PDF - Vorwerk Teppich

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PDF - Vorwerk Teppich
VORWERK TEPPICH
DIALOG #4 People Projects Culture
April 2011 DIALOG
über BodenArchitektur
„Architektur muss brennen.“
ein gespräch mit Wolf D. Prix.
“Architechture has to burn.” An interview with Wolf D. Prix.
Vorwerk Teppich auf Den
Messen 2011 – Ein Resümee.
Vorwerk Carpets at expositions in 2011 – A summary.
Wer sind wir? Das „multiversum“
der Künstlerin Heike Weber.
Who are we? The “Multiversum” by artist Heike Weber.
Editorial
01 INterview
S.04
Architektur muss brennen.
ein gespräch mit Wolf D. Prix.
P. 04 “Architechture has to burn.” An interview with Wolf D. Prix.
VORWERK TEPPICH
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Zuschnitt von Heike Webers „Multiversum“
Cut-out from Heike Weber’s “Multiversum”
02 Transflooring
S.08
Vorwerk Teppich auf
Den Messen 2011 – Ein Resümee.
P. 08 Vorwerk Carpets at expositions in 2011 – A summary.
03 Art Commitment
S.12
Wer sind wir? Das „multiversum“
der Künstlerin Heike Weber.
Wolf D. Prix generiert ihn, wir verwandeln ihn, Heike Weber schneidet
ihn aus: den Teppichboden.
P. 12 Who are we? The “Multiversum” by artist Heike Weber.
Heike Weber „Kilims“, 2008, Galerie Lisi Hämmerle, Bregenz
04 Recent Projects
S.16
Unser neuer Internetauftritt.
P. 16 Our new internet presentation.
„Wenn Sie einen Menschen beschreiben lassen, was er zuerst in einem Raum gesehen hat, werden Sie sehen, dass der Blick nicht a priori gegen die Decke gerichtet
ist, sondern vielmehr Wand und Boden als Einheit wahrnimmt oder den Kontrast
zwischen Wand, Decke und Boden.“ So beschreibt Wolf D. Prix die Wahrnehmung
der Raumarchitektur. Und so allgemeingültig seine Beobachtung zu sein scheint, so
unterschiedlich sind die Möglichkeiten, Boden zu gestalten. In einem ausführlichen
Interview, das die Journalistin Lilli Hollein für die DIALOG mit ihm führte, spricht
Wolf D. Prix über komplexe Systeme, computergenerierte Teppichfliesen und die
Verwandlung des Bodens – in Himmel (S. 4).
Die Verwandlung des Bodens war auch Thema unserer diesjährigen TRANS­
FLOORING TOUR. Auf der DOMOTEX, der BAU, der imm cologne und dem Design
Parcours der Kölner PASSAGEN haben wir uns mit einer vielschichtigen Besucherschaft unterhalten: Architekten, Händlern, Branchenkennern, Medienvertretern.
Wie schon im Vorjahr herrschte eine beflügelte Stimmung voller angeregter Ge­
spräche. Wir ziehen ein kurzes Resümee und zeigen ein paar Eindrücke (S. 8).
In der Rubrik ART COMMITMENT möchten wir Sie anschließend in das Museum
Marta Herford führen. Anlässlich der Ausstellung „Wir sind Orient – Zeitgenös­
sische Arabesken“ hatte das Museum u. a. die Künstlerin Heike Weber eingeladen,
der Frage nach typisch europäisch und typisch „orientalisch“ nachzugehen. Das Ergebnis: eine Raum-Skulptur namens „Multiversum“, die den Boden und die Wände­
eines der Ausstellungsräume mit einem blutroten Teppichboden-Scherenschnitt
(unserem Velours-Klassiker Modena) überzog. Wir haben mit Heike Weber über ihre
Arbeit gesprochen und dabei erfahren: Sie malt mit Teppichboden (S. 12).
Übrigens: Unsere Design-Fliesenkollektionen SCALE und FreeSCALE wurden ge­rade­
mit dem „Focus in Silber“ ausgezeichnet. Die Jury des internationalen Design­preises­
Baden-Württemberg, Focus Open 2010, war von den „Mosaikmöglichkeiten“ des
Systems und dem sich daraus ergebenden „Gestaltungsfreiraum“ für Architekten
überzeugt. Wir hoffen, Sie sind dies auch. Fragen Sie uns! Sprechen Sie uns an!
Oder besuchen Sie unsere – in Kürze vollständig überarbeitete – Website auf
www.vorwerk-teppich.de! Ein Vorgeschmack finden Sie auf der Rückseite.
Ihr Johannes Schulte,
Geschäftsführer Vorwerk Teppichwerke
Wolf D. Prix generates it, we transform it, Heike Weber cuts it out:
The Carpet.
“If you have a person describe what they saw first in a room, you’ll see that their
gaze is not directed a priori towards the ceiling but all the more so towards perceiving wall and floor as a unit or the contrast between wall, ceiling and floor.” That’s
how Wolf D. Prix describes the perception of room architecture. And as universal as
his observation appears to be, the possibilities to design a floor are just as varied. In
an exhaustive interview that journalist Lilli Hollein conducted with him for DIALOG,
Wolf D. Prix talks about complex systems, computer-generated carpet tiles and the
transformation of the floor – in the sky (p. 4).
The transformation of the floor was also the theme of our TRANSFLOORING TOUR
this year. We talked with a multifaceted visiting public at the DOMOTEX, BAU
and imm cologne trade fairs, and on the concourse at the exhibition PASSAGEN
in Cologne. Architects, retailers, industry cognoscenti, media representatives...
As with the year before, an inspired mood full of animated discussions reigned.
We offer a brief summary and show a few impressions (p. 8).
In the column ART COMMITMENT we would like to follow up by taking you to
the Museum Marta Herford. On the occasion of the “We are Orient – Contemporary
Arabesques” exhibition the museum had invited artist Heike Weber, among others,
to pursue the issue of what is typically European and typically ‘Oriental’. The result:
a spatial sculpture called “Multiversum” that covered the floor and walls of one of
the exhibition halls with a blood-red carpet cut-out (our velours classic, Modena). We
talked with Heike Weber about her work and learned: She paints with carpets (p. 12).
By the way: Our design tile collections SCALE and FreeSCALE were recently
awarded the “Focus in Silber”. The jury at Focus Open 2010, the international
prize for design given by the State of Baden-Württemberg, was convinced by the
system’s­“mosaic possibilities” and resulting “design leeway” for architects.
We hope that you are, too. Ask us! Talk to us! Or visit our – soon to be completely
revised – website at www.vorwerk-carpet.com! A taste of what’s to come
can be found on the last page.
