Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus

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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
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Die protestantische Ethik und der Geist des
Kapitalismus
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus ist ein
Werk von Max Weber, das zuerst in Form eines zweiteiligen Aufsatzes
im November 1904 und Frühjahr 1905 im Archiv für
Sozialwissenschaften und Sozialpolitik, Bd. XX und XXI erschien, und
das 1920 in überarbeiteter Fassung [1] veröffentlicht wurde. Es zählt
neben Webers Schrift Wirtschaft und Gesellschaft zu seinen
international wichtigsten Beiträgen zur Soziologie und ist ein
grundlegendes Werk der Religionssoziologie. Zwischen der
protestantischen Ethik und dem Beginn der Industrialisierung bzw. des
Kapitalismus in Westeuropa besteht nach diesem Werk ein enger
Zusammenhang. Die Kompatibilität („Wahlverwandtschaften“) der
Ethik oder religiösen Weltanschauung der Protestanten, insbesondere
der Calvinisten, und dem kapitalistischen Prinzip der Akkumulation
von Kapital und Reinvestition von Gewinnen waren ein idealer
Hintergrund für die Industrialisierung.
Bevor Weber mit der Protestantischen Ethik begann, war „das
wiederkehrende Motiv die Frage nach den Ursachen,
Erscheinungsformen und Auswirkungen des Kapitalismus, dessen
revolutionierende Kraft Max Weber in allen bisher behandelten
Arbeiten unter immer neuen Aspekten erforschte.“[2] Dirk Kaesler stellt
die These auf, dass insbesondere
Sonderausgabe von 1934
• Werner Sombart mit seinem zweibändigen Werk „Der moderne
Kapitalismus“ (1902) über die Wirkungen des Calvinismus und des
Quäkertums auf die Entwicklung des Kapitalismus sowie
• eine bereits seit Jahren laufende deutsche Diskussion über die
Zusammenhänge zwischen religiösen und ökonomischen
Entwicklungen
Max Weber zu seinem Werk angeregt haben.[3] Ausgangspunkt war
„eine empirische Studie seines Schülers Martin Offenbacher.“[4] Luc
Boltanski und Ève Chiapello glauben, dass „der Begriff Geist des
Kapitalismus zum ersten Mal von W. Sombart in der ersten Ausgabe
seines Modernen Kapitalismus“ eingeführt worden sei.[5]
Weber schrieb die Protestantische Ethik vor und nach seiner Reise in
Max Weber 1894
die USA. Er erhielt diese Einladung von Hugo Münsterberg und reiste
von August bis Dezember 1904 mit seiner Frau und Ernst Troeltsch
unter anderem zu einem wissenschaftlichen Weltkongreß anlässlich der Weltausstellung in St. Louis.[6] Zu den
Eindrücken, die er hier „gewann, gehörten insbesondere die protestantischen Sekten, die Organisation der politischen
„Maschinerie“, die Bürokratisierung in den USA, die Präsidentschaft und die amerikanische politische Struktur
überhaupt.“[7]
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Einleitung
„Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ geht zum Teil auf einen Vortrag Webers im Jahr 1897
zurück (vgl. Bd. 2, S. 150). Weber stellt sich die Frage, warum die moderne Kultur gerade im Okzident entstanden
sei und sich z. B. nicht (auch) in China oder Indien, also im Orient, entwickelt habe, bzw. warum sie in Westeuropa
nicht schon früher aufgetreten sei. Er führt dies auf einen „spezifisch gearteten Rationalismus der okzidentalen
Kultur“ (Bd. 1, S. 20) zurück. Sein Ziel ist daher, die besondere Eigenart des okzidentalen Rationalismus und
insbesondere des modernen okzidentalen Rationalismus zu erkennen und ihre Erstehung zu erklären.
Besonders wichtig ist ihm die Frage nach der Bedingung der Entstehung einer Wirtschaftsgesinnung: des Ethos einer
Wirtschaftsform, durch bestimmte religiöse Glaubensinhalte. Dieser Frage geht er am Beispiel der Zusammenhänge
des modernen Wirtschaftsethos mit der rationalen Ethik des asketischen Protestantismus (Bd. 1, S. 21) nach. Er
behauptet, dass der Charakter des Kapitalbesitzes und Unternehmertums vorwiegend protestantisch sei, und
konstatiert, dass Protestanten eine eher technische, Katholiken eher eine humanistische Schulbildung hätten, sowie
eine auffallend „geringere Beteiligung der Katholiken am modernen Erwerbsleben in Deutschland“ (Bd. 1, S. 32). Er
will keine umfassende Kulturanalyse vorlegen, sondern die Entwicklung des „Menschentums“ darstellen, welches
durch das Zusammentreffen bestimmter religiöser und ökonomischer Bedingungen geschaffen wurde.
Zur gleichen Zeit beschäftigen sich unter anderem zwei andere Wissenschaftler mit angrenzenden Thematiken. Ernst
Troeltsch befasste sich mit der Geschichte des Protestantismus und fragt nach „Aufgabe und Erkenntnisziele[n] in
der Darstellung des religiösen Elements des Protestantismus und seiner Stellung zu den kulturgeschichtlichen
Umgebungszusammenhängen“ (Bd. 2, S. 192). Werner Sombart will schildern, wie der Geist seiner Zeit geworden
ist, zumal dessen repräsentativer Träger, als den er die Bourgeoisie bestimmt – nicht nur im Geistigen, sondern auch
in ihren sozialen Beziehungen.
Alle drei Autoren beeinflussen einander inhaltlich und in der methodischen Vorgehensweise.
Webers Fragestellung im Besonderen
Die Aufgabe, die Max Weber sich für seinen Aufsatz stellte, beschreibt er wie folgt:
„… in meinem Fall durch die Aufdeckung einer – allerdings m. E. einer ganz besonders wichtigen –
Ursachenreihe beizutragen, welche die Herausbildung einer (wiederum besonders wichtigen) konstitutiven
Komponente des Geistes der modernen kapitalistischen Wirtschaft bedingte: einer Färbung desselben also,
welche vom Altertum und Mittelalter in wichtigen Punkten spezifisch verschieden war, …“ (Bd. 2, S. 284 f.)
