstraktion: Einige Einzelinformationen werden verwendet und überbetont, um eine Situation zu
interpretieren. Damit werden bestimmte Informationen auf Kosten anderer überbewertet. Zum Beispiel wenn
jemand, der von allen gegrüßt wird, von jemandem nicht beachtet wird und denkt, dass ihn keiner mag.
6. Maximieren und Minimieren: Negative Ereignisse werden übertrieben und positive Ereignisse untertrieben. Zum
Beispiel: "Dass ich einen bestimmten Abschluss hinbekommen habe, ist nichts wert. Aber, dass der Kunde heute
noch nicht zurück gerufen hat, zeigt, dass ich ein schlechter Verkäufer bin!"
7. Katastrophisieren: Das Eintreffen oder die Bedeutung von negativen Ereignissen wird stark überbewertet.
"Meinen Kindern wird bestimmt etwas Schlimmes passieren!"
8. Emotionale Beweisführung: Das Gefühl wird als Beweis für die Richtigkeit der Gedanken genommen. "Ich fühle,
dass ich nichts wert bin, also ist das auch so!"
9. Etikettierung: Aus einer Handlung wird ein umfassender Sachverhalt gemacht, z.B. "Ich habe verloren - ich bin
ein absoluter Verlierer!"
10. Gedankenlesen: Man meint ohne nachzufragen, die Gedanken der anderen zu kennen. "Die anderen denken, ich
bin ein Versager!"
11. Tunnelblick (selektive Aufmerksamkeit): Jemand sieht nur einen bestimmten Aspekt seines gegenwärtigen
Lebens. "Wenn ich Stress auf der Arbeit habe, dann ist mein Leben verpfuscht!"
Ziel der Therapie ist es, dem Patienten zu vermitteln, dass Denkfehler und irrationale Annahmen zu Gefühlen von
Minderwertigkeit und Bedrohung führen. Deshalb ist es wichtig, die negativen Gedanken zu identifizieren und in
Frage zu stellen. Dies soll dazu führen, dass alternative, genauere und angepasstere Gedanken entwickelt werden. Im
Gegensatz zu Ellis ist bei Beck auch der Inhalt der Gedanken von Bedeutung.
66
Kognitive Verhaltenstherapie
Methoden
Die Kognitive Verhaltenstherapie verbindet Methoden auf kognitiver Ebene und Verhaltensebene. Um eine
Veränderung kognitiver Muster und damit verbundener Verhaltensweisen zu erreichen, werden kognitive Verfahren
und verhaltensorientierte Verfahren eingesetzt.
Verhaltensorientierte Verfahren
Verhaltensorientierte Verfahren sollen dazu dienen, den Klienten zu aktivieren und seine affektiven Störungen
wenigstens ansatzweise in den Griff zu kriegen. Die Änderung des Verhaltens führt zu positiven Emotionen, diese
wiederum führen zu veränderten Kognitionen. Zu den verhaltensorientierten Techniken gehören:
• graduierte Aufgabenstellung
• Aktivitätsplanung und -durchführung
• Mastery & Pleasure Therapie
Kognitive Verfahren
Kognitionsorientierte Verfahren sollen dazu dienen, eine langfristige kognitive Umstrukturierung zu erreichen:
negative Kognitionen sollen durch rationalere ersetzt werden, was zu aktiverem, kompetenterem Verhalten führen
soll. Zu den kognitionsorientierten Verfahren gehören:
•
•
•
•
•
•
•
Sammeln und Aufzeichnen automatischer Gedanken
Zweispaltentechnik: Argumentieren gegen automatische Gedanken
Erkennen von Mustern kognitiver Verzerrungen
Realitätstesten: Testen der Kognitionen
Umattribution: Trennung der Verantwortlichkeiten
Entkatastrophisieren
Aufbau von Erwartungen
Verhalten und Rolle des Therapeuten
Becks kognitive Therapie beruht auf dem Prinzip des "kollaborativen Empirismus": Klient und Therapeut sind
gleichberechtigte Partner, da der Klient als Experte seiner Denkmuster gilt. Aktive Beteiligung des Klienten ist also
dringend erforderlich.
Wirksamkeit
Die Kognitive Verhaltenstherapie hat sich insbesondere in der Behandlung von Phobien, Panikattacken und
Depressionen als sehr effektiv erwiesen. Auch bei der Behandlung von Essstörungen wurde ihre Wirksamkeit
nachgewiesen (Fairburn 1985 In: Thiel; Paul 2000).
67
Kognitive Verhaltenstherapie
Kritik
Kritik an Becks Kognitiver Therapie wurde vor allem von John Teasdale [1] geübt . Ein kurzer Überblick:
• Beck postuliert, dass unrealistische Schemata und gestörte Kognitionen die Ursache der Depression sind. Jedoch
hat sich gezeigt, dass diese eher die Folge von Depressionen sind als deren Ursache: In Phasen der Erholung
verschwinden die dysfunktionalen Einstellungen.
• Rationale Argumente erweisen sich oft, trotz Einsicht des Klienten, als ineffektiv.
• Depressives Denken ist zustandsabhängig.
• Depressiver Realismus: Depressive haben oft bessere Einschätzungen als nicht-Depressive darüber, inwieweit sie
Aufgaben bewältigen können oder nicht (Dysfunktionalität somit fraglich).
• Interventionen auf rein kognitiver Ebene reicht nicht, da, laut Teasdale, die depressogenen Schemata aus
visuellen, auditiven, somatischen und kognitiven Informationen bestehen. Interventionen müssen die anderen
Modalitäten ebenfalls betreffen.
Psychoanalytische Kritiker knüpfen häufig an der Reduzierung der Psychologie auf eine "Laborwissenschaft" an.
Die Psychoanalyse behauptet, dass es unmöglich sei, die komplexen Zusammenhänge der Psyche in einer
Laborsituation nachzustellen. Psychoanalytiker kritisieren, dass verhaltenstherapeutische Therapien vor allem die
Reduzierung der Symptome zum Ziel habe, wie dies in der Verhaltenstherapie üblich ist. Durch deren Reduzierung
solle nämlich keineswegs die Ursache für eine psychische Störung bekämpft, sondern lediglich ein leidiges
Symptom für kurze Zeit verbessert werden. Dadurch können sich Symptome anderer Art bilden. Diesen Vorgang
nennt man Symptomverschiebung. Hierdurch bezweifeln sie die Nachhaltigkeit der Verbesserungen. Die in der
Verhaltenstherapie vorherrschende Neigung zur Effizienz wird ebenso kritisiert. Mit möglichst kurzen Therapien
werde dem Individuum wenig Raum gegeben und lediglich die Krankheit in den Mittelpunkt des Kontakts zwischen
Therapeuten und Klienten gestellt. Dies könne eine nachhaltige Heilung verhindern.
Jedoch konnte dieser Kritikpunkt in Katamnesestudien nicht bestätigt werden. Es kommt nach Durchführung oder
Inanspruchnahme der kognitiven Verhaltenstherapie nicht häufiger zu Symptomverschiebungen als bei anderen
Therapieformen.
Kritiker aus humanistischen Therapieformen, wie der Gesprächspsychotherapie oder der Gestalttherapie sind der
Meinung, dass die Verhaltenstherapie den Menschen von außen determiniert (bestimmt) sieht und das innere
Wachstum, die persönliche Verantwortung, die Willensfreiheit geleugnet oder nicht beachtet wird. Somit sei eine
nachhaltige Entwicklung generell ausgeschlossen.
Kognitive Verhaltenstherapie am Beispiel der Therapie von Bulimie und
Anorexie in folgendem Setting (Thiel; Paul, 2000)
Im Fall einer Essstörung soll die kognitive Verhaltenstherapie den Kreislauf von verzerrtem Gewichtsideal,
diätischem Essverhalten und mangelnden alternativen Konfliktbewältigungsstrategien durchbrechen, indem sie hilft,
das Essverhalten zu normalisieren, verzerrte Einstellungen zu Körper und Gewicht systematisch in Frage zu stellen,
Auslöser, Hintergründe und die Funktion des gestörten Essverhaltens deutlich zu machen und neue
Bewältigungsstrategien anzuwenden. Sie soll den Betroffenen ermutigen mit neuen Verhaltensweisen Erfahrungen
zu sammeln und mit Problemen in Zukunft anders und möglicherweise besser zurechtzukommen (vgl. Thiel & Paul).
68
Kognitive Verhaltenstherapie
Durchführung
Ambulante Durchführung als Gruppentherapie mit zehn Teilnehmern.
Dauer und Umfang: 16 Wochen, 20 Sitzungen.
Therapeutenteam, am besten gemischtgeschlechtlich.
• Phase 1 (4 Wochen, Sitzung 1-8)
• Diagnostik
• Erstellen einer individuellen Problemanalyse des gestörten Essverhaltens, weiterer Problembereiche, der
Vorgeschichte etc.
• Informationsvermittlung
• über die Bedeutung soziokultureller Einflüsse, Zusammenhänge von Diät und Essstörungen
• über die Bedeutung eines bestimmten Körpergewichts (Set-Point-Theorie) und möglicher Folgeschäden
• Aufbau von Alternativverhalten
• Phase 2 (8 Wochen,Sitzung 9-16)
• Aufbau von Alternativverhalten und Festigung des Verhaltens in "kritischen Situationen"
• Bearbeitung zu Grunde liegender Konflikte
• Korrektur verzerrter Einstellungen zu Körper und Gewicht
• Identifikation und Konfrontation mit verzerrten Einstellungen zu Körper und Gewicht, Korrektur
dysfunktionaler Einstellungen und Überzeugungen
• Phase 3 (4 Wochen, Sitzung 17-20)
• Stabilisierung und Bilanzierung
• Rückfallanalyse und Vorbereitung auf Schwierigkeiten in der Zukunft
Vertreter Kognitiver Therapien
• Albert Ellis
• Aaron T. Beck
• Donald Meichenbaum
Literatur
• Beate Wilken: Methoden der kognitiven Umstrukturierung. Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. 3.
erweiterte Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-019463-1 (Kohlhammer-Urban-Taschenbücher
466).
