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T E S T + T E C H N I K
Ducati 1199 Superleggera
DIE
TRAUMGESTALT
Eine Rennmaschine ohne Blick auf die Kosten entwickeln zu
können, beginnend mit einem weißen Blatt Papier, ist ein Traum für
Entwickler. Ducati hat ihn wahr gemacht. Und mit der Superleggera
eines der faszinierendsten Serien-Motorräder mit dem besten
Leistungsgewicht erschaffen. Auch wenn nur 500 Besitzer in diesen
Genuss kommen werden.
Von Andreas Bildl; Fotos: Markus Jahn, Ducati
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TEST+TECHNIK
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S
o alle fünf bis sechs Jahre müssen
wir einfach was völlig Abgefahrenes machen“, schmunzelt DucatiPressesprecher David James. 2007
war dies die Desmosedici. Nun also die Superleggera. Operation gelungen, kann man
da nur sagen. Zur Erinnerung: Setzt bereits
die Panigale Maßstäbe in Sachen Leichtbau, ist die Superleggera die logische und
w w w.mo tor r ad onl i ne.de
konsequente Fortsetzung dieses Konzepts:
nämlich das, was an Bauteilen noch da ist,
so leicht wie möglich zu machen. Zehn
Kilo weniger waren gefordert, zwölf sind es
geworden (siehe Liste Seite 15).
Herausgekommen ist ein einzigartiges
und exklusives Kleinod, dessen Eckdaten
einem schlicht den Atem rauben: Nur 166
Kilogramm ohne Sprit stellen sich den gut
200 PS des erstarkten V2 in den Weg – 205
sollen es mit Race-Kit sein. Mit diesem Kit
ist die leuchtrot lackierte Superleggera bestückt, die in der Boxengasse von Mugello
darauf wartet, ihrem Piloten zu zeigen, wo
der Hammer hängt.
„Würde man allein das ABS weglassen,
wäre sie bereits zu leicht für das SuperbikeWM-Reglement – mit Lampen, Spiegeln und
Blinkern“, zwinkert mir David James nicht
ohne Stolz zu. Eine Serienmaschine – auch
wenn es nur eine Kleinserie von 500 Stück ist
– mit besserem Leistungsgewicht hat es
noch nie gegeben. Hierfür haben die DucatiTechniker alle Register gezogen. Ist die Auflistung der Änderungen bei einem neuen
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Ducati 1199 Superleggera
Modell oftmals eine recht dröge Pflicht, verwandelt sich dies im Fall der Superleggera
zum lustvollen Durchstöbern ­eines Wunschzettels für Leichtbau- und ­Tuning-Freaks.
Und daher lohnt es, diesen Details Aufmerksamkeit zu widmen und zu genießen, ehe
die Boxenampel auf Grün springt.
Das beginnt beim Chassis: Es ist aus einer
Magnesium- anstelle einer Alu-Legierung
gegossen. Die Räder: gefräste SchmiedeMagnesium-Felgen von Marchesini. Das Federbein trägt eine Titan-Feder. Alles mit
Straßenzulassung. Der A
­ uspuff: komplett
aus Titan gefertigt. Die Gabel wurde von
Öhlins mit mehrfach wech­­selnden Durchmessern der Außenrohre auf Leicht­bau und
optimale Steifigkeit getrimmt. Unterhalb
der unteren Gabel­brücke ist deshalb die
äußere Kontur leicht oval gehalten. Das ohnehin schon leichte Rahmenheck ersetzt
eine selbsttragende Karbon-Konstruktion.
Folgerichtig bestehen sämtliche Verkleidungsteile und Abdeckungen aus Kohlefaser. Ein leichter Lithium-Ionen­-Akku ist da
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eine Selbstverständlichkeit. Das Sitzpolster
ließ 83 Gramm liegen, der gefräste Kühlerdeckel neun.
Rund 200 Teile habe man abgeändert,
erläutert Projektleiter Eugenio Gherardi.
Die rund 100 Titan-Schrauben sind auf dieser Liste nur ein Posten.
Ebenso intensiv widmeten sich die
Tech­­niker dem Motor. Erstmals kommen
bei einer Serienmaschine Kolben mit nur
zwei Kolbenringen zum Einsatz. Die Kolbenböden sind wie bei den Werkssuperbikes
gefräst. Gewichtsersparnis: 93 Gramm pro
Stück. Gemeinsam mit den gefrästen Brennräumen heben sie die
Verdichtung von
12,5 auf
13,2:1. Neben den Einlass- bestehen nun
auch die Auslassventile des Formel 1-Zulieferers Dell West aus Titan. Weshalb die Superleggera 500/min höher drehen darf. Die
Einlassnocken bekamen eine neue Kontur
und etwas mehr Hub. Richtig Schwungmasse gespart haben die Techniker an der
Kurbelwelle, von deren Wangen nur noch
ein rudimentärer Rest übrig geblieben ist.