Da es sich bei dieser Aufgabenstellung um eine sehr komplexe historische Erscheinung handelt, sucht er „einen
ideal-typischen Begriff, ein Gedankengebilde, … dem sich die faktischen Durchschnittsinhalte des Historischen in
sehr verschiedenen Grade annähern.“ (Bd. 2, S. 304) Weber verfährt so,
„dass ich [Weber] zunächst 1. die von niemandem bisher bezweifelte Tatsache der auffällig starken Kongruenz
von Protestantismus und modernen Kapitalismus …, durch Beispiele in Erinnerung rief, sodann 2. illustrativ
einige Beispiele vorführte für solche ethische Lebensmaximen (Franklin),…, und die Frage stellte, wodurch
sich diese ethischen Lebensmaximen von abweichenden, speziell von den Lebensmaximen des Mittelalters,
unterscheiden, und dann 3. die Art, wie solche seelische Attitüden sich zu dem Wirtschaftssystem des
modernen Kapitalismus kausal verhalten, wiederum durch Beispiele zu illustrieren suchte, wobei ich 4. auf
den Berufs-Gedanken stieß, dabei an die längst … festgestellte, ganz spezifische Wahlverwandtschaft des
Calvinismus … zum Kapitalismus erinnerte, und gleichzeitig 5. aufzuzeigen suchte, dass unser heutiger
Begriff des Berufs irgendwie religiös fundiert sei.“ (Bd. 2, S. 304 f.)
Die Studie ist Weber zufolge nicht abgeschlossen (Bd. 2, Anmerkung 39, S. 186) und muss wenigstens noch durch
Folgendes ergänzt werden (vgl. Bd. 1, S. 189 und Bd. 2, S. 322):
• eine sehr viel differenziertere Analyse der Wirkung calvinistischer, täuferischer und pietistischer Ethik auf den
Lebensstil
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
• eingehende Untersuchungen der Ansätze ähnlicher Entwicklungen im Mittelalter und im antiken Christentum
• eine Untersuchung, inwieweit ökonomische Bedingungen den asketischen Protestantismus förderten
• Ausführungen über die Bedeutung des asketischen Protestantismus auf die sozial-politische Ethik, d. h. also auf
Gemeinschaften von der Familie bis zum Staat
• ferner eine Analyse über den Einfluss des asketischen Protestantismus auf die Entwicklung des philosophischen
und wissenschaftlichen Empirismus.
Die protestantische Ethik
Die religiösen Vorstellungen von Luther und Calvin
Die protestantische Ethik entwickelt sich nach Weber aus zwei entscheidenden Ideen: Die eine ist Luthers
Reformation, die andere ist – sich aus dieser unter dem Einfluss Calvins entfaltend – die innerweltliche Askese, ein
konstitutiver Bestandteil des „modernen kapitalistischen Geistes“.
Die Einschätzung der Berufe wandelt sich bei Luther von der Anschauung, dass die Individuen in jedem Stande selig
werden können, es also sinnlos ist, auf die Art des Berufes wert zu legen, zu der Anschauung, dass der Beruf eine
von Gott gestellte Aufgabe ist. Um Gott wohlzugefallen, ist die Erfüllung der innerweltlichen Pflichten unter allen
Umständen der einzige Weg, und nicht eine Überbietung der innerweltlichen Sittlichkeit durch mönchische Askese.
Diese Wandlung führt Weber u. a. darauf zurück, dass das gestiegene Handelsvolumen zu Luthers Zeit die
Bedeutung der Berufsarbeit fördert. Gleichzeitig entwickelt sich – u. a. hervorgerufen durch die Arbeit an der
Bibelübersetzung – bei Luther der Gedanke, dass das Leben des Einzelnen vorherbestimmt ist und das Individuum
sich dem Willen Gottes zu fügen hat. Konkret heißt dies,
„… der Einzelne soll grundsätzlich in dem Beruf und Stand bleiben, in den ihn Gott einmal gestellt hat, und
sein irdisches Streben in den Schranken dieser seiner gegebenen Lebensstellung halten.“ (Bd. 1, S. 71)
Dabei ist jeder erlaubte Beruf vor Gott gleich viel wert – die geistlichen genauso viel wie die weltlichen Berufe.
Diese Vorstellung ist immer noch sehr traditionalistisch gebunden, und dies führt Weber u. a. auf den
Vorsehungsgedanken Luthers zurück. Auch die ökonomischen Vorstellungen waren bei Luther noch
traditionalistisch. Luther tritt energisch gegen das Zinsnehmen ein, wie er überhaupt gegen kapitalistischen Erwerb
war.
Die Entwicklung des orthodoxen Luthertums zeigte nach Weber nur etwas Negatives:
„Wegfall der Überbietung der innerweltlichen durch asketische Pflichten [Weber meint wohl inner-weltliche
Sittlichkeit durch mönchische Askese], verbunden aber mit der Predigt des Gehorsams gegen die Obrigkeit
und der Schickung in die gegebene Lebenslage, war hier zunächst der einzige ethische Ertrag.“ (Bd. 1, S. 72)
Luthers Intentionen – der bloße Gedanke der Berufsarbeit – sind nur von problematischer Tragweite. Weber sucht
nach „Ausprägungen des Protestantismus“, „bei denen ein Zusammenhang der Lebenspraxis mit dem religiösen
Ausgangspunkt leichter als beim Luthertum zu ermitteln ist.“ (Bd. 1, S. 73) In den verschiedenen
Glaubensrichtungen, die sich nach Luther gebildet haben, sieht Weber die entscheidenden geschichtlichen Träger.
Neben dem Calvinismus sind dies der Pietismus, der Methodismus, sowie die aus den verschiedenen täuferischen
Bewegungen hervorgegangenen Sekten, namentlich die Quäker.
Weber glaubt nicht, dass die Reformatoren ethische Reformprogramme (vgl. Bd. 1, S. 75) als ihr zentrales Anliegen
sehen, sondern dass sie nur das Seelenheil als den Angelpunkt ihres Lebens betrachten. Weiterhin sieht Weber nicht
den Kapitalismus als Ergebnis der Reformation, sondern es soll nur festgestellt werden „ob und in welchen Punkten
bestimmte Wahlverwandtschaften zwischen gewissen Formen des religiösen Glaubens und der Berufsethik
erkennbar sind.“ (Bd. 1, S. 77) Die „Wahlverwandtschaften“ sieht Weber beim Calvinismus – auf die anderen
Glaubensrichtungen geht er hier nicht ein – in der methodischen Lebensführung und der Berufsauffassung. Dieses
begründet sich wesentlich in der Prädestination – der Lehre von der Gnadenwahl.
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Diese Lehre besagt, dass Gott durch seinen Beschluss einige Menschen zu ewigem Leben und andere zu ewigem
Tod bestimmt. Die Gnade ist bei Luther verlierbar, kann aber durch Buße wieder gewonnen werden, dagegen ist sie
beim Calvinismus vorherbestimmt.
Wie erfährt nun der Gläubige, ob er erwählt ist oder nicht, da es ja im Calvinismus keine Gnadenwahl gibt? Diese
Ungewissheit führt zu einer ständigen Angst der Gläubigen. Aber wie ertragen die Gläubigen diese ständige Angst?