• Dieter Schwartz: Vernunft und Emotion: die Ellis-Methode, Vernunft einsetzen, sich gut fühlen und mehr im
Leben erreichen. Praxis der rational-emotiven Verhaltenstherapie. 5. (unveränderte) Auflage. Borgmann
(modernens lernen), Dortmund 2007, ISBN 3-86145-165-4.
• Jeffrey E. Young, Janet S. Klosko: Sein Leben neu erfinden. Den Teufelskreis selbstschädigenden Verhaltens
durchbrechen ... und sich wieder glücklich fühlen. Junfermann, Paderborn 2006 (Originaltitel: Reinventing Your
Life, übersetzt von Theo Kierdorf mit Hildegard Höhr), ISBN 978-387387-619-4.
69
Kognitive Verhaltenstherapie
Weblinks
• Beck Institute for Cognitive Therapy and Research [2]. Abgerufen am 25. August 2009 (englisch)
• Kognitive Verhaltenstherapie [3], IQWIG-Merkblatt, letzte Aktualisierung: 31. Dezember 2008, abgerufen am 10.
Mai 2010
Paartherapie
Paartherapie ist eine Form der Psychotherapie, die der Bearbeitung akuter oder chronischer Konflikte in einer Paarbzw. Zweierbeziehung dient. Für die Entwicklung und Aufrechterhaltung von Konflikten in Paarbeziehungen gibt es
verschiedene Erklärungsmodelle.
Psychoanalytisch orientierte Ansätze gehen davon aus, dass chronischen Paarkonflikten neurotische Dispositionen
eines oder beider Partner zugrunde liegen.
Für Fälle, in denen diese neurotischen Dispositionen wie Schlüssel und Schloss zusammenpassen, hat Jürg Willi den
Begriff Kollusion geprägt.[1] In diesen Fällen haben (nach Willi) beide Partner bestimmte zentrale Konflikte aus
früheren seelischen Entwicklungsphasen in ihrer Persönlichkeit nicht verarbeitet und leben nun entgegengesetzte,
sich zunächst aber ergänzende „Lösungen“ dieser inneren Konflikte aus. Bei Paaren, bei denen z. B. eine
narzisstische Störung im Vordergrund steht, findet sich oft eine Konstellation, in der einer der Partner bewundert
werden will und der andere ihn gern bewundert und idealisiert, seinen eigenen nicht gelebten Narzissmus – im Sinne
einer interpersonalen Abwehr – also an den anderen delegiert, während gleichzeitig ein Stück von dessen
grandiosem Abglanz auch auf ihn als Partner fällt. Im Zusammenleben kommt es im Laufe der Zeit oft zu einer
zunehmenden Polarisierung innerhalb eines kollusiven neurotischen Arrangements, mit der Folge, dass die dann
gelebten Extrempositionen für einen oder beide Partner belastend werden (wenn beispielsweise der eine Partner
immer unselbstständiger, der andere immer selbstständiger und dominanter wird).
Ein weiterer paartherapeutischer Ansatz kommt aus der Mehrgenerationen-Familientherapie. Diesem Modell
folgend wird der Ausgangspunkt der Paarkonflikte in den Herkunftsfamilien der beiden Partner vermutet. Dabei wird
davon ausgegangen, dass über mehrere Generationen hinweg ein „familiärer Grundkonflikt“ besteht, den das Paar im
Heute wiederbelebt.[2] Zentrale Begriffe sind hierbei beispielsweise Loyalität und die sich daraus ergebenden
Bindungen[3] sowie der Begriff der Delegation und die widersprüchlichen Aufträge aus den Herkunftsfamilien.[4]
Bei der Systemischen Paartherapie steht die Frage im Mittelpunkt, durch welche „zirkulären Prozesse“ die Konflikte
des Paares aufrechterhalten werden. Hierbei wird zwischen der Ebene des Verhaltens, der Interaktionsmuster und der
Wirklichkeitskonstruktionen unterschieden.[5] Zentrale Begriffe der Systemischen Paartherapie sind unter anderen
Zirkularität, Reframing, Neutralität, Lösungs- und Ressourcenorientierung und positive Konnotation.[6]
Kommunikationspsychologische Ansätze in der Paartherapie versuchen die Kommunikationsformen der Partner zu
verbessern. So hat der Psychologe John Gottman typische Kommunikationsmuster beschrieben und als die „vier
apokalyptischen Reiter einer Paarbeziehung“ bezeichnet, die geeignet sind, eine Ehe bzw. intime Beziehung
dauerhaft zu ruinieren:[7]
1. Kritik: Schuldzuweisungen und Anklagen, die ihren Höhepunkt in einer generellen Verurteilung des Partners
finden
2. Verteidigung mit Rechtfertigung und Verleugnung der eigenen Anteile, die zum Konflikt beitragen
3. Verachtung und Geringschätzung des Partners
4. „Mauern“, Schließen der Schotten und Rückzug
Die Demonstration der eigenen Macht wird – auch als Abwehr von Ohnmachtsgefühlen – auf allen Stufen eines
Konfliktverlaufs eingesetzt und gelegentlich, so von dem Berliner Wissenschaftsautor Bas Kast, als „fünfter
apokalyptischer Reiter“ bezeichnet.
70
Paartherapie
Ein eklektizistischer Ansatz ist die „Imago-Therapie“ von Harville Hendrix und Helen Hunt, die Psychoanalytische
Theorie, Tiefenpsychologie, Behaviorismus, Systemische Theorie, Gestalttherapie, Transaktionsanalyse und
Kognitive Therapie verbindet. Die traditionelle Therapeuten-Klienten Beziehung wird in der Imago-Therapie in die
Hände des Paares selbst gelegt.
Paartherapeuten bemühen sich in der Regel zunächst, einen Rahmen zu schaffen, in dem die Partner ihre
verschiedenen Bedürfnisse, Ängste und Befürchtungen zum Ausdruck bringen und abklären können. Dies kann der
Ausgangspunkt für einen Verständigungsprozess sein, in dem ein tieferes Verständnis der Partner für die
Konfliktdynamik, die eigenen Anteile daran und die Persönlichkeit des jeweils anderen entsteht, so dass im Idealfall
eine vertiefte seelische Beziehung mit mehr Flexibilität, Toleranz, Offenheit und Nähe ermöglicht wird. Dieser
Prozess kann eine neue Basis für ein Leben miteinander (und nicht gegeneinander) entstehen lassen.
In der Tradition der humanistischen Psychologie und Psychotherapie steht das, von Michael Cöllen entwickelte,
Verfahren der Paarsynthese. Neben der Bearbeitung aktueller Partnerschaftskonflikte ist es Anliegen der
Paarsynthese, das in jedem Paar angelegte Liebespotenzial zur schöpferischen Entfaltung zu bringen. Dazu sind
speziell die für Paartherapie wirksamen Elemente aus Gestalttherapie, aktive Tiefenpsychologie, Verhaltenstherapie
und aus Tao und Tantra zu einem erfahrungs- und handlungsorientierten paartherapeutischen Konzept
zusammengefasst.[8]
Im Zentrum der therapeutischen Arbeit steht das Verstehen und Erleben von Intimität. Intimität wird definiert mit
dem Öffnen der inneren Grenzen zum Selbst gegenüber dem Partner im Austausch von Körper, Geist und Seele. Für
das Maß an gelingender Intimität zwischen den Partnern ist die Erfahrung mit den für die kindliche Entwicklung
wichtigsten Bezugspersonen verantwortlich. Frühe Verletzungen von Intimität führen zu einer schamabwehrenden
Grenze, die in der Liebesbeziehung der Partner wieder berührt bzw. überschritten werden können. Alte narzisstische
Verwundungen werden so in der Krisendynamik der Partner reaktiviert und virulent. Die konkrete therapeutische
Arbeitsweise der Paarsynthese konzentriert sich auf die Bearbeitung erlebter narzisstischer Verwundungen und deren
Auswirkungen auf die aktuelle Liebes- und Konfliktdynamik. Über diese tiefenpsychologische Aufarbeitung hinaus
wird die Förderung des dialogischen Austausches auf den zentralen Paarebenen (Gefühl, Körper, Sprache, Seele,
Zeit) fokussiert. Drittens zentriert sich Paarsynthese auf die für Paare wichtige Einordnung ihrer Liebe und ihres
Zusammenseins in einen sinn- und bedeutungsvollen Lebensrahmen.
