Gebetsimpuls 645 14. So.iJ 03.07.16 (lk 101-12.17-20)

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Gebetsimpuls 645 14. So.iJ 03.07.16 (lk 101-12.17-20)
Zum 14. Sonntag im Jahreskreis am 03.07.16 (Lk 10,1-12.17-20)
In jener Zeit suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte
und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte. Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur
wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden. Geht! Ich sende
euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine
Schuhe! Grüßt niemand unterwegs! Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem
Haus! Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm
ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren. Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch
anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt. Heilt die
Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe. Wenn ihr aber in eine
Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft: Selbst den
Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das
Reich Gottes ist nahe. Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie
dieser Stadt.
Die zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen
uns, wenn wir deinen Namen aussprechen. Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz
vom Himmel fallen. Seht, ich habe euch die Vollmacht gegeben, auf Schlangen und Skorpione zu
treten und die ganze Macht des Feindes zu überwinden. Nichts wird euch schaden können. Doch freut
euch nicht darüber, dass euch die Geister gehorchen, sondern freut euch darüber, dass eure Namen
im Himmel verzeichnet sind.
Während Jesus im Evangelium des vergangenen Sonntags klar machte – selbst auf dem Weg zum
Ziel seiner Sendung – , wie entschieden er „vorangeht“, indem er einladend und zugleich ohne sich
aufzudrängen, also gewaltlos, auf die Menschen „zugeht“, die ihm ablehnend oder sich anbiedernd
oder mit Vorbehalten entgegentreten, zeigt er uns diesmal die eigene und an die „Mitarbeiter“ weitergegebene tiefe Freude auf, die ihn erfüllt im Verkünden seiner „neuen“ Botschaft vom Reich und der
Herrschaft Gottes. Diese „Evangelisierung“ hat – was den Zwölferkreis der Apostel angeht – zunächst
im eigenen Volk zu geschehen; durch die zweiundsiebzig anderen – ebenso ausgewählt und gesandt
– im Blick auf alle Völker der Welt unter den „Heiden“. Motiv – Beweggrund – für diesen Auftrag ist die
„reiche Ernte“, die eingefahren werden soll und schon erkennbar ist an der Sehnsucht der Menschen
nach dem wahren Glück, und die „Nähe des Reiches Gottes“, das mit der neuen Einstellung zur Welt,
zu den Menschen, zu den Dingen anbricht. Wie schwer es uns fällt, eine solche Botschaft in uns einzulassen, zeigt sich daran, dass nur Gott selber genügend „Ernte-Arbeiter“ mobilisieren kann, aber es
auch tut, wenn wir ihn inständig darum bitten. Da hier Gott am Werk ist, wird alle menschliche Überlegung, Planung, Vor-sorge“ nicht überflüssig, aber sehr zweitrangig. Auch Ablehnung und „Scheitern“
aus menschlicher Sicht beim Einsatz für das Evangelium darf nicht zum Aufgeben, zur Resignation,
zur Anbiederung und zur „Ermäßigung“ des Angebots führen, denn Jesus selbst steht hinter seinen
auserwählten und gesandten Boten und verleiht ihnen den Erfolg. Es lohnt sich, die Bilder, die Jesus
für das Paradox dieses Auftrags verwendet, auf sich wirken zu lassen: „Schafe mitten unter Wölfen“,
„wie ein Blitz“ schlägt die von Jesus uns geschenkte Voll-Macht Gottes beim „Bösen“ ein und „vernichtet“ seine Macht. Trotz allen äußeren Anscheins hat Jesus in seinen Gesandten „vollen Erfolg“, wie
die, die es „ausprobieren“ begeistert feststellen. Sie können es gar nicht fassen, dass „…sogar die
Dämonen uns gehorchen, wenn wir deinen Namen aussprechen“. „Nichts“ kann uns schaden, wenn
wir diese uns geschenkte Gottesgabe im Dienst an den Menschen „heilend“, ermutigend, tröstend,
aufbauend einsetzen. Entscheidend ist nicht unser Erfolg, der uns stolz macht, sondern das Eingehen
auf die Glück und Befreiung suchenden Menschen, denen wir uns persönlich zuwenden, das bedeutet, ihnen Zeit und Raum zu schenken, dass sie durch uns Jesus in seiner – nur – liebenden Zuwendung zum ganzen Menschen mit allem, was er an beglückenden und leidvollen Erfahrungen mitbringt,
selbst erkennen und IHM begegnen.
Habe ich solche Erfahrungen, wie sie Jesus trotz allem Anschein des Gegenteils uns „garantiert“,
schon einmal gemacht? Ist in mir diese Freude an Jesu Botschaft da, so dass ich den Mut habe, sie
weiterzusagen durch mein ganzes Verhalten? Ist sie getrübt oder einfach verloren gegangen? Wem
gebe ich die Vollmacht, in mir zu wirken, auf mich einzuwirken, mich „abzulenken“ von der Zusage
Jesu? Kenne ich diese „blinden Passagiere“, die das befreiende Wirken Jesu auf der Fahrt des Lebens hintertreiben oder verhindern: unseren erzwungenen Einfluss auf andere, so dass wir sie beherrschen, statt ihnen zu dienen, unsere Selbstgefälligkeit, unseren Stolz, unsere Rechthaberei?
Wolfgang Müller SJ