In der seelsorgerischen Praxis kristallisierten sich „zwei miteinander verknüpfte Typen seelsorgerischer Ratschläge
hervor“ (Bd1, S. 128), die u. a. für den Pfarrer bestimmt sind. Zum einen wird es dem Gläubigen zur Pflicht
gemacht, sich für erwählt zu halten. Anderenfalls erliegt der Gläubige dem Teufel, der Zweifel sät. Hier sieht Weber
die Erziehung zum selbstgewissen „Heiligen“, die er noch in seiner Zeit zu erkennen vermag. Hier bemerkt Weber
auch den Unterschied zu Luther. Ein Lutheraner wäre ein reumütiger Sünder. Zum anderen raten die Seelsorger dem
Gläubigen zur Berufsarbeit, als hervorragendes Mittel, um Selbstgewissheit zu erlangen, eigentlich aber um Angst
abzubauen.
Auf die Selbstgewissheit muss hier noch etwas näher eingegangen werden. Denn, um Selbstgewissheit zu erlangen,
kann einem niemand helfen – kein Prediger, kein Sakrament, keine Kirche, kein Gott. Der Gläubige ist auf sich
selbst angewiesen. Er darf sich niemandem anvertrauen, da er dann schon wieder zweifeln würde, und damit dem
Teufel verfallen wäre. Es wird vor Menschenhilfe und -freundschaft gewarnt. Selbst zum nächsten Freund wird
tiefes Misstrauen verlangt. Auch die Beichte verschwand stillschweigend – das Mittel zum periodischen Abreagieren
des heftig erregten Schuldbewusstseins. Dies liest Weber in Erbauungsschriften der damaligen Zeit. Er folgert
daraus, dass die Individuen in tiefer innerer Isolierung allein mit sich selbst beschäftigt sind.
Die Wirkung dieser Isolierung bzw. dieser Angst führt bei den einen zu jeder nur erdenklichen Selbsterniedrigung,
bei anderen zu rastlosem und systematischem Kampf mit dem Leben.
Um Gnadengewissheit zu erlangen, sind gute Werke absolut ungeeignet, aber sie sind unentbehrlich als Zeichen der
Erwählung. Anders gesagt, der Gläubige kann die Seligkeit nicht kaufen, aber er kann die Angst um die Seligkeit
loswerden. Weber sagt dazu, „dass Gott dem hilft, der sich selbst hilft“ (Bd. 1, S. 131). Der Gläubige setzt sich damit
unentwegt selbst unter Kontrolle, und das ist somit eine konsequente Methode, um die gesamte Lebensführung zu
gestalten.
Die Prädestinationslehre der Calvinisten führte zu einer Verweltlichung des Gottesdienstes, welcher nicht auf die
Kirche beschränkt blieb, sondern gekoppelt mit dem „Bewährungs“-Gedanken im täglichen Leben seinen Ausdruck
fand (Bd. 1, S. 111, Anmerkung 4). Mit Bezug darauf wird oft auch von der innerweltlichen Askese gesprochen,
welche Sparsam- und Enthaltsamkeit verlangt. Im Gegensatz zu anderen Religionen kann die Gnade Gottes nicht
durch transzendente Handlungen (Beten, Beichte) erlangt werden, sondern ist vorherbestimmt. Die Prädestination
lässt sich zwar nicht positiv beeinflussen, drückt sich jedoch im Diesseits durch Erfolg aus.[8]
Der Geist des Kapitalismus
Weber sucht nach konstitutiven Bestandteilen, die den „Geist des modernen Kapitalismus“ zu dem gemacht haben,
was er heute ist. Hierzu muss er zunächst einmal klären, was er darunter versteht.
Für ihn ist dieser Geist zunächst ein historischer Begriff, der aus seinen einzelnen, der geschichtlichen Wirklichkeit
entnommenen Bestandteilen komponiert wird (Bd. 1, S. 39, vgl. Idealtypus). Diesen Begriff betrachtet Weber nur
unter den Gesichtspunkten, die für die Bearbeitung dieses Gegenstandes wesentlich sind. So kann es sich auch nur
um „eine provisorische Veranschaulichung“ dessen, was hier mit dem „Geist des modernen Kapitalismus“ gemeint
ist, handeln (Bd. 1, S. 40). Kapitalismus ist nach Weber das Streben nach Gewinn, nach Rentabilität – im
kontinuierlich, rational arbeitenden Betrieb. Aber auch: die Bedingung schrankenloser Erwerbsgier. So versteht
Weber den kapitalistischen Wirtschaftsakt als Ausnutzung von Tausch-Chancen in formell friedlicher Weise (Bd. I,
S. 12/13). Drei historische Entwicklungen markieren für ihn Meilensteine im Heranwachsen des Kapitalismus:
1. die rationale Betriebsorganisation
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
2. die Trennung von Haushalt und Betrieb und
3. die rationale Buchführung (Bd. 1, S. 17)
Um nun dem „Geist des modernen Kapitalismus“ näher zu kommen, vergleicht Weber Aussagen Jakob Fuggers und
Benjamin Franklins zu ihrem jeweiligen Verständnis von Geschäftsklugheit.