Weblinks
• Claudia Schmalz und Michael Unger, Paarkonflikt und Persönlichkeit - Zweierbeziehung als Kollusion [9]
• Website Paarsynthese [10]
• Website Arbeitskreis Paar- und Psychotherapie e.V. [11]
Referenzen
[1] Willi, J.: „Die Zweierbeziehung. Spannungsursachen, Störungsmuster, Klärungsprozesse, Lösungsmodelle.“ Rowohlt Verlag, Reinbek bei
Hamburg 1999, 1975, ISBN 3-499-60509-0
[2] Massing A., Reich G. u. Sperling E.: „Die Mehrgenerationen-Familientherapie“ Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1994, 1992, ISBN
3-525-45740-5
[3] Boszormenyi-Nagy, I., Spark, M.: „Unsichtbare Bindungen. Die Dynamik familiärer Systeme“ Klett-Cotta, Stuttgart 1981, Org. 1973, ISBN
3-608-91297-5
[4] Stierlin, H.: „Delegation und Familie“ Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1982, 1978, ISBN 3-518-37331-5
[5] Retzer, A.: „Systemische Paartherapie.“ Klett-Cotta, Stuttgart 2004, ISBN 3-608-94365-X
[6] Schlippe, A. v. und Schweitzer, J.: „Lehrbuch der systemischen Therapie und Beratung.“ Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1997, 1996,
ISBN 3-525-45659-X
[7] Sciencegarden 1. September 2004: Liebe kann man lernen (http:/ / www. sciencegarden. de/ content/ 2004-09/ liebe-kann-man-lernen) und
Die apokalyptischen Reiter (http:/ / www. sciencegarden. de/ content/ artikel/ 200409/ interview_bas_kast/ info2. php)
[8] Cöllen, M.: „Liebe deinen Partner wie dich selbst“ Gütersloher Verlagshaus. Gütersloh 2005, ISBN 3-579-06509-2
[9] http:/ / www. ipsis. de/ themen/ themapaar. htm
71
Paartherapie
[10] http:/ / www. paarsynthese. de/
[11] http:/ / www. paartherapie. de/
Familientherapie
--Markus 23:20, 20. Apr. 2008 (CEST)
Familientherapie ist ein Verfahren der Psychotherapie und der psychologischen Beratung für Paare und Familien.
In der Familientherapie werden positive Veränderungen und Entwicklungen der Beziehungen zwischen den
Mitgliedern von Familien angestrebt. Dabei wird betont, dass die Qualität der Kommunikation zwischen den
Familienmitgliedern ein wesentlicher Faktor für die psychische Gesundheit der einzelnen Mitglieder ist.
Die unterschiedlichsten Schulen der Familientherapie teilen die Grundannahme, dass die Einbeziehung der Familie
in den Therapieprozess die Effektivität einer psychotherapeutischen Behandlung steigert, unabhängig von der
Ursache einer psychischen Störung und auch dann, wenn eine Störung als die Krankheit eines einzelnen
Familienmitglieds angesehen wird. Familientherapeutische Ansätze werden bei allen Formen psychischer Störungen
eingesetzt.
Die systemische Familientherapie oder systemische Therapie wird auch in außerfamiliären Bereichen, wie in der
Gruppentherapie, Teamentwicklung und Organisationsberatung angewendet. Viele der im Rahmen der systemischen
Therapie entwickelten Methoden wurden auch für ihre Anwendbarkeit in der Einzeltherapie und im Coaching
modifiziert.
Familientherapeutische Richtungen
Seit den 70er und 80er Jahren des 20 Jahrhunderts gewannen Perspektiven der Kybernetik und der Systemtheorie
einen starken Einfluss auf alle Richtungen der Familientherapie, so dass in modernen Formen der Familientherapie
die Familie immer auch als ein System verstanden wird, in dem die Wechselwirkungen zwischen den Mitgliedern
der Familie von großer Bedeutung sind.
Psychoanalytisch orientierte Familientherapie
Davon ausgehend, dass psychische Erkrankungen durch familiäre Beziehungsstrukturen, auch zurückreichend in
frühere Generationen, bedingt sind, werden in der psychoanalytisch orientierten Familientherapie sowohl die
Interaktionen zwischen den Familienmitgliedern als auch die Intrapsychischen Abwehrstrukturen der einzelnen
Familienmitglieder analysiert. Wie in der Psychoanalyse und in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie
sollen unbewusste dysfunktionale psychische Prozesse aufgedeckt werden. Als herausragende Vertreter dieser
Richtung gelten Nathan Ackerman, James Framo, Iván Böszörményi-Nagy, und im deutschsprachigen Raum
Horst-Eberhard Richter, Helm Stierlin, und Jürg Willi.
Familientherapie in der Tradition der humanistischen Psychologie
Einige Schulen der Familientherapie sind stark durch Elemente der humanistischen Psychologie geprägt. In diesen
Schulen steht im Gegensatz zur psychoanalytisch orientierten Familientherapie das Erleben im Hier und Jetzt ganz
im Vordergrund. Viele Methoden der Familientherapie wurden in dieser Tradition entwickelt. Dazu zählen die
Familienrekonstruktion, die Arbeit mit Metaphern, Meditation, Tranceinduktion und die Familienskulpturen. Auch
die Idee der Zirkularität und die zirkulären Fragen, die paradoxen Verschreibungen, und Familienrituale wurden hier
entwickelt. Als Hauptvertreterin und Begründerin dieser Richtung gilt Virginia Satir. Sie arbeitete in der
Palo-Alto-Gruppe zusammen mit William F. Fry, Jay Haley, Don D. Jackson, Paul Watzlawick und John Weakland.
72
Familientherapie
Systemische Familientherapie
Hauptseite: Systemische Therapie
Viele der heute gelehrten systemischen Familientherapiemethoden gründen auf psychoanalytischen und
humanistischen Ansätzen.
• In der strukturellen Familientherapie , wie sie von Salvador Minuchin entwickelt wurde, wird besonderes Gewicht
auf Strukturen (Generationen, also z. B. Eltern und Kinder) und Grenzen (z. B. zwischen den Generationen)
gelegt.
• Das Mailänder Modell der Gruppe um die Kinderanalytikerin Mara Selvini Palazzoli entwickelte spezielle
familientherapeutische Settings um die Interaktionsmuster der Familie gezielt zu verändern. Das Mailänder
Modell hat heute noch großen Einfluss auf die familientherapeutische Arbeit.
• Der strategische Ansatz der Familientherapie wurde von dem Anthropologen Gregory Bateson im Mental
Research Institute (MRI) in Palo-Alto initiiert. Hier wurde vor allem die Idee entwickelt, dysfunktionale
Problemlösungsstrategien zu unterbrechen und aktiv alternative Handlungsstrategien zu erproben. Das Modell
problemorientiert-strategischer Kurztherapie hat hier seinen Ursprung.
• Die neueste Entwicklung in der systemischen Familientherapie wurde durch Ernst von Glasersfelds Philosophie
des radikalen Konstruktivismus stark beeinflusst. Aus dem konstruktivistischen Ansatz entwickelten Steve de
Shazer und Insoo Kim Berg die lösungsorientierte Kurztherapie. Auch der narrative Ansatz von Harry Goolishian
begründet sich im Konstruktivismus und betont die Bedeutung der Sprache bei der Konstruktion einer erlebten
Wirklichkeit.
Siehe auch
•
•
•
•
•
•
Familienberatung
Paartherapie
Sexualtherapie
Systemische Sozialarbeit
Systemische Führung, Fragen des Managements
Systemische Organisationsberatung
Literatur
• Hartwig Hansen: „A bis Z der Interventionen in der Paar- und Familientherapie.“ 2. Auflage, Klett Cotta,
Stuttgart, 2008, ISBN 978-3-608-89037-2
• Ernst Richard Petzold: Psychotherapeutische Medizin: Psychoanalyse – Psychosomatik – Psychotherapie. In:
Hans Henning Studt (Hrsg.): {{{Sammelwerk}}}. Walter De Gruyter Inc, Berlin, New York 1999, ISBN
978-3-11-014498-7 (Kapitel 4.7 Familientherapie S. 328 [1]).
• Michael Wirsching: Paar- und Familientherapie. In: Peter Scheib (Hrsg.): {{{Sammelwerk}}}. 1 Auflage.
Springer, Berlin 2002, ISBN 3540418571 (Seite 7 [2] geschichtliche Entwicklung der Familientherapie und ihrer
Vorläufer). auch: Kap. 6.1 Die Entwicklung Familientherapeutischer Konzepte im deutschsprachigen Raum. ab
S. 79 [3]
73
Familientherapie
Referenzen
[1] http:/ / books. google. com/ books?id=7sYHjpTBt2QC& pg=PA328& dq=%22familientherapie+ dient+ als+ Sammelbegriff%22& hl=de&
sig=31p8Q7snjElea_bDvZ54dDq3oB4
[2] http:/ / books. google. com/ books?id=6DH07eZtYMMC& pg=RA1-PA7& dq=%22Familientherapie%22+ geschichtlich& hl=de&
sig=oIWpD4ylSC1BjHMv88WiWUPc5zQ
[3] http:/ / books. google. com/ books?id=6DH07eZtYMMC& pg=RA1-PA79& dq=Familientherapie+ Konzepte& hl=de&
sig=Wzhj5mkthPCLZnuswyPrSIzIFKQ
Gruppentherapie
Gruppenpsychotherapie nutzt die in einer Gruppe auftretenden speziellen Gruppenphänomene (Gruppendynamik,
Übertragung, Gegenübertragung) für die Psychotherapie, indem mehrere Patienten in der Gruppe behandelt werden.
Geschichte
Der Begriff „Gruppenpsychotherapie“ wurde zum ersten Mal in den frühen 1940er Jahren von Jakob L. Moreno, dem
Begründer des Psychodramas, verwendet. Der Begriff "Group Analysis" (dt.: „Gruppenanalyse“) stammt von Trigant
Burrow.[1]
1905 arbeitete Josef H. Pratt auf einer Tuberkulosestation mit Gruppen, in den 1920er-Jahren die Analytiker Paul
Schilder, Alfred Adler, August Aichhorn, Siegfried Bernfeld, auch Lazell, Marsh und Wender unternahmen
Versuche mit Gruppen. 1921 entwickelt Moreno in Wien das Stegreifspiel und Freud schreibt Massenpsychologie
und Ich-Analyse. Aus Kostengründen arbeitete man damals mit Gruppen von 30 bis 200 Teilnehmern. 1923 bis 1926
publizierte Burrow über kollektive Phänomene in Gruppen. Die Motive dieser Entwicklung waren der Wunsch, den
Einfluss der Gruppe und der Gesellschaft auf den Patienten zu verstehen sowie die Notwendigkeit, viele Patienten
gleichzeitig zu behandeln.
