Thema 1: Zivilisten im Krieg

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Thema 1: Zivilisten im Krieg
BRP Deutsch, Semester 2; Probeklausur 3, 6. 2. 1015 (300 Minuten Arbeitszeit)
Thema 1: Zivilisten im Krieg
Aufgabe 1.1. Interpretation einer Kurzgeschichte
Verfasse eine Interpretation zur Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert. Beachte, dass Wolfgang
Borchert als Vertreter der so genannten „Trümmerliteratur“ nach 1945 den Zweiten Weltkrieg v.a. aus der Perspektive
der einfachen Soldaten und der Zivilbevölkerung thematisiert.
Achte darauf, dass der Hauptteil deiner Arbeit folgende Abschnitte umfasst:
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einen beschreibenden Abschnitt, in dem du zentrale Textmerkmale erklärst. Erwähne Handlungskern und
Erzählhaltung. Beschreibe die Figur des Protagonisten und die „Nebenfiguren“ möglichst differenziert. Erkläre
auch, welche symbolische Bedeutung die Uhr (Titel!) hat.
Einen interpretierenden Abschnitt, in dem du dich persönlich mit der Geschichte und / oder einzelnen Aspekten
in der Geschichte auseinandersetzt. Beziehe dich dabei auf eine der folgenden Fragestellungen:
o Inwiefern können wir die Geschichte als „Anti-Kriegs-Geschichte“ lesen und verstehen?
o Inwiefern ist der Protagonist in der Geschichte eine „typisierte Stellvertreterfigur“? Welche
Personengruppe repräsentiert er?
o Ist ist die Geschichte heute noch relevant und aktuell? Inwiefern?
Die Interpretation sollte einen Umfang von etwa 600 bis 700 Wörtern haben. Mehr zu schreiben ist erlaubt,
Aufgabe 1.2. Leserbrief zum Thema Zivilisten im Krieg
Seit einiger Zeit gibt es in Österreich eine Diskussion zur Frage, ob Österreich sich stärker bemühen soll, syrischen
Flüchtlingen politisches Asyl zu gewähren. Informationen dazu findest du in den Textbeilagen. Reagiere auf den
Zeitungsartikel im „Standard“ (811 Syrien-Flüchtlinge …) mit einem Leserbrief. Stelle dabei eine der folgenden
Positionierungen ins Zentrum deiner Darlegung und deiner Argumentation:
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Möglichkeit 1: Wir sollten uns viel aktiver um die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien bemühen.
Möglichkeit 2: Österreich macht bereits genug. Wir können nicht noch mehr Flüchtlinge aus Syrien aufnehmen.
Der Leserbrief sollte einen Umfang von maximal 150 Wörtern haben.
Textbeilage zu Thema 3.1.
„Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert
Sie sahen ihn schon von weitem auf sich zukommen, denn er fiel auf. Er hatte ein ganz altes Gesicht, aber wie er ging,
daran sah man, dass er erst zwanzig war. Er setzte sich mit seinem alten Gesicht zu ihnen auf die Bank. Und dann
zeigte er ihnen, was er in der Hand trug.
Das war unsere Küchenuhr, sagte er und sah sie alle der Reihe nach an, die auf der Bank in der Sonne saßen. Ja, ich
habe sie noch gefunden. Sie ist übrig geblieben. Er hielt eine runde tellerweiße Küchenuhr vor sich hin und tupfte mit
dem Finger die blaubemalten Zahlen ab.
Sie hat weiter keinen Wert, meinte er entschuldigend, das weiß ich auch. Und sie ist auch nicht besonders schön. Sie ist
nur ein Teller, so mit weißem Lack. Aber die blauen Zahlen sehen doch ganz hübsch aus, finde ich. Die Zeiger sind
natürlich nur aus Blech. Und nun gehen sie auch nicht mehr. Nein. Innerlich ist sie kaputt, das steht fest. Aber sie sieht
noch aus wie immer. Auch wenn sie nicht mehr geht.
Er machte mit der Fingerspitze einen vorsichtigen Kreis auf dem Rand der Telleruhr entlang. Und er sagte leiste: Und sie
ist übrig geblieben.
Die auf der Bank in der Sonne saßen, sahen ihn nicht an. Einer sah auf seine Schuhe und die Frau sah ihren
Kinderwagen. Dann sagte jemand: Sie haben wohl alles verloren?
Ja, ja, sagte er freudig, denken Sie, aber auch alles! Nur sie hier, sie ist übrig. Und er hob die Uhr wieder hoch, als ob
die anderen sie noch nicht kannten.
Aber sie geht doch nicht mehr, sagte die Frau.