Als Ursache für die Geschäftigkeit des Bankiers und Reichsgrafen Jakob Fugger, der das größte Bankhaus des
Frühkapitalismus leitete, sieht Weber ausschließlich kaufmännischen Wagemut und eine persönliche, sittlich
indifferente Neigung. Als Beleg führt er einen Ausspruch Fuggers gegenüber einem Geschäftsfreund an, der ihn
aufgefordert hatte, sich zur Ruhe zu setzen, da er doch nun genug verdient habe: „er [Fugger] hätte viel einen
anderen Sinn, wollte gewinnen, dieweil er könnte, …“ (Bd. 1, S. 43)
Der amerikanische Naturforscher und Politiker Franklin äußerte hingegen zu diesem Thema:
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„Bedenke, dass die Zeit Geld ist;…
Bedenke dass Kredit Geld ist…
Bedenke, dass Geld von einer zeugungskräftigen und fruchtbaren Natur ist…
Bedenke, dass … ein guter Zahler der Herr von jedermanns Beutel ist…
Neben Fleiß und Mäßigkeit trägt nichts so sehr dazu bei, einen jungen Mann in der Welt vorwärts zu bringen, als
Pünktlichkeit und Gerechtigkeit bei allen seinen Geschäften…
• Der Schlag deines Hammers, den dein Gläubiger um 5 Uhr morgens oder um 8 Uhr abends vernimmt, stellt ihn
auf sechs Monate zufrieden; sieht er dich aber am Billardtisch oder hört er deine Stimme im Wirtshause, wenn du
bei der Arbeit sein solltest, so lässt er dich am nächsten Morgen um die Zahlung mahnen, und fordert sein Geld,
bevor du es zur Verfügung hast…
• …halte eine genaue Rechnung über deine Ausgaben und dein Einkommen…
• Wer 5 Schillinge „verliert“, verliert nicht nur die Summe, sondern alles was damit bei Verwendung im Gewerbe
hätte verdient werden können, – was, wenn ein junger Mann ein höheres Alter erreicht, zu einer ganz
bedeutenden Summe aufläuft.“ (Bd. 1, S. 40–42)
Nach Weber ist Franklin vom „Geist des modernen Kapitalismus“ durchdrungen – auch wenn nicht alles, was diesen
Geist ausmacht, in den aufgeführten Zitaten enthalten ist. In dieser „Philosophie des Geizes“ entdeckt Weber nicht
nur „Geschäftsklugheit“, sondern eine „eigentümliche Ethik“: jener eigentümliche, uns heute so geläufige und in
Wahrheit doch so wenig selbstverständliche Gedanke der Berufspflicht: einer Verpflichtung, die der Einzelne
empfinden soll und empfindet gegenüber dem Inhalt seiner „beruflichen“ Tätigkeit, gleichviel worin sie besteht, […]
(Bd. 1, S. 42)
Diese „eigentümliche Ethik“ Franklins ist es, die laut Weber den „Geist des (Früh-)Kapitalismus“ vom „Geist des
modernen Kapitalismus“ unterscheidet. Als das Zentrale dieser Ethik sieht er den „Erwerb von Geld und immer mehr
Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen Genießens, so gänzlich aller eudämonistischen
[glückseligen] oder gar hedonistischen [lustorientierten] Gesichtspunkten entkleidet, so rein als Selbstzweck
gedacht, dass es als etwas gegenüber dem ‚Glück‘ oder dem ‚Nutzen‘ des einzelnen Individuums jedenfalls gänzlich
Transzendentes und schlechthin Irrationales erscheint“ (Bd. 1, S. 44)
Diese Umkehrung des „natürlichen“ Sachverhalts enthält nach Weber „…zugleich eine Empfindungsreihe, welche
sich mit gewissen religiösen Vorstellungen eng berührt“. (Bd. 1, S. 44) Als Zeugen für diese These führt er erneut
Franklin an, der als Grund seiner Philosophie auf einen häufig gehörten Ausspruch seines streng calvinistischen
Vaters verweist: „Siehst du einen Mann rüstig in seinem Beruf, so soll er vor Königen stehen“
Die Hochschätzung des Berufes ist ein weiteres ganz zentrales Element, doch nicht im calvinistischen, sondern im
lutherischen Sinn. Weber spricht von der Berufspflicht als „…in gewissem Sinne … von konstitutiver Bedeutung“
(für die „Sozialethik“ der kapitalistischen Struktur) (Bd. 1, S. 45) und beschreibt sie als „eine Verpflichtung, die der
Einzelne empfinden soll und empfindet gegenüber dem Inhalt seiner beruflichen Tätigkeit, gleichviel worin sie
besteht, gleichviel insbesondere, ob sie dem unbefangenen Empfinden als reine Verwertung seiner Arbeitskraft oder
gar nur seines Sachgüterbesitzes (‚als Kapital‘) erscheinen muß“ (Bd. 1, S. 45).
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Hier stellt sich „Beruf“ als absoluter Selbstzweck dar und steht im Gegensatz zur vorkapitalistischen, traditionalen
Vorstellung, in welcher der Bedarf als Zweck und die Arbeit als Mittel erscheint, diesen Zweck zu erreichen – und
zwar mit einem Minimum an Leistung. Diese traditionale Vorstellung verdeutlicht Weber u. a. am Beispiel von
Landarbeitern. Diese arbeiten bei Erhöhung des Akkordlohnes (in Mark je Morgen) entsprechend der Erhöhung
weniger, da sie ja nun mit geringerem Aufwand die Mittel für ihren Bedarf erwirtschaften. (Bd. 1, S. 50)
Bemerkenswert an der obigen Aussage zur Berufspflicht ist auch, dass Weber die Verwertung von Arbeit und die
Verwertung von Sachkapital als Beruf betrachtet. Doch ist ihm der calvinistische Zug zum Erwerb der stärkere
Motor beim Start des Kapitalismus. Stärker deshalb, weil nur so die notwendigen Kapitalien angesammelt werden
konnten, die den Kapitalismus investiv forcierten. Dieses Sammeln von Kapitalien war wiederum notwendig, weil
der gewerbliche Mittelstand, nach Weber der wesentliche Träger des „modernen kapitalistischen Geistes“, in der
Regel nicht über große Finanzmittel verfügte.
Diesem aufstrebenden Mittelstand stellt Weber das traditionalistisch geführte Unternehmen gegenüber, dessen
Arbeitsweise er am Beispiel eines Verlegers der Textilindustrie verdeutlicht. Dessen Tätigkeit sei gekennzeichnet
durch:
• 5 bis 6 Std. tägliche Arbeitszeit
• wenig „Kundenpflege“
• Konkurrenzlosigkeit durch Absprachen
• Genuss des bescheidenen aber sicheren Gewinns
Er betont darüber hinaus: „Die absolute und bewusste Rücksichtslosigkeit des Gewinnstrebens stand oft ganz hart
gerade neben strengster [ethischer] Traditionsgebundenheit“ (Bd. 1, S. 48). Somit hält er fest: Die kapitalistische
Form einer Wirtschaft und der Geist, in dem sie geführt wird, stehen zwar generell im Verhältnis „adäquater“
Beziehung, nicht aber in dem einer gesetzmäßigen Abhängigkeit voneinander, „weil jene Gesinnung in der modernen
kapitalistischen Unternehmung ihre adäquateste Form, die kapitalistische Unternehmung andererseits in ihr die
adäquateste geistige Triebkraft gefunden hat.“ Und ferner: „Die Frage nach den Triebkräften der Expansion des
modernen Kapitalismus ist nicht in erster Linie eine Frage nach der Herkunft der kapitalistisch verwertbaren
Geldvorräte, sondern vor allem nach der Entwicklung des kapitalistischen Geistes“ (Bd. 1, S. 54 und 58).
Okzidentaler Rationalismus und protestantische Ethik
Für Weber stellt sich die Frage, welche Bedingungen gegeben sein müssten, um zu den von ihm behandelten
konstitutiven Bestandteilen des „modernen kapitalistischen Geistes“ zu kommen.
Zunächst fällt Weber auf, dass die kapitalistisch fortgeschrittensten Regionen am häufigsten im Okzident anzutreffen
sind. Dies führt er auf eine eher systematisch rationale Grundhaltung des Okzident zurück, die er an einigen
Beispielen zu erläutern versucht.
Er verweist auf die, im Gegensatz zu anderen Regionen wie Indien, China, Babylonien und Ägypten mathematische
Durchdringung der Naturwissenschaften – schon bei den Hellenen (Griechen). Diese gelten auch als „Erfinder“ der
Idee des „rationalen Beweises“ (Bd. 1, S. 9).