Jakob Levy Moreno und Samuel Slavson in New York, Wilfred Bion und S. H. Foulkes am Northfield Military
Hospital in England haben in den Jahren des Zweiten Weltkrieges die Gruppenpsychotherapie formal und
institutionell etabliert.
In den 1960er- bis 1980er-Jahren wurde sie durch Michael Balint in London, Raymond Battegay in Basel, Raoul
Schindler in Wien, Fritz Perls und Carl Rogers in New York, Josef Rattner in Berlin, Alice Ricciardi in Rom, Horst
Eberhard Richter in Gießen und Annelise Heigl-Evers in Göttingen weiterentwickelt.
Vertreter der Gruppenanalyse im deutschen Sprachraum heute sind – in Österreich – Friedl Kubelka, Felix de
Mendelssohn, Alfred Pritz, Josef Shaked und Elisabeth Vykoukal sowie – in Deutschland – Mohammad Ebrahim
Ardjomandi, Angelika Berghaus, Rolf Haubl, Michael Hayne, Margarethe Seidl, Volker Tschuschke und Ursula
Volz.
Kategorien
Grob lassen sich folgende Gruppentherapien unterscheiden:
• Gruppentherapien, deren Ziel es ist, die „Persönlichkeitsstruktur“ der Teilnehmer durch freies Assoziieren zu
erkennen und mit Hilfe der Deutungen des Psychotherapeuten bewusst zu verändern (gruppenanalytischer
Ansatz). Hier sind die individuellen Probleme der Gruppenmitglieder Gegenstand einer gemeinsamen Suche nach
den Ursachen.
• Gruppentherapien mit dem Ziel, das Verhalten der Teilnehmer zu verändern (verhaltenstherapeutischer Ansatz).
Hier ist die Gruppe ein soziales Erfahrungsfeld (wie im Alltag), in dem er sein Verhalten – unter geschützten
Bedingungen und Anleitung – verändern und einüben kann.
74
Gruppentherapie
• Gruppentherapien, bei denen die Interaktion zwischen den Gruppenmitgliedern im Mittelpunkt steht (Familienund Paartherapie).
• Personenzentrierte Gruppentherapie, bei der die Gruppenmitglieder die „Bedingungen ihrer Existenz“ reflektieren
(klientenzentrierte Therapie).
Methodik und Wirkung
Je nach Schule haben drei Sichtweisen einen besonderen Schwerpunkt und ergänzen einander:
1. Die Therapie des Einzelnen in der Gruppe, die Teilnehmer sind Beobachter
2. Die Therapie des Einzelnen durch die Gruppe, die Teilnehmer sind Co-Therapeuten, die Gruppe ist ein
therapeutisches Element
3. Die Therapie der Gruppe, die Gruppe ist selbst Ziel der Beobachtung und der Veränderung
Die Gruppe soll als Abbild der Gesellschaft und der Herkunftsfamilie jedes Teilnehmers wirken. Die Grundlage ist
immer ein tiefenpsychologisches Konzept, ergänzt mit Erkenntnissen aus der Sozialpsychologie und der
Gruppendynamik. Der Gruppe wird kein Thema vorgegeben. Die Teilnehmer sprechen über das was sie gerade
beschäftigt und teilen Einfälle und Phantasien möglichst frei mit. Der Therapeut verhält sich wohlwollend, neutral
und abstinent. Dadurch entsteht eine unstrukturierte Situation, in der Teilnehmer Beziehungserfahrungen aus ihrer
Kindheit und die damit verbundenen Gefühle wiedererleben können (Übertragung). Im Konflikt sollen verbotene
Wünsche und verinnerlichte kulturelle und elterliche Tabus deutlich und Widerstand abgebaut werden. Die
freigesetzten abgewehrten Stimmungen und Energien sollen neu und hilfreich eingesetzt werden.
Die wichtigsten Wirkfaktoren sind (in dieser Reihenfolge): die Katharsis (als Ausdruck von Gefühlen), der
emotionale Zusammenhalt in der Gruppe und das gemeinsame zwischenmenschliche Lernen. Als erfolgreich werden
die Teilnehmer gesehen, die in der Gruppe zu anderen Beziehungen aufnehmen, sich selbst den anderen gegenüber
öffnen, anderen Feedback geben und selbst welches erhalten und auch annehmen.[2]
Für den Therapeuten ist die Komplexität der Übertragung und Gegenübertragungen der Teilnehmer untereinander,
auf den Leiter und umgekehrt eine große fachliche und persönliche Herausforderung. Er arbeitet mit dem Aufdecken
von Verdrängtem und psychologischem Widerstand, mit dem Mittel der Analyse von Übertragung und
Gegenübertragung. Einsicht und Ich-Stärkung in der Begegnung mit anderen sollen neue emotionale Erfahrungen,
unmittelbare Beziehungen und eine neue Sicht der Welt ermöglichen.
Gruppengröße, Setting
In der Regel wird eine Gruppengröße von sieben bis zwölf Personen als ideal angesehen. Vier Teilnehmer gelten als
Minimum. Die Gruppenmitglieder sitzen – ohne Tisch – im Kreis, so dass sich alle in die Augen sehen können.
Hinzu kommen ein oder manchmal auch zwei Therapeuten. In Ausbildungsgruppen ist fallweise auch ein
Beobachter anwesend, der nicht am Gruppengeschehen teilnimmt.
Jedes Treffen dauert anderthalb bis zwei Stunden. In der Regel gibt es kein Programm oder vorformuliertes Ziel. Die
Gruppenmitglieder initiieren und bestimmen durch ihre Beiträge den Verlauf des Gesprächs. Der Therapeut kann
eine weitgehend passive Haltung einnehmen, aber auch aktiv in das Geschehen eingreifen. Seine wichtigste Aufgabe
ist es, die unbewusste Kommunikation der Mitglieder untereinander und die Widerstände der Einzelnen gegen
Veränderungen zu beobachten und zu deuten. Seine Rolle und seine Reaktionen sind zudem abhängig von der
zugrunde liegenden Therapieform (siehe oben: Die verschiedenen Schulen). In der analytischen
Gruppenpsychotherapie ist einerseits die freie Assoziation der Teilnehmer wichtig, andererseits die Deutungskraft
des Therapeuten.
75
Gruppentherapie
Offene Gruppe, geschlossene Gruppe
In der geschlossenen Gruppe bleibt die Zusammensetzung der Teilnehmer von der ersten bis zur letzten Sitzung
gleich. Geschlossene Gruppen werden vor allem im Rahmen von Ausbildungswochen angeboten. Diese Gruppe trifft
sich dann täglich drei- bis viermal.
Bei der – verbreiteteren – offenen Gruppe werden frei werdende Plätze mit neuen Teilnehmern besetzt. Es herrscht
in der Regel eine Anwesenheitspflicht um den therapeutischen Prozess nicht zu stören.
Die verschiedenen Schulen
Eine Reihe von psychotherapeutischen Schulen befasst sich mit der Arbeit in Gruppen. Neben den hier ausführlich
beschriebenen Richtungen sind dies auch:
•
•
•
•
•
Gruppendynamik
Klientenzentrierte Psychotherapie
Systemische Therapie
Transaktionsanalyse
Verhaltenstherapie
Psychodrama
Jakob Levy Moreno entwickelte das Psychodrama als „Therapie in der Gruppe mit der Gruppe für die Gruppe“ und
verband die Gruppenpsychotherapie mit der Soziometrie und dem Stegreifspiel. Der Klient (Protagonist) gestaltet als
Hauptdarsteller des psychodramatischen Spiels im „Hier und Jetzt“ einer Psychodrama-Bühne sein therapeutisches
Thema. Bekannte Elemente sind das Doppeln, das Sharing und das Feedback. Ziel des Psychodramas ist die
Aktivierung von Spontaneität, Kreativität und Integration. Durch konstruktives und spontanes Handeln soll der
Protagonist für eine neue oder bereits bekannte Situation eine neue, angemessene Reaktion finden.
Gruppenanalyse
Psychoanalyse in der Gruppe
Samuel Slavson analysierte den Einzelnen in der Gruppe. Ein „sozialer Hunger“ kann demnach nur in der Gruppe
gestillt werden. Sein Ziel war die Stärkung des „Ich“ gegenüber dem „Es“ und dem „Über-Ich“. Dabei nutzte er die
unstrukturierte Gruppensituation, um mittels Deutung traumatische Erinnerungen zu wecken und über deren
Ausdruck (Katharsis) in Gegenwart Dritter Mitgefühl zu erfahren. Der Analytiker ist der entscheidende Wirkfaktor.
Klassische Gruppenanalyse
Wilfred Bion entwickelte einen soziotechnischen Systemansatz einer „führerlosen Gruppe“ (siehe auch:
Gruppendynamik). Jeder Mensch wird als Mitglied einer Gruppe gesehen, der nur in der Gruppe seine Fähigkeiten
verwirklichen kann. Er betrachtet die therapeutische „Gruppe als Einheit“, wie ein Individuum als etwas Ganzes. Die
„analytische Diade“ besteht dabei nicht nur aus Therapeut und Klient, sondern aus Therapeut und Gruppe. Der
Gruppenanalytiker ist als „Nicht-Mitglied“ das zentrale Objekt für die Übertragungen der Teilnehmer. Er richtet als
„Anwalt der Realität“ seine Deutungen immer auf die Gruppe als Ganzes und speziell auf die Einstellungen zu
Abhängigkeit, Kampf, Flucht und Paarbildung. Diese Einstellungen werden als Wünsche gesehen, die den Verlauf
und die Arbeitsfähigkeit einer Gruppe prägen. Betrachtet wird immer das „Hier-und-Jetzt“. Ziel ist die
„Arbeitsfähigkeit“, also Realitätsbezug, Zeitbezug, Verstehen der Zusammenhänge, kooperatives Handeln und das
bewusste Gespräch. Dazu wird versucht den Zusammenhalt in der Gruppe zu stärken und die Abwehr gegen
ursprüngliche Ängste und eine Abhängigkeit von einem idealen Führer zu verringern.