Johannes Schulte,
CEO Vorwerk Teppichwerke
INterview
VORWERK TEPPICH
Ob man die Parallelen mit Fußball,
Hirnforschung oder der Musik von
den Rolling Stones zieht,
„Architektur
muss
brennen“
Text: Lilli Hollein
formulierten Coop
Himmelb(l)au
1980.
Und heute?
Ein Gespräch mit
Wolf D. Prix.
Das vollständige Interview als Video auf:
The complete interview as video at:
www.vorwerk-teppich.de
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INterview
VORWERK TEPPICH
Heute genießt das 1968 von Wolf D. Prix gemeinsam mit Helmut Swiczinsky gegründete Architekturbüro Weltruhm. Nach Jahren kleiner, aber aufsehenerregender Projekte, wird derzeit eine Vielzahl
an Bauaufgaben realisiert und abgewickelt, dennoch hat Wolf Prix seinen Blick stets auch auf etwas
anderes gelenkt: auf die Architektur der Zukunft.
Lilli Hollein: Wir sitzen hier vor Ihrem
eben im Taschen Verlag erschienen
catalogue raisonné “Coop Himmelb(l)au,
complete works 1968-2010”. Nach
vielen Jahren ungebauter, visionärer
Projekte ist für das Büro zuletzt die Zeit
der Visionen, die umgesetzt werden
konnten, angebrochen. Kommt nun die
Zeit einer neuen Utopie?
Wolf D. Prix: Es ist eine gute Zeit für
Utopien. Vor 10 Jahren hätte ich ge­sagt, ich wollte kein Jungarchitekt
mehr sein, weil sich unser Berufsbild
gewandelt hat, zum Schlechteren, wie
ich meine, aber jetzt ist wieder eine
gute Zeit für Utopien, aber nicht in
formale, sondern in soziale Richtung
gedacht: dass man gesellschaftspoli­
tische Utopien verkleidet in Architektur
der Öffentlichkeit vorstellt. Man sieht
ja, dass Großprojekte, Ideen, die nicht
sofort verstanden werden, oft bekämpft­
werden. Von den Bürgern, die Mitbestimmung, Mitspracherecht verlangen
für Entscheidungen, die zum Teil so
komplex sind, dass sie in kurzer Zeit
nicht erklärt werden können.
Das bringt mich zu einer anderen Idee:
Ich habe mich vor kurzem mit einem
Systemforscher über komplexe Systeme
unterhalten. Mir wurde gesagt, dass
komplexe Systeme – und unsere Gesell­­schaft ist ein solches – so differenziert
sind, dass sie immer komplexer
werden. Komplexe Systeme verlangen
folglich nach komplexen Lösungen,
einfache Lösungen würden nicht mehr
zum Erfolg führen und komplexe
Lösungen haben den Nachteil, dass sie
nie optimal sind. Sie haben also nicht
nur Vorteile, sondern wie jeder Vorteil
auch Nachteile. Daher ist es sehr
schwierig, diese Lösungen einfach zu
kommunizieren, es geht gar nicht!
Diese Lösungen haben aber den Vorteil,
dass sie neu sind. Einfache Lösungen
wie JA/NEIN sind nicht neu, sie sind
beharrend. Das ist die Schwierigkeit.
Ich glaube das wäre die Gelegenheit
für junge Architekturschaffende, sich
intensiv mit diesem Problem auseinanderzusetzen und Vorschläge zu bringen,
welche Plattformen wir benützen
sollten, um solche Problemlösungen
kommunizieren, zu können. Es ist tatsächlich eine Zeit, die danach verlangt.
Wenn man die Zeitungen liest, sieht
man: Es wird den Politikern vorgeworfen, dass sie keine Lösungen anbieten,
dass sie keine Veränderungen provo­
zieren. Das hat den Grund, dass sie sich
fürchten, diese komplexen Lösungen,
die eben auch Nachteile haben, zu
kommunizieren und daher mit den
Medien an der Oberfläche surfen – und
das führt zu Missverständnissen.
LH: Ist die Entwicklung auch dahingehend, dass nicht die Architektur die
Lösung ist, sondern multidisziplinäres
Nachdenken und Zusammenwirken
über die Lösung komplexer Probleme?
WP: Wenn man den Architekten, die
Architektin als Strategen begreift, dann
ist es so. Wenn man nur Erfüllungsgehilfe der Wünsche des Bauherren ist,
dann ist es nicht so. Wenn wir uns zu
Erfüllungsgehilfen machen, dann manövrieren wir uns ins Abseits.
Ich denke, dass die Architektinnen
und Architekten der Zukunft strategisch
denken können müssen, um eben
diese komplexen Lösungen anpeilen
zu können.
LH: Um nochmal auf die Komplexität
in der Kommunikation und einem
politischen Umfeld zurückzukommen: Nach anfänglichen Vorbehalten haben Sie sich nun doch
entschlossen, in China zu bauen.
Die Region gilt für europäische
Architekturschaffende durchaus als
schwieriges Terrain. Hat sich die
Situation entschärft, oder ist es das
sportliche „Dabei sein ist alles“?
WP: Da gibt es ein Missverständnis. Es
gab den Vorwurf an Kollegen, dass sie
für ein autoritäres System bauen. Das
geht ins Leere, Brunelleschi hat damals
auch für ein sehr autoritäres System,
nämlich für die katholische Kirche, ein
großartiges Bauwerk, nämlich die
Kuppel von Florenz, geschaffen. Wir
waren nicht nur skeptisch, wir haben
auch schlechte Erfahrungen gemacht in
China. Aber mittlerweile hat sich China
gewandelt und auch das Bild der
Architektur. Wir können dort machen,
was wir uns vorstellen. Wir können
auch den Auftraggeber überzeugen,
von Dingen, die er ursprünglich nicht
wollte. Man wollte, dass wir systemkonform bauen, und viele haben sich
das gefallen lassen. Unsere Bauten
und die von Rem Koolhaas, Herzog &
de Meuron oder auch von Steven Holl
sind aber sicher nicht systemkonform,
sondern sie sind wie Viren in einem
Gewebe. Wir hoffen, dass sich dieser
Virus einer offenen Architektur weiterverbreitet. Kontraproduktiv ist es, wenn
man sich anbiedert um des Auftrages
Willen. Wir haben das nicht gemacht
und deshalb auch Schwierigkeiten
gehabt. Aber jetzt ist es soweit, dass
unsere formale Sprache und die
funktionellen Ideen, die wir bringen,
akzeptiert werden.