Im Bereich der Geschichtsschreibung nennt Weber China, das hier ohne das thukydideische Pragma auskommt (Bd.
1, S. 10)
Als weiteres benennt Weber die systematische Staatslehre nach Aristoteles und die juristischen Schemata und
Denkformen des Okzidents, die auf römischem Recht basieren – und bis in die heutige Zeit Einfluss auf das
okzidentale Geschehen haben.
An dieser Stelle führt Weber auch das kanonische Recht (Kirchenrecht) an, das nach ihm in dieser systematischen
Form nur im Okzident existiert (Bd. 1, S. 10).
Als Nächstes bezieht Weber die oben genannten Punkte auf die Form des Kapitalismus, die im Okzident seiner
Meinung nach existiert. Er möchte herausfinden, wie es im Okzident zur Entstehung des bürgerlichen
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Betriebskapitalismus mit seiner rationalen Organisation der freien Arbeit kommt (Bd. 1, S. 18).
Die Entwicklung technischer Möglichkeiten, basierend auf mathematisch und experimentell exakten, rational
fundierten Naturwissenschaften nennt Weber als erstes. Die kapitalistische Verwertbarkeit der Technik als ein
Ausfluss der okzidentalen Sozialordnung, deren wichtigste Bestandteile wiederum die rationale Struktur des Rechts
und der Verwaltung – also berechenbar – sind, führt Weber als Nächstes an (Bd. 1, S. 19).
An dieser Stelle macht er auf die Probleme aufmerksam, welche die Begriffe „rational“ und „irrational“ aufwerfen. Je
nachdem unter welchen Blickpunkten Handlungen betrachtet werden, können sie „rational“ bzw. „irrational“ sein
(Bd. 1, S. 20).
Für Weber kommt es zunächst darauf an, die besondere Eigenart des modernen okzidentalen Rationalismus zu
erkennen und ihre Entstehung zu erklären. Hierfür ist neben den ökonomischen Bedingungen das Augenmerk auf
„die Fähigkeit und Disposition der Menschen zu bestimmten Arten praktisch-rationaler Lebensführung“ (Bd. 1, S.
20/21) zu richten. Diese Lebensführung wird im Wesentlichen durch magische oder/und religiöse Mächte geformt,
die bestimmte ethische Pflichtvorstellungen entwickeln (Bd. 1, S. 21).
So stellt sich für Weber die Frage nach dem Zusammenhang zwischen modernem Wirtschaftsethos (= „Geist des
modernen Kapitalismus“) und religiöser Ethik. Ausgehend von der Behauptung, dass Kapitalbesitz und höhere
technische Arbeiter und Angestellte mehrheitlich protestantisch sind, konzentriert er sich auf die „rationale Ethik des
asketischen Protestantismus“. Hier beschreibt er dann die bemerkenswerten Parallelen insbesondere des
Berufsbegriffs und der Pflicht zur Genügsamkeit des asketischen Protestantismus, wie er u. a. bei Calvin zu finden
ist, mit den konstitutiven Bestandteilen des „modernen kapitalistischen Geistes“ Beruf und Erwerb als Selbstzweck.
Ein Beispiel soll die Bedeutung des Religiösen für die kapitalistische Entwicklung zeigen. Hier werden junge,
unverheiratete Frauen, die besonders schwer zu rationalem Arbeiten zu erziehen sind, anderen gegenübergestellt, die
pietistisch erzogen worden sind. Deren „zentrale Haltung: sich der Arbeit gegenüber verpflichtet zu fühlen, finden
sich hier besonders oft vereint mit strenger Wirtschaftlichkeit, die mit dem Verdienst und seiner Höhe überhaupt
rechnet, und mit einer nüchternen Selbstbeherrschung und Mäßigkeit, welche die Leistungsfähigkeit ungemein
steigert“ (Bd. 1, S. 53).
Weber versucht zu belegen, dass aus dem „Geist des Kapitalismus“ durch Einfluss – im Wesentlichen – der
protestantischen Ethik der „Geist des modernen Kapitalismus“ entstanden ist.
In diesem Zusammenhang ist die Frage: „Was war zuerst da: der „Geist des modernen Kapitalismus“ oder der
„moderne Kapitalismus“ von entscheidender Bedeutung. Ließe sich belegen, dass der Geist vor dem modernen
Kapitalismus eine bedeutende Verbreitung erfahren hat, wäre dies zu mindestens ein wichtiges Indiz für den Einfluss
des „Geistes“ auf die „Expansion“ des modernen Kapitalismus.
Weber behauptet, „das jedenfalls ohne Zweifel im Geburtsland Benjamin Franklins (Massachusetts) der
„kapitalistische Geist“ (in unserem hier angenommenen Sinn) vor der „kapitalistischen Entwicklung“ da war…“
Es liegt also, vom materialistischen Standpunkt aus betrachtet, eine Umkehr des Kausalverhältnisses, zumindest in
diesem Fall vor (Bd. 1, S. 46).
Weiterhin verweist Weber aber auch auf die starke Bedeutung des Religiösen für das alltägliche Leben im
Spätmittelalter und zu Beginn der Neuzeit (Bd.1, S. 166). Um den Zusammenhang von asketischem Protestantismus
und „Geist“ zu beleuchten, konzentriert er sich auf einen, seiner Meinung nach bedeutenden Prediger des 16.
Jahrhunderts, den englischen Puritaner Richard Baxter und dessen „Kompendium der puritanischen Moraltheologie“,
„Christian Directory“. Wichtige Elemente dieser Moraltheologie sind:
• die sittliche Gefahr der Versuchung durch Reichtum
• das Verwerfliche des Ausruhens auf dem vorhandenen Besitz
• das Tätigsein als Wille Gottes zur Mehrung seines Ruhmes
• Arbeit als alterprobtes asketisches Mittel (Bd. 1, S. 166 ff.);
aber „Nicht Arbeit an sich, sondern rationale Berufsarbeit ist eben das von Gott verlangte“ (Bd. 1, S. 171).
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
So trug, nach Weber, der Puritanismus „das Ethos des rationalen bürgerlichen Betriebs und der rationalen
Organisation der Arbeit“ (Bd. 1, S. 174)
Dieser Protestantismus verpflichtet den Einzelnen, zum Ruhme Gottes, Besitztum zu erhalten und durch rastlose
Arbeit zu vermehren – beides wesentliche Bestandteile des „modernen kapitalistischen Geistes“. In diesem
Zusammenhang weist Weber darauf hin, dass „die Genesis dieses Lebensstils“ in einzelnen Wurzeln, wie auch bei
anderen Bestandteilen, bis ins Mittelalter zurück reicht (Bd. 1, S. 179).