Analytische Gruppentherapie
76
Gruppentherapie
Foulkes betrachtet die Gruppe als Netzwerk von Beziehungen. Der Gruppenanalytiker ist ein Gruppenmitglied mit
besonderer Funktion. Er definiert den Menschen durch die Gruppe in der er lebt, und durch die Gemeinschaft der er
angehört. Alle Kräfte in einer Gruppe bilden eine „Gruppenmatrix“. Die Gruppe ist demnach mehr als die Summe
ihrer Mitglieder. Psychische Störungen wurzeln nach Foulkes in einer Störung der Kommunikation, der
Entfremdung von der Gemeinschaft, und seien immer auch Ausdruck einer Störung in der Herkunftsfamilie. In der
therapeutischen Gruppe versuche der Einzelne genau diese gestörte Situation wiederherzustellen
(Wiederholungszwang als Widerstand gegen Erkenntnis und Veränderung). Die Gruppe soll diesem
Abwehrmechanismus durch Analyse und Konfrontation entgegenwirken. Über einen Weg vom Symptom über den
Konflikt zur Konfliktlösung soll ein „Ich-Training in der Gruppe“ den Einzelnen zu seiner „wahren Identität“
gelangen lassen. Der Teilnehmer soll mit den anderen seine tiefsten Sorgen teilen und dadurch die andern als in der
gleichen Situation wie er erfahren, dadurch soll sich seine Isolation auflösen und er soll sich geborgen fühlen. Wie in
einem Spiegel soll er seine Situation in der der anderen erkennen und sich und die anderen verstehen lernen. Je
stärker die Gruppenkohäsion, desto leichter ist es immer tiefer zu gehen und auch untereinander Konflikte
auszutragen. Dadurch soll ein großes Vertrauen und eine persönliche Stärke entstehen. Die Hauptarbeit soll von den
Gruppenmitgliedern selbst geleistet werden der Therapeut versteht sich als Dirigent. Er interveniert, wenn die
Gruppe sich (seiner Ansicht nach) nicht weiter entwickelt und deutet die Lebensgeschichte des Einzelnen und auch
die Prozesse in der Gruppe, die als Inszenierung der kollektiven Phantasien verstanden werden.
Göttinger Modell
Heigl und Heigl-Evers entwickelten das Göttinger Modell für Ich-schwache, schwer gestörte Patienten. Der
Gruppenprozess soll dem Einzelnen in drei Stufen Einsicht in seine Konfliktstruktur vermitteln.
1. Psychoanalytisch-interaktionelle Therapie: Es wird ein positives Beziehungsangebot des Therapeuten gemacht, es
wird stützende im Hier-und-Jetzt gearbeitet, der Klient bekommt keine Deutungen und nur wenig Konfrontation.
zunächst ist sein Ziel ist Vertrauen schaffen.
2. Psychoanalytisch orientierte Therapie: Arbeitet mit weniger Strukturierung, etwas mehr Konfrontation und
abstinent stützend. Frühkindliche Abhängigkeiten von den Eltern sollen dabei reduziert werden.
3. Analytische Therapie: Der Therapeut verhält sich abstinent und fördert dadurch die Regression, durch Deutungen
werden die Ich-Defizite verdeutlicht und durch Nachreifung soll Autonomie ermöglicht werden.
Gestalttherapie
Fritz Perls entwickelte – aus der „Einzelarbeit vor der Gruppe“ zum Zwecke der Demonstration – die Gestaltgruppe.
Die Gruppe wird als Energieverstärker benutzt und die Beziehungsdynamik der Teilnehmer wird untereinander zum
Thema gemacht. Bekannte Elemente sind der heiße Stuhl und das Feedback. Kontaktstörung, Gewahrsein,
dialogisches Prinzip und der Umgang mit Aggressionen sind Schlüsselelemente. Eine Sitzung endet mit einem
Sharing, in dem die Teilnehmer einander Feedback geben. Ziel ist die Herstellung von Kontakt durch Gewahrsein
seiner selbst und der anderen.
77
Gruppentherapie
Casriel-Gruppe
Dan Casriel entwickelte die nach ihm benannte kathartische Casriel-Therapie. Durch die Erfahrung von emotionaler
Offenheit, verbunden mit körperlicher Nähe zu einem anderen Menschen, sollen frühe Verletzungen wieder aktiviert,
und die damit verbundenen Gefühle, negativen Einstellungen, körperlichen Blockierungen und zerstörerischen
Verhaltensmuster durchgearbeitet und gelöst werden.
Therapeutische Gemeinschaft
Eine Verknüpfung verschiedener Gruppentherapieformen soll gegenseitiges Lernen, soziale Verantwortung und
spirituelles Wachstum förden und neben der Selbstorganisation des Alltagslebens als ein Lern- und Übungsfeld
dienen, um in einem geschützten Rahmen durch emotionale Neuerfahrungen emotionale Muster sowie Denk- und
Verhaltensmuster zu verändern. Das Zusammenleben in der Gemeinschaft soll eine sichere und zur Veränderung
ermutigende Atmosphäre schaffen. Dazu gehört der Austausch unter Betroffenen über gefundene Lösungswege,
sowie auf den anderen zu reagieren, seine eigenen Wahrnehmungen und emotionalen Reaktionen auf dessen
Verhalten ernst zu nehmen und dem anderen mitzuteilen, und sich so gegenseitig im Genesungsprozess zu
unterstützen. Sich selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnen uns im Spiegel unseres Nächsten
zu finden. Wesentlich sind klare Strukturen und verbindliche Absprachen und Regeln. Die Therapeutische
Gemeinschaft trifft sich mehrmals die Woche zu so genannten Komitees und zu einer Vollversammlung.
Die therapeutische Gemeinschaft soll ein System gegenseitiger Unterstützung in der Klinik bieten und ist ein
wesentlicher Bestandteil im Konzept milieu- und soziotherapeutischer Arbeit. Die Beteiligung der Patienten an der
Organisation und der Gestaltung der Abläufe in der Klinik fördert auch die Fähigkeit zur Bewältigung
lebenspraktischer Aufgaben. Die Therapeutische Gemeinschaft ist in psychosomatischen Kliniken und
Sucht-Kliniken verbreitet.
Großgruppe
In der Großgruppe werden Patienten in Gruppen mit bis 200 Teilnehmern behandelt, meistens jedoch 30 bis 80. Die
Sitzungen sollen von einem erfahrenen Therapeuten geleitet werden. Entwickelt wurde die Großgruppentherapie
ursprünglich, weil für zu viele Patienten zu wenig Therapeuten zur Verfügung standen. Sie hat sich jedoch fallweise
im klinischen Setting etablieren können, auch für die Behandlung schwerer Störungen, wie Psychosen und
Persönlichkeitsstörungen, andererseits konnte sie – als (seriöse) Alternative – im Rahmen des Selbsterfahrungswelle
nach 1968 Ansehen gewinnen. Gearbeitet wird entweder klassisch nach Bion und Foulkes oder nach Alfred Adler,
für den die Bildung eine Gemeinschaftsgefühls als Basis zur Lösung der Lebensaufgaben Arbeit – Liebe –
Gemeinschaft wesentlich war.
Je nach Gruppenleiter steht entweder ein Teilnehmer über mehrere Sitzungen im Zentrum der Aufmerksamkeit, alle
anderen lernen durch Beobachtungslernen und durch teilnehmende Beobachtung, oder ein Thema wird multifokal
diskutiert oder es gilt das klassisch-psychoanalytische Prinzip des freien Assoziierens. Bedeutende
Großgruppenleiter im deutschen Sprachraum heute sind Felix de Mendelssohn und Josef Shaked, beide leben in
Wien und arbeiten auch in der internationalen Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse. Bekannt, und auch
umstritten waren der verstorbene Friedrich Liebling (Zürich) und Josef Rattner (Berlin), der heute zurückgezogen
lebt und keine Gruppen mehr leitet.[3]
78
Gruppentherapie
Verwandte Gruppen
Die folgenden Gruppen werden nicht zur klassischen Gruppenpsychotherapie gezählt, wobei es bei manchen
durchaus fließende Übergänge gibt.
• Selbsterfahrungsgruppen und Encountergruppen sollen Lernen über das eigene Verhalten in der Gruppe eröffnen.
Psychische Stabilität ist Teilnahmevoraussetzung.
• Die T-Groups der Gruppendynamik haben oft therapeutischen Charakter , wie auch die Großgruppen des
Organisations-Laboratoriums.
• Als Grupo Operativo wird eine analytische Gruppentechnik bezeichnet, die von Enrique Pichón-Rivière für
Jugendliche entwickelt wurde. Er gab ihnen die Möglichkeit, sich selbst zu betreuen.
• Auch in Selbsthilfegruppen unterstützen sich Betroffene gegenseitig. A-Gruppen nach dem
Zwölf-Schritte-Programm werden manchmal vorbereitend, begleitend und nachsorgend-stabilisierend parallel zur
Therapie eingesetzt.