LH: Eine dicke Haut braucht man ja
nicht nur in dieser Region, auch Bauen
in Europa ist ja nicht immer eine
einfache Sache.
Pavillon/Pavilion 21 MINI Opera Space,
München/Munich
WP: Man spricht in Österreich und
Deutschland gerne von Baukultur
und meint dann Architektur als formale
Übung. Baukultur ist die Kultur am Bau
und die ist tatsächlich nicht vorhanden.
Das ist mörderisch, fast ein Krieg auf
der Baustelle, wo gewisse Berufszweige
dazu da sind, Schuldzuweisungen zu
verteilen, um dann nachher, nachdem
sie keine Verantwortung übernommen
haben, immer Recht zu haben. Das ist
das, wogegen ich mich wende. Es gibt
aber ein Licht am Horizont: Es gibt eine
neue Planungsmethode, die dem
Architekten die Kontrolle zurück gibt
und es ihm ermöglicht, die Änderungen
auf der Baustelle wirklich kontrolliert
nachzuvollziehen. Er muss sich nicht
mehr durch Zeit- und Kostendruck
beirren lassen, sondern wird
all dies steuern können.
Building Information Modeling
heißt die Software, die auch
Frank Gehry verwendet.
LH: Ein Werkzeug, das in Anbetracht
der Abwicklung von komplexen
Großprojekten wie der Europäischen
Zentralbank (EZB) in Frankfurt wohl
ge­rade zur rechten Zeit kommt. Wie
läuft das Projekt EZB?
WP: Für die EZB sind wir dabei –
in guter Zusammenarbeit mit
Vorwerk – einen Teppich­
boden zu entwickeln.
Es ist ein Teppich
für verschiedene
Bereiche, der,
5
obwohl er nur aus wenigen Teilen
besteht – Teppichfliesen wenn man so
will –, unterschiedliche Anordnungen
zulässt. Diese werden über den Computer generiert. Wir machen bei der EZB
sozusagen eine Computertomographie
des Bodens, die übersetzt wird in
verschiedenste Muster und Farben.
Das ist übrigens ein Thema: Räume, die
nicht zur Ermüdung führen. Wir haben in
den 1970er Jahren ein Forschungsprogramm absolviert, wo wir das Wohlfühlelement in einem Raum analysiert
haben. Wohlfühlen, Konzentration und
Lebendigkeit werden beeinflusst nicht
nur von der Raumform – was man ja
gerne vergisst –, sondern auch von einer
differenzierten Atmosphäre. Das heißt:
Gleichförmiges Licht, gleichförmige
Farben, gleichförmige Blickpunkte lassen
den Menschen schneller ermüden als ein
so genanntes Reizklima. Nur dieselbe
Temperatur in einer Wohnung ist furchtbar, in einem Raum Wärme, in einem
anderen kälter, das macht munter.
Licht ohne Spots dazwischen führt
zur Ermüdung. Dasselbe gilt auch
für den Boden. Der Boden ist
ein ganz wichtiges Thema in
der Architektur, man nimmt
den Boden eher wahr als
die Decke. Und Vorwerk
ist eine progressiv
denkende Firma, die
in Zusammenarbeit
mit berufenen Leuten das Thema
Boden weiterentwickelt.
INterview
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VORWERK TEPPICH
Wenn Sie einen Menschen beschreiben
lassen, was er zuerst in einem Raum
gesehen hat, werden Sie sehen, dass
der Blick nicht a priori gegen die Decke
gerichtet ist, sondern vielmehr Wand
und Boden als Einheit wahrnimmt oder
den Kontrast zwischen Wand, Decke
und Boden.
Außerdem wird der Boden in der neuen
Architektur anders definiert als nur
„eben“. Der Boden vermittelt uns das
Gefühl der Standfestigkeit, Gleichgewicht vermittelt Sicherheit. Wenn ich
nun also einen schiefen Boden habe,
entsteht ein anderes Gefühl, ebenso
ist es mit weichem Boden und hartem
Boden, steinigem Untergrund und
ähnlichem. All das sind Themen, die in
der Architektur immer wichtiger werden,
im Sinne des Reizklimas. Wir haben
Aspekte dieser Thematik formuliert,
als wir in Zusammenarbeit mit Vorwerk
einen Teppich gemacht haben, der
eigentlich ein Bild war, das an der Wand
hängt. Oder eine Zeichnung von mir,
die wir im Teppich gespiegelt haben
(Anm.: Dialog Art Collection, 1991, und
Pieces, 2004). Der Boden war also Wand.
Als weiteren Schritt in die Verunsicherung könnte ich mir vorstellen, den
Boden als Himmel auszubilden. Gespiegelter Himmel so wie in den Barock­
kirchen, die Auflösung der Architektur
in den Himmel. Barockarchitektur war
übrigens die erste Medienarchitektur. Der nächste Schritt wäre
also, dass man den
Boden nicht mehr
existieren
lässt.
LH: Ähnliche Umbrüche in der Wahrnehmung unseres Umfelds planen Sie auch
mittels neuer Ansätze und den damit
verbundenen Werkzeugen für eine Entwicklung der Städte.
WP: Wir beschäftigen uns mit neuen
Ideen der Stadtplanung, etwa dem Ersatz
der Baufluchtlinie durch Energielinien.
Außerdem beobachten wir interessante
Resultate, wenn wir den Vergleich
zwischen Wachstum und den Funktionen
unseres Gehirns und einer Stadt machen. Die Funktionen einer Synapse und
die Organisation unseres Gehirns sind
als assoziatives Vorbild für gewisse
Entscheidungsvorgänge in der Stadt­
planung vorstellbar.
Ein Flächenwidmungsplan ist meiner
Meinung nach ein altertümliches
Planungsinstrument. Ich glaube auch
nicht, dass man das durch Raumplanung
ersetzen kann, sondern dass man da
andere Methoden verwenden muss, die
nur über die Maschine Computer generiert werden können. Eine Stadtbezirk
etwa: Was muss ich tun, damit der nicht
überaltert? Was für Maßnahmen muss
ich setzen? Schulen bauen, Kindergärten, Parkflächen schaffen. Was hat das
für Auswirkungen auf das Steuereinkommen des Bezirks? Wie können diese
Geldmittel für den Ausbau des Verkehrsnetzes verwendet werden, und wie wird
dieser Geldfluss sich verändern, wenn
man integrative Momente in diesem
Bezirk festsetzen kann? All das kann man
als Szenarien ausbilden und diese
sollten als Entscheidungsgrundlage für
Politiker dienen. Diese Parameter sind
nicht nur Architektur, Stadtraum,
sondern auch Migration, Geldfluss,
Verkehrsfluss, Energiefluss, die mit
parametrischen Designtools entwickelt
und gelenkt werden können.