Nein, nein, das nicht, kaputt ist sie, das weiß ich wohl. Aber sonst ist sie doch noch ganz wie immer: weiß und blau. Und
wieder zeigte er ihnen seine Uhr. Und was das Schönste ist, fuhr er aufgeregt fort, das habe ich Ihnen ja überhaupt noch
nicht erzählt. Das Schönste kommt nämlich noch: Denken Sie mal, sie ist um halb drei stehen geblieben. Ausgerechnet
um halb drei, denken sie mal.
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BRP Deutsch, Semester 2; Probeklausur 3, 6. 2. 1015 (300 Minuten Arbeitszeit)
Dann wurde ihr Haus sicher um halb drei getroffen, sagte der Mann und schob wichtig die Unterlippe vor. Das habe ich
schon oft gehört. Wenn die Bombe runtergeht, bleiben die Uhren stehen. Das kommt von dem Druck.
Er sah seine Uhr an und schüttelte überlegen den Kopf. Nein, lieber Herr, nein, da irren Sie sie sich. Das hat mit den
Bomben nichts zu tun. Sie müssen nicht immer von Bomben reden. Nein. Um halb drei war etwas ganz anderes, das
wissen Sie nur nicht. Das ist nämlich der Witz, dass sie gerade um halb drei stehen geblieben ist. Und nicht um viertel
nach vier oder um sieben. Um halb drei kam ich nämlich immer nach Hause. Nachts, meine ich. Fast immer um halb
drei. Das ist ja gerade der Witz.
Er sah die anderen an, aber die hatten ihre Augen von ihm weggenommen. Er fand sie nicht. Da nickte er seiner Uhr zu:
Dann hatte ich natürlich Hunger, nicht wahr? Und ich ging immer gleich in die Küche. Da war es dann fast immer halb
drei. Und dann, dann kam nämlich meine Mutter. Ich konnte noch so leise die Tür aufmachen, sie hat mich immer
gehört. Und wenn ich in der dunklen Küche etwas zu essen suchte, ging plötzlich das Licht an. Dann stand sie da in ihrer
Wolljacke und mit einem roten Schal um. Und barfuß. Immer barfuß. Und dabei war unsere Küche gekachelt. Und sie
machte ihre Augen ganz klein, weil ihr das Licht so hell war. Denn sie hatte ja schon geschlafen. Es war ja Nacht.
So spät wieder, sagte sie dann. Mehr sagte sie nie. Nur: So spät wieder. Und dann machte sie mir das Abendbrot warm
und sah zu, wie ich aß. Dabei scheuerte sie immer die Füße aneinander, weil die Kacheln so kalt waren. Schuhe zog sie
nachts nie an. Und sie saß so lange bei mir, bis ich satt war. Und dann hörte ich sie noch die Teller wegsetzen, wenn ich
in meinem Zimmer schon das Licht ausgemacht hatte. Jede Nacht war es so. Und meistens immer um halbdrei. Das war
ganz selbstverständlich, fand ich, dass sie mir nachts um halb drei in der Küche das Essen machte. Sie tat das ja immer.
Und sie hat nie mehr gesagt als: So spät wieder. Aber das sagte sie jedes Mal. Und ich dachte, das könnte nie aufhören.
Es war mir so selbstverständlich. Das alles war doch immer so gewesen.
Einen Atemzug lang war es ganz still auf der Bank. Dann sagte er leise: Und jetzt? Er sah die anderen an. Aber er fand
sie nicht. Da sagte er der Uhr leise ins weißblaue runde Gesicht: Jetzt, jetzt weiß ich, dass es das Paradies war. Das
richtige Paradies.
Auf der Bank war es ganz still. Dann fragte die Frau: Und ihre Familie? Er lächelte sie verlegen an: Ach, Sie meinen
meine Eltern? Ja, die sind auch mit weg. Alles ist weg. Alles, stellen sie sich vor. Alles weg.
Er lächelte verlegen von einem zum anderen. Aber sie sahen ihn nicht an. Da hob er wieder die Uhr hoch und er lachte.
Er lachte: Nur sie hier. Sie ist übrig. Und das Schönste ist ja, dass sie ausgerechnet um halb drei stehen geblieben ist.
Ausgerechnet um halb drei. Dann sagte er nichts mehr. Aber er hatte ein ganz altes Gesicht. Und der Mann, der neben
ihm saß, sah auf seine Schuhe. Aber er sah seine Schuhe nicht. Er dachte immerzu an das Wort Paradies.
Beilagen zu Thema 3.2.
811 Syrien-Flüchtlinge kamen im ersten Halbjahr nach
Österreich1
Nur ein äußerst geringer Teil der Syrien-Flüchtlinge schafft es in den
Westen. Im ersten Halbjahr 2013 gelangten 811 Personen auf eigene
Faust nach Österreich.