­Ausgleichsgewichte aus Wolfram, das
die zweieinhalbfache Dichte von Stahl besitzt, sorgen dafür, dass trotz 396 Gramm
Gewichtsersparnis Rundlauf und explosive
Drehfreude erhalten bleiben.
Und dann ist es endlich so
weit. Die Boxenampel zeigt
Grün. Für eine halbe Stunde
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Gewichtsersparnis
Im Vergleich zur 1199 Panigale R
▶Karbon-Verkleidung und weitere
Anbauteile:
–1 kg
▶Monocoque aus Magnesium, her gestellt im Sandgussverfahren: –1 kg
▶Karbon-Heckrahmen: –1,2 kg
▶Titan-Auspuffanlage: –2,5 kg
▶Schmiede-Magnesium-Felgen:–1 kg
▶Lithium-Ionen-Batterie: –2 kg
▶Gabel und Federbein: –1,4 kg
▶Superbike-Kolben: -194 gr
▶Kurbelwelle mit Ausgleichs ge­­wichten aus Wolfram: –396 gr
▶SBK-Kette (520er) und -Kettenrad,
Schrauben aus Titan und Frästeile
aus Aluminium: –1,3 kg
12 kg Gewichtsersparnis
insgesamt (fahrfertig)
w w w. m otor r ad onl i ne.d e
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Ducati 1199 Superleggera
gehört der GP-Kurs von Mugello ausschließlich dem Tester und der Superleggera.
Herzhaft brüllt die Ducati aus den montierten Racing-Töpfen. Sie sparen weitere
2,5 Kilogramm und sind wie eine höhere
Verkleidungsscheibe, gefräste Abdeckungen der Spiegelhalter, Ständer und DatenLogger DDA+ Teile eines Race-Kits, das zu
jedem der 500 gebauten Exemplare gehört.
Es sind nicht viele Kurven nötig, dann
ist klar: Das hier ist weit mehr als nur eine
gepimpte Panigale, die Superleggera ist
schon verdammt nah dran an einem Superbike. Es ist zuallererst die Art und Weise, wie
sie in die Kurven hineinsticht, die sie weit
von ihren Großserien-Schwestern abhebt
und in die Nähe echter Superbike-Renner
rückt. Federleicht lenkt die Duc ein, nicht
übermotiviert oder nervös. Sondern gnadenlos direkt und mit genialer Präzision. Je
höher der Speed am Kurveneingang, desto
konzentrierter wirkt die Superleggera.
Motorbremse, Wheelie- und Traktionskontrolle lassen sich jetzt vom Lenker
aus fein einstellen
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Beim Schließen des Gasgriffs in Schräglage weicht sie keinen Millimeter von der
Linie ab. Sie scheint bei der Linienwahl den
Blicken des Fahrers zu folgen.
Die Gabel ist kein Teil von der Stange, sondern wurde speziell für die Superleggera
entwickelt, das Setup hat Ducati zusammen
mit den Öhlins-Technikern ausgetüftelt.
Diese liegt immer noch eher auf der soften
Seite – zumindest darin ähnelt sie den Serien-Panigale. Das Ansprechverhalten ist
traumhaft, Bodenunebenheiten saugt sie
förmlich auf. Auch hierin liegt der Schlüssel,
dass man sich mit immer mehr Vertrauen
und immer höherem Tempo in die Kurven
hineinwirft und in Fahrmanöver hineinfin-
500 Stück, und das war’s. Für viele muss
die Superleggera ein Traum bleiben.
Die Serie ist restlos ausverkauft
det, die man sich erst traut, wenn man mit
einem Motorrad sehr verschmolzen ist. Wie
etwa bei den beiden heftig nach außen
hängenden Bergab-Kurven Casanova und
Savelli, in denen es gilt, möglichst keinen
Schwung zu verschenken.
Denn ihnen folgen die beiden schnellen bergauf führenden Rechtskurven Arrabiata 1 und 2. Mit unglaublicher Wucht
zerrt der Superleggera-Twin den Berg hinauf, drückt mit brutaler Macht vorwärts. Befreit von der überflüssigen Schwungmasse,
dreht er mit einer Vehemenz, dass einem
schwindelig wird. Ab 7000/min geht er ab
wie eine Rakete, kennt weder Schwäche
noch Gnade. Dieser Vulkan lässt dem Piloten keinen Moment zum Verschnaufen,
Es sind weniger die neun Gramm, die der
Kühlerdeckel spart, er zeigt vielmehr, welche Sorgfalt jedem Detail gewidmet wurde
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Ducati 1199 Superleggera
nicht eine Sekunde. Nicht einmal auf der
1,1 Kilometer langen Geraden. Dabei besitzt er Top-Manieren, hängt fein und bezaubernd direkt am Gas, läuft dank feingewuchteter Kurbelwelle verblüffend ruhig.
