Fluchtpunkt Bremen - Bremische Evangelische Kirche

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Fluchtpunkt Bremen - Bremische Evangelische Kirche
Fluchtpunkt Bremen
aktuell
text Matthias Dembski
fotos privat/Dembski
„Europa brauchte eine neue einheitliche Asyl- und Flüchtlingspolitik “
„Bremen will zuwandernde
Menschen willkommen heißen“
„Flüchtlinge gehören nicht an den Rand,
sie brauchen Schutz in unserer Mitte.“
Katrin Hatzinger
Bettina Scharrelmann
Hans-Jochen Jaschke
Leiterin der Vertretung bei der Europäischen
Union in Brüssel und Ständiger Gast der Kammer für Migration und Integration des Rates der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
„Die Dramen an den EU-Außengrenzen zeigen,
wie nötig eine umfassende europäische Einwanderungs- und Asylpolitik ist. Wir müssen die
Debatte versachlichen, um Fremdenfeindlichkeit und Rassismus einzudämmen. Doch den
EU-Staaten geht es vor allem um die Abwehr
irregulärer Einwanderer. Dazu kooperieren sie
auch mit Drittstaaten wie Marokko oder Tunesien. Angesichts der fragwürdigen dortigen Menschenrechtslage ist das ein falsches Signal. Die
EU-Mitgliedsstaaten müssten stattdessen mehr
legale Wege für die Zuwanderung öffnen. Die
Praxis, Abwehrmaßnahmen auszubauen, und
Menschen ohne Prüfung ihres Asylbegehrens
und ihrer individuellen Situation zurückzuschieben muss aufhören. Auch fehlen nach wie vor
klare EU-Regeln für die Rettung von Flüchtlingen in Seenot. Die von Kirchen und Menschenrechtsorganisationen geforderte grundsätzliche
Neuausrichtung der Asyl- und Einwanderungspolitik der EU wird es angesichts des herrschenden politischen Klimas wohl in absehbarer Zeit
leider nicht geben.“
Weltweit sind nach Angaben der UN-Flüchtlingsorganisation (UNHCR) 45,2 Millionen Menschen auf der Flucht.
Rund 590.000 Flüchtlinge in Deutschland zählte die
Statistik Ende 2012 – Tendenz steigend. Die Kirchen
mahnen seit Jahren eine neue, humane europäischen
Flüchtlings- und Einwanderungspolitik an, doch auch
Deutschland nimmt nur zögerlich syrische Bürgerkriegs­
flüchtlinge auf. Die Unterbringung von Flücht­lingen ist auch
in Bremen ein Problem, weil angemessener Wohnraum
fehlt. Die „Festung Europa“ wird indes immer realer –
das zeigen verstärkte militärische Maßnahmen an den
Außengrenzen, vor allem im Mittelmeer. Am 25. März
diskutiert Moderator Guido Schulenberg (Radio Bremen) mit seinen Gästen die ethischen, politischen und
praktischen Herausforderungen der Flüchtlingsfrage
beim Stadtgespräch in der Kirche Unser Lieben Frauen.
Leiterin der Bremer Abteilung für Aufenthalt
und Einbürgerung
Die 45-jährige Juristin soll für die Bremer Ausländerbehörde, als Teil der „Abteilung für Aufenthalt
und Einbürgerung“, mehr Willkommenskultur
schaffen. „Wir wollen eine Servicestelle sein,
die für nach Bremen zuwandernde Menschen da
ist.“ Die versprochene Personalaufstockung sei
„in Arbeit“, so Scharrelmann: „Die Arbeitssituation in der Behörde war in der Vergangenheit oft
belastend. Unsere Mitarbeitenden arbeiten sehr
engagiert. Wir versuchen, Arbeitsbedingungen
und Serviceorientierung weiter zu verbessern.“
Es brauche zeitliche Freiräume, um sich grundsätzlich z.B. „mit Ermessenspielräumen bei Aufenthaltsgenehmigungen aus humanitären Gründen“ zu beschäftigen. „Deutschland braucht
Zuwanderung und die Zahlen sind noch gar
nicht so hoch, wie notwendig.“ Es sei ein Problem, dass die meisten Flüchtlinge aufenthaltsrechtlich als „unerlaubt eingereist“ gelten. „Wir
müssen uns Gedanken machen, wie wir Flüchtlingen einen legalen Weg nach Europa eröffnen
und ihnen einen dauerhaften Aufenthalt bei uns
ermöglichen.“ Auch gut integrierte Menschen
mit „Kettenduldungen“ bräuchten ein dauerhaftes sicheres Bleiberecht
Weihbischof in Hamburg
„Deutschland muss dafür sorgen, dass mehr
Menschen bei uns eine sichere Zuflucht finden
können. Lampedusa ist Wahnsinn, diese unmenschliche Wagenburg-Mentalität kann Europa nicht durchhalten. Gleichzeitig müssen wir
vor Ort dafür sorgen, dass Flüchtlinge Paten finden und gut integriert werden. Dafür brauchen
Städte Runde Tische. Kirchengemeinden können
wichtige Aufgaben bei der Flüchtlingsbetreuung
übernehmen, damit die Menschen ein Zuhause
auf Zeit in unserer Mitte finden. Da kann nach
meiner Wahrnehmung auch kirchlicherseits
noch mehr passieren. Flüchtlinge brauchen unser Mitleid, aber sie sind auch eine Bereicherung
für uns. Ich habe selber mit vier Jahren die Flucht
aus Oberschlesien erlebt. Wir sind ein halbes
Jahr gejagt und auf offenen Güterwaggons transportiert worden. In Niedersachsen waren wir
immer Fremde, das habe ich gespürt. Wenn ich
heute die Flüchtlingsbilder sehe, kommen mir
Tränen der Wut, denn die Alten, die Mütter und
Kinder leiden am meisten. Sie werden hin- und
hergestoßen, landen in Massenlagern, in Ghettosituationen. Die Kirchen müssen lernen, mit dieser Herausforderung umzugehen. Wir tun noch
zu wenig.“
t
tipp
„Fluchtpunkt Bremen“
Ökumenisches Stadtgespräch
Das Stadtgespräch zum Nachhören
Eintritt frei.
Das Nordwestradio (88,3 MHz) sendet einen
Mitschnitt des Stadtgesprächs in der Sendung
„Glauben und Wissen“
am 26. März 2014 um 21.05 Uhr
www.kirche-bremen.de
www.nordwestradio.de
am Dienstag, 25. März 2014 um 19.30 Uhr
in der Kirche Unser Lieben Frauen
BEK Forum Februar 2014
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