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Quicklunch im Hotel Des
Balances in Luzern:
Drei Gerichte (Vorspeise,
Hauptspeise, Dessert), auf
einem Plateau zur selben
Zeit serviert; Fr. 37.–.
Im Bild: Küchenchef Andy
Flury (mit einem BusinessQuicklunch).
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Food & Beverage Business-Lunch
Business-Lunch
SO REAGIEREN
GASTRO-PROFIS
auf die neuen Trends am Mittag
Die Zeit drängt, am Mittag mehr denn je. Nahrungsaufnahme gegen
das Ticken der Uhr – und vor dem Hintergrund gekürzter Spesenbudgets.
Kaum noch ein gepflegter Business-Lunch, der sich mit Rotwein und
Grappa in den späten Nachmittag hineinziehen würde. Kaum noch eine
Metzgerei oder Bäckerei, die mit ihrem Take-away-Angebot nicht versuchen würde, dem Restaurant nebenan seine Mittagsgäste abspenstig zu
machen. Wie findige Gastronomen und Hoteliers auf diese Entwicklung
reagieren? Beispiele aus der Branche.
Büfett mit servierter Hauptspeise im Restaurant Pur in
Pfäffikon: Bereits portionierte Vorspeisen auf dem Büfett,
servierter Hauptgang (Fleisch, Fisch oder Vegi), Dessert
vom Büfett. Zwei Gänge Fr. 49.–, drei Gänge Fr. 56.–.
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Food & Beverage Business-Lunch
Text: Nicole Amrein
A
m Morgen wie ein König, mittags
wie ein Kaiser, abends wie ein Bettler. Eine Weisheit, die sich überdauert
hat. Morgens einen Coffee to go und
ein Doughnut, mittags was vom Thai
um die Ecke oder ein Sandwich, damit man dazu
noch telefonieren kann – und erst am Abend,
wenn endlich Ruhe in die Hektik des Tages eingekehrt ist, die eigentliche Hauptmahlzeit. Die
Schweden tragen diesem Umstand Rechnung,
indem sie das Abendessen bereits als «middag»
bezeichnen. Und die hiesigen Gastronomen und
Hoteliers? Wie versuchen sie, den Mittagspeak in
Küche und Service mit den veränderten Ansprüchen der Gäste in Einklang zu bringen?
Büfett mit servierter Hauptspeise
Hotelier Bastian Hofmann setzt im
Hotel Stella in Interlaken aufs BusinessBüfett. Es kostet inklusive Mineralwasser Fr. 25.–. Die Themen ändern an
jedem Wochentag: Montag = Gemüse,
Dienstag = regionale Spezialitäten,
Mittwoch = mediterran, Donnerstag
= Salatbüfett mit 30 Sorten, Freitag =
Fisch.
Restaurateur Walter Tobler bietet
seinen Gästen im Restaurant «National
– zum goldenen Leuen» in St. Gallen
ein Patchwork-Essen am Mittag: Jeden
Tag ein anderes Stück Fleisch aus dem
Ofen, dazu Beilagen aus der Speisekarte
nach Wahl und in der gewünschten
Portionengrösse.
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2007 eröffnet, ist man im Restaurant Pur (Seedamm Plaza Hotel, Pfäffikon) dem Business-Büfett treu geblieben: kleine, bereits portionierte
Köstlichkeiten vom Vorspeisenbüfett gehen
einem servierten Hauptgang voraus. Hier stehen drei Varianten zur Auswahl: Fleisch, Fisch,
vegetarisch.
Oder aber etwas von der Grillkarte. Das Dessert wieder vom Büfett – der Gast kann sich die
Aufenthaltsdauer im Restaurant selber einteilen.
F&B-Manager Magnasch Joos verweist zudem
auf die Vorteile für die Küche und den Service:
«Durch die Kombination Büfett und servierter
Hauptgang ist eine gute Vorbereitung möglich,
sodass der Mittagsservice auch bei Hochbetrieb
sehr ruhig abläuft.» Der Anteil Business-Lunch
liegt im Restaurant Pur bei 92 Prozent.
