Forum 7 - Kulturpolitische Gesellschaft eV

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Forum 7 - Kulturpolitische Gesellschaft eV
8. Kulturpolitischer Bundeskongress der Kulturpolitischen Gesellschaft e.V.
»Kultur.Macht.Einheit? Kulturpolitik als Transformationspolitik«
18./19. Juni 2015, Berlin/Hotel Aquino Tagungszentrum
Forum 7: Kulturelle Vielfalt der Einwanderungsgesellschaft als Motor für
Transformation
1. Programm
Freitag, 19. Juni
Beginn: 11.00 Uhr
Ende: 12.30 Uhr
Podium
Onur Suzan Nobrega, Medien- und Kulturwissenschaftlerin, London/Berlin
Birgit Mandel, Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim
Bahareh Sharifi, freie Kuratorin und Projektkoordinatorin, Berlin
Moderation:
Dorothea Kolland, Sprecherrat „Bundesweiter Ratschlag Kulturelle Vielfalt“, Berlin
2. Problemskizze
Viele Räder drehten an den gesellschaftlichen Transformationsprozessen der letzten Jahrzehnte
in Deutschland. Ein wenig beachtetes, dafür aber umso tiefer greifendes waren die sich seit mehr
als 50 Jahren vollziehenden Veränderungen, die sich durch Migrationsbewegungen vollzogen. In
ihrer Wirkung waren und sind diese weit mehr als ein demographischer Faktor, sondern ein Aufbruch aus monolithischen Gesellschaftsstrukturen, sich nach und nach durchsetzende gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt, neue Herausforderungen für soziale Inklusion, veränderte Partizipationsnotwendigkeiten und -formen, Ablösung scheinbar das „Abendland“ konstituierender
Leitkultur („Islam gehört zu Deutschland!“), Freisetzen neuer hybrider Kreativität und Einfordern von Teilhabe an Macht und Entscheidungsgewalt durch die „Neuen Deutschen“, auch wenn
die akzeptierte und gewünschte Diversität, verstanden als Vielfalt und Differenz, immer wieder
Konfliktpotential birgt – auch dies ein Motor für Transformation.
Diese gesellschaftliche Realität kultureller Vielfalt bedeutet nicht nur erhebliche Transformationsprozesse für die sozialen und politischen Systeme des Gemeinwesens, sondern verändert
nach und nach die traditionellen Hierarchien und Wertecodices des deutschen Kultursystems –
wenn die Konsequenzen der demographischen Veränderungen ins Bewusstsein der traditionellen
Kulturträger und politisch Verantwortlichen geraten: Die Akzeptanz des Prinzips kultureller
Vielfalt lässt andere Produzenten, Künstler, Rezipienten, Vermittler, Programme in die Arena
der Kulturlandschaft geraten, die traditionelle Formen institutioneller Kultur aufschrecken und
zu Veränderungen veranlassen werden. Die bundesdeutsche Kultur hat sich zögerlich auf den
Weg dieses Transformationsprozesses gemacht, der Bericht der Kultur-Enquete-Kommission des
Deutschen Bundestages hat dessen Ernstnehmen angemahnt. Die Institutionen beginnen langsam
zu erkennen, dass die Anerkennung und Umsetzung des Diversitätsprinzips ein Gewinn an Innovation und Freisetzung neuer Potentiale für alle mit sich brachte.
Einige Akteure und Aspekte dieses Transformationsgeschehens werden in diesem Forum genauer ins Auge gefasst werden: die neuen Akteure, die in der deutschen Kulturlandschaft andere,
selbstbewusste Zeichen setzen, einen multiperspektivischen Blick einfordern und durchaus die
Machtfrage stellen; die gesellschaftlich-kulturellen Szenen, Schmelztiegel von Menschen vielfältiger Herkünfte, die, ihre Eigenarten, ihren fremden Blick bewahrend, sehr oft Kern von Innovation und Pfadfinder neuer künstlerischer Wege werden; und die Kulturinstitutionen, die aufgrund
von vielfältigem Druck, politischer Einsicht, der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung hin zu
einer Einwanderungsgesellschaft Raum zu geben, und ihrer Zugangsbarrieren und der notwendigen Suche neuer künstlerischer Impulse bewusst, bereit sind, sich einer „Interkulturellen Öffnung“ zu stellen.
3. Biographien
Onur Suzan Nobrega, Onur Suzan Nobrega ist promovierte Medien- und Kulturwissenschaftlerin (Goldsmiths College, University of London). Seit 2008
Lehre und Forschung in Medien-, Film-, und Kulturwissenschaften u.a. am
Goldsmiths College, University of London (Großbritannien), University of the
Arts London (Großbritannien) und der Izmir University of Economics (Türkei).