LH: Es ist beeindruckend, wie es Ihnen
gelingt, neben den derzeit im Bau- und
Projektstadium befindlichen Großprojekten, die Ihr rapide gewachsenes Büro
beschäftigen, auch solche Forschungsprojekte weiterzutreiben.
Wie viel Zeit von Ihnen persönlich geht
denn noch in Entwurf und Nachdenken
über Architektur?
WP: Viel! Das ist der Vorteil von heute.
Ein Architekturbüro, wo der Architekt
alles kann, sowohl rechtlich, finanziell,
entwerfen, die Firmen im Griff halten –
das ist ja heute ein Ding der Unmöglichkeit, das ist 19. Jahrhundert.
Das ist – „leider“ – vorbei. Die Größe der
Projekte lässt das auch nicht mehr zu.
Architektur heute, ein Büro heute kann
man mit einer Fußballmannschaft
vergleichen: Es besteht aus Teamspielern, die ins Team kommen, weil sie
gewisse Posten besonders gut spielen
können und sich austauschen. Dieses
Team arbeitet gemeinsam an einem
Projekt, aber es gibt einen, der den
genialen Pass gibt, der dann zum Tor
führt. Und in dieser Rolle sehe ich mich.
Das macht die Erfahrung.
„Der nächste
Schritt wäre, dass
man den Boden
nicht mehr
existieren lässt.“
Today the bureau for architecture founded jointly
back in 1968 by Wolf D. Prix and Helmut Swiczinsky
is world-famous. After years of small but attentiongetting projects, quite a few construction contracts
are currently being enacted and completed. Yet
Wolf Prix always has an eye focused on something
else, too: on the architecture of the future.
Whether parallels are drawn
to football, brain research
or the Rolling Stones’ music,
“Architecture has to burn”
COOP HIMMELB(L)AU stated in 1980.
And today?
An interview with Wolf D. Prix.
Lilli Hollein: We’re sitting here in front of
your catalogue raisonné, “Coop Himmel­
b(l)au, complete works 1968-2010”,
which has just been released by your
publisher, Taschen Verlag. After many
years of never-built visionary projects,
the era of visions that were able to be
enacted has finally dawned for the firm.
Has the time come for a new utopia?
Wolf D. Prix: It’s a good time for utopias.
10 years ago I would have said I don’t
want to be a young architect any more
because the image of our occupation
has changed, in my opinion for the
worse. But now it’s a good time for
utopias again, not in a formal line of
thought but in a social mindset: socio­
political utopias are presented to the
general public disguised in architecture.
We see that large-scale projects, ideas
that are not immediately understood,
are often fought against. By citizens who
demand co-determination, the right to
have their say regarding decisions, some
of which are so complex that they can’t
be explained in a short time. Which
brings me to another idea: I recently
talked with a systems researcher about
complex systems. I was told that
complex systems – and our society is
one of them – are so differentiated that
they are becoming more and more
complex. Complex systems consequently call for complex solutions. Simple
solutions would no longer lead to
success, and complex solutions have
the disadvantage that they are never
optimal. In other words, they not only
have advantages, but just like any
advantage there are disadvantages, too.
That makes it very difficult to communicate these solutions simply: It doesn’t
work at all! Then again, these solutions
have the advantage that they are new.
Simple solutions like YES/NO aren’t
new, they’re inert. That’s the difficulty.
I think this would be the opportunity for
young people creating architecture to
examine this problem intensely with a
critical eye and bring up suggestions as
to which kinds of platforms we should
use in order to be able to communicate
problem-solving solutions. It truly is a
time that calls for this. When you read
the newspapers you see: Politicians are
accused of not offering any solutions, of
not provoking any kinds of changes. The
reason for this is that they’re afraid to
communicate that these complex
solutions have their disadvantages as
well, which is why they surf along the
surface together with the media – and
that leads to misunderstandings.
LH: Is this development also headed
in the direction that architecture
is not the solution when it comes to
solving complex problems, but
multi­disciplinary reflection and inte­r­
action instead?
INterview
WP: If the architect is understood as a
strategist, then that’s true. But if you’re
only a kind of vicarious agent for the
builder’s wishes, then it’s not. If we turn
ourselves into mere accomplices, then
we manoeuvre ourselves onto the
sidelines. I think that the architects of
the future, both men and women, have
to be able to think strategically in order
to be able to target precisely these
kinds of complex solutions
LH: Going back to the complexity in
communication and the political environment again: Following initial reservations you have now decided to build in
China, after all. For European ‘architecture-creators’, the region is definitely
viewed as difficult terrain. Has the
situation toned down, or is it more a
sporty ‘taking part is all that counts’?
VORWERK TEPPICH
a tool that has certainly come at the
right time. How is the ECB project
progressing?
WP: We’re designing a carpet for the
ECB in the course of a smoothly running
co-operation with Vorwerk. It’s a carpet
for various areas, and although it
consists of only a few segments – carpet
tiles, you could say – it allows various
arrangements. These are generated via
computer. We’re making a computed
tomogram of the floor at the ECB, so to
speak, which is then translated into the
“The next
step would be
not to let the
floor exist any
more.”
WP: We’re occupying ourselves with
new ideas in urban planning, for instance replacing the building alignment
with energy lines. Apart from that, we’re
seeing interesting results when we make
the comparison between growth and
the function of our brain and that of a
city. The functions of a synapse and the
organisation of our brain are conceivable
as an associative role model for certain
decision-making occurrences in urban
planning. In my opinion, a zoning plan
is an outdated planning instrument. Nor
do I believe that it can be replaced by
spatial planning. Other methods have to
be used there that can only be generated
via the machine called a computer. An
urban district, for example: What do I
have to do so that it doesn’t get ‘too old’
as a whole? What kind of measures
do I have to take? Build schools, kinder­
gartens, create parking areas. What
kind of impacts does that have on the
district’s tax revenue? How can these
funds be used to expand the traffic
network, and how is this flow of money
going to change when integrative
moments can be established in that
district? All that can be formed into
scenarios, and they should serve as the
basis for politicians’ decision-making.
These parameters are not only architecture and urban space, they include
migration, money flow, traffic flow and
energy flow, too. All of which can be
developed and guided using parame­t­
rical design tools.
LH: That region isn’t the only one where
you need a thick skin. Building in Europe
isn’t always a simple matter, either.
