Friedrichshafener Erklärung - Bundesverband Pflegemanagement

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Friedrichshafener Erklärung - Bundesverband Pflegemanagement
Friedrichshafener Erklärung.
Pflege in Deutschlands Krankenhäusern – Wandel vom Kostenfaktor zum Erlösfaktor.
Hintergrund. Seit Einführung des DRG-Systems in Deutschland im Jahre 2003 hat sich ein massiver
Wandel der Kosten- und Leistungssteuerung in den Krankenhäusern vollzogen. Die Leistungsplanung
im Sinne von Case-Mix-Punkten ist der wohl elementarste Bestandteil der Wirtschaftsplanung geworden. Der zunehmende wirtschaftliche Druck auf die Krankenhäuser verschärft die Situation und zwingt
Einrichtungen immer wieder dazu, über Möglichkeiten der Leistungsausweitung und damit der Erlöserzielung nachzudenken. Damit wächst der Druck auf die einzelnen medizinischen Fachabteilungen,
das Leistungsspektrum zu erweitern, die Fallzahlen und somit die Erlöse zu steigern und die Verweildauern zu reduzieren.
Dieses ist also vor allem eine Diskussion zwischen den Chefärzten einer Klinik und der Geschäftsführung. Das Ziel der Erlössteigerung und Leistungsausweitung ist dann oft nur durch Investitionen in
ärztliche Stellen zu erreichen. Zusätzlich trägt die fortschreitende Diversifizierung und Spezialisierung
der Medizin ganz wesentlich dazu bei, dass die Arztstellen in Deutschlands Krankenhäusern erheblich
angestiegen sind.
Zwischen Pflegeleistungen und Erlösen gibt es diesen unmittelbaren Zusammenhang nicht. Zwar sind
die Pflegeleistungen im DRG-System abgebildet, aber eben nur als ein Faktor innerhalb des Gesamterlöses. Das bedeutet, dass kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen dem erwirtschaften von
Case-Mix-Punkten und den Pflegeleistungen gesehen wird.
Pflege wird im System Krankenhaus daher nahezu ausschließlich als Kostenfaktor betrachtet. Lediglich der PKMS stellt einen kausalen Zusammenhang zwischen Pflegeleistung und Erlös her. Seit dem
Jahr 2003 ist daher ein kontinuierlicher Verlust der Vollkräfte Pflege im Krankenhaus zu verzeichnen.
Zwar hat das Förderprogramm Pflege in den Jahren 2009 bis 2012 diesen Trend vorübergehend aufgehalten, gleichzeitig sind aber die Zahlen der in dem Krankenhaus behandelten Patienten überproportional angestiegen, so dass im Ergebnis die einzelnen Pflegekräfte immer mehr Patienten zu versorgen haben.
Ergebnis. Nach nun mehr 12 Jahren Erfahrung mit den DRG-Systemen in deutschen Krankenhäusern muss festgestellt werden, dass sich die pflegerische Versorgung der Patienten verschlechtert hat.
Und dies bei sich gleichzeitig immer weiter verschärfenden Arbeitsbedingungen für die Pflegenden in
den Kliniken.
Der Weg aus dieser Situation. Der Bundesverband Pflegemanagement ist davon überzeugt, dass
diese Situation nur durch einen grundlegenden Wandel innerhalb des bestehenden Finanzierungssystems geändert werden kann. Es ist also zwingend erforderlich, dass Pflegeleistungen, ausgehend
von dem Bedarf der Patienten eigenständig und transparent im System Krankenhaus vergütet werden. Eine derartige Ausgestaltung würde zur Folge haben, dass Patienten mit hohem Pflegeaufwand
den Kliniken auch hohe Erlöse einbringen würden, die für das Budget Pflege zur Verfügung stehen.
Dieses folgt auch dem grundlegenden Prinzip, dass Geld Leistung folgen soll.
Die Pflege und die Krankenhäuser Deutschlands verfügen durchaus über langjährige Erfahrungen mit
Leistungsdaten, wie zum Beispiel PPR/LEP und auch PKMS. Ein Anfang ist also gegeben.
Friedrichshafener Erklärung, 1. Juli 2015
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Der Bundesverband Pflegemanagement stellt daher drei Kernforderungen an die politisch Verantwortlichen:
1. Es müssen effektive Sofortmaßnahmen zur Sicherung der pflegerischen Versorgung
ergriffen werden. Die Mittel, um die verloren gegangenen etwa 34.000 Stellen in Deutschlands Krankenhäusern wieder besetzen zu können, müssen für die Pflege bereitgestellt
werden.
2. Es müssen unmittelbar Forschungsmittel zur Erarbeitung eines validen und möglichst
einfachen Systems zur Feststellung und Bewertung des Pflegebedarfs der Patienten
zur Verfügung gestellt werden und eine neutral finanzierte wissenschaftliche Analyse
ausgeschrieben werden.
3. Auf dieser Basis muss ein System entwickelt werden, mit dem das Prinzip „Geld nach
Pflegebedarf“ gebildet wird.
Die Friedrichshafener Erklärung des Bundesverbands Pflegemanagement ist ein Ergebnis der gemeinsamen Konferenz des Bundesvorstands mit den Landesgruppenvorständen im Frühjahr 2015
in Friedrichshafen.
Berlin, 01. Juli 2015
Bundesverband Pflegemanagement e.V.
www.bv-pflegemanagement.de
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