• Psychoedukation bedeutet Schulung psychisch Kranker, oft gemeinsam mit den Angehörigen, damit sie Krankheit
und Behandlung besser verstehen. Erfahrungsaustausch und Hilfe zur Selbsthilfe sind wesentliche Inhalte.
• Trainings- und Übungsgruppen zur Stress- oder Angstbewältigung, zu Kommunikations- und
Selbstsicherheitstraining folgen oft einem vorgegebenen Ablauf mit klar strukturierten verhaltenstherapeutischen
Übungen nach einem Manual.
• Gruppensupervision und analytische Balint-Gruppen behandeln die Beziehungen von Therapeuten, Pädagogen
und anderer psychosozialer Berufe zu Klienten und Patienten, Sie sind zentriert auf die berufliche Kompetenz.
Ausbildung des Gruppentherapeuten
Jede Schule hat ihr eigenes Ausbildungskonzept. Dabei unterscheiden sich die Zugangsvoraussetzungen je nach
Land und Psychotherapiegesetz. In einigen Ländern ist eine vorausgehende Ausbildung in einem
einzeltherapeutischen Verfahren vorgeschrieben. Allen gemeinsam ist intensive Selbsterfahrung in der Gruppe,
Arbeit als Co-Therapeut und als Therapeut unter Supervision.
In Österreich werden - für die Eintragung in der Psychotherapeutenliste des Bundesministeriums für Gesundheit gefordert:
• das Psychotherapeutische Propädeutikum (765 Std. Theorie, 480 Std. Praktikum, 20 Std. Supervision und 50 Std.
Selbsterfahrung), sowie anschließend daran
• das Fachspezifikum mit 300 Stunden Theorie, mindestens 200 Stunden Selbsterfahrung, 550 Stunden Praktikum
mit 30 Std Praxissupervision, weitere 100 Stunden je nach Schwerpunktbildung der Methode und folgende
• Praxis: 600 Stunden therapeutische Arbeit und 120 Stunden Supervision.
Ein Zertifikat der Internationale Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse kann nach zehnmaliger Teilnahme am
zehntägigen Fortbildungs-Workshop erworben werden – viermal als Teilnehmer, dreimal als Beobachter, dreimal als
Co-Leiter. Außerdem sind in der ersten Studienphase zwei theoretische Referate und zwei Supervisionsfälle zu
präsentieren, sowie zwei Aufnahmegespräche zu führen.
Für die Ausbildung von Gruppenpsychotherapeuten, Supervisoren und Gruppendynamikern ist die Teilnahme an
Selbsterfahrung Zulassungsbedingung. In Selbsterfahrungsgruppen gibt es stets fließende Übergänge zu den
verschiedenen Formen der Gruppenpsychotherapie (analytisch, klientenzentriert, gestalttherapeutisch,
gruppendynamisch).
79
Gruppentherapie
Literatur
aktuell
• Raymond Battegay: Die Gruppe als Schicksal, 2000, ISBN 3-525-45881-9
• Eric Berne: Grundlagen der Gruppenbehandlung. Gedanken zur Gruppentherapie & Interventionstechniken,
2005, ISBN 3-87387-424-5
• Michael Hayne, Dieter Kunzke: Moderne Gruppenanalyse, 2004, ISBN 3-89806-312-7
• Karl König: Psychoanalytische Gruppentherapie, 1992, ISBN 3-525-45732-4
• Silke M. Lanzerath: Neue Segel setzen. Gruppentherapie: Selbsterfahrung und Entwicklungschancen, 2007, ISBN
3-89189-157-1
• Joachim Lindner, Gabriele Angenendt, Volker Tschuschke: Gruppentherapie in der Psychosomatischen
Rehabilitation, 2007, ISBN 3-89806-308-9
• Joachim Lindner, Volker Tschuschke: Gruppentherapie in der Psychosomatischen Rehabilitation, 2007, ISBN
3-89806-308-9
• Dankwart Mattke, Luise Reddemann, Bernhard Strauß: Keine Angst vor Gruppen! Gruppenpsychotherapie in
Praxis und Forschung. 2009, ISBN 978-3-608-89077-8
• Hilarion Petzold: Modelle der Gruppe in der Psychotherapie, 1986, ISBN 3-87387-258-7
• Alfred Pritz, Elisabeth Vykoukal (Hrsg.): Gruppenpsychoanalyse, 2003, ISBN 3-85076-578-4
• Dirk Revenstorf: Psychotherapeutische Verfahren IV. Gruppen-, Paar- und Familientherapie, ISBN
3-17-012663-6
• Peter F. Schmid: Personenzentrierte Gruppenpsychotherapie, 2 Bd.Handbuch, 1994
• Serge K.D. Sulz: Von der Balintgruppe zur Interaktionelle Fallarbeit, ISBN 3-932096-27-4
• Volker Tschuschke: Kurzgruppenpsychotherapie, 2003, ISBN 3-211-83886-4
• Volker Tschuschke: Praxis der Gruppenpsychotherapie, 2001, ISBN 3-13-127971-0
Klassiker
•
•
•
•
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•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
•
Trigant Burrow: Die Gruppenmethode in der Psychoanalyse, 1926
Michael Balint: Der Arzt, sein Patient und die Krankheit, 1960, ISBN 3-608-94003-0
Raymond Battegay: Gruppenpsychotherapie und klinische Psychiatrie, 1963
Raymond Battegay: Der Mensch in der Gruppe, Bd. 1..3, 1963
Haim Ginott: Gruppenpsychotherapie mit Kindern, 1966 (en: 1961), ISBN 3-407-13102-X
Josef Rattner: Gruppenpsychologie und Großgruppentherapie, 1970, ISBN 3-933939-83-6
Irvin D. Yalom: Theorie und Praxis der Gruppentherapie - Ein Lehrbuch, 1970, (2005)
Wilfred R. Bion: Erfahrungen in Gruppen und andere Schriften, 1971, ISBN 3-12-900730-X
Wilfred R. Bion: Die Tavistock-Seminare, 1971/2007, ISBN 3-89295-777-0
Stefan de Schill: Psychoanalytische Therapie in Gruppen, 1971, ISBN 3-12-907640-9
Horst Eberhard Richter: Die Gruppe, 1972, ISBN 3-498-05672-7
Jacob L. Moreno: Gruppenpsychotherapie und Psychodrama, 1973, ISBN 3-13-378702-0
Michael und Enid Balint: Psychotherapeutische Techniken in der Medizin, 1976 (en: 1961), ISBN 3-12-900800-4
Carl Rogers: Encounter Gruppen, 1974 (en: 1970), ISBN 3-463-00571-9
Sigmund H. Foulkes: Praxis der gruppenanalytischen Psychotherapie, 1978/2007, ISBN 3-88074-490-4
Annelise Heigl-Evers: Konzepte der analytischen Gruppenpsychotherapie, 2. Aufl. 1978, ISBN 3-525-45286-1
Annelise Heigl-Evers: Handbuch der Ehe-, Familien- und Gruppen- Therapie, 1982, ISBN 3-463-00561-1
Irvin D. Yalom: Im Hier und Jetzt - Richtlinien der Gruppenpsychotherapie (1983) 2005, ISBN 3-442-73236-0
Fachzeitschriften
• Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, seit 1968 4x/Jahr, ISSN 00174947, Vandenhoek & Rupprecht
• Jahrbuch für Gruppenanalyse und ihre Anwendungen, hg. Mohammed Ebrahim Ardjomandi
• Österreichisches Jahrbuch für Gruppenanalyse, hg. von Wolfgang Martin Roth und Josef Shaked
80
Gruppentherapie
Verbände
• Deutscher Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, DAGG [4]
• Österreichischen Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik, ÖAGG [5]
• die Schweizerische Gesellschaft für Gruppenpsychologie und Gruppendynamik, SGGG wurde 1992 in die
Schweizerische Gesellschaft für Gruppendynamik, SGGD überführt und 2000 ganz aufgelöst.
• Internationale Arbeitsgemeinschaft für Gruppenanalyse
• Group Analytic Society
• American Group Psychotherapy Association
• American Society for Group Psychotherapy and Psychodrama
• International Association of Group Psychotherapy
Siehe auch
• Psychotherapie
• Gruppentherapeutische Vereinigungen
• Liste bedeutender Psychotherapeuten, Abschnitt Gruppenanalytiker
Referenzen
[1]
[2]
[3]
[4]
[5]
Trigant Burrow: The Basis of Group-Analysis, 1928
Tschuschke: Wirkfaktoren der Gruppenpsychotherapie, in: Praxis der Gruppenpsychotherapie, 2001.