LH: Keeping the completion of complex,
large-scale projects like the European
Central Bank (ECB) in Frankfurt in mind,
with Vorwerk that was basically a picture
hanging on the wall. Or a drawing I
made that we mirrored in a carpet (Note:
Dialog Art Collection, 1991, and Pieces,
2004). In other words, the floor was the
wall. As a further step into ‘insecurity’
I could picture forming the floor as the
heavens. Mirrored heavens like they
have in Baroque churches, the dissolution of architecture in the sky. By the
way, Baroque architecture was the first
media architecture. The next step would
be not to let the floor exist any more.
LH: You’re also planning upheavals of a
similar nature in how we perceive our
surroundings by using new approaches
and the tools associated with them
to­wards urban development.
WP: A misunderstanding exists there.
A reproach was made against fellow
colleagues that they were building for
an authoritarian system. There’s no substance to that. Brunelleschi contracted
for a very authoritarian system too at
the time, namely the Catholic church. A
fabulous edifice, the cathedral cupola in
Florence. We weren’t just sceptical, we
had several bad experiences in China,
too. But meanwhile China has changed,
and the image of architecture has
changed as well. We can do things there
the way we picture them. We can also
convince the client to try things they
originally didn’t want. The wish was
that we build in conformity to the
system, and lots of people put up with
that. On the other hand, our buildings
and those from Rem Koolhaas,
Herzog & de Meuron or even Steven Holl
are certainly not in conformity to the
­system, they’re like viruses in a tissue.
We hope that this virus of an open-minded architecture spreads. It’s counterproductive to curry favour just for the sake
of the contract. We didn’t, and that’s why
we had difficulties. But now the point
has been reached where our form
language and the functional ideas we
bring along are being accepted.
WP: People in Austria and Germany like
to talk about a building culture, though
what they mean is architecture as a
formal exercise. Building culture
is the culture created in the on-site
construction,­and that truly doesn’t exist.
It’s murderous, almost a war at the
construction site, a place where certain
professions are there to hand out
accusations and blame others, only to
always claim afterwards that they were
right after not assuming the slightest
responsibility. That’s what I’m opposed
to. But there is some light on the
horizon: There is a new planning method
that gives the control back to the
architect and enables them to reconstruct modifications at the construction
site in a truly controlled way. The
architect doesn’t have to let themself be
swayed by pressure on time and costs,
he or she can steer all that instead. The
software is called Building Information
Modeling. Frank Gehry uses it, too.
7
Getufteter Velours-Teppich von Coop Himmelb(l)au für die Vorwerk ART COLLECTION/
Tufted velours carpet by Coop Himmelb(l)au for the Vorwerk ART COLLECTION
widest variety of patterns and colours.
That’s an issue, by the way: Rooms that
don’t make you tired. We concluded
a research programme in the 1970s
in which we analysed the element of
well-being in a room. Well-being,
concentration and liveliness are influenced not only by the spatial form –
something people love to forget – but by
a differentiated atmosphere as well.
Which means: Even lighting, even
colours, even points of focus let people
get tired faster than a so-called ‘stimula­
ting climate’. Just having the same
temperature in a flat is horrible. Warmth
in one room, colder in another, that picks
you up. Lighting without spots in
between makes you tired. The same
goes for the floor. The floor is a very
important subject in architecture. The
floor is perceived more readily than the
ceiling. And Vorwerk is a progressive-
thinking firm that develops the topic of
the floor further while working together
with qualified people.
If you have a person describe what they
saw first in a room, you’ll see that their
gaze is not directed a priori towards the
ceiling but all the more so towards
perceiving wall and floor as a unit or the
contrast between wall, ceiling and floor.
Besides that, in new architecture the
floor is defined differently from being
merely ‘level’. The floor conveys the feeling of stability to us, balance communicates safety, security. Now, if I have an
uneven floor, a different feeling arises.
It’s the same with a soft floor and a hard
floor, with stone subflooring and the like.
These are all topics that are becoming
more and more important in architecture
in the sense of the ‘stimulating climate’.
We formulated aspects of this theme
when we made a carpet in co-operation
LH: It’s impressive how you manage to
forge ahead with research projects like
that alongside the large-scale projects
presently in the construction and project
phases that keep your rapidly grown
bureau busy. How much time is left for
you personally to spend on drafting
and thinking about architecture?
WP: Lots! That’s the advantage nowadays. An architect’s bureau where the
architect can do everything, the legal
side, the financial side, draft, keep a grip
on the companies – today that’s out of
the question, it’s 19th century. It’s – ‘unfortunately’ – dead and gone. The scale
of the projects doesn’t allow that to
happen any more, either. Architecture
these days, a bureau these days can be
compared with a football team: It’s made
up of team players who come onto the
team because they can play certain
positions particularly well and are able
to give and take. This team works jointly
on a project, but there’s one player
who sets up a brilliant pass that then
leads to the goal. I see myself in that
role. Experience does the trick.
transflooring
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transflooring
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Vorwerk Teppich auf der DOMOTEX, der BAU,
der imm cologne und den Kölner Passagen.
Ein Resümee.
DOMOTEX, Hannover/Hanover
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transflooring
„Der erste Teil unserer TRANSFLOORING TOUR führte uns vor einem
Jahr auf einen neuen, sehr eigenen
Weg der Präsentation und Kommunikation – eine Kommunikation, die
Ausdruck eines kreativen Boden­
verständnisses ist, und ein Konzept,
das Freiraum schafft für Neues“, so
Johannes Schulte, Geschäftsführer
der Vorwerk Teppich. „Die positive
Resonanz des letzen Jahres bekräf­
tigte uns, diesen Weg auch 2011
weiter zu verfolgen. Vier sehr unterschiedliche Plattformen – die
DOMOTEX, die BAU, die imm cologne
und der Design Parcours der Kölner
­PASSAGEN – zogen eine vielschich­
tige Besucherschaft an.“ Auf den neu
gestalten Messeständen und während
des Ausstellungs-Events bei Meiré
und Meiré in Ehrenfeld, trafen Ideen
auf Produkte, Menschen auf Marken,
Vorhaben auf Lösungsansätze.
Im Mittelpunkt aller Veranstaltungen:
die Neuauflage der Objektkollektion
PROJECTION und die ART COLLECTION, die in den letzten Jahren in
Kooperation mit zahlreichen Künstlern entstand. „Angeregt durch
das kreative Umfeld und die Inhalte
des ‚Transflooring Talks’ mit Prof.
