Unabhängige Vermögensverwalter toppen die Banken Für jedes

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Unabhängige Vermögensverwalter toppen die Banken Für jedes
Unabhängige Vermögensverwalter toppen die Banken
Für jedes Risikoprofil etwas dabei - Individuelles Management bei unabhängigen
Verwaltern bereits ab 100 000 Euro - Aber "nur jedes fünfte Institut geeignet"
Wir alle müssen arbeiten. Manche mehr, andere weniger. Auch Geld muss arbeiten, denn
liegt es ohne Rendite nur herum, wird es von der Inflation von zurzeit rund 2 %
aufgefressen. Die Zeiten, in denen man sein Depot wie sein gesamtes Vermögen ohne
große Mühe verwalten konnte, sind vorbei. Für die erfolgreiche Geldanlage, wie es Stefan
Mayerhofer, Vorstand der Münchner PEH Wertpapier AG, nennt, "muss man sich Zeit
nehmen und seine Anlagestrategien den Veränderungen der Märkte permanent
anpassen".
Für den einzelnen Anleger ist es kaum möglich, Mayerhofers Anforderungen zu erfüllen.
Daher nutzen viele Sparer das Know-how von Profis - in aller Regel das von Beratern der
Banken und Sparkassen. Doch nicht immer sind Sparer mit deren Arbeit zufrieden. Im
vergangenen Jahr untersuchte die Zeitschrift Finanztest die Beratungsqualität der großen
Privatbanken sowie ausgewählter Volksbanken und Sparkassen. Das ernüchternde
Ergebnis: Eine Beraterbank war unter den Besten nicht dabei, titelte das unabhängige
Verbrauchermagazin.
Folgeberatung fehlt oft
Warum das so ist, dafür hat Stefan Mayerhofer eine Erklärung: "Banken und Sparkassen
bieten meist nur Fonds aus der eigenen Investmentgruppe an. Auch wenn inzwischen
immer mehr Banken damit werben, dass sie ihren Kunden Fonds von Häusern anbieten,
die nicht zum eigenen Konzern gehören. Die Bestände werden nach dem Verkauf nicht
mehr weiter betreut. Die Folgen sind bunt durcheinander gewürfelte Depots ohne
Strukturierung und Risikobetreuung."
Der jährlich erscheinende Elite Report hat von insgesamt 311 erfassten Banken und
Vermögensverwaltern 268 Anbieter näher unter die Lupe genommen. Die anonymen
Tester und die mit Experten besetzte Jury filterten insgesamt 53 Vermögensverwalter als
"empfehlenswert" heraus. Bezogen auf die 268 Kandidaten sind dies knapp 20 %. Damit
erscheint den Testergebnissen zufolge nur etwa jedes fünfte Haus tatsächlich auch als für
die Vermögensverwaltung geeignet. Dabei konnten besonders kleinere Häuser, wie
Bremer Landesbank, BHF-Bank, Berenberg Bank, Hamburger Sparkasse oder Weber
Bank überzeugen. Unter die empfehlenswerten Großbanken schafften es nur die beiden
Finanzinstitute Credit Suisse und UBS aus der Schweiz.
Standardisiert
Die professionelle Vermögensverwaltung ist für Anleger gedacht, die sich selbst nicht mit
dem Thema Geldanlage beschäftigen möchten oder können. Der Kleinanleger mit
Beträgen bis 100 000 Euro kann keine individuellen Vorgaben für die Anlagestruktur
machen. Dieses Privileg bleibt Besitzern größerer Vermögen vorbehalten. Aber
Erstgenannter
hat
die
Wahl
zwischen
verschiedenen
standardisierten
Verwaltungsmandaten. Dabei ordnen die Vermögensverwalter den Kunden in ein
Risikoprofil ein. Meist bieten Vermögensverwalter drei bis sechs unterschiedliche
Chancen/Risiken-Kombinationen an, die sich in der Hauptsache in der Aktienquote
unterscheiden.
Die Dresdner VermögensManagement erwartet für ihre vier Varianten der
standardisierten Vermögensverwaltung von "konservativ" bis "chancenorientiert" ein
Kapital von 10 000 Euro. Und bei der De utschen Bank können Sparer schon ab 2 500
Euro oder 50 Euro monatlich mit "db Privat Mandat Invest" zwischen sechs verschiedenen
Investmentfonds wählen. Die Renditen überzeugen aber nicht. Der weltweit anlegende
Aktienfonds "db PrivatMandat Inv Dynamik" hat in den vergangenen zwölf Monaten einen
Wertzuwachs von 2,1 % erzielt, und der Rentenfonds "db PrivatMandat Inv Substanz" für
den konservativen Anleger verlor seit März 2006 sogar 1 % an Wert.
