Univ. Prof. Dr. med. Jochen Seufert: Diabetische Neuropathie

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Univ. Prof. Dr. med. Jochen Seufert: Diabetische Neuropathie
Univ. Prof. Dr. med. Jochen Seufert: Diabetische Neuropathie – Praxisgerechte Umsetzung der Leitlinien
Diabetische Neuropathie – Praxisgerechte Umsetzung der Leitlinien
Univ. Prof. Dr. med. Jochen Seufert, FRCPE, Freiburg
Dreseden (1. Juni 2011) - Die diabetischen Neuropathien können neben den
Veränderungen an den Blutgefäßen der Netzhaut des Auges und der Nieren als
dritter wichtiger Folgeschaden im Rahmen des Diabetes mellitus entstehen. Diese
Nervenerkrankungen entwickeln sich im Durchschnitt bei mehr als jedem dritten
Menschen mit Diabetes und verursachen vielfältige, zum Teil sehr unangenehme
und schwerwiegende Beschwerden.
Man unterscheidet zwei Hauptformen der diabetischen Neuropathien:
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Erkrankungen des willkürlichen Nervensystems (periphere Neuropathie),
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Erkrankungen des vegetativen Nervensystems (autonome Neuropathie).
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Die wichtigste Maßnahme gegen die diabetischen Nervenerkrankungen besteht
darin, ihnen vorzubeugen. Je früher der Patient nach der Feststellung seines
Diabetes langfristig eine möglichst optimale Diabeteseinstellung erreicht, umso
größer ist seine Chance, dass er diesen Folgeschäden im Laufe seines Lebens
nicht begegnen wird. Es gibt aber neben der langfristig unzureichenden
Diabeteseinstellung noch weitere Faktoren, die eine wichtige Rolle bei der
Entwicklung der diabetischen Nervenerkrankungen spielen. So tragen nicht nur
ein übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen, sondern auch Übergewicht zu
einer Nervenschädigung bei. Besonders wichtig für Patienten mit einer
Nervenerkrankung ist die richtige Fußpflege. Die Anleitung hierzu ist fester
Bestandteil jeder Diabetesschulung.
Insbesondere bei Schmerzen oder unangenehmen Missempfindungen ist neben
der guten Diabeteseinstellung häufig eine zusätzliche Behandlung erforderlich,
um die Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten. In Betracht kommen in erster
Linie Antidepressiva wie Duloxetin oder Antiepileptika wie Pregabalin. Diese sind
gemäß der Praxisleitlinien der Deutschen Diabetesgesellschaft als Medikamente
der 1. Wahl anzusehen. Pregabalin moduliert dabei die Aktivität von
überaktivierten Schmerzfasern der Nerven und trägt so zu einer signifikanten
Schmerzreduktion bei.
Die wichtigsten Eigenschaften von Pregabalin sind:
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Indikation: Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen im
Erwachsenenalter.
Wirksamkeit in 8 doppelblinden Studien nachgewiesen.
Therapeutischer Dosierungsbereich 150-600 mg/Tag.
Signifikante Schmerzreduktion innerhalb 1 Woche, und anhaltend über
gesamten Behandlungszeitraum.
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Hohe Responderraten.
Anhaltende Langzeitwirkung in offenen Studien (≥ 1 Jahr).
Besserung von schmerzbedingten Schlafstörungen innerhalb 1 Woche.
Patienten berichten über allgemeine Verbesserung ihres Zustandes.
Dosierung: Beginn mit Tagesdosis von 150 mg. Je nach Ansprechen und
individueller Verträglichkeit, kann die Dosis nach 3 bis 7 Tagen auf 300 mg täglich
erhöht werden. Bei Bedarf Steigerung nach weiteren 7 Tagen auf eine
Höchstdosis von 600 mg täglich.
Einnahmezeit unabhängig von Mahlzeiten.
Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion benötigen eine geringere
Dosis.
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Sehr starke Schmerzen erfordern eine Kombinationstherapie, u.U. mit einem
Opiat. Unangenehme Missempfindungen und Taubheitsgefühl sprechen vor allem
auf intravenöse Infusionen von α-Liponsäure (Thioctsäure) über 3 Wochen an.
Die Ergebnisse der modernen Schmerzforschung legen nahe, den Schmerz rasch
und wirkungsvoll zu behandeln, damit sich die Schmerzerfahrung nicht zu lange
im „Schmerzgedächtnis“ festsetzt und damit eine Chronifizierung der Schmerzen
vermieden wird. Darüber hinaus gibt es eine Reihe nichtmedikamentöser
Therapieverfahren, die im Gegensatz zu Medikamenten kaum Nebenwirkungen
verursachen.
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Hierzu zählen neben der psychologischen Schmerzbehandlung z.B.
physiotherapeutische Anwendungen. Mit Hilfe der elektrischen Nerven- (TENS)
oder Muskelstimulation (Hochtontherapie mit HiTOP-Gerät) können
neuropathische Schmerzen behandelt werden. Die Schmerzen können aber auch
durch eigene aktive Maßnahmen, wie die gezielte Ablenkung vom Schmerz und
Umlenkung der Aufmerksamkeit weg von belastenden Gedanken hin zu
angenehmen Dingen des Alltags, Führen eines Schmerztagebuchs, Pflegen
sozialer Kontakte, körperliche Aktivität im richtigen Maß und sinnvolle
Alltagsgestaltung, besser bewältigt werden. Bei Patienten mit Muskelschwäche
oder Lähmungen hilft eine regelmäßige krankengymnastische Betreuung.
Druckgeschwüre können nur abheilen, wenn sie konsequent durch Bettruhe und
anschließend durch Vorfußentlastungsschuhe (Fersensandalen) entlastet und
sachgemäß lokal durch regelmäßige Abtragung von Hornhaut- und
Geschwürsgewebe sowie antibiotisch behandelt werden.
Die Praxisleitlinien der Deutschen Diabetes-Gesellschaft zur „Diabetischen
Polyneuropathie“ geben eine praxisorientierte, evidenzbasierte Hilfestellung zur
systematischen Diagnostik und Therapie bei diabetischer Polyneuropathie
(Ziegler D et al. Diabetische Neuropathie. Praxis-Leitlinie der Deutschen Diabetes
Gesellschaft (DDG). 2010. Online veröffentlicht unter www.deutschediabetesges
ellschaft.de/redaktion/mitteilungen/leitlinien/PL_DDG2010_Neuropathie.pdf
(Stand Januar 2011).
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Neuropathie – Praxisgerechte Umsetzung der Leitlinien”
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 Key_Charts_DDG_11_Seufert.pdf (
Quelle: Symposium der Firma Pfizer zum Thema „Der
Patient mit Diabetes von A wie Auge bis Z wie Zehe“ am
01.06.2011 in Dresden (MCG-Medical Consulting Group)
(tB).
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