Dr. Herbert Lachmayer und der
Journalistin Lilli Hollein, suchten viele
Interessenten einen aktiven Gedankenaustausch mit uns. Es herrschte
eine beflügelte Stimmung voller
angeregter Gespräche. Genau das
hatten wir uns erhofft.“, resümiert
Johannes Schulte.
TRANSFLOORING 2011
Vorwerk Carpets at the trade
fairs DOMOTEX, BAU and imm
cologne, as well as on the
PASSAGEN design concourse in
Cologne. A summary.
“A year ago, the first part of our
TRANSFLOORING TOUR led us to a
new and very own way of im­ple­men­
ting presentation and com­mu­­ni­cation –
communication that expresses a cre­
ative understanding of the floor along
with a concept that creates room
for the new,” according to Johannes­
Schulte, CEO at Vorwerk Carpets.
“The positive feedback over the last
year encouraged us to pursue this
path further in 2011. Four very differ­ent platforms – the DOMOTEX, BAU
and imm cologne trade fairs together
with the design concourse at the
­PASSAGEN exhibition in Cologne –
drew a multifaceted visiting public.”
Ideas met up with products, people­
with brands, and projects with
problem-solving approaches at the
newly designed trade-fair booths.
The same occurred during the exhibition event at the agency Meiré und
Meiré in Cologne-Ehrenfeld. The
focal point of all these events: the
new edition of PROJECTION, a carpet
collection for business sites, and ART
COLLECTION, which arose in recent
years in co-operation with numerous
artists. “Stimulated by the creative
environment and the content of the
‘Transflooring Talk’ with Professor
Dr Herbert Lachmayer and journalist­
Lilli Hollein, a large number of
­in­te­r­e­sted visitors sought an active­
exchange of opinions with us. An
inspired mood full of animated
­discussions reigned. Exactly what ­
we had hoped for,” was how
Johannes Schulte summed up
the events.
10
transflooring
VORWERK TEPPICH
11
BAU, München/Munich
Passagen, Köln/Cologne
imm, Köln/Cologne
Art Commitment
VORWERK TEPPICH
12
Art Commitment
VORWERK TEPPICH
Wer sind wir?
Und woher stammen bestimmte
Aspekte unserer Kultur?
Das „Multiversum“ der Künstlerin
Heike Weber.
„Der Begriff des ‚Orients’ verweist
auf ein widersprüchliches Verhältnis
zwischen westlichen Gesellschaften
und dem Nahen Osten. Ist dieses
Verhältnis heute vielfach geprägt
durch eine ängstliche Distanz gegen­
über einer fremden Welt, so sind vor
allem in Verbindung mit dem Begriff
des Orients auch romantisie­rende
Vorstellungen mit einer Vorliebe
für das Exotische lebendig. Doch
jenseits dieser klischeebehafteten
Vorstellungen offenbart ein genauer Blick auf die Geschichte des
Ornaments eine jahrhundertealte
Beziehung zwischen westlichen und
östlichen Bildkulturen.“
(Museum Marta Herford)
Heike Weber: „Multiversum“, 2010
Teppichbodenschnitt, Installationsansicht Marta Herford 2010/
Carpet cut-out, installation view Marta Herford 2010
Unter dem Ausstellungsthema „Wir
sind Orient – Zeitgenössische Ara­
besken“ versammelte das Museum
Marta Herford von Dezember bis
Februar fünf zeitgenössische westeuropäische Künstler, in deren Werk
das Ornament eine zentrale Rolle
spielt. Unter ihnen: die Künstlerin
Heike Weber, die mit ihrer Raumin­
stallation „Multiversum“ Boden und
Wände eines der Ausstellungsräume
mit einem Liniengeflecht aus rotem
Teppichboden überzog.
Wir haben uns mit ihr über ihre
Arbeit unterhalten:
Frau Weber, sind Sie Orient?
Ich glaube, ich bin durch und durch
(aus dem) Okzident. Allerdings
inspiriert mich der Orient enorm. Ein
NRW-Stipendium 2006/07 in Istanbul
hat mir viele neue Impulse für meine
Arbeit gegeben. Ich betrachte die
östliche Bildersprache mit meinem
westlichen Blick.
In Ihren Arbeiten führen Sie
Betrachtern das Eigene im
Fremden vor. Was bewegt
sie dazu?
Sie beziehen sich bei der Frage auf
die Silikonteppiche, für die ich
postkartengroße Souvenir-Teppiche
aus Istanbul als Vorlage verwende.
Diese benutze ich rein formal, denn
für die Ornamentik verwende ich rein
westliche Motive und vermeide jegliche Symbolik. Die „kilims“ haben in
einer Ausstellung in Istanbul und auf
der Mardin Biennale große Irritation
hervorgerufen, da die türkischen
Betrachter natürlich ihre gewohnte
Symbolik in den Zeichen gesucht,
aber nicht gefunden haben. Ich
verwende das Ornament als zeichnerischen Ausdruck und nicht als
inhaltliches Symbol. Die Kraft der
Arbeit liegt in ihren profanen Mitteln
und deren Verwandlung im Zusammenspiel mit dem Raum. Der Raum
wird durch meine Eingriffe zur Skulptur.
VORWERK TEPPICH
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Vorwerk Teppich?
Das Mutterhaus der Firma Vorwerk
ist in Hameln ansässig, und deshalb
gab es gleich einen guten Kontakt
­zwischen dem Museum Marta und
der Firma Vorwerk. Vorwerk hat die
Arbeit komplett gesponsert. Sonst
wäre eine Finanzierung und somit
eine Realisierung der Arbeit nicht
möglich gewesen. Allerdings hatte
ich selber auch den Wunsch geäußert,
mit Vorwerk zusammenzuarbeiten,
da ich schon früher Vorwerk-Teppich­
böden für Bodenzeichnungen für das
Museum Morsbroich in Leverkusen
(2004) und für die Ausstellunghalle zeit­ge­nössische Kunst in Münster (2007)
verwendet hatte. Die Qualität und die
Farbauswahl überzeugen mich.
Erzählen Sie uns bitte etwas
über Ihre Installation „multiversum“, die kürzlich im Museum Marta Herford zu sehen
und zu begehen war.
Großartigerweise hat mir die Firma
Vorwerk die Realisierung dieser
raum­greifenden Arbeit ermöglicht.