Amerikaner erfolgreicher
Da verwundert es nicht, dass Amerikaner laut Businessnews vom 15. 12. 2006 deutlich
erfolgreicher sind als Deutsche. 60 Mrd. Euro mehr an Rendite könnten die Deutschen
jedes Jahr zusätzlich erzielen, würden sie ihr Geldvermögen von rund 4 Bill. Euro so
rentabel anlegen wie die Amerikaner. Denn während private Geldvermögen in den USA in
den vergangenen 14 Jahren jährlich real 3,6 % abwarfen, waren es hierzulande nur 2,1
%. Eine Ursache dürfte sein, dass die Mehrheit der Deutschen sich bei der Geldanlage auf
ihr glückliches Händchen oder auf den Berater der Hausbank verlässt, während die
Amerikaner auch mit kleineren Summen häufig zu unabhängigen Vermögensverwaltern
gehen.
Unabhängige Verwalter können alle Produkte, gleich welche Herkunft oder Popularität sie
besitzen, für eine erfolgreiche Geldanlage heranziehen. Einzig Rendite und Sicherheit sind
von Interesse. Doch Vorsicht: Vermögensberater kann sich im Prinzip jeder nennen.
Anders ist das bei den mehr als 500 Vermögensverwaltern in Deutschland. Diese
unterliegen seit 1998 der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
(BaFin) und damit einem strengen Regel- und Gesetzeswerk.
Vermögensverwalter legen auch eigene Investmentfonds auf. Ein besonders erfolgreicher
Vermögensverwalter-Fonds für das breite Publikum ist der Albrech & Cie Optiselect. Der
Investmentfonds legt weltweit in günstig bewerteten Aktien erstklassig geführter
Unternehmen an - und das mit großem Erfolg. Der Optiselect gewann in den
zurückliegenden zwölf Monaten 3,6 % an Wert und damit deutlich mehr als der MSCI
Welt Index mit 1,2 %. Standard & Poor's kürte diesen Fonds zum Sieger bei den Fund
Awards 2006. Noch besser machte es der Dachfonds Ampega NV Strategie Quattro Plus
AMI der Neue Vermögen AG. Das Fondsvermögen steigerte sich in den vergangenen
zwölf Monaten um 10,4 %.
Hervorragende Wertentwicklungen erreichte auch der Lingohr-Systematic-LBB-Invest.
7,8 % erwirtschaftete der international anlegende Aktienfonds seit März 2006 und der
FMM-Fonds von Frankfurt Trust war mit 5,7 % nur unwesentlich schlechter. Bei der
Meridio Vermögensverwaltung haben Sparer sogar die Möglichkeit, mit dem Fonds
Adviser I-Meridio GreenBalance in internationale Aktien von Unternehmen zu investieren,
die ausgezeichnete umweltorientierte Technologien und Lösungen bieten. Der Fonds
verzeichnete seit März 2006 einen Wertzuwachs von 2,3 %. Im Dreijahreszeitraum
erwirtschaftete der Fonds annähernd 60 %.
Bei der individuellen Vermögensverwaltung können die erzielten Renditen kaum
verglichen werden, denn persönliche Lebensverhältnisse, Alter und Risikoneigung
bestimmen die Anlagestrategie. Viele Bankhäuser bieten ihre Serviceleistungen der
Vermögensverwaltung unter dem Oberbegriff "Wealth Management" an. Das
Mindestanlagekapital beginnt in aller Regel bei 250 000 Euro, wie im Falle der
HypoVereinsbank mit ihrer First-Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank verlangt mit
"db PrivatMandat Premium" ein Mindestanlagekapital von 500 000 Euro. Bei der Credit
Suisse geht es bei 500 000 sfr mit der Vermögensverwaltung "Mandat Classic" erst los.
Das "Mandat Premium" können sich nur wirklich reiche Anleger leisten, die mindestens 5
Mill. sfr mitbringen.
Intensive Betreuung
Kunden, die lieber selbst entscheiden, wie ihr Geld angelegt wird, können
Wertpapierberatung
mit
selbständiger
Depotbeobachtung
und
eigenen
Anlageentscheidungen kombinieren. Beim "db PrivatMandat Aktiv" der größten deutschen
Geschäftsbank arbeitet beispielsweise ein Wertpapierspezialist sowie der persönliche
Berater eng mit den Kunden zusammen. Es handelt sich dabei aber nicht um eine
Vermögensverwaltung im herkömmlichen Sinn. Vielmehr zahlt der Kunde der Bank eine
Provision, um intensiv betreut und ständig mit wichtigen Marktinformationen versorgt zu
werden.
Unabhängige Verwalter bieten dagegen die individuelle Verwaltung meist schon ab 100
000 Euro an. Die Vergütung des Vermögensverwalters berechnet sich nach dem
verwalteten Depotvolumen - üblich sind zwischen 0,8 und 1,5 % des Vermögens - sowie
dem Erfolg der Geldanlage. Dass die individuelle Vermögensverwaltung deutlich
erfolgreicher ist als standardisierte Anlageformen, zeigt der Depot Contest in
Zusammenarbeit mit der DAB Bank aus dem vergangenen Jahr. Der Vermögensverwalter
Driver & Bengsch AG erzielte in der "Chancenorientierten Liga" als bester Teilnehmer
binnen eines Jahres 45,96 % an Wertzuwachs (Dax: 22 %). Und in der konservativen
Liga schaffte die Partners VermögensManagement AG im Jahr 2006 eine Rendite von
20,94 %.
Von Eberhard Abelein
Börsen-Zeitung, 30.03.2007