Für Weber ist aber nicht die bloße Begünstigung der Kapitalbildung die wichtigste Folge puritanischer
Lebensauffassung, sondern eine durch sie bedingte „Tendenz zu bürgerlicher, ökonomisch rationaler
Lebensführung“. Genau diese Lebensführung führt nach ihm zum „modernen Wirtschaftsmenschen“ als Träger der
kapitalistischen Expansion (Bd.1, S. 182).
Zur Zeit Webers hat sich die Ethik von ihren religiösen Fesseln befreit – der „kapitalistische Geist“ bedarf dieser
Stütze nicht mehr. Diese Entwicklung hatte der Mitbegründer der Methodisten, John Wesley, schon vorausgesehen.
Nachdem er feststellte, dass durch Religion Arbeitsamkeit und Sparsamkeit und somit auch Reichtum ganz
automatisch gefördert wurde, kommt er zu dem Schluss, dass auf diese Weise zwar die Form der Religion bleibt,
aber der Geist allmählich schwindet (Bd. 1, S. 183).
Kritik
Unmittelbar nach der Veröffentlichung entbrannte eine heftige Debatte über die Protestantische Ethik, die etwa fünf
Jahre dauerte. Bis zu Webers Tod 1920 war die zeitgenössische Wirkung Webers gering und beschränkte sich auf
den Kreis im Hause der Webers. Erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Weber stärker
wahrgenommen, vor allem durch Talcott Parsons, der Webers Werke ins Englische übersetzte. „Erst der
Heidelberger Soziologentag 1964 machte auch den deutschen Soziologen den Stand der internationalen
Weber-Rezeption deutlich.“[9]
Eine marxistische Kritik an Webers These der besonderen Rolle der protestantischen Ethik an den Ursprüngen und
bei der Entwicklung des Kapitalismus übte Henryk Grossmann in seinem Mitte der 30er Jahre im Zuge seiner Kritik
an Franz Borkenau verfassten und erst 2006 auf Englisch erstmals veröffentlichten Aufsatz „The Beginnings of
Capitalism and the New Mass Morality“. Der Calvinismus habe nicht, wie Weber annimmt, als Moral gedient, die
die Massen zur Akzeptanz der Lohnarbeit führen sollte, oder habe die Interessen der Bourgeoisie ausgedrückt.
Vielmehr sei er als eine Doktrin der Handwerkerschicht entstanden, welche den Kapitalismus aber nicht
hervorgebracht habe. Zudem sei der Kapitalismus bereits zwei Jahrhunderte vor dem Calvinismus in Italien ohne die
Mithilfe irgendeines religiösen Irrationalismus’ aufgetreten. Der entscheidende, durch Borkenau und Weber aber
vernachlässigte Aspekt bei der Erziehung zur Arbeitsdisziplin sei eher Zwang als Religion gewesen. Anhand der in
Marx’ Das Kapital vorgestellten Materialien zur Entwicklung des Kapitalismus in England, ergänzt um Beispiele aus
dem Frankreich des 17. Jahrhunderts, schließt Grossmann, dass Religion ganz allgemein als ein Instrument zur
Zähmung der Massen diene. Bestimmte Linien des Katholizismus wie der Molinistische Gehalt des Jesuitismus und
der Jansenismus seien besser für eine kapitalistische Massenmoral geeignet als der Protestantismus.[10]
Richard Sennett fasst in seinem Werk Der flexible Mensch die Protestantische Ethik zusammen und kritisiert sie. Er
schreibt: „Als Studie zur Wirtschaftsgeschichte steckt Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
voller Irrtümer. Als ökonomische Analyse umgeht sie seltsamerweise jede Betrachtung des Konsums als treibende
Kraft des Kapitalismus. Als Analyse eines charakterlichen Typus sind jedoch sowohl Absicht wie Ausführung
schlüssig. Das Arbeitsethos des getriebenen Menschen erscheint Max Weber nicht als Quelle menschlichen Glücks,
auch nicht als Grundlage psychischer Stärke. Der getriebene Mensch ist zu sehr unter der Last des Gewichts gebeugt,
das er der Arbeit zuzumessen gelernt hat. Disziplin ist ein Akt der Selbstverleugnung, sagt Michel Foucault, und
genauso erscheint sie in Webers Darstellung des Arbeitsethos.“[11]
Webers Hypothese, dass der Protestantismus die wirtschaftliche Entwicklung fördere, wurde von Davide Cantoni
anhand Daten zu 272 Städten des Heiligen Römischen Reiches im Zeitraum 1300–1900 empirisch getestet. Die
8
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Ergebnisse widersprechen Webers Theorie; der Protestantismus hatte keinen Einfluss auf Wachstum.[12]
Weiterentwicklungen
Chiapello und Boltanski versuchen in ihrem Buch Der neue Geist des Kapitalismus den aktuellen „Geist“ zu
ergründen und bezeichnen als „Geist des Kapitalismus eine Ideologie […], die das Engagement für den Kapitalismus
rechtfertigt.“[13]
Die Autoren unterscheiden drei historische Etappen des kapitalistischen Geistes. Die heroischen Aspekte des
Bourgeois des ausgehenden 19. Jahrhunderts „verdichten sich dabei in der Figur des Unternehmers, des
Hochstaplers, des Eroberers.“[14] Die zweite Phase erreichte nach ihnen in den Jahren zwischen 1930 und 1960 ihren
Höhepunkt. „Zentral ist hier das große, zentralisierte, durchbürokratisierte und gigantomanische
Industrieunternehmen.“[15] Der aktuelle „„dritte Geist“ [weise] Strukturmerkmale mit einem „globalisierten“ und
neue Technologien einsetzenden Kapitalismus auf“.[16]
Ausgaben
• Weber, Max: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie I (S. 1–206), Tübingen: J.C.B. Mohr 1920, 8.A 1988,
ISBN 3-16-845366-8
• Weber, Max: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Tübingen: J.C.B. Mohr 1934.
• Weber, Max: Die Protestantische Ethik I. Eine Aufsatzsammlung, hrsg. v. Johannes Winckelmann, Hamburg:
Siebenstern 1965, ab 5.A Gütersloh: GTB/Siebenstern 1979, ISBN 3-579-01433-1 [im Text als „Bd.1“]- Schon
lange nicht mehr lieferbar!
• Weber, Max: Die Protestantische Ethik II. Kritiken und Antikritiken, hrsg. v. Johannes Winckelmann, Hamburg:
Siebenstern 1968, ab 3. A Gütersloh: GTB/Siebenstern 1978, ISBN 3-579-03827-3 [im Text als „Bd.2“]- Schon
lange nicht mehr lieferbar!
• Weber, Max: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, Vollständige Ausgabe. Herausgegeben
und eingeleitet von Dirk Kaesler, 3. durchgeseh. Aufl. München: C.H. Beck 2010. ISBN 3-406-51133-3.