Im Vergleich zur Zahl der laufenden Asylanträge ist die einmalige
Aufnahmeaktion für 500 Flüchtlinge eher klein bemessen. Während die
Ankündigung, dass die Regierung vorrangig christliche Flüchtlinge aus
Syrien aufnehmen wolle, im Sommer für Aufregung sorgte, ist der größte
Teil der Syrer, die in Österreich Asyl erhalten, wohl muslimischen Glaubens:
In den Monaten Jänner bis August stellten 811 Syrer und Syrerinnen in
Österreich einen Asylantrag, wobei die Anerkennungsquote in diesen Fällen
laut Innenministerium bei nahezu 100 Prozent liegt. Zum Vergleich: Im
Rahmen der einmaligen Aufnahmeaktion, die am Montag beginnt, kommen
nur 500 Flüchtlinge ins Land.
Entgegen Medienberichten, die von einer "kurzfristigen" Aufnahme der
Flüchtlinge sprechen, erhalten die 500 Betroffenen einen Asylbescheid, der
sie zur dauerhaften Niederlassung in Österreich berechtigt. Dieses
sogenannte "Asyl von Amts wegen" erspart ihnen das Abwarten eines
Asylverfahrens in Österreich, sie reisen bereits als Flüchtlinge ins Land ein.
Die meisten von ihnen haben bereits Familienangehörige in Österreich, bei denen sie wohnen können: Wie in
Deutschland hat man laut Innenministerium auch in Österreich bei der Auswahl der Flüchtlinge nicht nur auf die
besondere Schutzwürdigkeit geachtet, sondern auch darauf, ob sie Verwandte haben, die bereits im Land leben. Sie
werden nur vorübergehend im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen untergebracht, bis sie in ihre neue Bleibe übersiedeln
können.
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Quelle Zeitungsbericht: „Der Standard“, 27. 9. 2013; Quelle Grafik: „Kurier“, 3. 9. 2013
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BRP Deutsch, Semester 2; Probeklausur 3, 6. 2. 1015 (300 Minuten Arbeitszeit)
Thema 2: Junge Menschen zwischen Anpassung und Rebellion.
Zusammenfassung und Erörterung
2.1. Zusammenfassung
Verfasse eine Sachtextzusammenfassung des Zeitungstextes „Die Jugendlichen von heute sind die neuen
Spießer“ im Umfang von maximal 200 Wörtern. Achte auf folgende Gesichtspunkte:
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Einleitung mit Daten und Thema
Hauptteil mit fünf bis sieben Kernaussagen; logische Gliederung; Konzentration auf das
Wesentliche; keine Leersätze und keine Redundanzen; sachsprachlicher, „objektiver“ Grundton;
erkennbare Trennung von eigenen und von wiedergegebenen Aussagen (z. B. Konjunktiv)
Schluss mit einer persönlichen abschließenden Bemerkung.
2.2. Erörterung zum Thema Lebensperspektiven junger Menschen
Verfasse eine Erörterung im Umfang von etwa 600 bis 650 Wörtern Wörtern, in der es um folgende Fragen
geht:
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Mit welchen privaten und beruflichen Herausforderungen sind junge Menschen heute besonders
stark konfrontiert? Wie können sie mit diesen Herausforderungen gut umgehen?
Achte beim Verfassen der Arbeit auf folgende Gesichtspunkte:
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Vorbereitung der Diskussion; keine Diskussion in der Einleitung
Die Fragestellung ist offen. Du musst eine stimmige und für einen Leser logische Struktur für den
Hauptteil entwickeln (z. B. Gliederung von außen nach innen)
Jedes Argument steht in einem eigenen Absatz; jedes Argument braucht eine klar erkennbare
These; jede These muss dargelegt, erläutert, begründet werden.
Die eigene Meinung hat in der Diskussion Platz; die Arbeit muss aber unterschiedliche Perspektiven
beleuchten.
Am Schluss: Abrundung der Diskussion, Schlusspunkt; keine Wiederholung
Stelle einen sinnvollen und für einen Leser nachvollziehbaren Bezug zum Ausgangstext her. Wo und
in welcher Form du dich auf den Ausgangstext beziehst, kannst du selbst entscheiden.
Die Erörterung sollte einen Umfang von mindestens 550 Wörtern haben. Mehr zu schreiben ist
erlaubt. Ein größerer Umfang muss aber inhaltlich begründet und gerechtfertigt sein.