Ich habe einen kompletten Saal
(1200 x 1000 x 1200 cm) mit einem
blutroten Teppichboden-Scherenschnitt­
überdeckt. Dafür habe ich 260 m2
Veloursteppichboden der Qualität
„Modena“ zusammen mit meinem
Assistenten in einen Scherenschnitt
verwandelt. Ausgangspunkt der
„Zeichnung” waren Gummiringe, die
ich gescannt habe. Aus der Vielzahl
an Kringeln habe ich am Computer
eine „all over structure” für den
organisch geschwungenen Raum von
Frank Gehry entwickelt. Die begeh­
bare Zeichnung ist am Boden verdichtet und löst sich bis in eine Höhe von
12 m auf. Der Betrachter wird körperlich in die Raum-Skulptur eingebunden und hochgesogen. Er ist von der
Zeichnung umschlossen und somit
ein Teil davon. Nur durch ihn wird die
Arbeit fühl- und erfahrbar.
„Ein Universum
ist nicht fassbar,
so wie sich auch
meine Arbeit
mit ephemeren
Zuständen
beschäftigt. Die
Entgrenzung
des Raumes ist
mein Thema.“
Die Wissenschaft vermutet, dass nicht
nur eins, sondern mehrere Universen
existieren, und die grafische Anschau­
ung ähnelt meiner Zeichnung sowie
meiner Idee. Ein Universum ist
nicht fassbar, so wie sich auch meine
Arbeit mit ephemeren Zuständen
beschäftigt. Die Entgrenzung des
Raumes ist mein Thema.
Welche Eigenschaften waren
Ihnen bei der Auswahl des Materials / des Teppichs wichtig?
Die Dicke des Velours und die Farbe.
Mir ist wichtig, dass die Zeichnung
erhaben auf dem Boden des Ausstellungsraumes liegt – quasi wie ein
begehbares Relief. Das führt dazu,
dass der Besucher die Arbeit nicht nur
sieht, sondern auch fühlt. Das dadurch kostbar erscheinende Material
beeinflusst die Bewegung des
Betrachters im Raum. Und das Rot
erscheint tief und matt durch den
dichten Velours. Es gibt keine Spiegelung – keine Reflexion, und man wird
förmlich von der Farbe aufgesogen.
Ich habe Rot verwendet, weil es für
mich die körperlichste und leidenschaftlichste Farbe ist. Man könnte
fast sagen: Ich male mit Teppichboden, aber mich interessiert die Zeichnung. In der Linie liegt „die Zeit“
und das „Hier und Jetzt”.
Welche Werkzeuge haben Sie
verwendet?
Den Cutter, viele Assistenten, Selbstklebefolie und Hubwagen/Steiger zum
Montieren der Arbeit.
Sie haben einmal gesagt:
„Ich arbeite wie ein Seismograf
und zeichne ein Echo des
Raumes.“ Wenn Sie dieses Echo
nun mit­hilfe eines Teppich­
bodens zeichnen, verändert
dieser Teppichboden nicht
wiederum die Intensität der
„Erschütterungen“ im Raum?
Ein ewiger Zyklus?
Das Zitat steht im Zusammenhang
mit meinen architekturbezogenen
Boden- und Raumzeichnungen,
die ich mit Edding-Markern wie
Schallwellen auf die Wände oder
Elemente im Raum be­ziehe. Aber
natürlich ist der Gedanke – auf
den Teppichboden übertragen –­
interessant. Die Teppichboden­
arbeiten sind freier konzipiert und
setzen den Raum als Bildträger ein.
Das Material „Teppich” absorbiert­
den Schall. Man fühlt sich wie in
einem geschlossenen, geschützten
Raum. Der Teppich suggeriert
Geborgenheit, aber die Zeichnung
entgrenzt den Raum, und man
verliert den Bo­den unter den Füßen.
Es ist ein Spiel mit den Gegensätzen,
was sich in meinem Werk immer
wieder findet.
Wie reagierten die Besucher
der Ausstellung auf die
Installation? Gab es so etwas
wie „Berührungsängste“?
Ja, die Berührungsängste gab es,
denn darf man ein Kunstwerk betreten? Das war im Museum Marta
wirklich interessant, da viele Besucher
sich nicht getraut haben, den Teppich
zu berühren, und stattdessen in die
Zwischenräume getreten sind. Nur
Kinder nehmen das unmittelbarer war –
entweder versuchen sie, die Kreise
nachzugehen, oder sie springen in die
„Löcher”. Ein begehbares Kunstwerk
verlangsamt den Schritt und ich
glaube, der Betrachter merkt, dass er
in dem Moment Teil des Ganzen ist.
Was sind Ihre nächsten Projekte, woran arbeiten Sie gerade?
Dieses Jahr werde ich neben anderen
zwei große Kunst-am-Bau-Projekte
realisieren. Zum einen eine Wandmalerei für das Foyer des Bundesbeschaffungsamtes in Bonn, bei der
wiederum die Gummiringe Grundlage
des Entwurfes sind. Zum anderen für
das Foyer des Operativen Zen­trums
der Universitätsklinik in Düsseldorf, wo
ich die vier Aufzugstürme komplett
mit der filigranen Linienzeichnung
„Utopia“ versehen werde. Außerdem
ist ein Projekt zusammen mit vier
weiteren Kollegen im Goethe Institut
Prag geplant, das vom Intendanten
des Kunstmuseums Bonn,
Stephan Berg, kuratiert wird.
Frau Weber, besten Dank für
das Gespräch.
WHO ARE WE?
And where do certain aspects
of our culture come from?
The “multiversum” of artist
Heike Weber.
“The term ‘Orient’ refers to a con­
tradictory relationship between
Western­societies and the Near East.
Whereas this relationship is marked
in many ways these days by an
anxiety-laden distance towards a
foreign world, above all romanticising notions with a predilection for
the exotic come equally alive in
conjunction with the concept of the
Orient. Yet beyond these notions
so ridden with clichés, a more pre­­cise look at the history of ornament
reveals a relationship between
Art Commitment
VORWERK TEPPICH
15
Western and Eastern pictorial
cultures that has gone on for centuries.” (Museum Marta Herford)
Under the exhibition theme “We are
Orient – Contemporary Arabesques”,
from December to February the
Museum Marta Herford brought
together 5 contemporary artists from
western Europe, whereby ornament
plays a central role in their work.
Among them: artist Heike Weber,
who covered the floor and walls of
one of the exhibition halls with her
spatial installation “Multiversum”,
a mesh of lines made of red carpet.
We talked with her about her work:
Ms Weber, are you Orient?
I think I’m (from the) Occident through
and through. Although, the Orient
inspires me enormously. A grant in
Istanbul in 2006/07 from North-Rhine
Westphalia gave me lots of new
impulses for my work. I view the
Eastern pictorial language through
my Western eye.
In your works you present
viewers with elements of
themselves in an alien
context. What moves you
to do that?