Aber wehe er wird von der Leine gelassen.
Der Schaltautomat reiht dank neuem Gangsensor und überarbeiteter Abstimmung
flutschig Gang an Gang.
Dass der Übermut am Gasgriff nicht in teurem Schrott endet, dafür sorgt die überarbeitete Elektronik. Neben dem Motormapping wurde auch die Traktionskontrolle angepasst. Selbst bei heftigem Dreh am Gas
bleibt ihr Eingreifen diskret, kaum spürbar.
Doch neu ist nicht nur ihre Abstimmung,
sie besitzt nun auch eine automatische Kalibrierung der Reifengröße. Und eine in vier
Stufen einstellbare Wheelie-Kontrolle, die
selbst auf der blinden Kuppe nach der
schnellen Arrabiata 2 das Vorderrad ganz
sanft kontrolliert und nur leicht über dem
Boden schweben lässt.
Sämtliche elektronischen Helfer bis
hin zur Motorbremse lassen sich jetzt per
Schalt­paddel vom Lenker aus einstellen.
Klingt alles sehr entspannt? Von wegen,
denn ein wenig Biest ist sie nach wie vor. Zu
hartes Anpacken der Lenker beim Aufrich-
ten und Beschleunigen oder auf der Zielgeraden quittiert sie mit zuckendem Lenker
und Pendeln. Da hilft nur, den Lenker ganz
locker zu führen. Auch das Absenken des
Luftdrucks am Hinterrad brachte dem Hinterreifen mehr Eigendämpfung und dadurch wieder mehr Ruhe. Die halbe Stunde
Ducati 1199 Superleggera
M OTO R
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-90-GradV-Motor, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, desmodromisch betätigt, Nasssumpfschmierung,
Einspritzung, 2 x Ø 68 mm, geregelter Kataly­
sator, Lichtmaschine 440 W, Batterie 12 V/6 Ah,
hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung (Anti-Hopping), Sechsganggetriebe,
O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 41:15.
Bohrung x Hub
112,0 x 60,8 mm
Hubraum
1198 cm³
Verdichtungsverhältnis13,2:1
Nennleistung149,0 kW (203 PS) bei 11500/min
Max. Drehmoment
134 Nm bei 10 200/min
FA H R W E R K
Monocoque aus Magnesium, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, hydraulischer Lenkungsdämpfer,
verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufen-
Nur noch die Kurbelwangen-Stümpfe sind bei der Superleggera (rechts) übrig.
Gut zu sehen: die je drei Wolfram-Stopfen pro Wange
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TEST+TECHNIK
ist rum wie nix, der Pilot geschafft. Denn
obwohl unglaublich handlich und präzise,
mit fabelhaften elektronischen Fahrhilfen
gesegnet, ist das Fahren mit ihr eine ungemein intensive Angelegenheit. Volle
Konzentration zu jeder Zeit gefordert, denn
alles scheint sich wie im Zeitraffer abzuspielen. Die Superleggera ist eine Granate
mit Straßenzulassung.
Und obwohl eigentlich viel zu schade,
um über die Rennstrecken gejagt zu
­werden, wäre es andererseits eine Sünde,
­dieses Potenzial nicht auszukosten. Ein
Zwiespalt, vor dem nur 500 Besitzer stehen
werden. Denn mehr Exemplare werden
nicht gebaut. Als die Superleggera auf der
EICMA 2013 erstmals der Öffentlichkeit
­präsentiert wurde, waren diese schon
­wei­testgehend vorbestellt. Ende 2013 waren bereits alle verkauft. Zum Preis von je
65 000 Euro. Verrückt? Vielleicht. Aber ein
Traum. Wir können es jedenfalls nicht erwarten, bis die nächsten fünf, sechs Jahre
vorbei sind.
www.motorradonline.de/ducati
dämpfung, Einarmschwinge aus Aluminium,
Zentralfederbein, liegend, mit Hebelsystem,
ver­stellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 330
mm, Vierkolben-Festsättel, Scheibenbremse
hin­ten, Ø 245 mm, Zweikolben-Festsattel, Traktionskontrolle, ABS.
Magnesium-Schmiederäder 3.50 x 17; 6.00 x 17
Reifen
120/70 ZR 17; 200/55 ZR 17
M Aß E + G E W I C H T
Radstand 1437 mm, Lenkkopfwinkel 65,5 Grad,
Nachlauf 100 mm, Federweg v/h 120/130 mm,
Sitzhöhe 830 mm, Gewicht vollgetankt 177 kg,
Tankinhalt 17,0 Liter.
Garantie
zwei Jahre
FarbenRot/Weiß
Preis
65 000 Euro
Nebenkosten
305 Euro
Links ein Panigale-Kolben mit drei Ringen,
die Superleggera hat nur zwei
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80 HARLEYS®. 3 TRUCKS. ÜBER 60 STOPPS.
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