Textbeilage zu Thema 2
Die Jugendlichen von heute sind die neuen Spießer2
Drei Studien haben untersucht, wie sich die heutigen Jugendlichen von ihren Eltern unterscheiden. Ihre Ziele
sind recht bescheiden. Von I. Michler und N. Trentmann
Er ist Realist, kein Träumer, der sich einen Surfladen an der französischen Atlantikküste wünscht. Nein,
Malte backt kleine Brötchen. Eine Wohnung, ein geregeltes Einkommen, eine Familie, "das wäre schon gut",
sagt der 18-Jährige. "Ich will einfach sorgenfrei leben." Malte wohnt in einer Wohngemeinschaft in Bochum,
macht gerade sein Fachabitur. Danach will er eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker anfangen. Und dann?
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Quelle: „Die Welt“, 7. 11. 2010 (http://www.welt.de/wirtschaft/article10780815/Die-Jugendlichen-vonheute-sind-die-neuen-Spiesser.html)
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BRP Deutsch, Semester 2; Probeklausur 3, 6. 2. 1015 (300 Minuten Arbeitszeit)
Eine eigene Werkstatt hätte er gern, in zehn Jahren vielleicht. Und nach Australien möchte er mal, eine Zeit
lang, damit er "nicht ganz in Routine erstickt". Abgesehen davon, soll Maltes Leben vor allem eines sein:
sicher. "Ich will abgesichert sein, nicht jeden Cent drei Mal umdrehen müssen", sagt der junge Mann. Viel
Luxus muss er dafür nicht haben: "Was nicht geht, das geht nicht." Malte sagt das in einem nüchternen
Tonfall, ohne Bedauern oder Aufbegehren. Wohnung, Job, Familie - was sollte er mehr wollen?
Viele seiner Altersgenossen sehen das auch so. Sie sind pragmatisch, die Jugendlichen im Jahr 2010,
besonders beim Thema Finanzen. Die neuen Spießer wollen es sicher, so sicher wie möglich. In einer Welt
der großen Veränderungen setzen sie auf kleine Schritte: ein neuer Fernseher, der nächste Urlaub, das
eigene Auto. Die Zeiten des Aufbegehrens gegen die Eltern und ihre engen Konventionen scheinen vorbei.
Es ist, als hätten sich die Rollen verkehrt: So mancher Erwachsene schüttelt den Kopf über die allzu
angepasste Jugend von heute.
"Uns hat überrascht, was für einen pragmatischen Blick die Jugendlichen auf die Zukunft haben", sagt
Thomas Jerkovic von der Gesellschaft für Innovative Marktforschung in Heidelberg, der im Auftrag der
Allianz Jugendliche zwischen 16 und 24 Jahren nach ihren Träumen und Plänen befragt hat.
Eine gute Ausbildung und ein erfolgreicher Berufseinstieg sind die wichtigsten Ziele - egal, ob die
Jugendlichen studieren, schon arbeiten oder eine Ausbildung absolvieren. Eng damit verknüpft ist
finanzieller Erfolg, den die Jungen als Garanten für Lebenssicherheit sehen. "Sicherheit als Begriff ist im
Vergleich zu früheren Generationen definitiv wichtiger geworden", sagt Studienleiter Jerkovic. "Die
Lebensziele der Jugendlichen sind bodenständiger." Dazu passt, dass rund 64 Prozent der 12- bis 25Jährigen in der Shell-Jugendstudie angeben, man müsse seine Ziele kennen, um später erfolgreich zu sein.
Malte will deshalb mindestens 3000 Euro netto im Monat verdienen. Erst mit einem solchen Einkommen, so
glaubt er, kann er sich selbst verwirklichen - eine Aussage, die viele seiner Altersgenossen genauso
unterschreiben würden. Finanzielle Sicherheit gilt ihnen als Vehikel zur Selbstverwirklichung. Maltes
Idealismus hält sich deshalb in Grenzen - erst das Geld, dann die Träume. Auch Lisa, Krankenpflegerin aus
Herne im Ruhrgebiet, sieht Geld als "Grundstein, auf dem alles aufbaut". Sie wünscht sich Urlaub, eine
gesicherte Versorgung, ein Auto, wobei das kein "Mercedes oder ein dicker BMW sein muss". Die 21Jährige beschreibt finanzielle Absicherung als ihr wichtigstes Lebensziel: "Dass man sich einen gewissen
Lebensstandard erarbeitet, das reicht mir."
Die neuen "Spießer" sind bescheiden. Finanzielle Sicherheit ist ihnen auch deshalb so wichtig, weil sie
wissen, dass sie keine lückenlosen Lebensläufe haben werden, dass sie mit deutlich geringeren Renten als
ihre Eltern rechnen müssen. Vom Staat erwartet die Mehrzahl der Jugendlichen höchstens noch
Unterstützung auf Hartz IV-Niveau, mehr nicht. […] (533 Wörter)
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