Literatur
• Seminar: Religion und gesellschaftliche Entwicklung. Studien zur Protestantismus-Kapitalismus-These Max
Webers. Hrg. von Constans Seyfarth u. Walter M. Sprondel. suhrkamp taschenbuch wissenschaft 38. Frankfurt
am Main 1. Aufl. 1973.
• Herbert Marcuse: Calvin und Luther. In: Institut für Sozialforschung (Hrsg.), Studien über Autorität und Familie.
Paris, 1936.
• Werner Sombart: Der Bourgeois. Zur Geistesgeschichte des modernen Wirtschaftsmenschen. München/Leipzig
1913, Neudruck 1920.
• Dirk Kaesler: Max Weber. Eine Einführung in Leben, Werk und Wirkung, Campus Verlag, Frankfurt am Main
³2003, ISBN 3-593-37360-2.
• Markus Lilienthal: Interpretation. Max Weber: Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus, in:
Interpretationen. Hauptwerke der Sozialphilosophie, Reclam, 2001, S. 94–107. ISBN 3-15-018114-3.
• Luc Boltanski, Eve Chiapello: Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz, 2003.
• Peter Ghosh: A Historian Reads Max Weber. Essays on the Protestant Ethic (Studies in Cultural and Social
Sciences), Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2008, ISBN 978-3-447-05777-6 (siehe dazu die Rezension [17] bei
H-Soz-u-Kult).
• Heinz Steinert: Max Webers unwiderlegbare Fehlkonstruktionen: Die protestantische Ethik und der Geist des
Kapitalismus, Frankfurt am Main /New York: Campus, 2010, ISBN 3-593-39310-7.
9
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus
Weblinks
•
•
•
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. [18] Bei: Zeno.org. (html)
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus. E-Book: Epub [19], Mobi [20]
Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie (1921) [21] auf Internet Archive
Bildet euch! [22], Die Zeit, 23. Dezember 2008: Der Bildungsökonom Ludger Wößmann hat den Zusammenhang
von Protestantismus und wirtschaftlichem Erfolg neu erforscht. Seine Erkenntnis: Der Soziologe Max Weber
hatte nur halb recht; Zugehörige Publikation: Sascha Becker und Ludger Wößmann: Was Weber Wrong? A
Human Capital Theory of Protestant Economic History, Quarterly Journal of Economics, 124.2 (2009), S.
531–596
Fußnoten
[1] „Die Überarbeitung besteht im Textteil im wesentlichen in Einfügungen, im Fußnotenteil in einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der
inzwischen erschienen Literatur, insbesondere mit den Arbeiten von Werner Sombart und Lujo Brentano.“ Wolfgang Schluchter, Die
Entstehung des modernen Rationalismus. Frankfurt am Main 1998, S. 273, Fußnote 1
[2] Dirk Kaesler, Max Weber. Eine Einführung in Leben, Werk und Wirkung, Frankfurt am Main ³2003, S. 99
[3] Dirk Kaesler a. a. O., S. 99f
[4] Dirk Kaesler a. a. O., S. 100 f.
[5] Luc Boltanski/Eve Chiapello: Der neue Geist des Kapitalismus, Konstanz, 2003, S. 605, Fußnote 11, sie verweisen auf ein Essay von H.
Bruhns, 1997, S. 105
[6] Dirk Kaesler a. a. O., S. 26. Auch Ferdinand Tönnies nahm daran teil.
[7] Dirk Kaesler a. a. O., S. 27
[8] Erfolg durch Arbeit zeugt von der Prädestination des Individuums, welcher somit zum strebenswerten Ideal wurde; wer nicht arbeitet,
verschleudert eine Gnadengabe, wer einem Bettler etwas gibt, hält ihn davon ab – was passiv dem „Geist“ des Kapitalismus entsprach.
[9] Dirk Kaesler a. a. O., S. 257
[10] Rick Kuhn: Introduction to Henryk Grossman’s critique of Franz Borkenau and Max Weber, in Journal of Classical Sociology 6(2) July
2006, Preprint online (http:/ / www. marxists. org/ archive/ grossman/ 1934/ beginnings. htm) (englisch)
[11] Richard Sennett: Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus., Wiesbeck, 2000, S. 141f
[12] Davide Cantoni: The Economic Effects of the Protestant Reformation: Testing the Weber Hypothesis in the German Lands. Job Market
Paper, Harvard University, 10. November 2009. (http:/ / www. people. fas. harvard. edu/ ~cantoni/ cantoni_jmp_2_7_1. pdf) (PDF; 689 kB)
[13] Luc Boltanski/Eve Chiapello a. a. O., S. 43
[14] Luc Boltanski/Eve Chiapello a. a. O., S. 54
[15] a. a. O., S. 55
[16] a. a. O., S. 57
[17] http:/ / hsozkult. geschichte. hu-berlin. de/ rezensionen/ id=14306& count=3& recno=1& type=rezbuecher& sort=datum& order=down&
search=peter+ ghosh
[18] http:/ / www. zeno. org/ Soziologie/ M/ Weber,+ Max/ Schriften+ zur+ Religionssoziologie/ Die+ protestantische+ Ethik+ und+ der+ Geist+
des+ Kapitalismus
[19] http:/ / www. mobileread. com/ forums/ showthread. php?t=210263
[20] http:/ / www. mobileread. com/ forums/ showthread. php?p=2476373#post2476373
[21] http:/ / www. archive. org/ details/ gesammelteaufs03webeuoft
[22] http:/ / www. zeit. de/ 2009/ 01/ C-Interview-Woessmann
Normdaten (Werk): GND: 4315154-1 (http://d-nb.info/gnd/4315154-1)
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Quelle(n) und Bearbeiter des/der Artikel(s)
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Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus Quelle: http://de.wikipedia.org/w/index.php?oldid=125606783 Bearbeiter: 2bears, A Ruprecht, AHZ, Abc2005, Aka,
AndreasPraefcke, Anima, Anwiha, Baumfreund-FFM, Bibonius, BlueCücü, C.Löser, Carolin, Cherubino, ChristophDemmer, Christophorus77, Citoyenne, DHHD, Darev, Das .:X, DerHexer,
Dirk Kaesler, Eintragung ins Nichts, Encyclopedist, Engelbaet, Ephraim33, Erdbeermaeulchen, FelMol, Fossa, Franzedlmayr, Gerd Roppelt, Gerd Taddicken, Grenzgänger, Hao Xi, Harry
Plümacher, He3nry, Irmgard, Iromeister, Ixitixel, KWa, KaPe, Kai-Hendrik, Katach, Korinth, Kranich52b, Kurt Jansson, Livani, MARVEL, MFM, MarcoBorn, Meffo, Mychajlo, Ossipro, Ot,
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and satisfy these conditions, can be treated as verbatim copying in other respects.