Titel der Dissertation "Postmigrant Theatre and Cultural Diversity in the Arts:
Race, Precarity and Artistic Labour in Berlin“ (2014). Ehemalige Promotionsstipendiatin der ZEIT-Stiftung Hamburg. Forschungsschwerpunkte: Kulturpolitik, postmigrantisches Theater und Kulturelle Vielfalt in den Künsten, Arbeits- und Lebensbedingungen von
KünstlerInnen mit Migrationsbiographien, Neokoloniale Politik und koloniales Erbe des Osmanischen Reiches in den visuellen Kulturen ausgewählter Länder des afrikanischen Kontinents
und in der heutigen Türkei.
Prof. Dr. Birgit Mandel, *1963, studierte Kulturpädagogik in den
Schwerpunktfächern Theater, Literatur und Bildende Kunst an der
Universität Hildesheim. Nach dem Diplom wurde sie Mitarbeiterin
im dortigen Studiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis
mit Schwerpunkt Kulturmanagement. Nach der Promotion 1995 war
sie im Bereich Öffentlichkeitsarbeit für verschiedene Kulturprogramme und -einrichtungen in
Berlin tätig. Seit 2008 ist sie Professorin am Institut für Kulturpolitik und Studiengangsleitung
für den Bachelorstudiengang Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis sowie den Masterstudiengang Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim. Sie verantwortet diverse Forschungsprojekte und ist Herausgeberin der Forschungsplattform: www.kulturvermittlung-online.de sowie Autorin zahlreicher Publikationen. Sie ist Vorsitzende des Fachverbandes für Kulturmanagement Deutschland, Österreich, Schweiz in Forschung und Lehre e.V. sowie im wissenschaftlichen Beirat des Projekts Kulturagenten der Kulturstiftung des Bundes und der Stiftung Mercator.
Bahareh Sharifi, *1982, studierte in Hamburg und in London Literatur, Theater
und Soziologie. Sie arbeitete u.a. beim New York International Fringe Festival,
den Staatlichen Museen zu Berlin und am Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Für das migrationspolitische Portal der Heinrich-Böll-Stiftung stellte sie ein
Dossier über vorurteilsbewusste Kinderliteratur zusammen. Im Rahmen des Eröffnungsfestival „Berliner Herbstsalon“ des Maxim Gorki Theaters koordinierte
sie „1st International Conference of the Silent University“ des bildenden Künstlers Ahmet Ögüt, ein Projekt zu alternativen Wissenszugängen für Asylsuchende. In der Spielzeit 2013/14 konzipierte und kuratierte sie den performativen Diskursraum „Berlin Calling“ im Studio Я des Maxim Gorki Theaters. Sie war im Koordinationsteam des FESTIWALLA 2014, das Theaterfestival des Jugendtheaterbüros Berlin am Haus
der Kulturen der Welt. Sie ist Mitglied beim Bündnis kritischer Kulturpraktikerinnen.
Dr.phil. Dorothea Kolland, *1947, Studium Gesang, Musikwissenschaften,
Soziologie und Italienisch in München, Florenz und Berlin, Promotion 1978
in Berlin. 1978 - 1981 Bildungsreferentin bei der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung. Von 1981 bis 2012 Leiterin des Kulturamtes BerlinNeukölln, seit 2000 Leiterin des Amtes für Kultur und Bibliotheken. Freie
Kulturberaterin. Mitglied in Gremien und Beiräten, z.B. Rat für die Künste,
Landesbeirat Kulturelle Bildung Hauptstadtkulturfonds, Vorstandsmitglied
der Kulturpolitischen Gesellschaft, Expertin des Europarates für das Projekt “Intercultural
Cities“, Mitglied des bundesweiten „Ratschlags Interkultur“, Mitgründerin und Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Neukölln. (Mit-) Gründerin der „Offensive Kulturelle Bildung Berlin.
Publikationen zu regionalgeschichtlichen und kulturwissenschaftlichen Themen (u.a. „Werkstatt
Stadtkultur. Potenziale kultureller und künstlerischer Vielfalt. Reflexionen und Erfahrungen“,
Essen 2012), zahlreiche Aufsätze zu kulturpolitischen Themen sowie Arbeits- und Problemfeldern kommunaler Kulturarbeit, Lehraufträge, Vorträge. Hauptaktionsfeld: Migrations- und
Diversity-Kulturpolitik, Kulturelle Bildung.

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