With that question you’re referring
to the silicon carpet in which I use
postcard-size souvenir carpets from
Istanbul as a template. I use them in
a purely formal way, because I make
use of purely Western motifs for the
ornamentation and avoid any kind
of symbolism. The “kilims” caused a
great deal of irritation at an exhibit
in Istanbul and at the Biennale in
Mardin. Turkish viewers naturally
looked for the symbolism they were
accustomed to in the symbols they
saw, but they didn’t find it. I use
orna­mentation as graphic expres­sion, not as a symbol with thematic
content. The power of the work lies
in the profane means used and their
transformation in interaction with
the space. My interventions turn the
space into a sculpture.
Please tell us something
about your installation
“multiversum”, which could
recently be seen and walked
through at the Museum
Marta Herford.
“A universe is
not tangible, just
like my work
concerns itself
with ephemeral
states, too.
Dissolving
the boundaries
of space is
my theme.”
It was fabulous that Vorwerk made the
realisation of this room-encompassing
work possible for me. I covered a
complete hall (1200 x 1000 x 1200 cm)
with cut-outs from a blood-red carpet.
To do that I transformed 260 m² of velour
carpet from the “Modena” line into a
kind of silhouette cut-out together with
my assistant. The starting point for
the ‘drawing’ were rubber rings I had
scanned. From that multitude of rings
I used the computer to develop an ‘all-­
over structure’ for the organically curved
room designed by Frank Gehry. The
accessible drawing is compacted on the
floor and spreads out up to 12 metres
high. The beholder is physically inte­gra­ted into the spatial sculpture and
drawn up. The viewer is enclosed by
the drawing, and thus a part of it. The
only way the work can be felt and
ex­perienced is through the viewer.
of the space.” When you draw
that echo now with the aid of a
carpet, doesn’t the carpet, in
turn, change the intensity of the
‘quakes’ within the space?
A perpetual cycle?
The quote refers to my architecture-related floor and room drawings in which I
use Edding markers like sonic waves to
cover the walls or elements in the room.
Although, transposed onto carpet, the
thought is naturally interesting. The
works using carpet are conceived more
freely and involve the room as a pictorial
carrier. As a material, ‘carpet’ absorbs
the sound. You feel like you’re in a sealed,
protected space. The carpet suggests
a sense of security, but the drawing
dissolves the space’s borders, and the
bottom drops out of your world. It’s
about playing with opposites, some­
thing that recurs again and again
in my work.
Heike Weber, kilim, 2007, Silikon/silicon, Transfer Türkiye-NRW, Santralistanbul Istanbul
Mehr Informationen über die Künstlerin/More information about the artist www.heikeweber.net
How did the visitors to the exhi­bition react to the installation?
Was there something like a ‘fear
of making contact’?
Yes, there was definitely a fear of making
contact because: Are you allowed to
walk on a work of art? At the Museum
Marta Herford it was really interesting
because lots of visitors didn’t dare to
make contact with the carpet and stepped
into the spaces in-between instead.
Children are the only ones who perceive
what’s first-hand – either they try to
follow the circles or they jump into the
‘holes’. An accessible work of art slows
the pace down, and I think the beholder
realises that at that moment they are a
part of something in its entirety.
Science presumes that multiple uni­
verses­exist, not just one, and
this graphic point of view is similar
to my drawing and the idea I have.
A universe is not tangible, just like my
work concerns itself with ephemeral
states, too. Dissolving the boundaries
of space is my theme.
A fun­­ding, and consequently any
realisa­tion of the work, wouldn’t have
been possible otherwise. Though I
should add that I myself expressed the
wish to work together with Vorwerk
because I had already used Vorwerk
carpets before for floor drawings at the
Museum Morsbroich in Leverkusen
(2004) and at the “Ausstellunghalle
Zeitgenössischer Kunst”, an exhibition
hall for contemporary art in Münster
(2007). The quality and the choice of
colours convinced me.
visitor not only sees the work but feels it,
too. The seeming preciousness of the
material influences the viewer’s movement within the space. And the redness
appears to be deep and matt due to the
dense velours. There is no mirroring –
no reflection. You are literally sucked in
by the colour. I used red because for me
it’s the most physical and most passion­
ate colour. One could almost say: I use
carpets to paint with, but what interests
me is the drawing. ‘Time’ and ‘the here
and now’ lie in terms of the line.
How did the work together with
Vorwerk Carpets come about?
The Vorwerk parent company is based
in Hamlin, and that’s why there was
a good contact right away between the
Museum Marta Herford and Vorwerk.
The work was fully sponsored by Vorwerk.
Which attributes were important
to you in choosing the material /
the carpet?
The velour thickness and the colour. It’s
important to me that the drawing lies
raised on the exhibition-space floor – like
a quasi-walkable relief. As a result the
What kinds of tools did you use?
A cutter, lots of assistants, self-adhesive
foil and pallet trucks/cherry pickers to
assemble the work.
What are your next projects,
what are you working on at
the moment?
Alongside other projects, this year I am
going to realise two large ‘site art’ pro­jects constructed on public space.
One is a wall painting for the lobby of
the German Federal Procurement Office
in Bonn, in which the rubber rings are a
basis for the design draft. The other is
for the lobby of the Outpatient Operations Centre at University Hospital in
Düsseldorf, where I am going to adorn
the four lift towers with the filigree line
drawing “Utopia” from top to bottom. In
addition to that, a project is planned at
the Goethe Institute in Prague together
with four other fellow artists. Stephen
Berg, the artistic director at the Museum
of Art in Bonn, will act as curator.
You once said: “I work like a
seismograph and draw an echo
Ms Weber, thank you very much
for the interview.
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Impressum
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The next issue of DIALOG will
come out in the summer. Among
other topics, it is going to report
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along with the new “bene” showrooms in Vienna.
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c/o Walter Auer
Römerwiese 11
CH – 8645 Jona
Telefon+41 55 2118278
Telefax +41 55 2118279
Fotografie (Seite 2, 12):
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Fotografie (Seite 4):
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Fotografie (Seite 8 – 9):
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Konzept und Art Direction:
Meiré und Meiré, Köln
www.meireundmeire.de
Fotografie (Seite 10 – 11):
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Fotografie (Cover/Seite 1 – 2):
Heike Weber (Multiversum)
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Fotografie (Seite 14 – 15):
Olaf Ballnus
©
VG Bild-Kunst, Bonn 2011
Fotografie (Cover/Seite 5 – 6):
Duccio Malagamba (Pavillon 21)
Produktion: Produktionsbüro
Romey von Malottky GmbH
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