Hansjörg Hemminger: Das Heil liegt in der Gruppe (Archivversion) (http:/ / www. webcitation. org/ 20070928164011)
http:/ / www. dagg. de
http:/ / www. oeagg. at
81
Quellen und Bearbeiter der Artikel
Quellen und Bearbeiter der Artikel
Verhaltenstherapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=75274782 Bearbeiter: APPER, Aineias, AlexR, Anhi, Anneke Wolf, Anwiha, Arne Neem, Arno Matthias, BLoeD,
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Fruity, GLGermann, Geraldstiehler, Gerbil, Gerpos, Gleiberg, Gutt, Hafenbar, He3nry, Helmut Welger, Horst kares, Ichbinweg, J. Schwerdtfeger, Jürgen Engel, Kai-Hendrik, Kammerjaeger,
Kku, Kristina Walter, Kuhlo, Laudrin, Lennert B, Lichtsuchender, Logograph, Ludger Lampen, Lueggu, Lunajonas, MBq, MFM, MIGNON, Martinzh, Matiasddorf, Matthäus Wander, Meriko,
MichaelDiederich, Mohahaddou, Motophil, Nanouk, Nico Loh, Nocturne, Oliver Walter, OriginOfSpecies, Peter PanDa, Pferdefanatiker, Placebo111, Psycho-Stempel, Psychoanalyse, Psychos,
Pygmalion, Qpaly, Ron.W, SVL, Sauerteig, Scooter, Semper, Sinn, SteBo, Steevie, Stefan64, ThomasPusch, Thorbjoern, Traitor, Tschäfer, Uwe Gille, Vagabund, Wasserseele, Widescreen,
Wolfgang K, Wolfgang-sbg, 146 anonyme Bearbeitungen
Verhaltensanalyse Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=61911946 Bearbeiter: Christoph Bördlein, ChristophDemmer, Gerbil, Jkbw, Luziferase, Peter PanDa, Wst, Zornfrucht, 1
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Konfrontationstherapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=72080819 Bearbeiter: Arno Matthias, Christian2003, Don Magnifico, Freedom Wizard, Gleiberg, Gratisaktie,
KriSte Mühe, Martin Hirsch, Peter PanDa, STBR, UlrichJ, Uwe Gille, Widescreen, 11 anonyme Bearbeitungen
Klassische Konditionierung Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=73330213 Bearbeiter: **kiki**, Aglarech, Aka, Anton-Josef, Arno Matthias, Avoided, BLueFiSH.as, Capullo,
Centaurea cyanus, Cethegus, Christoph Bördlein, ChristophDemmer, Cjesch, Curtis Newton, Der.Traeumer, Dolos, EVula, EvaK, Flo 1, Geos, Gerbil, Gibro, Grobbelflopp, Head, Henning Blatt,
Hubertl, Ian2, Jeanschmid, Jivee Blau, Kku, Kristina Walter, Lord Faekalie, Lueggu, Magnus Manske, Markosch, Merops, MichFress, Nutcracker, Ocrho, Oliver Walter, OnkelDagobert, Ouro,
Pb*, PeeCee, Rklawton, RobbyBer, Sava, Togo, Tröte, Tönjes, W!B:, WAH, Widescreen, X KingJonas X, 66 anonyme Bearbeitungen
Extinktion Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=49521024 Bearbeiter: [email protected], Aktionsheld, Calma, Eckhart Wörner, Gauss, Jaellee, Katharina, Necrophorus, Ninjamask, Philister,
Robert Weemeyer, 2 anonyme Bearbeitungen
Gegenkonditionierung Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=64195566 Bearbeiter: Arno Matthias, ChristophDemmer, Darok, Gerbil, HaSee, Kängurutatze, Tim Pritlove,
VerwaisterArtikel, 2 anonyme Bearbeitungen
Habituation Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=74207958 Bearbeiter: Aka, Arno Matthias, Dietzel65, Fabian-peter, Gerbil, Hystrix, Joachimrang, Kai-Hendrik, Max Hester,
PDD, PPW, Pfalzfrank, Pomegranate, Psychologiestudent, Schlurcher, Solejheyen, Wolfgang1018, 21 anonyme Bearbeitungen
Systematische Desensibilisierung Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=70866703 Bearbeiter: Anneke Wolf, Bücherhexe, CHNB, Christian Stroppel, ChristophDemmer, Dharion,
Dnaber, E020613, Earendel, ErikDunsing, Martin Hirsch, Max Plenert, Meriko, Peter PanDa, Peter200, Rokwe, TopChecker, Uwe Gille, Widescreen, Wikizen, 18 anonyme Bearbeitungen
Flooding (Psychotherapie) Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=74825188 Bearbeiter: 10finger, Arno Matthias, Diba, Norman Ehlert, Peter PanDa, Widescreen, Zornfrucht, 5
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Screen- Technik Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=40248689 Bearbeiter: Ein halboffener Duschvorhang, Feba, Kristina Walter, Markus Bärlocher, Placebo111, 3 anonyme
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Paradoxe Intervention Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=60347641 Bearbeiter: Ah, Aquis, Birger Fricke, Ck1969, Drahreg01, Emes, Frank Jacobsen, Grander, Haraldmori,
Hub, Jorges, Liberatus, MAK, MBq, OdI, Pinneberg, Schubbay, Wofl, Zornfrucht, 7 anonyme Bearbeitungen
Biofeedback Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=75356130 Bearbeiter: ASK, Adolorin, Aka, Antonsusi, Aquis, Azastrow, Bautsch, Christian2003, ChristophDemmer, [email protected],
Dtschopp, Eggetsberger, Elian, Ephraim33, Feba, Ferrydun, HaSee, Joas, Kristina Walter, Lemzwerg, Lether29, Lueggu, Lupino, Martin Bahmann, Membeth, NatalieH, Nockel12, Ordnung,
PDCA, Pelz, Peter200, Placebo111, Rainer198, Redecke, Ruedisteiger, Rufus46, S.K., Seewolf, Siebzehnwolkenfrei, Sjs77, Temistokles, Tsor, Uwe Gille, Wolfgang K, Wolfgang Schönfeld, 35
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Token- System Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=73839176 Bearbeiter: Arno Matthias, Banggai-Kardinalbarsch, Breeze, CFT, Christoph Bördlein, Cobold, ErikDunsing,
Fouk, Gerhardvalentin, Jed, Kiran, Normalo, Peng, Peter PanDa, Rdb, Tomte, Wolfgang K, Zaltvyksle, 4 anonyme Bearbeitungen
Kontingenz Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=75289162 Bearbeiter: Aktionsheld, AntonBuchmeier, Clemensfranz, Cnb, Edoe, Everyme, Gerhardvalentin, Gronau, Head,
Holger I., Kku, Kurt Jansson, Leithian, Liberatus, Nerd, Peterlustig, Rollo rueckwaerts, Schweidlzwick, StefanWesthoff, Venullian, VerwaisterArtikel, 11 anonyme Bearbeitungen
Dialektisch- behaviorale Therapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=52766020 Bearbeiter: Aka, Alchemy, Anita KdS, Christian2003, Cyrus Grisham, D, Dawn, Der kleine
grüne Schornstein, Dirkroald, Florian, Fuhrhans, GL, Giftmischer, Helmut Welger, Hubertl, Hystrix, Kristina Walter, Michail der Trunkene, Michelvoss, Neun-x, Oceanshear, P450CYP3A4,
Peter PanDa, Placebo111, Professor Hastig, Psychozeus, S1, STBR, Schlock, Silberchen, Texi, ThE cRaCkEr, Toshiki, Tsor, Uwe Gille, Weiberbande, Widescreen, Wolf32at, Wolfgang
Altmüller, WortUmBruch, °, 52 anonyme Bearbeitungen
Training sozialer Kompetenzen Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=69413226 Bearbeiter: Der Bischof mit der E-Gitarre, Gleiberg, Lichtsuchender, MFM, Manbu,
OnkelDagobert, Senator2108, Widescreen, ³²P, ·, 5 anonyme Bearbeitungen
Habit- Reversal- Training Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=74133722 Bearbeiter: 08-15, Arno Matthias, ChristophDemmer, Knut.C, Leider, Lunochod, Meriko, Succu,
Zornfrucht, 1 anonyme Bearbeitungen
Entspannungstechnik Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=57642106 Bearbeiter: Kognitive Therapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=12928616 Bearbeiter: Aka, Bardenoki, Bernd Untiedt, Christof.wagner, ChristophDemmer, Cornholio, Don Magnifico,
Dr. Doris Wolf, Elian, Falk Lieder, He3nry, Hydro, Jteich, Ludger Lampen, Meriko, Michelvoss, Mnh, Mohahaddou, Nerlwein, Nina, NormanE, Peter PanDa, Psycho-Stempel, Psychos,
Robodoc, S.Didam, Spes Rei, SteBo, Stimpson, Streifengrasmaus, Warfair, Widescreen, °, 48 anonyme Bearbeitungen
Stressmanagement Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=75210166 Bearbeiter: Aka, Arno Matthias, Carolin, Castaneda, Coachingnews, DStolze, Diba, Fischkopp, FordPrefect42,
Getüm, Gravitophoton, Ingo-Wolf Kittel, Iogos82, PM3, Placebo111, SusannKrumpen, Uwe Gille, WAH, 11 anonyme Bearbeitungen
Stressimpfungstraining Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=71715613 Bearbeiter: Heinte, Il Stregone, Jevoli, Meriko, Mohahaddou, Peter PanDa, Psychos, Revolus, Richterks,
Scooter, 2 anonyme Bearbeitungen
Selbstinstruktionstraining Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=72848760 Bearbeiter: DaB., Dingo, He3nry, Jahobr, Jed, Jojo-schmitz, Placebo111, Psychos, Rdb, UTH,
Vikipedija, Zaphiro, 5 anonyme Bearbeitungen
Problemlösetraining Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=61194019 Bearbeiter: Arno Matthias, Cup of Coffee, Drahreg01, Peter PanDa, RainerB., Taplitou, Tröte, 5 anonyme
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Schmerzmanagement Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=70072419 Bearbeiter: Selbstmanagement- Therapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=75207082 Bearbeiter: Betateschter, Bionautplasma, Carolin, ChristophDemmer, Dr. Doris Wolf, Giftmischer,
Ilja Lorek, Kai-Hendrik, Megatherium, Mistmano, Moschitz, Neun-x, Ot, Peter PanDa, Rosenzweig, Walter Jaymes Lehmann, Weissbier, Widescreen, 24 anonyme Bearbeitungen
Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=74118253 Bearbeiter: APPER, Amberg, Blaufisch, Camtronix, Christian2003, DL5MDA, Danny
Berlin, Drahreg01, Fspade, Getüm, HaSee, Heinte, Hermannthomas, Howwi, Ingo-Wolf Kittel, Johannes Rohr, Maddin42, Muscari, Peter PanDa, Pferdefleisch-Goffin, Roger Dorman, Wissling,
Xupu, 14 anonyme Bearbeitungen
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Monika E., Sebastian Wallroth, 3 anonyme Bearbeitungen
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Kristina Walter, Magadan, Mit dabei, Mittagsdämon, Pelz, Peter PanDa, Placebo111, Schomynv, Schubbay, Sf67, Und es geht doch, Uwe Gille, ³²P, 38 anonyme Bearbeitungen
Kognitive Verhaltenstherapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=75317661 Bearbeiter: Aka, Bardenoki, Bernd Untiedt, Christof.wagner, ChristophDemmer, Cornholio, Don
Magnifico, Dr. Doris Wolf, Elian, Falk Lieder, He3nry, Hydro, Jteich, Ludger Lampen, Meriko, Michelvoss, Mnh, Mohahaddou, Nerlwein, Nina, NormanE, Peter PanDa, Psycho-Stempel,
Psychos, Robodoc, S.Didam, Spes Rei, SteBo, Stimpson, Streifengrasmaus, Warfair, Widescreen, °, 48 anonyme Bearbeitungen
Paartherapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=68836627 Bearbeiter: Ahellwig, Almeida, Altbauer, Arbeitskreis, Augiasstallputzer, Benzen, Brigid, Dickbauch, Frank