Business-Büfett
25 Franken pro Person für ein Business-Büfett,
bestehend aus fünf Salaten, drei kalten Vorspeisen, Suppe, Hauptspeise, drei verschiedene Desserts und Mineralwasser à discretion – das Hotel
Stella in Interlaken hat längst eine treue Stammkundschaft. Hotelier Bastian Hofmann: «Das
Büfett haben meine Eltern vor fünfzehn Jahren
eingeführt. Rund 95 Prozent der Mittagsgäste
profitieren von diesem Angebot. Es gibt Leute,
die essen vier Gänge in fünfundzwanzig Minuten, andere lassen sich Zeit und trinken zum
Schluss noch einen Kaffee.» Das grosse Plus für
die Küche: «Unsere Köche schicken einmal die
Speisen, danach haben sie fast den ganzen Mittag über Zeit für die Produktion. Auch können
übrig gebliebene Portionen von der Halbpension
des Vortages auf diese Weise hygienisch und sinnvoll aufgebraucht werden.»
Der Quicklunch
All in one – Salat, Hauptgang und Dessert nach
Wahl, zusammen auf einem Plateau serviert. So
die Antwort im Hotel Des Balances in Luzern auf
die Ansprüche der Mittagsgäste. Für Direktor
Peter E. Büsser zählt vor allem die Zeitersparnis:
«Die Küche muss nur einmal anrichten, der Service nur einmal zum Tisch laufen – und der Gast
erhält alle drei Gänge gleichzeitig, hat also keine
Wartezeiten zwischen den Gängen und kann selber entscheiden, wie schnell er essen möchte.»
Das Angebot, so Büsser, werde vor allem von eiligen Geschäftsleuten sehr geschätzt.
Erholung inklusive
Eine Kleinigkeit essen und sich dann für ein
Stündchen aufs Ohr legen. Dies das Mittagskonzept vom Hotel Bären mitten in Bern. Bei einer
Konsumation ab 20 Franken (Vorspeise, Hauptgang, 3 dl Mineralwasser oder Kaffee) kann der
Gast zwischen 12 und 15 Uhr kostenlos einen
Mittagsschlaf machen. Einzige Bedingung: Einzelnutzung des zur Verfügung gestellten Hotelzimmers. Hannes und Beatrice Imboden haben
diese Idee vor vier Jahren umgesetzt. «Die Resonanz ist sehr gut. Wir haben mittlerweile immer
zwei bis drei Gäste, die vom Angebot profitieren. Männer wie Frauen. In der Regel sind es
Geschäftsleute aus der Umgebung, die es schätzen, sich nach dem Essen kurz hinzulegen und
schlafend aufzutanken.»
Patchwork-Essen
Im Klosterviertel von St. Gallen, umgeben von
Take-aways und Bäckereien mit breitem Sandwich-Angebot, geht Walter Tobler, Wirt im
«National – zum goldenen Leuen» eigene Wege.
Patchwork-Essen nennt es der Gastronom und
Bierkenner: täglich «en Brogge Fleisch» frisch aus
dem Ofen. Dazu kombiniert der Gast Beilagen aus
der Speisekarte – je nach Appetit in verschiedenen Portionengrössen. Fleischkäse XXL, Salat S,
Pommes M, ein jeder nach seinem Gusto.
Durchblick im Mittagsangebot
Lunch-Konzepte jenseits von «Menü 1» und
«Vegi» gibt es mittlerweile diverse. Was oft fehlt,
sind Gäste, die dem Angebot zugeneigt sind. Wer
sowieso immer blindlings «die Zwei ohne Suppe»
bestellt, wird sich kaum je auf ein Experiment
einlassen. Und jene, die dazu bereit wären, wissen in der Regel nichts davon. An diesem Punkt
setzt www.lunchgate.ch an. Auf den ersten Klick
ein Gastro-Portal wie viele in der Schweiz. Doch
bietet Lunchgate die Möglichkeit, sich kostenlos
via Newsletter täglich über die aktuellen Mittagsangebote der sich in der Nähe befindenden Restaurants informieren zu lassen. Eine Dienstleistung, die bei Gästen und Gastronomen gleichermassen ankommt. Gewisse Betriebe sind bereits
in über tausend Newslettern täglich vertreten.
Die Lunchgate-Website verzeichnet pro Monat
über eine halbe Million Klicks. Ein Zeichen dafür,
dass Auswärtsessen durchaus noch im Trend liegt
H
– auch mittags.
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