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If you publish or distribute Opaque copies of the Document numbering more than 100, you must either include a machine-readable Transparent copy along with each Opaque copy, or state in or with each Opaque copy a
computer-network location from which the general network-using public has access to download using public-standard network protocols a complete Transparent copy of the Document, free of added material. If you use the latter
option, you must take reasonably prudent steps, when you begin distribution of Opaque copies in quantity, to ensure that this Transparent copy will remain thus accessible at the stated location until at least one year after the last time
you distribute an Opaque copy (directly or through your agents or retailers) of that edition to the public.
It is requested, but not required, that you contact the authors of the Document well before redistributing any large number of copies, to give them a chance to provide you with an updated version of the Document.
4. MODIFICATIONS
11
Lizenz
12
You may copy and distribute a Modified Version of the Document under the conditions of sections 2 and 3 above, provided that you release the Modified Version under precisely this License, with the Modified Version filling the role
of the Document, thus licensing distribution and modification of the Modified Version to whoever possesses a copy of it. In addition, you must do these things in the Modified Version:
•
A. Use in the Title Page (and on the covers, if any) a title distinct from that of the Document, and from those of previous versions (which should, if there were any, be listed in the History section of the Document). You may use
the same title as a previous version if the original publisher of that version gives permission.
B. List on the Title Page, as authors, one or more persons or entities responsible for authorship of the modifications in the Modified Version, together with at least five of the principal authors of the Document (all of its principal
authors, if it has fewer than five), unless they release you from this requirement.
•
C. State on the Title page the name of the publisher of the Modified Version, as the publisher.
•
D. Preserve all the copyright notices of the Document.
•
E. Add an appropriate copyright notice for your modifications adjacent to the other copyright notices.
•
F. Include, immediately after the copyright notices, a license notice giving the public permission to use the Modified Version under the terms of this License, in the form shown in the Addendum below.
•
G. Preserve in that license notice the full lists of Invariant Sections and required Cover Texts given in the Document's license notice.
•
H. Include an unaltered copy of this License.
•
I. Preserve the section Entitled "History", Preserve its Title, and add to it an item stating at least the title, year, new authors, and publisher of the Modified Version as given on the Title Page. If there is no section Entitled
"History" in the Document, create one stating the title, year, authors, and publisher of the Document as given on its Title Page, then add an item describing the Modified Version as stated in the previous sentence.
•
J. Preserve the network location, if any, given in the Document for public access to a Transparent copy of the Document, and likewise the network locations given in the Document for previous versions it was based on. These
may be placed in the "History" section. You may omit a network location for a work that was published at least four years before the Document itself, or if the original publisher of the version it refers to gives permission.
•
K. For any section Entitled "Acknowledgements" or "Dedications", Preserve the Title of the section, and preserve in the section all the substance and tone of each of the contributor acknowledgements and/or dedications given
therein.
•
L. Preserve all the Invariant Sections of the Document, unaltered in their text and in their titles. Section numbers or the equivalent are not considered part of the section titles.
•
M. Delete any section Entitled "Endorsements". Such a section may not be included in the Modified Version.
•
N. Do not retitle any existing section to be Entitled "Endorsements" or to conflict in title with any Invariant Section.
•
O. Preserve any Warranty Disclaimers.
If the Modified Version includes new front-matter sections or appendices that qualify as Secondary Sections and contain no material copied from the Document, you may at your option designate some or all of these sections as
invariant. To do this, add their titles to the list of Invariant Sections in the Modified Version's license notice. These titles must be distinct from any other section titles.
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Back-Cover Text may be added by (or through arrangements made by) any one entity. If the Document already includes a cover text for the same cover, previously added by you or by arrangement made by the same entity you are
acting on behalf of, you may not add another; but you may replace the old one, on explicit permission from the previous publisher that added the old one.
The author(s) and publisher(s) of the Document do not by this License give permission to use their names for publicity for or to assert or imply endorsement of any Modified Version.
•
5. COMBINING DOCUMENTS
You may combine the Document with other documents released under this License, under the terms defined in section 4 above for modified versions, provided that you include in the combination all of the Invariant Sections of all of
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The combined work need only contain one copy of this License, and multiple identical Invariant Sections may be replaced with a single copy. If there are multiple Invariant Sections with the same name but different contents, make the
title of each such section unique by adding at the end of it, in parentheses, the name of the original author or publisher of that section if known, or else a unique number. Make the same adjustment to the section titles in the list of
Invariant Sections in the license notice of the combined work.
In the combination, you must combine any sections Entitled "History" in the various original documents, forming one section Entitled "History"; likewise combine any sections Entitled "Acknowledgements", and any sections Entitled
"Dedications". You must delete all sections Entitled "Endorsements".
6. COLLECTIONS OF DOCUMENTS
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You may extract a single document from such a collection, and distribute it individually under this License, provided you insert a copy of this License into the extracted document, and follow this License in all other respects regarding
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7. AGGREGATION WITH INDEPENDENT WORKS
A compilation of the Document or its derivatives with other separate and independent documents or works, in or on a volume of a storage or distribution medium, is called an "aggregate" if the copyright resulting from the compilation
is not used to limit the legal rights of the compilation's users beyond what the individual works permit. When the Document is included in an aggregate, this License does not apply to the other works in the aggregate which are not
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8. TRANSLATION
Translation is considered a kind of modification, so you may distribute translations of the Document under the terms of section 4. Replacing Invariant Sections with translations requires special permission from their copyright holders,
but you may include translations of some or all Invariant Sections in addition to the original versions of these Invariant Sections. You may include a translation of this License, and all the license notices in the Document, and any
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this License or a notice or disclaimer, the original version will prevail.
If a section in the Document is Entitled "Acknowledgements", "Dedications", or "History", the requirement (section 4) to Preserve its Title (section 1) will typically require changing the actual title.
9. TERMINATION
You may not copy, modify, sublicense, or distribute the Document except as expressly provided for under this License. Any other attempt to copy, modify, sublicense or distribute the Document is void, and will automatically terminate
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10. FUTURE REVISIONS OF THIS LICENSE
The Free Software Foundation may publish new, revised versions of the GNU Free Documentation License from time to time. Such new versions will be similar in spirit to the present version, but may differ in detail to address new
problems or concerns. See http:/ / www. gnu. org/ copyleft/ .
Each version of the License is given a distinguishing version number. If the Document specifies that a particular numbered version of this License "or any later version" applies to it, you have the option of following the terms and
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If you have Invariant Sections, Front-Cover Texts and Back-Cover Texts, replace the "with...Texts." line with this:
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If your document contains nontrivial examples of program code, we recommend releasing these examples in parallel under your choice of free software license, such as the GNU General Public License, to permit their use in free
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