Schneider Berlin, Gerbil, Hablu, Hydro, Jonathan Groß, Kai-Hendrik, MFM, MichaelFrey, NebMaatRe, Nerd, NielsSch, Nodutschke, Philipendula, Polarlys, Propag, Robodoc, RudolfSimon,
Semper, Streifengrasmaus, Th1979, Thire, ThoR, Thomas S., UlrichJ, Uwe Gille, Widescreen, WikiCare, WinfriedSchneider, ³²P, 22 anonyme Bearbeitungen
Familientherapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=73788014 Bearbeiter: Aktionsheld, Aloiswuest, Carolin, Christian2003, Dinah, DorisAntony, Getüm, Goleador, Gronau,
Henward, Jetsetter, Kiu77, Markus Bärlocher, Mutgott, My name, Placebo111, Sputniktilt, TruebadiX, Wiska Bodo, Wurgl, 12 anonyme Bearbeitungen
Gruppentherapie Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=53348084 Bearbeiter: Aka, Anton-kurt, Armin P., Arno Matthias, Bernard Ladenthin, Blunt., Doudo, Equalhits, EvDa13,
Exot, Fouk, Gerbil, Getüm, Goleador, HaSee, Kai-Hendrik, Kalima, MFM, Markus Bärlocher, Muck31, Peter200, Psycho-Stempel, Psychoanalyse, Regi51, Schmafu, Schmelzle, Uwe Gille,
Vögelchen, 11 anonyme Bearbeitungen
83
Quellen, Lizenzen und Autoren der Bilder
Quellen, Lizenzen und Autoren der Bilder
Bild:One of Pavlov's dogs.jpg Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:One_of_Pavlov's_dogs.jpg Lizenz: GNU Free Documentation License Bearbeiter: Caronna,
Herbythyme, Igno2, Infrogmation, Kam Solusar, Ltshears, Nobelium, Ranveig, Rklawton, Skagedal, Str4nd, 19 anonyme Bearbeitungen
Datei:Disambig-dark.svg Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Disambig-dark.svg Lizenz: Creative Commons Attribution-Sharealike 2.5 Bearbeiter: User:Baumst
Bild:Fotothek df roe-neg 0006539 020 Portrait Albrecht Peipers anlässlich seiner Ausz.jpg Quelle:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Fotothek_df_roe-neg_0006539_020_Portrait_Albrecht_Peipers_anlässlich_seiner_Ausz.jpg Lizenz: unbekannt Bearbeiter: Groupsixty, PDD
Image:Biofeedback_EN.gif Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Biofeedback_EN.gif Lizenz: Creative Commons Attribution-Sharealike 2.5 Bearbeiter: Marek Jacenko
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A. Use in the Title Page (and on the covers, if any) a title distinct from that of the Document, and from those of previous versions (which should, if there were any, be listed in the History section of the Document). You may use
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•
C. State on the Title page the name of the publisher of the Modified Version, as the publisher.
•
D. Preserve all the copyright notices of the Document.
•
E. Add an appropriate copyright notice for your modifications adjacent to the other copyright notices.
•
F. Include, immediately after the copyright notices, a license notice giving the public permission to use the Modified Version under the terms of this License, in the form shown in the Addendum below.
•
G. Preserve in that license notice the full lists of Invariant Sections and required Cover Texts given in the Document's license notice.
•
H. Include an unaltered copy of this License.
•
I. Preserve the section Entitled "History", Preserve its Title, and add to it an item stating at least the title, year, new authors, and publisher of the Modified Version as given on the Title Page. If there is no section Entitled
"History" in the Document, create one stating the title, year, authors, and publisher of the Document as given on its Title Page, then add an item describing the Modified Version as stated in the previous sentence.
•
J. Preserve the network location, if any, given in the Document for public access to a Transparent copy of the Document, and likewise the network locations given in the Document for previous versions it was based on. These
may be placed in the "History" section. You may omit a network location for a work that was published at least four years before the Document itself, or if the original publisher of the version it refers to gives permission.
•
K. For any section Entitled "Acknowledgements" or "Dedications", Preserve the Title of the section, and preserve in the section all the substance and tone of each of the contributor acknowledgements and/or dedications given
therein.
•
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•
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N. Do not retitle any existing section to be Entitled "Endorsements" or to conflict in title with any Invariant Section.
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Lizenz
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In the combination, you must combine any sections Entitled "History" in the various original documents, forming one section Entitled "History"; likewise combine any sections Entitled "Acknowledgements", and any sections Entitled
"Dedications". You must delete all sections Entitled "Endorsements".
6. COLLECTIONS OF DOCUMENTS
You may make a collection consisting of the Document and other documents released under this License, and replace the individual copies of this License in the various documents with a single copy that is included in the collection,
provided that you follow the rules of this License for verbatim copying of each of the documents in all other respects.
You may extract a single document from such a collection, and distribute it individually under this License, provided you insert a copy of this License into the extracted document, and follow this License in all other respects regarding
verbatim copying of that document.
7. AGGREGATION WITH INDEPENDENT WORKS
A compilation of the Document or its derivatives with other separate and independent documents or works, in or on a volume of a storage or distribution medium, is called an "aggregate" if the copyright resulting from the compilation
is not used to limit the legal rights of the compilation's users beyond what the individual works permit. When the Document is included in an aggregate, this License does not apply to the other works in the aggregate which are not
themselves derivative works of the Document.
If the Cover Text requirement of section 3 is applicable to these copies of the Document, then if the Document is less than one half of the entire aggregate, the Document's Cover Texts may be placed on covers that bracket the
Document within the aggregate, or the electronic equivalent of covers if the Document is in electronic form. Otherwise they must appear on printed covers that bracket the whole aggregate.
8. TRANSLATION
Translation is considered a kind of modification, so you may distribute translations of the Document under the terms of section 4. Replacing Invariant Sections with translations requires special permission from their copyright holders,
but you may include translations of some or all Invariant Sections in addition to the original versions of these Invariant Sections. You may include a translation of this License, and all the license notices in the Document, and any
Warranty Disclaimers, provided that you also include the original English version of this License and the original versions of those notices and disclaimers. In case of a disagreement between the translation and the original version of
this License or a notice or disclaimer, the original version will prevail.
If a section in the Document is Entitled "Acknowledgements", "Dedications", or "History", the requirement (section 4) to Preserve its Title (section 1) will typically require changing the actual title.
9. TERMINATION
You may not copy, modify, sublicense, or distribute the Document except as expressly provided for under this License. Any other attempt to copy, modify, sublicense or distribute the Document is void, and will automatically terminate
your rights under this License. However, parties who have received copies, or rights, from you under this License will not have their licenses terminated so long as such parties remain in full compliance.
10. FUTURE REVISIONS OF THIS LICENSE
The Free Software Foundation may publish new, revised versions of the GNU Free Documentation License from time to time. Such new versions will be similar in spirit to the present version, but may differ in detail to address new
problems or concerns. See http:/ / www. gnu. org/ copyleft/ .
Each version of the License is given a distinguishing version number. If the Document specifies that a particular numbered version of this License "or any later version" applies to it, you have the option of following the terms and
conditions either of that specified version or of any later version that has been published (not as a draft) by the Free Software Foundation. If the Document does not specify a version number of this License, you may choose any version
ever published (not as a draft) by the Free Software Foundation.
ADDENDUM: How to use this License for your documents
To use this License in a document you have written, include a copy of the License in the document and put the following copyright and license notices just after the title page:
Copyright (c) YEAR YOUR NAME.
Permission is granted to copy, distribute and/or modify this document
under the terms of the GNU Free Documentation License, Version 1.2
or any later version published by the Free Software Foundation;
with no Invariant Sections, no Front-Cover Texts, and no Back-Cover Texts.
A copy of the license is included in the section entitled
"GNU Free Documentation License".
If you have Invariant Sections, Front-Cover Texts and Back-Cover Texts, replace the "with...Texts." line with this:
with the Invariant Sections being LIST THEIR TITLES, with the
Front-Cover Texts being LIST, and with the Back-Cover Texts being LIST.
If you have Invariant Sections without Cover Texts, or some other combination of the three, merge those two alternatives to suit the situation.
If your document contains nontrivial examples of program code, we recommend releasing these examples in parallel under your choice of free software license, such as the GNU General Public License, to permit their use in free
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